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Giuseppe Verdi

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Giuseppe Verdi (1813-1901):

Un ballo in maschera

deutsch Ein Maskenball

Allgemeine Angaben zur Oper:

Untertitel: Amelia
Uraufführung: 17. Februar 1859 in Rom
Spieldauer: ca. 127 Minuten
Bemerkung: Im Jahre 1857 lernte Verdi in der Übersetzung von Antonio Somma das Drama Gustave III. (1833) von Scribe kennen, das die Ermordung des schwedischen Königs während eines Maskenballs mit einer frei erfundenen Liebesgeschichte äußerst wirkungsvoll verknüpfte. Verdi war von dem Sujet fasziniert. Wegen unüberwindlicher Differenzen mit der neapolitanischen Behörde, die Bedenken hatte, einen Königsmord auf offener Bühne zu zeigen, zog Verdi die Oper zurück und bot sie dem römischen Impresario Jacovacci an. Neue zensurbedingte Auflagen ließen ihn die Handlung um hundert Jahre vorverlegen und im amerikanischen Boston ansiedeln. Aus Gustaf III. wurde Graf Riccardo, aus dem Grafen Anckarström der Kreole Renato und als Medium unterirdischer Mächte fungierte nun Ulrica. Scribe, Somma und Verdi gingen bei der Konzipierung des Maskenballs zwar von den historischen Tatsachen aus, aber die Oper ist nicht als Historienbild zu verstehen, sie durchleuchtet vielmehr die Beziehungen und Entwicklungen von Menschen in außergewöhnlichen Vorgängen.

Die im Mittelpunkt der Handlung stehende Liebesgeschichte zwischen Riccardo und Amelia, der Frau seines Ratgebers und Freundes Renato, trägt den Keim des Verhängnisses bereits in sich: Denn dieser Liebe steht nicht nur die gültige Moral, sondern auch die politisch motivierte Männerfreundschaft entgegen. Ein Ansatzpunkt unseres heutigen Interesses am Geschehen dieser Oper liegt sicherlich in der fesselnden Weise, wie Verdi die vielschichtige Verknüpfung persönlicher Konflikte mit einem politischen Machtkampf zeigt.

Kaufempfehlung:

CD: Klassika CD Kaufempfehlung bei jpc Un Ballo in Maschera (DGG, DDD, 1989)

Penguin Guide: "Aufgenommen in Wien im Frühjahr 1989 handelt es sich hier um Karajans letzte Opernaufnahme. Seine Darstellung der dynamischen Kontraste ist packend und demonstriert sein absolutes Verständnis für dieses Drama. Herausragend ist auch der Gustavo von Placido Domingo."

DVD: Klassika DVD Kaufempfehlung bei jpc Un Ballo in Maschera (DGG, 91)

Sound:DSS5.1/DTS5.1;Bild:4:3; Sub:D,E,F,Sp,Ch,I Künstler: Pavarotti, Nucci, Millo, Quivar, Blackwell, Metropolitan Opera Orchestra, Levine (136')

Personen:

Riccardo: Graf von Warwick, Gouverneur von Boston
Renato: Kreole, sein Sekretär
Amelia: Gattin Renatos
Ulrica: Wahrsagerin
Oscar: Page
Silvano: Matrose
Samuel: Verschwörer
Tom: Verschwörer
Weitere: ein Richter, Amelias Diener

Zur Oper:

Art: Oper in drei Akten
Libretto: Antonio Somma (nach Eugène Scribe)
Sprache: italienisch
Ort: Boston an der amerikanischen Ostküste
Zeit: gegen Ende des 17. Jahrhunderts

Handlung:

1. Akt: König Gustaf III. hält seine Morgenaudienz,als sei es eine Theatervorstellung. Unter die Hofgesellschaft haben sich auch die Verschwörer Graf Ribbing und Graf Horn mit ihrer Anhängerschaft gemischt. Die Bittsteller und Höflinge werden vorgelassen. Unter den überreichten Papieren befindet sich das Programm zum bevorstehenden Maskenball. Oskar überreicht dem König die Liste der eingeladenen Gäste. Gustaf entdeckt darauf den Namen Amelias, der Frau seines besten Freundes und Beraters René Anckarström, die er insgeheim liebt, und gibt sich ganz der Vorfreude auf die heißersehnte Begegnung hin.
Renés Ankunft unterbricht die Schwärmerei des Königs: er ist gekommen, um Gustaf vor einem Anschlag auf sein Leben zu warnen. Er bedrängt ihn, gegen die geplante Verschwörung auch im Interesse des Vaterlandes einzuschreiten. Gustaf ist erleichtert, dass René nicht ahnt, dass er Amelia anbetet, und nimmt seine Warnung nicht ernst: die Liebe des Volkes werde ihn schützen.
Der Oberste Richter legt ein Verbannungsurteil gegen Ulrika, eine Wahrsagerin, zur Unterzeichnung vor. Oskar verteidigt die exotische Frau. Gustaf beschließt, zusammen mit seinen Höflingen maskiert zum Hause der Magierin zu ziehen und sich dort einen Spaß zu machen. Alle stimmen begeistert zu, die Verschwörer wittern eine Chance zum Zuschlagen.
Ulrika zelebriert im Kreise ihrer Anhängerinnen magische Riten. Gustaf versucht, in das geheimnisvolle Haus einzudringen, wird von den Frauen aber zurückgewiesen. Christian, ein Seemann in des Königs Diensten, verschafft sich Einlass. Er will das Orakel befragen, ob er für die Opfer, die er dem König jahrelang gebracht hat, endlich Dank zu erwarten habe. Ulrika prophezeit ihm baldige Beförderung und Reichtum. Gustaf, der die Szene im Verborgenen beobachtet hat, steckt unbemerkt Beförderungsschreiben und Geld in Christians Mantel. Als Christian die prompte Erfüllung seiner Wünsche entdeckt, ist der Jubel groß. Ulrika ist irritiert, weil sie spürt, dass hierbei eine fremde Macht eingegriffen hat.
Es klopft: ein Bedienter Amelias bittet um eine geheime Unterredung für seine Herrin. Ulrika schickt alle hinaus, aber Gustaf belauscht das Gespräch. Amelia bittet Ulrika, sie von einer unerfüllbaren Liebe zu erlösen. Die Wahrsagerin erzählt ihr von einem geheimnisvollen Kraut, das nachts, auf der Schädelstätte eigenhändig gepflückt, Vergessen bringe. Amelia will sich noch in derselben Nacht auf den Weg machen. Gustaf, der ahnt, dass ihre Liebe ihm gilt, will ihr folgen.
Die Hofgesellschaft dringt in das Haus ein und fordert das erhoffte große Spektakel ein. Der verkleidete König lässt sich die Zukunft voraussagen. Ulrika prophezeit ihm den nahen Tod durch den, der ihm zuerst die Hand reichen wird. Gustaf überspielt seine Betroffenheit und macht sich über die Weissagung lustig. Der besorgte René ist dem Freund gefolgt - und begrüßt ihn mit einem Händedruck. Alle werten dies als Zeichen, dass das Orakel lügt, denn René ist ja der beste Freund des Königs.
Die ausgelassene Gesellschaft stimmt ein Loblied auf den König an. Die Verschwörer sind verärgert, weil in der jubelnden Menge der Anschlag nicht gelingen kann. Ulrika warnt davor, den Schicksalsspruch zu verlachen.
2. Akt: Um Mitternacht sucht Amelia auf der Richtstätte das Zauberkraut. Gustaf, der ihr heimlich gefolgt ist, offenbart ihr seine Liebe und entreißt auch ihr das Geständnis ihrer Liebe zu ihm. Unerwartet taucht René auf, um Gustaf vor Ribbing und Horn, die mit ihren Anhängern näherrücken, zu warnen. Er tauscht den Mantel mit dem König, damit dieser ungehindert fliehen kann, und verspricht, die verschleierte Unbekannte, ohne nach ihrer Identität zu forschen, bis an die Grenze der Stadt zu geleiten und sie dann zu verlassen.
Die Verschwörer kommen und dringen auf den vermeintlichen König und seine unbekannte Geliebte ein. René gibt sich zu erkennen und zieht den Degen, um die ihm anvertraute Dame zu verteidigen. Amelia wirft sich zwischen die Kämpfenden, um Blutvergießen zu verhindern, und lässt dabei den Schleier fallen. Die Verschwörer verhöhnen den geprellten Ehemann. Für René steht fest, dass er sich für die ihm angetane Schande rächen wird. Deshalb lädt er Ribbing und Horn für den nächsten Tag in sein Haus.
3. Akt: In verzweifelter Wut will René Amelia töten,die ihn nicht davon überzeugen kann, dass sie keinen Ehebruch begangen hat. Sie fleht ihn an, ein letztes Mal vor ihrem Tod ihr Kind umarmen zu dürfen. René lässt sich erweichen. Als Amelia gegangen ist, fällt sein Blick auf das Bild des Königs: er beschließt, nicht seine Frau, sondern den Freund zu töten, um seine befleckte Ehre wiederherzustellen. Ribbing und Horn kommen. René bittet, in den Kreis der Verschwörer aufgenommen zu werden, und bietet das Leben seines Sohnes als Unterpfand für die Ehrlichkeit seiner Absichten. Das Los soll entscheiden, wer den König töten darf. Amelia wird gezwungen, das verhängnisvolle Los zu ziehen. René ist der Auserwählte und preist die Gerechtigkeit des Schicksals.
Oskar überbringt die Einladung des Königs zum Maskenball. Während der Page von dem glänzenden Fest schwärmt, reift in René der Plan, den Ball für den König in einen Totentanz zu verwandeln. Amelia durchschaut seine Absichten und überlegt verzweifelt, wie sie Gustaf warnen könnte.
Gustaf, hin- und hergerissen zwischen der leidenschaftlichen Liebe zur Frau des Freundes und der Pflicht, auf sie zu verzichten, entscheidet sich endlich, ein Dekret zu unterzeichnen, das René in neuer, hoher Position nach England entsendet. Amelia wird ihm dorthin folgen. Die Freude auf ein letztes Wiedersehen mit ihr mischt sich mit dunklen Vorahnungen. Oskar überbringt den Brief einer unbekannten Dame, die Gustaf vor einem Mordanschlag auf dem Ball warnt.
Das Fest ist in vollem Gang. Die Verschwörerfinden sich ein. Oskar verrät dem zweifelnden René, dass der König tatsächlich auf dem Ball sei. Unter Drohungen gelingt es René, dem Pagen auch das Geheimnis von Gustafs Maskierung zu entreißen.
Amelia entdeckt den Geliebten und fleht ihn an, das Fest zu verlassen: morgen schon könne er tot sein, wenn er sich über ihre Warnung hinwegsetze. Gustaf kann sich nicht von ihr losreißen: denn morgen schon werde sie mit René Schweden verlassen. Als sie sich ein letztes Mal umarmen, erschießt René seinen König. Der sterbende Gustaf zeigt ihm das Dekret und schwört, dass Amelia unschuldig blieb. Er verzeiht seinem Mörder.

Letzte Änderung am 19.6.2003