Carl Nielsen (1865-1931):

Aladdin

Allgemeine Angaben zur Bühnenmusik

Entstehungszeit: 1918-19
Uraufführung: 12. November 1925 in Kopenhagen
Besetzung: Soli (Alt und Bariton), gemischter Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 80 Minuten
Bemerkung: Die ausdrucksstarke Musik lehnt sich eng an den Handlungsfaden an. Trotzdem bleibt sehr viel Raum für handlungsfreie Momente, die sich durch die ausgiebigen Balletteinlagen ergeben. Angereichert durch etliche „Divertissements“ anlässlich der Hochzeitsfeier im Sultanspalast gehen Schauspiel und Tanztheater eine wundervolle Synthese ein.
Opus: op. 34
FS 89

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[Details]
Aladdin (Chandos, DDD, 1991)
Carl Nielsen (1865-1931)

R. Wagner in FonoForum 8 / 93: "Die Ge- schichte von Aladdin und seiner Wunderlampe leuchtet dank einer inspirierten Interpre- tation wie frisch poliert; Roshdestvensky reizt das Kolorit und den Kontrastreichtum effektsicher aus. Solisten und Chor agieren stilvoll - die dänischen Texte werden in der liebevoll gestalteten Textbeilage ins deut- sche, englische und französische übertragen."

Zur Bühnenmusik

Art: Drama in fünf Akten von Adam Oehlenschläger
Sprache: dänisch
Ort: Persien und Afrika
Zeit: zur Märchenzeit

Personen der Handlung

Aladdin: Besitzer einer Wunderlampe
Gulnare: seine Liebste
Nouredin: afrikanischer Magier
Sultan: Beherrscher von Isfahan
Erster Geist: Genie des Ringes
Zweiter Geist: Beherrscher der Lampe
Morgiane: Mutter Aladdins
Saladin: Abgeschobener Ehemann Gulnares

Handlung

Prolog:

Selbst für einen Magier ergeben sich zuweilen Probleme, um sich mittels Hexerei in den Besitz von Wertgegenständen zu bringen, die ihm gar nicht gehören. Edelmetalle und Mineralien, oftmals bereits zu Schmuck oder kostbarem Hausrat verarbeitet, üben eine besondere Anziehungskraft aus. Der Habgierige schaut in seine Kristallkugel oder in sein Zauberbuch, wo die Schätze zu finden sind und denkt sich einen Plan aus, wie an sie heranzukommen ist. Weite Reisen und gefährliche Hindernisse erschweren oftmals den Ansturm auf die Schätze.

Die alten Bücher verzeichnen aber nicht nur praktische Anleitungen, sondern auch kluge Lebensregeln. Der Wissbegierige erfährt so, dass die launische Fortuna sich keinesfalls zwingen lässt, wen sie begünstigen und wen sie vernachlässigen soll. Oftmals sind es die Kinder armer Leute, die den Schlüssel zu Macht und Reichtum in der Hand halten, ohne es zu wissen.

1. Akt:

Der afrikanische Magier Nouredin fliegt per Teppich auf der Suche nach einem geeigneten Jungen in die wunderschöne persische Stadt Isfahan. Der aufgeweckte Bursche soll ihn in ein unterirdisches Gewölbe begleiten, in dem Schätze achtlos verstreut und schlecht sortiert herumliegen. Den Namen des Jungen kennt er nicht und er verlässt sich auf sein Zauberbuch, in welchem vermerkt ist, dass der Suchende auf gewisse Zeichen achten soll.

Aladdin ist der Sohn eines armen Schneiders, der gerade zu Grabe getragen wird. Seine Mutter Morgiane weint, weil in der Familie nun der Ernährer fehlt. Den intelligenten Knaben kümmert das wenig. Sorglos spielt er auf der Straße, obwohl er eigentlich schon groß genug wäre, eine kaufmännische Lehre anzutreten oder sonst einer geregelten Tätigkeit im Basar nachzugehen, damit die Mutter sich um die Beschaffung des Lebensunterhaltes nicht allein kümmern muss.

Ein freundlicher Händler wirft dem Gedankenverlorenen großzügig drei Orangen zu, von denen er zwei auffängt - die dritte fällt lustigerweise in seinen Turban. Nouredin erkennt den Jungen wieder, den er in seiner Kristallkugel gesehen hat. Er macht sich an ihn heran, verspricht ihm großartige Geschenke und führt ihn in die Berglandschaft an die Stelle, wo er mittels seiner Zauberei das unterirdische Gewölbe erkundet hat. Der Magier führt ein paar geheimnisvolle Beschwörungen durch, schwingt seinen Zauberstab und unter donnerndem Getöse öffnet sich die Erde. Eine Treppe führt hinab in ein unterirdisches Gewölbe, in welches Aladdin auf Geheiß seines Begleiters hinabsteigen soll, um Ausschau nach einer Kupferlampe zu halten. Den übrigen Trödel soll er unbeachtet lassen, sich die Taschen voll stopfen, von dem was ihm gefällt und dann sofort mit der Lampe wieder nach oben kommen.

Sicherheitshalber bekommt Aladdin einen Kupferring an den Finger gesteckt, der ihn angeblich bei unverhoffter Gefahr schützen soll. Was Aladdin nicht für möglichgehalten hätte, in den weitläufigen Hallen mit angrenzendem Garten befinden sich nicht nur funkelnde Schätze, sondern die Räumlichkeiten sind bewohnt. Berggeister bevölkern die unterirdische Gefilde. Diese sind völlig überrascht, dass ein Blitz eingeschlagen hat, was bisher noch die vorgekommen ist. Der Lagerleiter – natürlich auch ein Geist dieses Berges - zeigt sich hoch erfreut, dass die Tür sich knarrend und ohne Widerstand geöffnet hat. Wurde ein neuer Prometheus geboren, der Licht ins Dunkel bringt? Jetzt freut er sich über den unverhofften Besuch und hofft, dass Menschen und Geister sich künftig besser verstehen werden. Von dem liebenswürdigen Empfang ist Aladdin völlig überrascht. In einem Garten mit herrlichen Bäumen findet er sich wieder. Von vielen Juwelen und glitzernden Steinen traumhaft beleuchtet, kann hier unten auf Sonne verzichtet werden. Er steckt sich die Taschen mit schönen Geschmeide voll, so wie sein finsterer Begleiter ihm empfohlen hatte. Trotz der Ablenkung durch die vielen Kostbarkeiten vergisst er nicht, nach der Lampe Ausschau zu halten und findet sie schließlich zwischen all dem Trödel.

Nouredin wartet voller Ungeduld auf dem obersten Treppenabsatz, denn die Zeit ist bald abgelaufen. Wenn der Junge mit der Lampe nicht bald zurück ist, schließt sich der Berg und er kann ein Jahr warten, bis sich die nächste Chance bietet. Endlich kommt der Säumige die Stufen hoch. Blitzschnell will der Zauberer die Lampe greifen und schubst Aladdin zurück, dass er mit viel Getöse die Treppe hinunter purzelt, aber die Lampe hält Aladdin mit festem Griff umklammert. Er weiß nicht, worin ihr hoher Wert besteht, jedenfalls hat der Hexenmeister das Nachsehen. Mit viel Radau schließt der Berg sich wieder, und unverrichteter Dinge wird der Schurke seinen „Fliegenden Teppich“ nehmen und ohne Lampe die Heimreise antreten. Gewiss wird der Bengel an Sauerstoffmangel sterben, doch das Glück verlässt Aladdin nicht.

In des Berges Tiefe gibt es auch weibliche Berggeister, die den hübschen Jungen bewusstlos auf den Stufen liegen sehen. Am liebsten möchten sie mit ihm spielen und ihn bei sich behalten. Sie küssen ihn wach, doch Aladdin hat zum Flirten jetzt nicht den Nerv. Erregt springt er auf und streift dabei mit seinem Ring unabsichtlich einen Felsen. Der Genius des Zauberringes registriert das Reiben, eilt pflichtbewusst herbei, um den Befehl seines Besitzers entgegenzunehmen. Der Geist begreift die Situation, und ohne umständliche Erklärungen trägt er den völlig irritierten Aladdin mitsamt Lampe und Tascheninhalt unverzüglich nach Hause.

2. Akt:

Vom Genie des Ringes durch die Lüfte getragen, landet Aladdin auf dem großen Platz von Isfahan. Er sieht Gulnare, die Tochter des Sultans, wie sie in einer Sänfte vorbeigetragen wird und verliebt sich sogleich unsterblich in das wunderhübsche Mädchen. Seine Mutter will ihm seine Gefühle ausreden, ist dann aber doch bereit, zum Sultan zu gehen und ihn zu fragen, ob er vielleicht geneigt sei, seine Tochter ihrem Sohn, der sie mit seinem Wunsch unaufhörlich plagt, zur Frau zu geben. Doch wie schade, Gulnare wird ausgerechnet an diesem Abend ihre Hochzeit mit einem anderen Gemahl feiern.

Doch Aladdin gibt die Hoffnung nicht auf. Inzwischen hat er herausgefunden, welche Bewandtnis es mit der Lampe hat. Sobald er an ihr reibt, kommt ein tatkräftiger Geist herbei, der darauf abgerichtet ist, auch verrückte Wünsche schleunigst zu erfüllen. Den liebgewordenen Vorgang wiederholt er jetzt und reibt von Liebe besessen wie verrückt an der Lampe. Der Geist erscheint ohne Verzug und erkundigt sich nach den Befehlen des neuen Herrn. Er soll das Brautbett mit Gulnare und Saladin unverzüglich durch das Fenster zu ihm nach Hause bringen. So geschieht es. Saladin wird auf den Balkon geschickt, damit er die Sterne bewundern kann. Aladdin schwört seiner Sultanstochter ewige Liebe. So verfährt der Liebeshungrige nun mehrere Abende hintereinander, dass es Saladin, der das Nachsehen hat, zu dumm wird, zu seiner eigenen Frau keinen liebevollen Kontakt zu haben. Beim Sultan reicht er die Scheidung ein, weil Gulnare ihr Herz anderweitig vergeben hat und das Ehebett auf geheimnisvolle Weise sich Abend für Abend auf Wanderschaft begibt.

Durchaus kann Aladdin seine einzige Tochter zur Gemahlin bekommen - der Herrscher stellt aber die Bedingung, dass das großzügige Phantom auch seine materiellen Wünsche erfüllt. Hierzu hat er bereits Vorstellungen entwickelt und wünscht sich als erstes vierzig schwarze Sklaven. Jeder soll auf dem Kopf ein Tablett tragen, auf dem sich nie gesehene Kostbarkeiten aller Art türmen. Vierzig weiße Sklaven sollen der Prozession hinterherlaufen. Auf diese schlichte Weise will der Sultan seinen Personalbestand vergrößern und seine Schatzkammern füllen.

3. Akt:

Heil sei Aladdin, dem verehrten Meister, auf seinen Flügeln ist der Beflissene herbeigeeilt, um seine Wünsche zu erfüllen. Der Sultan wird zufrieden sein. Jetzt kann die Hochzeit mit dem neuen Bräutigam festlich begangen werden. Die feierliche Übergabe der Geschenke bietet Anlass zu Tanz und Pantomime.

Carl August Nielsen nutzt die praktische Gelegenheit und hat nach bewährtem Rezept für glanzvolle Balletteinlagen gesorgt. Es treten Chinesen, Hindus und Mohren auf, um durch Luftsprünge und elegante Drehungen des Körpers den Hochzeitsgäste Kurzweil zu verschaffen. Anschließend folgt der gemütliche Teil, in dem auch die Hochzeitsgäste tanzen dürfen. Von den Knospen, die nach Licht verlangen und deshalb ihre Hüllen sprengen, singt der Chor. Den violetten Saft der Traube sollen die Gäste ohne Schuldgefühle oder Angst trinken, damit alle Lebewesen Liebesglühen verspüren.

4. Akt:

Friede und Harmonie herrschen in der jungen Ehe. Gulnare sitzt am offenen Fenster ihres neuen Palastes und singt von ihrer Liebe zu Aladdin. Doch es lauert Gefahr. Der afrikanische Zauberer hat in seiner Kristallkugel gesehen, dass Aladdin sich aus dem unterirdischen Keller befreien konnte. Nun ist er angereist und setzt alles daran, wieder in den Besitz der Lampe zu kommen. Nach der Devise, alt gegen neu, hat er neue Lampen eingekauft, um sie gegen alte einzutauschen. In Unkenntnis, welche Bewandtnis es mit der Lampe hat, gibt Gulnares Kammerfrau törichterweise die Lampe aus der Hand. Das Herz des Zauberers lacht, als er das Wertstück sieht, und beginnt heftig an der Lampe zu reiben. Der Geist der Lampe reagiert unwirsch. Gern erfüllt er dem Besitzer der Lampe Wünsche, liebt es aber nicht, flink gemacht zu werden. Der Heimtückische verlangt, dass der Palast mit Gulnare, allen Gemächern, allen Vorräten und allen Wertsachen nach Afrika getragen werden soll.

Der Sultan war mit Aladdin auf der Tigerjagd. Zuhause angekommen stellen beide fest, dass der Palast nicht mehr an seinem Platz ist. Sofort wird Aladdin verdächtigt, für das Verschwinden verantwortlich zu sein. Der Beschuldigte soll hingerichtet werden, aber die Menge steht auf Aladdins Seite und fleht um Gnade. Der Sultan lässt sich günstig stimmen und setzt Aladdin eine Frist von vierzig Tagen, Palast und Tochter wieder herbeizuschaffen. Der Verzweifelte will nach Hause zurückkehren, aber seine Mutter hat von der Sache erfahren und ist vor Kummer gestorben. Er will seinem Leben nun ein Ende setzen und sich ins Wasser stürzen. Dabei streift er mit seinem Ring einen Stein und der wohlbekannte Geist erscheint und bietet seine Hilfe an. Natürlich weiß dieser, wo der Palast sich zur Zeit befindet. Er setzt Aladdin auf seine Schultern, und flugs geht die Reise nach Afrika.

5. Akt:

Aladdin wird durch das Singen der Vögel geweckt. Er liegt im Garten seines Palastes und hat Gulnare sofort erspäht. Die Freude des Wiedersehens kennt keine Grenzen, und Gulnare erzählt dem Ankömmling, was passiert ist. Täglich versucht der Magier ihr Herz zu gewinnen, aber wie sich das für eine brave Ehefrau gehört, hat sie unbeirrt an ihrer Treue zu ihm festgehalten. Die Lampe hütet ihr Bewacher sorgsam und trägt sie immer mit sich, damit niemand Zugriff hat. Durch eine Überdosis Schlafpulver, welches Gulnare in seinen Becher schüttet, wird der heuchlerische Zauberer erst einmal beiseite geräumt.

Damit sind die Abenteuer aber noch nicht zu Ende. Der Bruder des Zauberers hat von der Wunderlampe gehört und will sie in seinen Besitz bringen. Intrigen werden in die Wege geleitet, die den beiden Liebenden lebensgefährlich werden. Alle guten Geister stehen jedoch auf ihrer Seite, so dass einem positiven Ausgang der Geschichte von Aladdin und der Wunderlampe nichts im Wege steht.


Letzte Änderung am 22.10.2012
Beitrag von Engelbert Hellen