Ferruccio Busoni (1866-1924):

Doktor Faust

Allgemeine Angaben zur Oper

Untertitel: Dichtung für Musik in 2 Vorspielen, 1 Zwischenspiel und 3 Hauptbildern
Entstehungszeit: 1916-24
Bemerkung: unvollendet, ergänzt von Philipp Jarnach 1925 bzw. von Antony Beaumont 1975-84

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[Details]
Doktor Faust (Erato, DDD, 1998)
Ferruccio Busoni (1866-1924)

G. Fischer in Scala 11 / 99: »Stets von sensualistischen Oberflächenreizen unbeeindruckt, färbt er die bisweilen neoromantische Klangsprache über kammermusikalische Feinheiten und symphonische Glut zu einem packenden Musikdrama. Dieter Henschel in der Titelpartie und Kim Begley als Mephistopheles sorgen hierbei auch darstellerisch für (Seelen-)Kämpfe von imponierender Abgründigkeit.«

Zur Oper

Art: Dichtung für Musik in 2 Vorspielen, 1 Zwischenspiel und 3 Hauptbildern

Handlung

Prolog:

Vorspiel I

Wagner meldet dem experimentierenden Faust drei Studenten aus Krakau, die ihm ein Zauberbuch mit dem Titel "Clavis Astartis Magica" überbringen. Durch das geheimnisvolle Verschwinden der drei Männer ahnt Faust, dass sie Boten einer höheren Macht waren.

Vorspiel II

Um Mitternacht beschwört Faust mit Hilfe des Zauberbuches Luzifer. Es erscheinen fünf Boten der Hölle, doch Faust wünscht sich einen, der so schnell ist wie des Menschen Gedanken, worauf Mephistopheles erscheint, der Faust einen Pakt vorschlägt: Er werde ihm auf Erden alle Wünsche erfüllen, wenn Faust dafür im Jenseits sein Diener sei. Faust schreckt vor dieser Forderung zurück. Doch nachdem Mephistopheles auf Fausts Bitten dessen Gläubiger vor der Tür getötet hat, unterschreibt Faust den Vertrag mit seinem Blut. Draußen erklingen Ostergesänge.

Zwischenspiel

Im Münster von Wittenberg betet ein Soldat, der Bruder des von Faust verführten Gretchens. Er will Rache üben für seine geschändete Schwester, die aus Verzweiflung in den Tod ging. Faust wünscht den Tod des Mannes. Mephistopheles nähert sich dem Soldaten in der Verkleidung eines Mönchs und sagt ihm seinen Tod voraus. Soldaten dringen in die Kirche und bringen den Betenden als den vermeintlichen Mörder ihres Hauptmanns um.

1. Akt:

Im Park des herzoglichen Schlosses von Parma wird die Hochzeit des Herzogs gefeiert. Als Höhepunkt des Festes kündigt der Zeremonienmeister das Erscheinen des Zauberers Faust an. Faust macht den Tag zur Nacht und führt der Gesellschaft auf Wunsch der Herzogin berühmte Liebespaare der Geschichte vor: König Salomon und die Königin von Saba, Samson und Dalila, Johannes und Salome, die sein Werben um die Herzogin unterstützen sollen. Auch die Herzogin fühlt sich zu Faust hingezogen. Der Herzog bereitet dem Spiel ein abruptes Ende. Faust flieht. Magisch angezogen, folgt ihm die Herzogin. Dem Herzog rät Mephisto, in Gestalt eines Hofkaplans, die Schwester des Herzogs von Ferrara zu heiraten, um einen Krieg zwischen Parma und Ferrara zu verhindern.

2. Akt:

In einem Wirtshaus in Wittenberg kommt es zu einem philosophischen und theologischen Streitgespräch zwischen Protestanten und Katholiken. Nachdem die Protestanten gegangen sind, wird Faust nach seinen Erfahrungen mit den Frauen gefragt und erinnert sich wehmütig der Herzogin. In diesem Moment überbringt Mephistopheles, verkleidet als Kurier, einen letzten Gruß der Herzogin: ein totes Kind. Doch das Kind stellt sich als Strohpuppe heraus, die Mephisto verbrennen lässt und aus deren Flammen er Helena hervorzaubert. Dieses Phantombild löst sich auf, als Faust es berühren möchte. Die drei Studenten aus Krakau erscheinen und fordern das Zauberbuch zurück. Sie verkünden ihm den Tod, der indessen für Faust jeglichen Schrecken verloren hat.

3. Akt:

Auf einer verschneiten Straße in Wittenberg singt der Nachtwächter - Mephisto - sein Lied. Die Studenten geleiten den zum Rektor ernannten Wagner zu Fausts ehemaligem Haus. Faust nähert sich dem Haus, auf dessen Stufen eine Bettlerin kauert; er erkennt sie als Herzogin, die ihm ihr totes Kind entgegenhält. Faust sucht mit dem Kind Zuflucht in der Kirche, die ihm der ermordete Soldat verwehren will. Doch Faust schleppt sich bis zum Kruzifix, wo sich der Gekreuzigte unter dem Licht von Mephistos Zauber in Helena verwandelt: Die christliche Gnade bleibt Faust verwehrt. Er vermacht dem Kind sein Leben. Sein Wille und sein Wesen werden in dem Kind, das sich in einen Jüngling verwandelt, weiterleben. Der Nachtwächter - Mephisto - leuchtet über den toten Faust: "Sollte dieser Mann etwa verunglückt sein?"


Letzte Änderung am 4.8.2008