Gaetano Donizetti (1797-1848):

Il Falegname di Livonia ossia Pietro il Grande, Czar della Russia

deutsch Der Zimmermann von Livland oder Peter der Große, Zar von Russland

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1819
Uraufführung: 26. Dezember 1819 in Venedig (Teatro San Samuele)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Bemerkung: Zur Karnevalssaison wurde die Oper in Jahre 1819 in Venedig uraufgeführt. Sie war die achte Oper in Donizettis Titelverzeichnis und erlangte nur wenig Beachtung. Die Fertigstellung wurde von schwerwiegenden familiären Schicksalsschlägen begleitet. Giovanni Pacini hatte kurz zuvor den gleichen Stoff nach einer französischen Komödie gewählt und der prominentere Librettist Felice Romani hatte ihm das Libretto geschrieben. Es handelt sich um eine Episode aus dem Leben Peters des Großen, in der er selbst aber nicht als Handlungträger auftritt.

Zur Oper

Art: Melodramma burlesco in zwei Akten
Libretto: Gherardo Bevilavqua-Aldobrandini nach einem Lustspiel von Alexandre Duval
Sprache: italienisch
Ort: Livland
Zeit: zu Beginn des 18. Jahrhunderts

Personen der Handlung

Pietro il Grande: Zar von Russland (Bariton)
Caterina: seine Gemahlin (Mezzosopran)
Madama Fritz: eine Gastwirtin (Sopran)
Carlo Scavronski: ein Zimmermann (Tenor)
Annetta Mazeppa: Freundin der Wirtin (Sopran)
Ser Cuccupis: ein Richter (Bariton)
Firman-Trombest: ein Wucherer (Bariton)
Hondediski: ein Hauptmann (Tenor)
Weitere: Dorfbevölkerung

Handlung

1. Akt:

Livland befindet sich unter russischer Herrschaft. In einer kleinen Ortschaft betreibt Frau Fritz eine Gastwirtschaft. Diese wird von einer Jagdgesellschaft frequentiert, die im Begriff ist, mit Pfeil und Bogen Tiere des Waldes zu erlegen, denn auf der Speisekarte steht auch Wildbret. Die Freundin der Wirtin ist Annetta, eine Waise, welche mit dem Zimmermann Carlo verlobt ist. Carlo hat Rosinen im Kopf, denn er gibt vor, von edler Abkunft zu sein.

Der Geldverleiher Firman-Trombest tritt auf und hat einen Disput mit der Kellnerin. Bei ihm hat Annetta eine Halskette versetzt, die sie nicht einlösen kann. Das kokette Mädchen versucht, den Wucherer zu beschwatzen und winkt mit Liebe. Carlo wird eifersüchtig und holt seine Axt. Die Situation wird brenzlich, zumal dem russische Hauptmann Hondediski das Mädchen auch gefällt und er Opposition zu Carlo einnimmt. Der Gastwirtin zeigt Autorität und es gelingt ihr, die Auseinandersetzung zu beenden

Zwei vornehme Fremde sind angereist, die ihre Identität vor den Leuten aber geheim halten. Dem Opernbesucher sei verraten, dass es sich um den Zaren Peter mit seiner Gemahlin Katharina handelt. Die Zarin sucht nach ihrem verschollenen Bruder und sie wollen feststellen, ob Carlo, der vorgibt ein Edelmann zu sein, das vermisste Familienmitglied ist. Carlo, der nicht weiß, wer die Angereisten sind, will nicht Auskunft geben, verhält sich seinem Wesen entsprechend aufmüpfig und regt sich auf.

Peter fordert den Hauptmann auf, den Handwerker unter Kontrolle zu bringen, und es wird nach dem Magistrat gerufen. Ser Cuccupis soll gegen ihn verhandeln und ihn einsperren lassen. Annetta ist verzweifelt und bittet die hohe Dame an der Seite des Fremden um Intervention. Ihre Auskünfte vertiefen in Katharina die Einschätzung, dass Carlo, den sie seit den Zeiten ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hat, der tot geglaubte Bruder ist.

Unter Carlos Arbeitspapieren hat die Patronin eine Urkunde entdeckt und legt sie offen. Die Angaben lassen keine Zweifel, dass Carlo der Gesuchte ist. Die adelige Geburt ist darin festgelegt wie auch das Datum seiner Taufe. Katharina hatte es geahnt und ist nun glücklich, ans Ziel gelangt zu sein.

2. Akt:

Carlos vornehme Abkunft ist nun auch der Dorfgemeinschaft deutlich sichtbar geworden. Seine handwerkliche Kleidung hat er an den Nagel gehängt und er stolziert nun in edlen Textilien herum. Aus dem Arrest entlassen, wurde ein Streit mit Firman-Trombest vom Magistrat zu seinen Gunsten entschieden. Der Richter weiß nun, dass Carlo unter hochwohlgeborenem Schutz steht, von dem er sich auch Vorteile für sich selbst verspricht. Peter hat sich noch nicht zu erkennen gegeben und erzählt, dass er Meschikow heiße und ein hoher Offizier des Zaren sei.

Carlo ist von den Besuchen seiner Schwester und seines Schwagers ein bisschen genervt, weil er nicht sicher ist. Annetta ist nämlich ein Abkömmling des Rebellen Mazeppa, der als Vaterlandsverräter ein unrühmliches Ende fand. Da die Sache aber schon einige Zeit zurückliegt, verzeiht Peter die unedle Herkunft des Mädchens.

Der Kapitän der russischen Truppe erzählt dem Magistrat, dass Meschikow der Zar selber ist. Dieser macht sich nun Hoffnungen, doch aus seinem beruflichen Aufstieg in Sankt Petersburg wird nichts. Der Zar entscheidet, dass er in seinem Dorf gut aufgehoben ist. Zum Jubel des Publikums darf Annetta ihren Verlobten zur Rückkehr in den Schoß der Familie nach Sankt Petersburg begleiten.


Letzte Änderung am 2.8.2015
Beitrag von Engelbert Hellen