Vincenzo Bellini (1801-1835):

Bianca e Fernando alla Tomba di Carlo IV. Duca di Agrigento

deutsch Bianca und Fernando

Allgemeine Angaben zur Oper

Anlass: Geburtstag des Herzogs von Kalabrien (dem späteren König Ferdinand II.)
Entstehungszeit: 1825
Uraufführung: 7. April 1828 in Genua (Teotro Carlo Felice)
30. Mai 1826 in Neapel (Teatro San Carlo, als 'Bianca e Gernando')
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 130 Minuten
Verlag: Melville, N.Y.: Belwin Mills, 198x
Bemerkung: Der ursprüngliche Titel der Oper lautete in Kurzform „Carlo d'Agrigento“. Die Bezeichnung wurde allerdings wieder verworfen. Der neue Titel hieß „Bianca und Fernando“ und missfiel der Zensur. Der amtierende Bourbonenkönig hieß auch Ferdinand, und die Zensurbeamten argwöhnten Majestätsbeleidigung. Das Königshaus von Neapel war zur Zeit besonders sensibel, weil es von Schicksalsschlägen und Krankheiten heimgesucht wurde. Aus Pietät stimme Bellini zu, den Titel vorübergehend in „Bianca und Gernando“ umzutaufen. Der Name des Titelhelden wurde jedoch nicht verändert, es blieb bei Fernando.

Donizetti wohnte der Ersttaufführung der Oper am 30. Mai 1826 am Teatro San Carlo in Neapel bei und spendete höchstes Lob. Das Szenario wurde noch ein bisschen umgeändert, denn Felice Romani konnte gewonnen werden, sich des Textbüchleins noch einmal anzunehmen. Für Genua folgte die Eröffnungsvorstellung am 7. April 1828 am neuen Teatro Carlo Fenice. Dieses Datum wird allgemein als Uraufführungsdatum genommen. Der Name „Gernando“ wurde nicht beibehalten. Aufgeführt wird die Oper allerdings sehr selten. Bekannt ist eine Aufführung im Ausland aus dem Jahre 1830 in Barcelona.

Dem Impresario Barbaja gefiel die Oper ebenfalls, er nahm den jungen Komponisten in seine Obhut und sorgte dafür, dass seine dritte Oper „Il Pirata“ an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde.

Die Chorszene des zweiten Aktes „Tutti siam?...“ wurde später mit anderem Text in die „Norma“ übernommen.

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[Details]
Bianca & Gernando (Originalversion) (Naxos, DDD, 2016)
Vincenzo Bellini (1801-1835)

»Varianten machen die Wildbader Aufführung für den Bellini-Freund zum interessanten Fund, zumal mit Silvia Dalla Benetta und Maxim Mironov fabelhafte Stimmen zu hören sind ...« (Fono Forum, Januar 2018)

Zur Oper

Art: Melodamma in due atti
Libretto: Domenico Gilardoni unter Mitwirkung von Felice Romani nach dem Drama von Carlo Roti
Sprache: italienisch
Ort: Sizilien
Zeit: Mittelalter

Personen der Handlung

Carlo: Gestürzter Herzog von Agrigent (Bass)
Fernando: Carlos Sohn (Tenor)
Bianca: Carlos Tochter (Sopran)
Filippo: Tyrann von Agrigent (Bariton)
Clemente: alter Ratgeber Fernandos (Bass)
Uggero: Freund Fernandos (Tenor)
Viscardo: Vertrauter Filippos (Tenor)
Eloisa: Dienerin Biancas (Mezzosopran)

Handlung

1. Akt:

Filippo ist ein Opernbösewicht der übelsten Sorte. Er stößt den Herzog von Agrigent vom Thron, um ihn selbst einzunehmen. Den ältesten Sohn jagt der Tyrann aus der Stadt, und die Tochter Bianca behält er in Reichweite. Sie ist noch zu klein, um zu verstehen, was ihrem Vater Schlimmes angetan wurde.

Aber Fernando sinnt auf Rache und hat sein Erbe nicht aufgegeben. Er hat Gesinnungsgenossen um sich versammelt und plant zunächst herauszubekommen, was mit seinem Vater geschehen ist. Der alte Clemente, ein Vertrauter seines Vaters, ist auf seiner Seite, und auch sein Freund Uggero hält fest zu ihm.

Fernando hat den Namen Adolfo angenommen und geht davon aus, dass ihn in seiner Verkleidung nach vielen Jahren der Abwesenheit auf der Burg niemand wiedererkennt. Es kommt ihm gelegen, dass er zunächst bei Filippos Gefolgsmann Viscardo anbiedern kann, von dem er hofft, das Versteck seines Vaters in Erfahrung zu bringen. Genaues weiß Viscardo allerdings auch nicht. Wahrscheinlich befindet der Gesuchte sich in einem der nasskalten Verliese unter der Burg. Das Rheuma wird ihn daran hindern, einen Fluchtversuch zu unternehmen, deshalb hat man ihn auch nicht angekettet.

Schwesterchen Bianca ist schnell ausfindig gemacht. Wahrscheinlich sind es Kindheitserinnerungen, die eine magische Anziehungskraft bei ihr auslösen. Sie möchte auf der Burg wohnen und macht dem Burgherrn Aussichten auf baldige Hochzeit. Den Vater vermutet sie unter der Erde. Die Geschwister treffen zusammen; sie erkennt den Bruder an der Stimme, Fernando aber leugnet seine Identität. Er bestreitet nicht, dass ihr Bruder noch lebt, aber kaum erfreut sein wird, wenn er ihre Sünden zur Kenntnis nehmen muss.

2. Akt:

Es gelingt Adolfo, sich Filippo selbst unerkannt zu nähern. Dieser will ihn überreden, den alten Herzog in seinem Gefängnis zu erwürgen. Zum Schein geht Adolfo auf den Vorschlag ein, um das Versteck in Erfahrung bringen, kann aber seine Wut kaum zurückhalten. Filippo freut sich hämisch, die Tochter seines alten Feindes bald zu heiraten. Die Behandlung, die der Vater in seinem Verlies erfährt, ist schlimm, aber Fernando muss Geduld haben, bis die Zeit reif ist.

Bianca fleht um das Wohlergehen ihres Vaters Seele, und dass der Bruder sich bald melden möge. Den letzten Wunsch erfüllt der Himmel sofort. Für Bianca gibt es vom Bruder aufgrund ihrer Treulosigkeit mächtig Schelte (Duett „Ahi donna misera!“) Doch sie versteht es, ihn von ihrer Unschuld zu überzeugen. Wenn man einen Dialogpartner hat, kann man besser planen. Auf seine Leute kann Adolfo sich verlassen, und schon bald gibt es ein kleines Familientreffen im Burgverlies. Die Geschwister haben Wein und Kuchen mitgebracht, um ihrem armen Vater eine kleine Freude zu machen. Der alte Herr hat Schlimmes durchmachen müssen in all den Jahren und freut sich ganz besonders, seinen lieben alten Freund Clemente wiederzusehen. Man überlegt jetzt, wie der Verräter zu bestrafen ist. Filippo hat mitbekommen, dass im Burgkeller gefeiert wird. Er sieht nach und traut seinen Augen nicht. Clemente hat ihn schnell entwaffnet. Mit den paar alten Burgwächtern werden Adolfos Gefolgsleute schnell fertig. Der alte Herzog kann seinen Platz auf dem Thron wieder einnehmen, und die herbeieilenden Dorfbewohner sind froh, ihren Usurpator los zu sein.


Letzte Änderung am 30.6.2007
Veröffentlichung mit Zustimmung von musirony