Vincenzo Bellini (1801-1835):

La straniera

deutsch Die Fremde / englisch The Stranger

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1828
Uraufführung: 14. Februar 1829 in Mailand (Teatro alla Scala)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 130 Minuten
Bemerkung: Bellinis vierte Oper wird sehr selten gespielt. Die Melodien sind genau so hinreißend wie von ihm erwartet und das Libretto nicht schwächer als das der Norma. Es gibt eine vorzügliche Einspielung auf Tonträger der New York City Opera von 1969 mit Montserrat Caballé.

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[Details]
La Straniera (OPD, ADD, 1970)
Vincenzo Bellini (1801-1835)

Künstler: Scotto, Prior, Trimarchi, Mazzieri, Zilio, Andreolli, Orchestra del Teatro La Fenice, Gracis

Zur Oper

Art: Melodram in zwei Akten
Libretto: Felice Romani nach dem Roman "L'étrangère" von Victor-Charles Prévot, Vicomte d'Arlincourt
Sprache: italienisch
Ort: Bretagne
Zeit: 14. Jahrhundert

Personen der Handlung

Alaide: Agnese, ehemalige Königin von Frankreich (Sopran)
Il signore di Montolino: (Bass)
Isoletta: seine Tochter (Mezzosopran)
Arturo: Graf von Ravenstel (Tenor)
Il Barone di Valdenburgo: Baron Waldenburg (Bariton)
Il Priore degli Spedalieri: (Bass)
Osburgo: (Tenor)

Handlung

1. Akt:

Erste Szene: BURG MONTOLINO IN DER BRETAGNE

Isoletta, die Tochter des Burgherrn, ist bereit, mit dem Grafen von Ravenstel den Bund fürs Leben zu schließen. Doch diesem kommen einen Tag vor der Hochzeit Bedenken, die richtige Wahl getroffen zu haben, und setzt sich zur Bestürzung der Braut ab. Die Ursache ist eine geheimnisvolle Dame, die ständig verschleiert herumläuft, um nicht erkannt zu werden. Sie wohnt in einer Hütte in der Nähe der Burg an einem See und nennt sich Alaide, aber die argwöhnischen Dorfbewohner bezeichnen sie nur als „La Straniera“, die Fremde.

Zweite Szene: HÜTTE DER STRANIERA

Auf den Grafen übt die Fremde einen geheimnisvollen Zauber aus, und Arthur gesteht ihr seine Liebe. Sie weist ihn nicht zurück, fleht ihn aber an, sie nicht mehr zu besuchen, weil das Schicksal sich gegen sie entschieden habe und ihnen Unglück bringen würde. Die unbekannte Schöne macht ihm deutlich, dass es niemals zu einer Heirat kommen wird.

Dritte Szene: WALDWEG IN DER NÄHE DER BURG

Dem bedrückten Arthur begegnet Baron Waldenburg, der ihn im Namen der Dorfbewohner inständig bittet, doch zu Isoletta zurückzukehren, die sich voller Verzweiflung nach ihm sehne. Der Weggefährte kennt die Ursachen von Arthurs Abkehr von dem Mädchen nicht. Er bekenne sich zu einer anderen und möchte ihm die Dame vorstellen. Wenn er sie nicht für standesgemäß hält, wird er sie zukünftig meiden. Waldenburg sagt ihm nicht, dass es seine Schwester sei und gibt vor, die Frau aus den Tagen der Kindheit zu kennen. Ein Geheimnis umgebe sie und es empfehle sich nicht, dieses zu lüften.

Vierte Szene: FELSEN AM SEE

Arthur hat einen falschen Freund, der ihm erzählt, er habe zwischen Waldenburg und der Geheimnisvollen einen Fluchtplan belauscht. Damit schürt er Arthurs Eifersucht, der ihm glaubt. Der Getäuschte zieht falsche Schlüsse und trifft sich nach einem Streit mit Waldenburg auf einem hohen Felsen am See zum Zweikampf. Der Baron wird mit der Waffe verletzt und stürzt in den See. In Arthur erwacht der Edelmut, und er springt hinterher, um den Verletzten aus dem Wasser zu ziehen. Alaide, die in der Nähe Heidelbeeren und Pilze für die Abendmalzeit sammelt, hat zweimal einen Plumps gehört und erscheint auf der Bildfläche. Sie sieht den blutbefleckten Degen und versucht durch angestrengtes Nachdenken, die möglichen Ursachen zu ergründen. Dorfbewohner finden sie in Schwermut versunken mit dem blutbefleckten Degen in der Hand und beschuldigen sie des Mordes.

2. Akt:

Fünfte Szene: GERICHTSHALLE DER RITTER DES JOHANNITERORDENS

Den Streitern Gottes obliegt auch die weltliche Gerichtsbarkeit. Die Fremde ist als Mordverdächtige angeklagt und bekommt schon allein deshalb Probleme, weil sie vermummt vor Gericht erscheint. Arthur konnte sich schwimmend aus dem Wasser retten. Er erfährt von den Dorfbewohnern, was sich zugetragen hat, und - noch vor Nässe triefend - meldet sich der Entlastungszeuge pfützenbildend in der Gerichtshalle. Der Prior möchte schließlich wissen, wen er freisprechen soll, weil das Urteil in den Akten zu vermerken ist und nach langem Zögern ist Alaide schließlich bereit, ihr holdes Antlitz dem Prior zu zeigen. Baron Waldenburg darf den Schleier heben. Der Prior kann seine Bestürzung nicht verbergen. Wen er vor sich hat, ist die ehemalige Königin von Frankreich. Selbstverständlich wird Agnes sofort freigesprochen.

Sechste Szene: VOR ALAIDES HÜTTE

Arthur tappt noch immer im Dunkeln. Er trifft Waldenburg, der sich ebenfalls aus dem kalten Wasser retten konnte, auf dem Weg zu Adelaides Hütte und verträgt sich wieder mit dem fälschlicherweise Verdächtigten, nachdem er erfahren hat, dass er der Bruder und nicht der Geliebte seiner Angebeteten ist. Er lässt sich überreden, zu Isoletta zurückzukehren, stellt aber die Bedingung, dass Alaide auf seiner Hochzeit zugegen sein möge.

Siebte Szene: IN ISOLETTAS GEMÄCHERN AUF SCHLOSS MONTOLINO

Isoletta hat ihr Brautkleid wieder angezogen und lässt sich von Arthur ewige Liebe schwören, weil das nun einmal zur Etikette gehört, damit die Zeremonie nicht unter dem Mangel an Perfektion leidet.

Achte Szene: VOR DEM TEMPEL DES JOHANNITERORDENS

Im Gebäude des Gerichtes ist auch das Standesamt, in dem der Prior des Ordens den Vorsitz führt, untergebracht. Man drängt Arthur, dass es Zeit sei, das Jawort zu geben. Doch der Instinkt, sich nur mit dem Wesen paaren zu wollen, welches er liebt, ist stärker als jede Vernunft. Weg vom Altar, stürzt er sich in die Arme Alaides und fleht sie an, seine Liebe zu erhören. Dem Prior wird die Situation zu dumm und er hält den Zeitpunkt für gekommen, Schleier und Geheimnis zu lüften. Jetzt wissen alle, dass Königin Agnes sich unerkannt in ihrer Mitte aufgehalten und eine kleine Hütte mit dem Leben bei Hofe vertauscht hat. Doch aus der Hauptstadt sind gute Nachrichten gekommen. Agnes darf den Platz an der Seite des Königs wieder einnehmen, denn die Dänin, die der Königs aus politischem Kalkül heiraten musste, ist in den Himmel entrückt worden. Agnes musste sich verborgen halten, um nicht zum Mordopfer zu werden.

Arthur, von der Aussichtslosigkeit seiner Liebe nun endlich überzeugt, gibt sich selbst den Tod. Völlig überflüssig bricht die Königin von Frankreich über seiner Leiche zusammen. Isoletta weiß nicht mehr, was sie von all dem halten soll und trägt Missgeschick und Brautbouquet mit Fassung. Die Hochzeitszeremonie wird abgebrochen, weil der Bräutigam tot ist.


Letzte Änderung am 23.6.2007
Veröffentlichung mit Zustimmung von musirony