Léo Delibes (1836-1891):

Lakmé

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1883
Uraufführung: 14. April 1883 in Paris (Opéra-Comique)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 170 Minuten
Erstdruck: Paris: Heugel & Fils, 1883
Verlag: Paris: Heugel, 1992
Bemerkung: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fühlten sich die Europäer von der Kultur fremder Länder mächtig angezogen. Diese Affinität schlug sich in der Bildenden und auch in der Darstellenden Kunst nieder. Zwischen den arabischen Ländern und dem Fernen Osten lag der Subkontinent Indien mit der Fremdartigkeit seiner Architektur, seiner Götterwelt und seiner Menschen. Insbesondere die französischen Komponisten fühlten sich berufen, diese mit den Mitteln des Musiktheaters zu interpretieren. Mit Lakmé schuf Léo Delibes ein Meisterwerk, welches auch im Zeitalter der Technik in seiner Monumentalität. seiner Exotik und seinen Empfindungen seinen Reiz nicht verloren hat.

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[Details]
Lakme (Decca, ADD, 67)
Leo Delibes (1836-1891)

Penguin Guide: "Exzellente Darbietungen der Sänger, ein geistreiches Dirigat und eine brillante Aufnahmetechnik machen diese Aufnahme höchst empfehlenswert."

Zur Oper

Art: Oper in drei Akten
Libretto: Edmond Gondinet und Philippe Gille nach der Erzählung „Le mariage de Loti“
Sprache: französisch
Ort: Indien
Zeit: Ende des 19. Jahrhunderts

Personen der Handlung

Gerald: englischer Offizier (Tenor)
Frederick: englischer Offizier und Kamerad Geralds (Tenor)
Nilakantha: Brahmane und Oberpriester (Bass)
Lakmé: seine Tochter (Sopran)
Mallika: deren Dienerin (Alt)
Hadji: Diener Nikalanthas (Tenor)
Ellen: Geralds Verlobte (Sopran)
Rose: Fredericks Verlobte (Mezzosopran)
Miss Bentson: Gouvernante von Ellen und Rose (Mezzosopran)
Weitere: Bramahnen, Tempelbesucher, Marktvolk, Seeleute

Handlung

1. Akt:

Szenen 1-3

In idyllischer Abgeschiedenheit liegt das Anwesen des Brahmanenpriesters Nikalantha. Der ausgedehnte botanische Garten grenzt an ein Bambuswäldchen, welches von einem Fluss durchtrennt wird. Auf Anhieb lässt sich nicht erkennen, dass es sich um ein Widerstandsnest gegen die verhassten britischen Besatzer handelt, denn der Tempel verweist auf ein Zentrum der Frömmigkeit. Wenn zur gewohnten Stunde morgens die Sonne aufgeht und die Ebene in ein Flammenmeer versenkt, wird der neu geborene Tag begrüßt. Handverlesene Gäste lässt Hadji durchs Gartentürchen eintreten, damit sie durch Gebet behilflich sind, den Zorn des bedrohlichen Brahma zu mildern. Dreimal sei er gesegnet, obwohl er zulässt, dass seine Priester verhöhnt und beleidigt werden. Über die Köpfe der Engländer, welche das Land ausbeuten, soll er seine Rache schweben lassen oder sie am Besten ganz ausrotten. Er selbst möchte sich in den nächsten Tagen aus dem Amt zurückziehen und Brahma soll seine Sonne über die Tochter scheinen lassen, die durch Wohlgestalt und herrlichen Gesang eine Zierde seines Tempels ist. Wenn er seinen Spross singen hört, steigt sein Herz jedes Mal zu ihm nach oben. Weiße Durga, bleicher Shiva, mächtiger Ganesha, vergesst nicht, dass Brahma euch erschaffen hat. Seid beschwichtigt und beschützt alle, die euch anflehen. Der Text der Gebete ist nicht besonders anspruchsvoll, deshalb vokalisiert Lakmé, was das Zeug hält, um die Gottheit bei Laune zu halten. Der Vater zerfließt in Wonne und der Opernbesucher auch. Alle werfen sich nieder. Orchester, Solistin und Chor verschaffen wonnevoll Erquickung.

Die Betenden verlassen den Tempel und der Oberpriester ist mit der Tochter allein. Er selbst wird alt und nicht länger fähig sein, den abscheulichen Frevel der Engländer zu bekämpfen. Auf ihre kindgleiche Unschuld wird Brahma herabsehen und Freude empfinden. Wenn Brahma in seiner Güte Blumen sprießen lässt und Honig gibt, besteht Hoffnung auf Wohlwollen und Anteilnahme, antwortet Lakmé. Sie soll nicht erschrocken sein, denn den Hohepriester erwartet die Stadt und muss sich für den Moment verabschieden. Es sind noch Anordnungen für das morgige religiöse Fest zu treffen. Bevor es Nacht ist, wird er zurück sein. Beiden Dienern nimmt Nikalantha das Versprechen ab, gut auf die herrliche Tochter aufzupassen. Der Himmel möge allen Frevel fernhalten. Die beiden versprechen es.

Szene 4

Lakmé ruft Mallika, dass sie mitkommen soll. Die blumigen Lianen werfen ihren Schatten auf das heilige Gewässer. Und jetzt sie wollen zusammen das Blumenduett proben. Dunkel und friedlich fließt der Strom vorbei und es erwacht der Gesang der glamourösen Vögel. Es ist die Stunde, in welcher Mallika die Herrin lächeln sieht und sie in ihrem Herzen lesen darf, welches sonst immer verschlossen ist. Weißer Jasmin und rankende Rosen überwölben den Saum des Ufers, und die eilenden Fluten lassen das Boot auf schimmernden Wogen entlang gleiten. Sie werden den Uferrand erreichen, an dem der Frühling noch schläft, obwohl die Vögel laut singen. Lakmés Herz ist plötzlich beklommen, weil sie den geliebten Vater allein in der verfluchten Stadt weiß, in der ihm etwas passieren könnte. Ganesha, der liebe kleine Gott mit dem Elefantenrüssel, wird ihn beschützen. Mallika und Lakmé beabsichtigen jetzt gemeinsam dorthin zu paddeln, wo die weißen Schwäne flattern und die blauen Lotosblumen blühen.

Szene 5

Man hört Gelächter - eine Gruppe von unkomplizierten Europäern will offenbar den botanischer Garten Nikalanthas erkunden. Die Leute erscheinen aber nicht am Haupteingang, sondern suchen ein Loch in der Bambushecke. Zumindest die Gouvernante von Ellen und Rose verhält sich halbwegs korrekt und mahnt, nicht die Einfriedung zu beschädigen. Die beiden Herren tun Dienst bei der britischen Armee und sind die Verlobten der jungen Damen. Die Bresche ist geschlagen, man kann durchgehen. Gerald frotzelt: „Schaut, Miss Bentson reicht ihre Hand zu einem Abenteuer“. Es kommt sehr unregelmäßig vor, verteidigt sich die Gefoppte. Aber Spaß macht es doch! Manchmal kann es gefährlich werden! Aber genau das suchen wir doch. Besonnenheit muss walten! An diesem Ort ist nichts Unheilvolles. Schaut, diese exquisiten Blumen. Zumindest die weiß blühende Pflanze ist giftig. Miss Bentson findet Indien widerwärtig. Ellen lacht und Gerald findet, dass Indien ein zauberhaftes Land ist. Am Dach des Tempels, in dem Brahma verehrt wird, erkennt Frederick, dass sie sich in Nikalanthas Garten befinden. Er ist der unbezähmbare Brahmane, der den Engländern Sorge macht. Der Priester hat ihnen Rache geschworen, aber eine entzückende Tochter soll er haben, die er vor der Welt verbirgt. Er hat sie zur Gottheit hochgeputscht und liebt sie abgöttisch, ihr Name ist Lakmé.

Ellen ist der Ansicht, dass eine Frau einen großen Fehler macht, wenn sie sich hübsch findet und sich trotzdem verbirgt. Frederick meint, dass in diesem Land jede Narrheit möglich ist. Er nimmt alles so, wie es kommt, ohne mit der Wimper zu zucken. Für viele ist Lakmé ein Idol, welches angehimmelt wird. Von ihrem Podest wird sie niemals herunterkommen. Miss Bentson glaubt etwas ganz anderes. Wahrscheinlich ist die Kleine hässlich wie die Sünde, dass man sie nicht vorzeigen kann. Eine Frau ist immer empfänglich für sensible Komplimente, die man ihr macht. In Europa ist vieles Gewohnheit, aber Indien seit alles ganz anders. Frederick verabscheut alle Theorien, die der Poesie zuwiderlaufen. Für den Moment soll man sensibel sein. Die Dinge sind im kalten Licht der Vernunft zu schauen, artikuliert Miss Bentson.

Frederick hält einen Vortrag. Unter dem schönen glühenden Himmel sind in Indien die Frauen von der Sonne beeinflusst. Differenziert von der Europäerin mangelt es der Tugend an Form. Die Inderin wird getragen von der Liebe ohne Gesetz und Vertrag. Das milde süße Gefühl des Flirtens kennt sie nicht. Das Vergnügen der Liebe sucht sie im Delirium. Mit dem Begriff Charme weiß sie nichts anzufangen, weil es keinen Grund gibt, charmant zu sein. Die Liebe selbst birgt diese Eigenschaft in sich.

Das sind die idealen Frauen, meint Ellen, die den Zauber des Augenblicks ergreifen, dagegen scheint die Europäerin doch sehr gewöhnlich. Den Frauen unseres Kalibers gefällt der differenzierte Weg besser. Wir wollen erst einmal erobert werden, bevor wir unser Herz verschenken und das nimmt Zeit in Anspruch. Die Vernunft kämpft, weil sie keine unliebsamen Überraschungen erleben will. Charmantes Flattern, bis es zum ersten Kuss kommt, weist die Asiatin zurück. Sie wendet sich gleich der Praxis zu. Diese himmlischen Schönheiten wissen, wie man versklavt, aber die Europäerin in ihrer Bescheidenheit weiß, wie man liebt. Denkt Ellen etwa, dass Frederick nicht vergleicht? Doch, er ist viel zu clever, um sich zu verlaufen. Ohne Vorwarnung kann sich jeder verlaufen - und schon sitzt er in der Falle. Soldaten folgen eigenen Gesetzen. Man einigt sich schließlich, dass alle Frauen auf der Welt gleich seien, obwohl Ellen zuvor das Gegenteil behauptet hat.

Szene 6

Rose hat es zuerst gesehen: Auf einem kleinen steinernen Tisch liegt ein funkelndes Geschmeide. Man will den Gegenstand des allgemeinen Entzückens näher in Augenschein nehmen. Doch Miss Bentson ist dagegen, den Schmuck auch nur anzurühren. Gerald setzt immerhin durch, dass er eine Zeichnung machen darf. Die Gesellschaft lässt ihn zurück und er ist mit seinen Gedanken allein. Er kann sich beim Abmalen nicht konzentrieren. Ein unerklärliches Gefühl der Beklommenheit überkommt ihn, obwohl um ihn herum eine feierliche Stille herrscht. Er stellt sich das Mädchen vor, welches diesen Armreif getragen haben könnte und ergeht sich in phantastische Vorstellungen. Die Unbekannte steht im Geiste vor seinen Augen und flüstert zärtliche Worte in sein Ohr. Doch es ist nur nebelhafter Schaum, eine himmlische Illusion, die das Hirn sich ausmalt. Er traut sich nicht, den Schmuck zu berühren, gewiss ist er das Eigentum der schönen Lakmé.

Szene 7

Aber welches freundliche Murmeln hört er da? Welche süße Gesänge erfüllen die einschläfernde Stille? Eines der beiden Mädchen muss Lakmé sein. In einem Stadium großer Verwirrung versteckt sich Gerald hinter den Sträuchern.

Blumengirlanden zur Ausschmückung des Tempels haben sie sich über den Arm gelegt. Ihrem Gesang entnimmt er, dass sie die Gunst Ganeshas erflehen. Der Gott mit dem Elefantenrüssel soll sie vor den Schlingen der fremden Eindringlinge beschützen.

Klares Wasser ergießt sich über goldenen Sand. Mallika möge in ihre Nähe kommen, damit sie gemeinsam die Annehmlichkeiten der Stunde wahrnehmen können. Belaubte Bäume breiten vor der sengenden Sonne ihren schützenden Schatten über das Ufer aus. Lakmé fühlt sich von einem konfusen Murmeln in ihrem Herzen angenehm berührt. Der Himmel wölbt sich prächtig über den Wald, der sich mit neuem Vogelgesang gefüllt hat. Die Blumen scheinen ihr schöner als je zuvor und der vorbeiziehende Wind streichelt sanft ihr Gesicht. Sie weiß nicht, welches Parfum es ist, das sie berauscht. Jedes Ding zittert und schimmert und Lakmé fühlt, dass sie beginnt zu leben. Ohne erkennbare Ursache schlägt die Stimmung plötzlich um und ihr ist zum Weinen zumute. Warum macht das Turteln der Taube sie traurig? Sie sieht eine verblassende Blume oder ein Blatt vom Baum fallen und fühlt sich unglücklich. Das Geräusch des murmelnden Wassers im Schilf versucht sie nun zu definieren. Gleich einem göttlichen Atem fühlt sie die Luft und plötzlich lächeln ihre Lippen wieder. Warum?

Plötzlich gewahrt Lakmé die Anwesenheit eines Fremden und stößt einen unfreiwilligen Überraschungsruf aus. Mallika horcht auf und Hadji kommt gerannt. Was bedrängt sie? Welche Gefahr droht der Herrin? Ach, ein Missverständnis! Jedes Ding erschreckt sie heute. Ihr Vater ist noch nicht zurückgekommen und die Zeit vergeht. Beide sollen schauen, ob er noch nicht gekommen ist und ihm entgegen gehen. Ein verstohlener Blick streift die Herrin und dann trollen die beiden sich davon. Lakmé geht unvermittelt auf das Versteck von Gerald zu. Dieser erstarrt vor Entzücken.

Szene 8

Es gibt zunächst mächtig Schelte. Wo kommt er her? Was hat er hier zu suchen? Um seine Kühnheit zu bestrafen, wird man ihn vor ihren Augen töten. Es soll niemand erfahren, dass der Fuß eines Barbaren den heiligen Wohnsitz des Vaters beschmutzt hat. Er soll alles, was er gesehen hat, vergessen und schleunigst verschwinden, bevor die zehnarmige Durga ihn durchwalkt. Ihr Vater hält sie hier verborgen, denn sie ist eine Tochter der Götter. Gerald ist amüsiert. Die Hochmütige soll nicht so angeben. Von aller Aufregung und dem bedrohlichen Triumph in den Augen mit dem Blick eines Kindes soll sie sich distanzieren. Gewiss wird er sie vergessen. In Lakmé steigt der Zorn an: Niemals würde der Kühnste der Männer ihrer Rasse, selbst wenn er ein Freund wäre, es wagen, in dieser Art zu ihr zu sprechen. Vishnu, der sie schützt, wird den Frevel zu bestrafen wissen. Er soll diesen Platz jetzt verlassen. Gerald resigniert: Sich selbst wünscht er auch, sie vergessen zu können mit ihrer Grazie und ihrem unschuldigen Charme. Worte, die Lakmé bisher noch nie gehört hat. Ihr Herz zittert und pocht. Gerald geht es ähnlich. Er fühlt ein fiebriges Brennen in seinem Innern, wenn er darüber nachdenkt, dass sein Leben von ihren Lippen abhängen könnte. Weiß er überhaupt, welches Risiko er eingeht, falls er gedenkt, hier im Garten länger zu verweilen. Vor dem Tod, der hier auf ihn lauert, kann ihn keine Macht schützen. Er möchte sie noch ein Weilchen anschauen, widerspricht er kühn. Mut hat er, überlegt Lakmé. Lediglich um sie zu betrachten, geht er ein gewaltiges Wagnis ein. Was macht sie so anziehend? Sie fragt ihn, welcher Gott ihn schütze, weil er dem Tod so tapfer ins Auge schaue. Nun, welcher Gott kann das schon sein? Es ist der Gott der Jugend und der Gott des Frühlings, der die Seelen beider streichelt. Mit Rosen eröffnet er den Tag, mit heißen Küssen schafft er Seligkeit. Diese kann das Resultat von Allüren sein oder die Liebe hält Einzug in das Herz. Lakmés Seele ist freudig bewegt. Seine Worte saugt sie begierig auf und versucht, sie sich zu merken. Der Gott der Jugend und der Gott des Frühlings leitet sie, wenn die Liebe in das Herz einzieht. Sie soll noch ein bisschen bleiben und sich von ihrer süßen Geburt distanzieren, damit er ihr die gewonnene Erkenntnis noch ein bisschen deutlicher machen kann.

Szenen 9-10

O weh, mit geübten Ohren hat Lakmé den Schritt des herannahenden Vaters ausgemacht. Jetzt aber nichts wie weg. Die süße Erinnerung wird sie nicht vergessen. Hadji zeigt dem Vater bereits das Loch in der Hecke. Zorn und maßlose Empörung bemächtigen sich seiner. Ein Unbefugter hat sich Zutritt zu seinem Gelände verschafft. Lakmé befürchtet, vor Angst zu sterben. Nikalantha ergrimmt. Der Täter muss gefunden werden. Vengeance! Vengeance!

2. Akt:

Szene 11

Die Märkte der Welt sind sich überall gleich. Jedoch die Musik, die Léo Delibes zur Marktszene des zweiten Aktes komponiert hat, ist in ihrem Sound einmalig. Was Brisanz, Tempo und die Nachahmung orientalischer Harmonik angeht, gibt es nichts Vergleichbares. Das Zusammenspiel zwischen Chor und Orchester erzeugt eine Spannung, welche die Ereignislosigkeit der Handlung bis zur Glöckchenarie wohltuend abdeckt.

Zu Beginn genießt der Zuschauer das Treiben auf den Marktplatz einer indischen Kleinstadt, welcher im Hintergrund durch einen verwitterten Tempel abgegrenzt ist. Es gibt unzählige Stände mit unterschiedlichem Warenangebot. Manches liegt einfach nur auf einem Teppich ausgebreitet. Märchenerzähler lassen ihre Stimme erschallen. Andere bieten lediglich Dienstleistungen an. Der Markt ist voll in Schwung. Die Ausrufer künden, dass es gleich Mittag schlägt. Jetzt wird nicht mehr verkauft, alle Waren werden gewissermaßen umsonst weggegeben. Niemand wird betrogen, denn alle Transaktionen werden ehrenhaft abgewickelt. Gleich wird zusammengepackt. Die Marktordnung muss eingehalten werden, denn die Gewerbeaufsicht ist streng.

Schaut diese herrlichen Pantoffeln! Wie schmackhaft der süße Kuchen auf der Zunge liegt. Schöne Tücher als Serviette auf dem Teller oder zur Beruhigung der tropfenden Nase. Wie wäre es mit einem handgemalten Bild als Schmuck für das Wandaltärchen? Frisch gepflückte Bananen und Granatäpfel für den Appetit, Betelblätter zum Kauen! Geflochtene Matten aus Lianen nimmt man als Unterlage, wenn man sich zur Ruhe begibt. Liebliche Taschentücher, exquisite Kuchen, schmackhaft und eine Freude, sie zu erblicken!

Es herrscht Gedränge unter dem Marktvolk. Eine Gruppe von Matrosen benimmt sich ungebührlich. Bedient der Sohn Brahmas auch Heiden? Warum dauert die Bedienung so lange? Ein anderer ruft, dass der Seemann zu ihm kommen und schauen soll, was er anzubieten hat. Die Preise sind günstig, denn gleich schlägt es Mittag! Keiner wird betrogen! Die Seeleute möchten gern prügeln und suchen Streit

Szenen 12-13

Miss Bentson ist von ihrer Gruppe getrennt worden, gerät ins Gedränge und kommt sich hoffnungslos verloren vor. Die jungen Leute sind alle Egoisten, schnattern am liebsten über ihre Affären und möchten die Aufpasserin gerne loswerden. Ein Wahrsager möchte ihr das Glück aus der Hand lesen, aber Miss Bentson will es nicht wissen. Der Schmuckverkäufer geht ihr auf die Nerven. Ein Chinese bietet Medikamente für die Gesundheit an. Er verschwende nur seine Zeit. Ein Elixier, welches Frauen wunderschön macht? Miss Bentson hat keinen Bedarf. Im Übrigen sei sie die Gouvernante der Töchter des Gouverneurs. Ein Zigeuner versucht, ihr das Taschentuch zu stehlen. Miss Bentson reicht es jetzt aber wirklich. Endlich taucht Frederick auf. Ah, Miss Bentson in Rage? Rose kommt dazu. Ist etwas passiert? Nein, sie wurde geplagt. Es hat zwölf geschlagen, das Signal zum Aufbruch. Es wird zusammengepackt und niemand mehr auf den Platz gelassen. Die Seeleute sind weg. Himmel, war das ein Aufruhr! Der Lärm war ohrenbetäubend. Jetzt möchte Miss Bentson ein bisschen Frieden. Endlich ist Schluss. Wieso Schluss?, fragt Frederick. Das Festival beginnt doch erst jetzt. Was wird gegeben? Auf allen Plätzen in allen Straßen wird gesungen und getanzt. Die Menge genießt es und geht von einem Schauplatz zum anderen. Rose gefällt der Tumult. Aber wo ist Miss Ellen? Wird sie nicht in Gefahr rennen? Gerald wird auf sie aufpassen. Jetzt kommen die Tanzmädchen. Hat Miss Bentson noch nie etwas von den indischen Tempeltänzerinnen gehört? Was machen sie gewöhnlich? Nun, sie leben in den Tempeln zum großen Entzücken der Bramahnen. Sind es Vestalinnen? Wenn man unbedingt will, kann man es so sehen, aber es gibt kein heiliges Feuer zum Behüten. Oh. Shocking!

Szene 14

Die Bajaderen tanzen und der Opernchor feuert an. Das Auge ist entzückt von dem fesselnden Tanz der Töchter des Himmels. Schneller sollen sie sich drehen und ihre Leidenschaft verdoppeln, damit die Gottheit sich geschmeichelt fühlt. Nachdem die Darbietung zu Ende ist, betritt ein Asket mit einem wunderschönen Mädchen die Bühne. Es ist Nikalantha mit seiner Tochter Lakmé, der Menge in der Stadt allerdings unbekannt. Der Verkleidete lässt seinen sonderbar anmutenden Blick schweifen, als suche er jemanden. Er moderiert, dass seine Tochter jetzt eine heilige Legende vortragen wird, so wie es Brauch ist, und er weiß, dass man diese Art von Gesang besonders liebt. Frederick, Rose und Miss Bentson sind unter den Zuschauern.

Szenen 15-16

Lakmé fühlt sich nicht behaglich, nachdem der Vater ihr seinen Plan erklärt hat, den Einbrecher zu fangen. Lässt Brahma keine Möglichkeit, ein geringfügiges Vergehen zu entschuldigen? Bei Ausländern nicht! Er hofft auf Bramahs Unterstützung, den Frevler zu fangen. Nikalantha kalkuliert, dass der Heide seiner Tochter nachstellen wollte und dieser sich verraten wird, sobald er Lakmé an ihrer Stimme wiedererkennt. Sein Gesicht wird der Verschlagene sich merken und dann einen Racheplan schmieden, um ihn unschädlich zu machen. Das Blut soll ihm in den Adern gefrieren. Von den Trillern der Tochter hergelockt, wird der Frevler sich gewiss verraten. Inspiriert von den Göttern wird das Kind nun die Legende von der Tochter des Paria rezitieren. Die Menge verspricht, aufmerksam zu lauschen, das Kind soll sich hören lassen. Ah! Lakmé setzt an zur Glöckchenarie und dem Opernbesucher schwinden die Sinne: „Où va la jeune hindoue, fille des parias, quand la lune se joue dans les grands mimosas“?

Wohin läuft die junge Hindu, Tochter des Paria
Wenn das Mondlicht in den Mimosenbäumen spielt?
Sie hüpft über das Moos und erinnert sich nicht,
Dass man das Kind des Paria abweist.
Es stolpert über tote Blätter entlang dem rosigen Lorbeer
Und ist versunken in süße Träume, die Tochter des Paria.
Lautlos und lächelnd wandelt sie durch die Nacht.

Wer ist der nächtliche Wanderer,
Der seinen Weg verloren hat?
Um ihn herum leuchten Augen aus der Dunkelheit.
Verblüfft irrt er ziellos umher.
Die wilden Tiere brüllen vor Vergnügen
Und sind im Begriff, sich auf die Beute zu stürzen.
Angelockt durch das Gebrüll, angespornt durch ihre Wut
Kommt das junge Mädchen gerannt.
In der Hand hält es ein Stöckchen
Von dem erklingen die magischen Glöckchen.
Ah Ah Ah Ah …..

Der Fremde schaut zu ihr
Sie steht verblüfft.
Ist er nicht schöner als alle Rajahs?
Er ist betreten, denn er weiß:
Sein Leben verdankt er der Tochter des Paria.
Dann schläfert er sie ein in einen Traum,
Trägt sie zum Himmel und sagt zu ihr:
Dein Platz ist hier.
Wishnu war es, der Sohn des Brahma

Seit diesem Tage hören die Wanderer
In der Tiefe des Waldes
Den feinen Klang vom Stöckchen
mit den magischen Glöckchen
Ah Ah Ah Ah …..

Szenen 17-18

Nikalantha ist enttäuscht und bebt vor Zorn. Der Erwartete ist nicht erschienen, denn er hätte ihn erkannt. Sie soll die Ballade noch einmal anstimmen. Die Tochter gehorcht: „Où va la jeune hindoue?“ Kein Resultat! „Chante encore! Sing noch einmal.“ Lakmé wird es langsam zu dumm. Sie sei eine Nachtigall und kein Lockvogel! Sing, Nachtigall, sing ein Lied aus alten Zeiten! Wohin läuft das schöne Hindumädchen. Endlich, Lakmé hat von Gerald Notiz genommen, wurde aber von ihm noch nicht bemerkt. Sie spinnt ihre Koloraturketten fort. Gerald sieht sie und kann einen Aufschrei nicht unterdrücken. Laut und deutlich ruft er nach Lakmé und die Augen strahlen. Jetzt weiß der Papa, wer der Übeltäter war, und merkt sich sein Angesicht. Die Menge fragt sich, weshalb das Mädchen abrupt den Gesang unterbricht. Lakmé fängt sich wieder und führt ihre Koloraturen die Tonleiter hinauf und herunter. Gerald versäumt nicht, seiner Gruppe zu erklären, dass es sich bei der Sängerin um die Tochter Nikalanthas handelt. Frederick warnt, Gerald solle vorsichtig sein.

Ein Aufmarsch von englischen Soldaten leistet mit Trommeln und Pfeifen einen bescheidenen Beitrag zum Festival. Gerald betrachtet die Angebetete noch eine Weile und folgt dann mit seiner kleinen Gruppe dem Fanfarenzug. Nikalantha erklärt seinen Gefolgsleuten wie vorgegangen werden soll. Gott ist zu ihm zurückgekehrt. Fuß bei Fuß wird man dem Schuldigen folgen, sodann wird man ihn von seiner Gruppe separieren und einkreisen. Aus dem geschlossenen Ring wird es kein Entweichen geben. Ohne Furcht wird sein Arm mit dem Dolch das Opfer zu Boden schicken. Anschließend wird man sich unauffällig in die Menge zurückziehen. Lakmé möchte mitkommen und dabei sein, doch der Vater findet es besser, wenn Lakmé bei Hadji bleibt, denn ihr Herz hat den Mut noch nicht erprobt und kann Erschütterungen nicht aushalten.

Szene 19

Hadji steht nicht immer auf der Seite seines Herrn. Dieser denkt an nichts anderes als an seine Rache. Er übersieht, wie aus den Augen der Tochter die Tränen fallen. Doch Hadji kennt die Gesichter der Menschen und weiß, welche Markierungen die Sorge verursacht haben. Hadji fühlt sich der Herrin zugehörig, denn ohne sie ist sein Leben nicht komplett. Als sie noch ein kleines Mädchen war, ging er in den Forst, um seltenen Blumen für sie zu pflücken und fürchtete die Krallen des Tigers nicht. Wenn sie es wünschte, zog er hinaus aufs Meer, um die schönsten Perlen für sie zu finden. Nun ist sie eine Frau. Die Gedanken bevorzugen andere Ziele und das Herz hat andere Wünsche. Wenn Lakmé einen Feind hat, wird er sie beschützen. Sie soll befehlen.

Szene 20

Gerald hat den Weg zurückgefunden und freut sich, Lakmé begrüßen zu können. Ist sie es tatsächlich? Ist die Unwirklichkeit eines Traumes wahr geworden? Der Schleier ist gelüftet, das Idol ist herabgestiegen. Liebenswürdigkeit und Charme haben sich vereinigt. Ihrer Herrschaft will er sich unterwerfen. Das lang erwartete Liebesduett findet nun dramaturgisch seinen korrekten Platz. Lakmés schlafende Liebe streichelt mit ihren Flügeln sein Herz und sie wird von seinem leidenschaftlichen Atem gestreift. Keineswegs möchte sie, dass er überraschend stirbt und deshalb verrät sie ihm ein Versteck, in dem sie der Liebe freien Lauf lassen können. In einem Wäldchen in der Nähe von Vaters Garten weiß sie eine kleine Bambushütte, die von einem großen Baum geschützt wird, in dem scheue Vögel nisten. Unter kriechenden Pflanzen und einhüllenden Blumen liegt sie vor aller Augen verborgen in sehnsüchtiger Erwartung glücklicher Leute. Es ist der Ort, an dem er zukünftig leben wird. Oh süßes Entzücken, immer wenn der Tag anbricht, wird sie erscheinen und bei ihm verweilen. Gerald muss ihren Enthusiasmus abbremsen. Er kann sich nicht vor der Welt verstecken. Weiß Lakmé nicht, was Ehre ist und Pflicht für ihn bedeutet. Was werden die Kameraden sagen, wenn er nur noch zum Dienst erscheint, um seinen Sold abzuholen? Lakmé weint - hat ihr Zauber seine Wirkung so schnell verloren?

Szenen 21-22

Die Bramahnen betreten singend den Tempel gefolgt von den tanzenden Mädchen. Der Opernchor teilt sich in zwei Gruppen. Die Priester singen die Litanei und der Chor antwortet jedes Mal mit dem Ausruf Durga. Der Endungsvokal wird in die Länge gezogen und das Wort klingt dann bei ungenauem Hinhören so ähnlich wie „Hurra“. Die goldene Gottheit, höre ihre Stimme. Mögen ihre Arme ihnen Schutz bieten. Die Genannte lächelt auf alle hernieder und sieht sie. Tief beugen sie ihre Knie, denn Durga wurde wiedergeboren.

Miss Bentson entrüstet sich. Wegen einer Gottheit mit zehn Armen haben alle den Kopf verloren? Frederick hat es versäumt, ihr zu erklären, was es an der Göttin zu bewundern gibt, und wird gerügt. Gerald findet das Festival interessant. Aber nur, weil des Bramahnen Tochter vorbeilaufen könnte, wirft Frederick scherzhaft ein. Es ist ein Traum, ein Wahnsinn, der vorbeigeht und bald vergessen sein wird. Aber noch fühlt er in seinem rebellierenden Herzen, dass Lakmé lebt, und er sieht nichts anderes als ihre Schönheit. Im Tempel ist man noch nicht zur Ruhe gekommen und die Gesänge sind beim Geist des Ganges angelangt. Frederick verspricht, sich Lektüre zu beschaffen, um wissenschaftlichen Fragen Rede und Antwort stehen zu können. Mit einem Bild der zehnarmigen Durga verlassen die Gläubigen den Tempel. Miss Bentson will jetzt endlich weg von diesem Getöse. Sie wettet, dass die Hindus noch bis Tagesanbruch so weiter machen und geschworen haben, sie taub zu machen. Durga ist wiedergeboren! Erscheine, Erscheine! Die Prozession zieht vorbei und für Nikalantha schlägt nun die Stunde der Rache. Gerald ist hinter den anderen ein wenig zurückgeblieben und denkt nach, ob seine Affäre mit der Inderin Traum oder Wahnsinn sei. Nikalantha zückt sein Messer und sticht den Verfolgten nieder. Die Inder sind geflüchtet, doch Lakmé hat die Tat beobachtet. Sie eilt herbei und hat schnell herausgefunden, dass der Stich nicht tödlich war. Der Getroffene ist nur bewusstlos. Die anderen denken, sich an ihrer Genugtuung freuen zu können. Sie beugt sich über den Geliebten und flüstert: Jetzt gehörst du für immer mir. Nur für ihn wird sie leben. Möge Brahma ihre Liebe beschützen.

3. Akt:

Szene 23

Die weiße Ringeltaube ist davongeflogen. Lakmé ruft nach ihr, sie möge ihre Schwingen in Bewegung setzten, zurückkommen und süße Liebe mitbringen. Unter einem Himmel voller Sterne erfährt das Liebesduett von Lakmé und Gerald einen zweiten Aufguss. In der verschwiegenen kleinen Bambushütte, eingehüllt in Ranken und Blumen, hat sie dem Liebsten aus Blättern ein Lager bereitet. Die Töchter Bramahs werden in der Heilkunde schon als Kind unterwiesen, deshalb konnte die Wunde durch Einreiben mit Blumensäften sich alsbald schließen. Gerald erwacht aus friedlichem Schlummer und versucht sich zu erinnern. Das Festival in der Stadt kommt ihm in den Sinn. Versunken in Ekstase waren seine Gedanken bei Lakmé, als der Blitz eines Dolches aufzuckte und es Nacht um ihn wurde. Lakmé ergänzt, dass Hadji seinen Körper schulterte und mit ihm durch die Nacht geglitten ist. In der Bambushütte angekommen, beugte Lakmé sich über den Verletzten und massierte das Herz, bis die Starre sich auflöste. Mit den Lippen hat sie die Atmung eingeleitet und Brahma gedankt, dass er ihr den Liebsten wiedergegeben hat. Das Aroma wild wachsender Blumen füllt nun das anfällige Herz und die weiße Ringeltaube ist vorbeigezogen. Nun wollen sie sich noch tiefer in den Dschungel zurückziehen, um von dem Treiben der Welt Abstand zu gewinnen. Dort wird sie ihn in die Geheimnisse der indischen Religion einführen und von der göttlichen Dreifaltigkeit sprechen. Eine Hymne zu Ehren von Durga, Vishnu und Ganesha, vor denen alle zittern, werden sie anstimmen und den Unsterblichen danken, dass sie Milde ausgebreitet haben und sie zusammenführten. Dem Opernchor gefällt der Vorschlag, denn er fängt bereits an, zu summen: Ah, Ah!

Szene 24

Lakmé hat sich entschlossen, zur heiligen Quelle zu eilen, um frisches Wasser zu schöpfen. Plötzlich steht Frederick vor der Hütte. Er brauchte nur den Bluttropfen zu folgen und hat über den niedergetretenen Farn den Weg zur versteckten Hütte leicht gefunden. Der Besorgte dachte schon, er sei tot. Was macht Gerald hier? Nun, er träumt. Frederick hat Neuigkeiten: Das Land befindet sich in Aufruhr. Eine Revolte muss niedergeschlagen werden. In wenigen Stunden wird die Truppe von hier wegziehen. Gerald erzählt, dass er von dem Charme und der Liebe Lakmés, die ihn in die Welt der Lebenden zurückgebracht habe, berauscht sei. Frederick kennt diese leuchtende Trunkenheit auch, betrachtet sie aber nur als vorübergehenden Zustand. Es sind die Küsse des Frühlings, die man nicht wichtig nehmen sollte. Leidenschaftlich und sprunghaft sind sie und die Schläge der Reue folgen bald nach. Gerald führt an, dass in Lakmés Herz die erste Liebe erwacht sei und sie sich selbst ganz gibt. Frederick wertet ab, dass Kinder dieser Kategorie zu einer ernsthaften Bindung nicht tauglich seien. Was ist mit Miss Ellen? Die Macht der Verzauberung reicht an Ellen nicht heran. Gerald erinnert Harald an seine Aufgabe und an seine Pflicht. Hat er vergessen, dass die englischen Soldaten die besten auf der Welt sind? Morgen geht es in die Schlacht! In einer Stunde brechen die Kameraden auf. Wird Gerald dabei sein? Er wird dabei sein! Fredericks Argumente haben gewirkt und er begibt sich zuversichtlich auf den Rückweg. Er hat den Freund zurückgewonnen. Nun ist er wieder der Alte.

Szene 25

Lakmé besuchte die Quelle und kommt mit dem gefüllten Becher zurück. Sie erklärt, wenn ein liebendes Paar gemeinsam aus dem Becher das heilige Wasser getrunken hat, ist es vereinigt für immer. Sie hat von Fredericks Anwesenheit nichts mitbekommen, aber Gerald kommt ihr plötzlich verändert vor. Ihre Besorgnis bringt sie zum Ausdruck. Er ist nicht mehr der Mensch, den sie soeben verlassen hat. Eine Wolke zeige sich auf seinem Gesicht und wenn er spricht, befindet sich seine Seele nicht mehr auf seinen Lippen. Sein Blick hat nicht mehr die Leidenschaft, die sie in Flammen versetzte. Es hat gefroren! Er quittiert, dass auch sie nicht mehr das charmante Kind sei, an welches er sich gewöhnt hatte. Möchte er nicht mehr, dass ihr Schicksal zu dem seinen gelenkt sei? Gerald erklärt, dass er das wünscht, was sie vorschlägt. Sie möchte sein Lächeln sehen. Weiß Gerald, was ein Eid ist? In diesem Moment zieht die Kompanie Geralds am jenseitigen Flussufer vorbei. Die Militärmusik nimmt Gerald voll in Anspruch und es drängt ihn zu den Seinen. Zu den Waffen! Sieg für England! Sein Herz springt. Lakmé macht sich nichts vor. Sein Land tut sich vor ihm auf. Ihr Herz ist gebrochen. Alles ist aus.

Szenen 26-27

Geralds Beachtung ist voll auf das vorbeiziehende Militär gerichtet. Von ihm unbemerkt pflückt die Verlassene lächelnd eine Datura-Blume und beißt hinein. Plötzlich wird er aufmerksam. Lakmé, was ist los? Er gab ihr den süßesten Traum, den man unter dem Himmel haben kann. Er soll jetzt bei ihr bleiben, damit sie weitab von der Welt diesen Traum noch einmal auskosten kann. Worte der Liebe sprach er zu ihr, welche die Inder nicht kennen. Er trug die Verzückung wispernder Bekenntnisse an sie heran. Nun wird ihre Seele sich von allen Dingen zurückziehen. Hier ist der Becher, aus dem sie getrunken hat. Er soll ihn an die Lippen führen und ihre Liebe wird unsterblich sein. Es ist die Hochzeit ihrer Liebe. Jeder Schatten von Bitterkeit ist verflogen. Niemals mehr wird eine Träne den Anblick von ihm verschleiern. Er soll kein Gelübde leisten, welches zu schwer ist einzuhalten. Nun möchte sie in seinen Armen sterben. Es ist nicht der Tod, der sie trennt, sie wird immer bei ihm sein.

Nikalantha erscheint und sieht die sterbende Tochter. Mit schwacher Stimme kann sie dem zürnenden Vater noch erklären, dass Gerald aus dem Elfenbeinbecher mit ihr das Wasser aus der heiligen Quelle getrunken hat und ihr Mann damit für seine Rachegelüste unantastbar geworden ist.


Letzte Änderung am 17.8.2012
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