Alban Berg (1885-1935):

Wozzeck

Allgemeine Angaben zur Oper

Widmung: Alma Mahler-Werfel
Entstehungszeit: 1917-22
Uraufführung: 14. Dezember 1925 in Berlin unter Erich Kleiber
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 95 Minuten
Erstdruck: Universal Edition
Bemerkung: Selten ist eine Komposition des Musiktheaters mit einem Text eine so glückliche Verbindung eingegangen wie bei Alban Bergs Vertonung des weltberühmten Schauspiels von Georg Büchner. Bald nach den großen Opern von Richard Strauss ist dieses einzigartige Werk entstanden, das 1925 durch Bergs komplexe und hochexpressive Musik zu einem Meilenstein der Operngeschichte des 20. Jahrhunderts wurde.
Opus: op. 7

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Wozzeck (Line, ADD/m, 1949)
Alban Berg (1885-1935)

Hermes Opernlexikon:"Seinen (Mitropoulos) Einsatz für das Werk, die Hitze seiner Wieder- gabe, die Logik seiner (hörbaren) musikalischen Strukuranalyse und die mitreißende Kraft seiner Persönlichkeit mußte man nicht mit- erlebt haben, um sie zu spüren."

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Wozzeck (Opus Arte, 2007)
Alban Berg (1885-1935)

FonoForum 02 / 08: "Und doch ist Alban Bergs "Wozzeck" am Gran Teatre del Liceu von Barcelona, den Extremmoralist Calixto Bieito inszeniert, gar nicht skandalös, sondern nur sehr gut. Das beginnt im Graben, wo Liceu-Musikchef Sebastian Weigle sein Orchester zu so schneidenden wie schmelzenden Klängen anhält. Auch auf der Bühne schmeißt sich ein (fast) perfektes Ensemble mit Wucht in die Berg-Büchner-Sache."

Zur Oper

Art: Oper in drei Akten und fünfzehn Szenen
Libretto: Alban Berg nach dem Drama von Georg Büchner
Sprache: deutsch
Ort: eine kleine österreichische Garnisonsstadt und ihre Umgebung
Zeit: 1820

Personen der Handlung

Wozzek
Marie
Hauptmann
Doktor
Tambourmajor
Andres
Margret
Erster Handwerksbursche
Zweiter Handwerksbursche
Der Narr
Weitere: Mariens Kind

Handlung

1. Akt:

1. Bild: Zimmer des Hauptmanns. Morgen. Wozzeck, ein armer Soldat, rasiert den Hauptmann. Der Hauptmann will sich mit ihm unterhalten. Er philosophiert, spricht über das Wetter. Vergebens. Wozzeck antwortet nur mit einem "Jawohl, Herr Hauptmann". Als aber der Hauptmann über Moral und über Wozzecks Kind schwatzt, das "ohne den Segen Kirche" geboren sei, gibt der Soldat seine Wortkargheit auf und argumentiert, dass den Armen keine Möglichkeit moralischen Handelns bleibe: "Sehen Sie, Herr Hauptmann, Geld, Geld. (...) Wir armen Leut! Ich glaub', wenn wir in den Himmel kämen, müssten wir donnern helfen!" Der Hauptmann ist verblüfft.

2. Bild: Freies Feld vor der Stadt. Wozzeck und sein Kamerad Andres schneiden Weidenstöcke. Wozzeck hat unheilvolle Visionen.

3. Bild: Maries kleines Zimmer. Abend. Die Militärkapelle marschiert auf der Straße vorbei. Marie winkt dem Tambourmajor zu, was von der Nachbarin Margret höhnisch kommentiert wird. Wozzeck sucht seine Geliebte und das gemeinsame Kind kurz auf, spricht aber nicht über Liebe, sondern nur über seine düsteren Vorahnungen.

4. Bild: Studierstube des Doktors. Wozzeck hat sich dem Doktor für medizinische Experimente zur Verfügung gestellt, um ein Paar Groschen zu verdienen. Monatelang hatte er ausschließlich Bohnen zu essen. Er spricht über seine Visionen. Damit ist für den Doktor bewiesen, dass einseitige Ernährung eine Geistesstörung hervorruft. Der Doktor hofft, wegen dieser Erkenntnis Ruhm zu ernten und unsterblich zu werden.

5. Bild: Straße vor Maries Wohnung. Abend. In Marie siegt die Natur. Sie kann dem stattlichen Tambourmajor nicht widerstehen.

2. Akt:

1. Bild: Maries Zimmer. Morgen. Marie freut sich ihrer Jugend und Schönheit und beschaut sich in einem Spiegel. Der Tambourmajor hat ihr Ohrringe geschenkt. Wozzeck überrascht sie, ahnt die Wahrheit, hält sich aber zurück. Er gibt Marie Geld und eilt wieder davon.

2. Bild: Straße. Heller Tag. Der Hauptmann malträtiert den Doktor mit seiner Philosophie. Der rächt sich und prophezeit dem Hauptmann einen Schlaganfall. Als Wozzeck ihren Weg kreuzt, lassen beide ihre Aggressionen an ihm aus. Sie spielen auf die Liebesaffäre zwischen Marie und dem Tambourmajor an. Wozzeck ist tief getroffen und verzweifelt.

3. Bild: Vor Maries Zimmer. Tag. Wozzeck stellt Marie zur Rede. Sie verbietet sich jede Einmischung.

4. Bild: Garten eines Wirtshauses. Abend. Soldaten, Handwerksburschen, Weiber und Mädchen beim Tanzvergnügen. Unter ihnen auch Marie und der Tambourmajor. Wozzeck sieht das tanzende Paar. Ein Narr prophezeit eine Bluttat.

5. Bild: Kaserne. Nacht. Wozzeck kann nicht schlafen. Er fleht, nicht in Versuchung geführt zu werden. Der heimkehrende Tambourmajor schwadroniert mit der neuen Eroberung. Wozzeck greift den Tambourmajor tätlich an, unterliegt aber im Zweikampf.

3. Akt:

1. Bild: Maries Zimmer. Nacht. Marie empfindet tiefe Reue. Sie sucht in der Bibel nach Trost.

2. Bild: Waldweg am Teich. Nacht. Wozzeck und Marie auf dem Weg zur Stadt. Wozzeck ersticht seine Geliebte mit einem Messer.

3. Bild: Schenke. Nacht. Wozzeck versucht, seinen Mord zu vergessen, tanzt und vergnügt sich mit Margret. Sie sieht das Blut an ihm. Wozzecks Ausrede ist nicht überzeugend, und er flieht.

4. Bild: Waldweg am Teich. Wozzeck will das Messer tief im Wasser verbergen. Er geht immer weiter in den See hinein und ertrinkt. Der Doktor und der Hauptmann kommen vorbei und hören verdächtige Töne, unternehmen aber nichts. Der Doktor stellt lediglich fest, dass da jemand ertrinkt.

5. Bild: Straße vor Maries Tür. Morgen. Kinder spielen. Die tote Marie ist gefunden worden. Alle laufen davon, um sich die Leiche anzusehen. Zurück bleibt Maries und Wozzecks Kind, das nun ein Waisenknabe ist, der von allem noch nichts versteht und auf seinem Steckenpferd reitet.


Letzte Änderung am 17.12.2005