Richard Wagner (1813-1883):
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg
Tannhäuser and the Singing Contest on the Wartburg /
Tannhäuser et le tournoi des chanteurs à la Wartburg
Allgemeine Angaben zur Oper:
| Entstehungszeit: | 1842-45, rev. 1847, 1859-61 und 1861-67 |
| Uraufführung: | 19. Oktober 1845 in Dresden 1. August 1847 in Dresden (Revision 1847) 13. März 1861 in Paris (Revision 1859-61) 1. August 1867 in München (Revision 1861-67) |
| Besetzung: | Soli, Chor und Orchester |
| Opus: | WWV 70 |
Kaufempfehlung:
| CD: | Tannhäuser (Decca, ADD, 1970) "Gr. Prix du Disque","Premio della Critica" K. Breh in stereoplay 3 / 86 (CD):"Ein dank ihrer Spannungsintensität, choralen, orchestralen und sängerischen Pracht und ihrer hochbrillanten Klangtechnik maßstabsetzende Aufnahme." |
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| DVD: | Tannhäuser (EMI, 2003) FonoForum 04 / 05: "Der vorliegende Mitschnitt aus dem Zürcher Opernhaus dokumentiert vor allem eines: die überwältigende Leistung von Peter Seiffert als Tannhäuser. Er singt mit einer vokalen Strahlkraft, die ihresgleichen heute nicht hat und während der gesamten Auffrühung keinerlei Einbußen erleidet, sondern sich zum Schluss sogar noch um merkliche Grade des Ausdrucks intensiviert." |
Personen:
| Tannhäuser | |
| Elisabeth | |
| Wolfram von Eschenbach | |
| Venus | |
| Hermann | |
| Walther von der Vogelweide | |
| Biterolf | |
| Heinrich der Schreiber | |
| Reinmar von Zweter | |
| Weitere: | ein junger Hirt, vier Edelknaben |
Zur Oper:
| Art: | Große romatische Oper in drei Akten |
| Libretto: | Richard Wagner |
| Sprache: | deutsch |
| Handlung: | Die ihn beengende, in Normen und Dogmen erstarrte Welt fliehend, träumt sich der Minnesänger Tannhäuser in das sinnenfrohe Zauberreich der Göttin Venus, das künstliche Paradies seiner Poesie. Hier hat er Venus alsQuelle alles Schönen, Sinnlichen erfahren und will auch fortan ihr "kühner Streiter" sein. Doch nach immerwährendem Genuß in den Armen der Göttin der Liebe spürt Tannhäuser eine innere Leere. Die Sehnsucht nach Kampf, Schmerz und dem Tod erfüllt ihn, denn nur ein "Gott kann stets genießen", der Mensch ist dem "Wechsel untertan". Indem Tannhäuser die Wunder ihres Reiches preist, löst er sich innerlich von Venus, und der Gedanke an die Natur, an die tätige Welt läßt ihn nicht mehr los. Er braucht eben auch die geistige Begegnung, um erfüllt leben zu können. Venus kann den derart Umgetriebenen nicht mehr halten, seine Beschwörung der Jungfrau Maria bricht ihren Bann und läßt ihn aus dem Sinnenrausch erwachen. Tannhäuser findet sich in der realen Welt wieder. Der Gesang des Hirten und der nach Rom ziehenden Pilger ermuntert ihn, sein Leben erneut in die Hand zu nehmen. "Ruh und Rast" hinter sich zu lassen und sich der Welt entgegen zustellen. Der Landgraf und seine Ritter finden ihn so in Gedanken vertieft vor. Mißtrauisch nahen sie dem Abtrünnigen. Nur Wolfram geht auf ihn zu und heißt Tannhäuser in ihrer Mitte willkommen, drängt ihn zur Rückkehr an den Hof. Tannhäuser aber treibt es vorwärts, erst der Name Elisabeths hält den Rastlosen auf, läßt ihn die Schönheit der Natur erneut erkennen und erweckt in ihm Hoffnung, bei Elisabeth Verständnis zu finden. Sie könnte die Chance seines Lebens sein. Die Nachricht von Tannhäusers Rückkehr entfacht in Elisabeth neuen Lebensmut. Die selbstgewählte Weltentrücktheit hinter sich lassend, begrüßt sie jubelnd die Halle, in der einst Tannhäuser mit seinem Gesang Gefühle und ein Verlangen in ihr entfacht, wie sie es nie vordem empfunden hatte. Zum ersten Mal miteinander allein können sich jetzt beide ohne die Schranken der Konvention ihre Liebe bekennen. Dem Landgrafen sind die Gefühle seiner Nichte nicht verborgen geblieben. Er will die sich andeutende Leidenschaft in die Bahnen der anerkannten Kunstübung, die der "Hohen Minne" lenken und wählt als Thema des Sängerwettstreites, das "der Liebe Wesen zu ergründen". So hofft er, daß sich Tannhäuser Elisabeth zuliebe, deren Hand der Preis ist, wieder in die Ordnung der Ritterwelt einfügt. Doch während Wolframs Lied in seiner verklärend entsagungsvollen, ausschließlich geistigen Auffassung von der Liebe in idealer Weise die Vorstellungen der mittelalterlichen Minne deklariert, zieht Tannhäuser als Ritter der Venus ins "Turnier". Er stellt seine unmittelbaren, aufrichtigen Empfindungen in seinem Verständnis der Liebe als Einheit von Sinnlichem und Geistigem den sterilen Minneliedern entgegen. Noch ist sein Preislied auf Venus auch ein Preislied auf Elisabeth und wird auch von ihr so erkannt. Provoziert durch das bornierte Beharren der anderen, läßt er sich dazu hinreißen, nun seinerseits einseitig die bloße Sinneslust des Reiches der Venus zu preisen. Er opponiert mit den Gedanken, die er doch selbst in ihrer Einseitigkeit für sich als nicht lebbar erkannt hat. Erst als die Ritter die Schwerter ziehen, kommt er wieder zu sich und bemerkt, daß er zu weit gegangen ist und wie tief er Elisabeth verletzt hat. Selbstlos setzt sie ihren guten Namen aufs Spiel und bittet für ihn öffentlich beim Landgrafen um Gnade. Sie zeigt damit, was weder die Ritter noch Tannhäuser in Worte zu fassen wußten: der Liebe Wesen. Ihn aus der Wartburggemeinschaft verstoßend, fordert der Landgraf den Bußgang nach Rom, wird so den Unruhestifter auf elegante Weise los. Nur um Elisabeths wegen ist Tannhäuser, seine Schuld an ihr erkennend, zu diesem Weg bereit. Einsam erwartet Elisabeth Tag für Tag Tannhäusers Rückkehr. Als er nicht unter den heimkehrenden Pilgern ist, ahnt sie, daß er keine Gnade fnden konnte, daß der Papst als oberster Vertreter der Kirche, selbst wenn er wollte, auch die politischen Gesetze dieser Gesellschaft einzuhalten hat, damit seine eigene Institution nicht in Frage gestellt wird. Um den Geliebten zu retten, bietet Elisabeth der Jungfrau Maria ihr Leben für die Erlösung seiner Seele. Als ein Verdammter kehrt Tannhäuser gebrochen, verzweifelt, am Ende seiner Kräfte, eigentlich nur zurück, um zu sterben. Als Wolfram auf den völlig Orientierungslosen trifft, versucht ihn Tannhäuser, der nur noch Feinde um sich wähnt, mit der Frage nach dem Weg zum Venusberg zu provozieren. Völlig überrascht, daß Wolfram ihm Mitleid und Freundschaft zeigt, beginnt er mit der "Rom-Erzählung", und er erreicht erstmals sein Gegenüber. Es gelingt ihm, daß Wolfram ihm zuhört, vielleicht beginnt dieser sogar Tannhäusers Wesen zu begreifen, auf jeden Fall aber ringt er um ihn als Menschen, als sich Tannhäuser fast wahnsinnig erneut in Venus' Arme stürzen will. Der Tod Elisabeths löscht jedoch Tannhäusers letzten Lebenswillen aus. Er kann in dieser Welt keinen Frieden finden. Der ergrünende Pilgerstab ist sichtbares Zeichen der Erlösung des toten Sängers und der tödlichen Intoleranz. Wolfram erkennt, daß er nicht unschuldig am Tod des Freundes ist. Resigniert verläßt er die Wartburg, vielleicht, um Tannhäusers Erbe anzutreten. |
Handlung:
| 1. Akt: | Heinrich von Ofterdingen, genannt Tannhäuser, ist von anderen Minnesängern, die bei dem Landgrafen von Thüringen auf der Wartburg zu Gast waren, in Unfrieden geschieden. Die Gegensätze waren zu groß, Tannhäusers leidenschaftliche Art schreckte immer wieder die Freunde ab. Selbst Elisabeths tiefe Liebe genügte nicht mehr. So geriet der Sänger eines Tages unversehens in den Hörselberg, wo ihn Frau Venus (Holda) zu ihrem Ritter und Geliebten erhob und an sich fesseln konnte. Alles ist, wie es sich Tannhäuser immer wünschte, Sirenenklänge ertönen, Nymphen und Jünglinge tanzen zu bacchantischen Klängen. Die Paare verlieren sich in der Ferne, Grazien, Najaden und Amoretten umgeben das Lager der Göttin, an deren Seite Tannhäuser schläft. Der Sänger ist dieses leichtfertigen Lebens überdrüssig geworden, er wacht verstört auf, ein Traum hat ihn auf die Erde zurückgeführt. Er singt der Liebesgöttin auf ihren Wunsch noch von Liebe und Glück, innerlich ist er jedoch müde und sehnt sich nach Menschen, Frühling und Glockengeläute. Umsonst versucht ihn Venus zurückzuhalten, sie warnt ihn vor dem Unfrieden der Welt und künftigen Leiden. Tannhäuser drängt nach Kampf, Busse und Tod, sein "Heil ruht in Maria". Ein Donnerschlag erdröhnt, der Venusberg mit all seinem Zauber verschwindet. Ein liebliches Tal, in der Ferne Wartburg und Hörselberg, tut sich auf, die Schalmei eines jungen Hirten, der Frau Holda und den Frühling preist, ertönt. Tannhäuser sinkt vor einem Heiligenbild im Gebet nieder, während in der Ferne der Gesang von Pilgern, die nach Rom ziehen, zu hören ist. Der Pilgerzug nähert sich und zieht vorüber. Tannhäuser steht ergriffen und denkt an seine Vergehen. Vom Wald erschallen Hornrufe, der Landgraf und die Sänger stossen auf den Beter, ohne ihn zu erkennen. Erst Wolfram kommt der Fremde bekannt vor. Freudig begrüssen sie den lange Vermissten, dessen Hochmut erloschen zu sein scheint. Doch Tannhäuser erklärt, sein Weg führe ihn weit von hier, und erst Wolframs Worte, Elisabeth warte auf ihn, können den Sänger bewegen, auf die Wartburg zu kommen. |
| 2. Akt: | Elisabeth, die den Kreis der Sänger gemieden hat, seit ihn Tannhäuser verliess, freut sich unendlich, ihren Geliebten wiederzusehen. Neue Lebenslust ist ihr zurückgekehrt, freudig begrüsst sie die Festhalle, die sie nie mehr betreten hat. Tannhäuser kommt mit Wolfram, der sich enttäuscht in den Hintergrund zurückzieht. Auch er liebt Elisabeth und muss mitansehen, wie sich Elisabeth und Tannhäuser ihre Liebe gestehen. Der Landgraf bemerkt, dass seine Nichte Tannhäuser liebt und will ihm zu Ehren ein grosses Fest geben, einen Sängerwettstreit, bei dem Elisabeth dem Sieger den Preis überreichen soll. Die Gäste erscheinen, der Landgraf stellt die Aufgabe: Der Sänger sei Sieger, der am würdigsten das Wesen der Liebe beschreiben könne. Der hohe sittliche Ernst und die Würde, mit denen Wolfram von Eschenbach, Biterolf und Walter von der Vogelweide die Liebe darstellen, reizen Tannhäuser, dem nur Elisabeth schüchtern Beifall spendet, immer mehr, bis er sich nicht mehr beherrschen kann. Begeistert preist Tannhäuser den Taumel und das Entzücken der Liebe. Nur ihr, der Göttin der Liebe, soll sein Lied ertönen, nur ihr, die im Venusberg weile. Entsetzt über den Lästerer entfernen sich die Frauen, während Landgraf, Ritter und Sänger, die ihre heiligen Ideale verhöhnt sehen, mit dem Schwert auf den entrückten Sänger eindringen. Elisabeth wirft sich dazwischen und schützt den Geliebten. Sie kann ihren Onkel und die anderen bewegen, Gott allein richten zu lassen. Verstört ist Tannhäuser aus seinem Taumel erwacht. Voller Reue nimmt er das Urteil des Landgrafen, nach Rom zu pilgern und dort den Heiligen Vater um Vergebung zu bitten, an. Mit neuer Hoffnung, als er die Pilger von Erlösung durch Reue singen hört, stürzt Tannhäuser mit dem Ruf "Nach Rom", aus dem Saal. |
| 3. Akt: | Inzwischen ist es Herbst geworden, Elisabeth wartet immer noch treu auf Tannhäusers Rückkehr. Am Marienbild im Tal betet sie inbrünstig um die Rettung des Geliebten, die Gesänge der zurückkehrenden Pilger sind in der Ferne zu hören. Die Büßer kommen näher, der Gesuchte ist nicht unter ihnen, die Sonne versinkt. Verzweifelt bittet die Enttäuschte um ihren Tod, der die Schuld Tannhäusers tilgen soll. Sie geht langsam in Richtung der Wartburg. Die Begleitung Wolframs, der ihr gefolgt war, weist sie ab. Es ist Nacht, Wolfram fühlt die Nähe des Todes. Da erscheint erschöpft in zerfetzter Pilgertracht der Sänger. Dem drängenden Wolfram berichtet Tannhäuser von seiner beschwerlichen Reise, die vergeblich war, weil der Papst nicht verziehen hat. Erschüttert hört Wolfram die Worte des Papstes: "Wie dieser Stab in meiner Hand nie mehr sich schmückt mit frischem Grün kann aus der Hölle heißem Brand Erlösung nimmer dir erblühn!" Verzweifelt ruft Tannhäuser nach Venus. Wolfram sucht den wahnsinnig gewordenen Freund zurückzuhalten. Venus erscheint und heißt Tannhäuser, der sich von Wolfram losreißen und in ihre Arme stürzen will, willkommen. Tannhäuser eilt Venus entgegen, bleibt aber wie gelähmt stehen, als er die Worte des Freundes hört: "Elisabeth hat für dich gebetet, bald schwebt sie als Engel über dir." Der Zauberspuk verschwindet, Edle bringen den Sarg der kurz zuvor gestorbenen Elisabeth herbei. Tannhäuser bricht an ihrer Seite zusammen und stirbt. Pilger verkünden ein Wunder, das in Rom geschehen ist: Der dürre Stab des Papstes ist neu ergrünt. Ergriffen stehen der Landgraf, Ritter und Pilger vor den Toten und preisen die Barmherzigkeit Gottes. |
Letzte Änderung am 13.12.2006
