Luigi Cherubini (1760-1842):

Les Abencérages ou L'Étendard de Grenade

deutsch Die Abencerragen oder Das Feldpanier von Granada

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1813
Uraufführung: 6. April 1813 in Paris (Grand Opéra)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 140 Minuten
Verlag: Rom: R.A.I., 1973

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[Details]
Les Abencerages (Line, AAD/m, 1956)
Luigi Cherubini (1760-1842)

Künstler: Louis Roney, Anita Cerquetti, Alvino Misciano, Mario Petri, Lidia Toncelli, Orchestra del Teatro Comunale di Firenze, Carlo Maria Giulini

Zur Oper

Art: Oper in drei Akten
Libretto: Victor Joseph Étienne de Jouy nach der Novelle 'Gonzalve de Cordue' von Jean-Pierre Claris de Florian
Sprache: französisch
Ort: Granada
Zeit: 15. Jahrhundert

Personen der Handlung

Almansor: Heerführer der Abencerragen
Noraima: seine Geliebte
Gonzalvo von Cordoba: spanischer Ritter
Abderaman: Präsident des Senats
Octair: Standartenträger
Alemar: Wesir der Zegris
Alamir: Intrigant
Kaled: Intrigant
Egilona: Dienerin Noraimas

Handlung

1. Akt:

ERSTE SZENE: Säulengang in der Alhambra

Drei Schurken aus der Sippschaft der Zegris sitzen mit überkreuzten Beinen in einem Säulengang der Alhambra und konspirieren, wie sie den dominanten Anführer der Abencerragen zu Fall bringen können. Die Missgünstigen sind eifersüchtig auf seinen Status und seine Siege. Sie neiden Almansor die Zuneigung der Prinzessin Noraima, die durch das Band der Ehe seinen unverhohlenen Machtanspruch noch untermauern wird. Vor allem Alemar hat sich in den Kopf gesetzt, den Hochmütigen vom Sockel zu stürzen.

Almansor naht mit der geliebten Noraima. Schon von weitem hört man sie ein Liebesduett jubeln. Es klingt so feurig, dass Alemar, Alamir und Kaled – so heißen die drei Ganoven – es vorziehen, sich zu erheben und zu verschwinden. Noraima fürchtet sich vor kommendem Unheil und rät Almansor, seiner Garde Wachsamkeit einzuschärfen. Vor allem Alemar trachte danach, ihm Schaden zuzufügen; sie traut weder ihm, noch seinen beiden Mitläufern. Der Gewarnte kennt nur die Siegerpose und verschwendet keine Gedanken an eine mögliche Gefahr. Aus der Sicht seiner hohen Selbsteinschätzung hat er auch keine Schwierigkeiten, das Mädchen zu beruhigen. Es soll an die bevorstehende Hochzeit denken.

Ein Bote meldet die Ankunft des jungen spanischen Granden Gonzalvo von Cordoba. Man will zusammenkommen, um über einen Friedensvertrag zwischen Kastilien und den Mauren zu verhandeln.

ZWEITE SZENE: Löwenhof der Alhambra

Wasser ist die Quelle allen Lebens! Aus den Mäulern der Löwen sprudelt es ins Auffangbecken. Der Löwenhof ist der schönste Teil des Alhambra-Palastes. Hier lässt sich in angenehmer Atmosphäre effizient verhandeln. Gonzalvo und Almansor bewegen sich aufeinander zu. Ein Friedensvertrag soll Bündnistreue signalisieren. Werden die Absprachen nicht eingehalten, hat man einen Vorwand, die Waffen sprechen zu lassen. Es wird Naschwerk gereicht und man schaut den Bewegungen der Mädchen zu. Zu Ehren des hohen Gastes hat man vor, den Abend festlich zu gestalten.

Doch daraus wird nichts. In die festliche Stimmung platzt ein Bote mit einer ungünstigen Nachricht herein. Es ist der Standartenführer Octair, welcher kündet, dass die Stadt Faen eingenommen wurde und der Krieg nun unvermeidlich sein wird. Das bedeutet den Aufschub der Hochzeit von Almansor mit Noraima, weil die Standarte zunächst für den Kriegsaufmarsch benötigt wird, an dessen Spitze Almansor als Heerführer steht. Sollte es geschehen, dass der Abencerrage als Sieger, aber ohne Standarte heimkehrt, wird er seinen Kopf einbüßen. Alemar und Octair tauschen Blicke aus, die zu denken geben. Noraima versteckt ihre Sorge in Anbetracht der Abreise ihres Liebsten hinter einem standhaften Lächeln.

2. Akt:

DRITTE SZENE: Prunkgemach Noraimas in der Alhambra

Die Prinzessin, umgeben von ihren Frauen, erwartet die Rückkehr Almansors vom Kampfgeschehen und hat sich für des Liebsten Triumph sorgfältig geschmückt. Der freudige Anlass reicht aus, die schönste Arie der Oper zu singen, deren Verse von freudigem Jubel und tief empfundener Sehnsucht künden.

Ein Bote ist vorausgeeilt und hat eine gute und eine schlechte Nachricht mitgebracht. Der Sieg über die Spanier war glanzvoll, aber die heilige Fahne ging im Getümmel verloren. Noraima erfährt die Neuigkeit von ihrer Dienerin Egilona. Jetzt ist Almansors Leben in Gefahr. Spontan erklärt die Bestürzte, dass sie in jedem Fall in unauslöschlicher Treue zum Geliebten halten wird und, wenn die Umstände es erfordern, auch mit ihm zu sterben weiß. Ihr Verhalten ist beispielhaft, auch wenn für eine Orientalin Treue bis in den Tod selbstverständlich sein sollte. Vor den Gemächern Noraimas hat der trübe Alemar den Kaled als Wachposten eingesetzt, damit Almansor bei seiner Ankunft sogleich dem Senat vorgeführt werden kann.

VIERTE SZENE: Waffenhalle in der Alhambra

In der Waffenhalle der Alhambra hat in kleinem Kreise das Tribunal Platz genommen. Almansor verteidigt sich energisch und beschuldigt in aller Offenheit den Fähnrich Octair, die Standarte beiseite geschafft zu haben. Leider kann er für die Behauptung keinen Beweis abliefern. Alemar und seine Kohorte beantragen Schuldspruch und Todesurteil.

Der weise Abderaman gedenkt jedoch der Verdienste, die Almansor sich erworben hat, indem er wiederholt die spanischen Eindringlinge mutig zurückwarf. Wenn man den Erfolgreichen nun köpft, steht dieser zum Schutz des Landes und der Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung. Daher ist es sinnvoll, das Todesurteil auszusetzen und in Verbannung umzuwandeln. Sollte er jedoch versuchen, aus seinem Exil mit unbekanntem Ziel zu fliehen, hat er sein Leben verwirkt. Seine Waffen, seine Trophäen und seine Medaillen dürfen als Erinnerung an ihn als Dekoration im Saal verbleiben. Die Zegris frohlocken, die Abencerragen schwören Rache und die Bevölkerung fleht zum Himmel, ihrem Beschützer seine Gnade zu gewähren.

3. Akt:

FÜNFTE SZENE: Im Garten der Alhambra

Mitternächtlich hält sich Noraima in den Gärten der Alhambra auf, um vom Grab ihrer Mutter Abschied zu nehmen. Sie hat die notwendigsten Kleinigkeiten zusammengerafft, um mit Almansor zu fliehen. Dieser hat sein Exil verlassen, sich als Sklave verkleidet und nähert sich der auf ihn Wartenden. Ohne Noraima hat er es in der Verbannung nicht ausgehalten, und in einem Duett erklären beide ihre grenzenlose Zuneigung füreinander. Es wäre besser gewesen, sich die Emotionen für später aufzuheben, denn die Spürnase der Zegris hat mit der Rückkehr des Verbannten gerechnet. Alemar genießt seinen Triumph und lässt den Widersacher einsperren. Noraima setzt Geist und Liebreiz ein, um die Unschuld des Geliebten zu beteuern und den Senat zur Milde zu bewegen.

SECHSTE SZENE: Gerichtshalle in der Alhambra

Das Tribunal tagt. Alemar proklamiert die neue Schuld Almansors, der in Missachtung des Senatsbeschlusses das Exil verlassen hat, um Noraima zu entführen. Deshalb muss er jetzt endlich sterben! Der Vorsitzende zögert mit der Entscheidung und sucht nach einem Ausweg. Wie wäre es mit einem Zweikampf? Alamir wie auch Kaled sind bereit, sich einem Gegner zu stellen, der geneigt ist, mit der Waffe in der Hand zu Gunsten des zum Tode Verurteilten zu kämpfen. Noraima hat mit süßem Lächeln einen unbekannten Ritter mobilisiert, dem Alamir sich stellt, aber den Zweikampf verliert. Selbstverständlich stellt der geheimnisvolle Ritter sich auch vor. in Raunen geht durch die Zuschauer auf der Bühne wie im Saal. Es ist Gonzalvo von Cordoba. Vor den Augen aller entrollt der Edelgesinnte das in Verlust geratene Feldpanier. Octair im Bund mit Alemar hatte sich den kleinen Scherz erlaubt, das heilige Tuch den Kriegsgegnern zuzuspielen, aber die spanische Ehre unterschätzt. Harte Bestrafung ist fällig! Die Liebenden mögen im Moment nur an ihr wiedergekehrtes Glück denken.

Beschreibung

Der Familienclan der Abencerragen war am Widerstand gegen die Spanier maßgeblich beteiligt und degradierte die Sippe der Zegris zu ihrem ewigen Rivalen. Die Endlösung brachte das Jahr 1492, in dem die katholischen Könige Granada einnahmen und Boabdil el Chico in die Verbannung schickten.

Eine wichtige Rolle in der Geschichte Granadas spielte die Standarte, die als heiliges Symbol gewertet und gehütet wurde. Wenn der Wimpel unterging, wurde nicht der Fähnrich, sondern der Feldherr mit dem Tode bestraft. Es gibt etliche Opern mit Schauplatz Granada, in dem sich Intrigen um die wertvolle Fahne spinnen, aber am Ende der Geschichte taucht er zur Freude aller immer wieder auf.

Napoleon Bonaparte ließ es sich nicht nehmen, Cherubini für seine Glorie einzuspannen. Kaiser und Kaiserin Josephine waren bei der Premiere zugegen und zollten Beifall, denn die Fahne muss hochgehalten werden; und Gonzalvo von Cordoba verkörperte den Typ, wie Napoleon sich die Spanier wünschte. Für einen grandiosen Erfolg der Aufführung sorgte der Selbstherrliche durch seine Protektion, aber das Werk Cherubinis verdient es auch, gelobt zu werden. Klassizistisch streng, ohne die Nachahmung orientalischer Tonleitern, mit einer Ouvertüre, die zu jeder anderen Cherubini Oper auch passen würde, wird die heroische Handlung, die zuweilen recht komisch wirkt, durchgezogen. Ballett gibt es reichlich, wozu die Gärten und die ornamentalen Räume der Alhambra das passende Ambiente bieten.

Nach dem Untergang des französischen Kaiserreiches wurde es um „Les Abencérages“ still. Die Fahnen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wehten jetzt und der Musikgeschmack hatte sich verändert. Für ausreichend Pomp sorgten Spontini und Meyerbeer und die Komik war bei Boieldieu, Auber und Adam gut aufgehoben.

Die italienische Version erlebte ihre Premiere unter dem Titel „Gli Abencerragi“ erst am 9. Mai 1956 anlässlich der Florentiner Mai-Festspiele in einer denkwürdigen Inszenierung. Der Bühnenbildner hat sich allerdings nicht die Mühe gemacht, die Räume der Alhambra nachzubauen. Der Turnierplatz mit Fahnenstange und zwei mächtigen Türmen, Richtplatz und Balkongitter für die Haremsdamen erfüllte seinen Zweck auch. Als Gonzalvo brillierte der Tenor Alvino Misciano und in der Partie der Prinzessin Noraima bot an Jubel und Ausstrahlung Anita Cerqueti puren Hochglanz. Giulini stand am Pult.


Letzte Änderung am 8.8.2007
Veröffentlichung mit Zustimmung von musirony