Gaetano Donizetti (1797-1848):

Belisario

deutsch Belisar / englisch Belisar / französisch Bélisaire

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1835
Uraufführung: 4. Februar 1836 in Venedig (Teatro La Fenice)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Erstdruck: Wien: P. Mechetti, 1836 ?
Verlag: Brescia: MKT edizioni musicali, 2000
Bemerkung: Die selten gespielte Oper verdient ihr Schattendasein nicht. Sie quillt über von herrlicher Melodien. Die Solisten wurden reichlich bedacht, und die Chöre kommen wirkungsvoll zur Geltung.

Zur Oper

Art: Lyrische Tragödie in drei Teilen
Libretto: Salvatore Cammarano nach E. von Schenk
Sprache: italienisch
französisch von Jean-François Marmontel
Ort: Byzanz und Hämusgebirge
Zeit: 6. Jahrhundert

Personen der Handlung

Gustiniano / Justinian: Imperator des Orients (Bass)
Belisario / Belisar: sein Feldherr (Bariton)
Antonina / Antonia: Belisars Gattin (Sopran)
Irene: beider Tochter (Mezzosopran)
Alamiro / Alamir: Belisars Gefangener, in Wirklichkeit Alessio, sein Sohn (Tenor)
Eudora / Eudoxia: Freundin Irenes (Sopran)
Eutropio / Eutropius: Anführer der kaiserlichen Leibwache (Tenor)
Eusebio / Eusebius: Gefängnisaufseher (Bass)
Ottario / Oktar: Feldherr der Alanen und Bulgaren (Tenor)
Weitere: Hofstaat, Soldaten, Dienerschaft, Volk

Handlung

Erster Teil: TRIUMPH

Vor dem kaiserlichen Palast von Byzanz erwartet die Menge die Rückkehr des siegreichen Feldherrn Belisar. Die Schlacht gegen die Goten wurde gewonnen. Irene kann es nicht erwarten, ihren Vater nach langer Zeit der Abwesenheit wiederzusehen. An seiner Seite befindet sich ein gefangener Krieger, der sich Alamiro nennt, über dessen Herkunft aber niemand etwas weiß. Mit seiner Gattin ist der Feldherr hoffnungslos zerstritten. Eine zeitlich weit zurückliegende Familientragödie ist die Ursache, weshalb Antonina immer noch vor Hass erzittert und auf Rache sinnt.

Von einem sterbenden Sklaven hatte sie erfahren, dass dieser einst von ihrem Mann beauftragt wurde, ihren Sohn Alessio zu entsorgen. Proclo hat es allerdings nicht über das Herz gebracht, den Säugling zu töten, sondern ihn am Ufer eines Flusses ausgesetzt, damit Dorfbewohner ihn finden und aufziehen. Nun beichtet er die verachtungswürdige Tat der Mutter, um seinen Seelenfrieden zu gewinnen. Antonina sehnt sich seit dieser Zeit glühend nach ihrem Kind und verfolgt ihren Mann mit grenzenlosem Hass. Auf das Tatmotiv angesprochen, erklärt dieser, dass ihm vorhergesagt worden sei, sein Sohn würde sich eines Tages gegen Byzanz erheben und er aus Pflichtgefühl und grenzenloser Loyalität zum Kaiser diesen Vorsatz im Keim zu ersticken gedachte.

SZENENWECHSEL

Mit der Hilfe von Eutropio, dem Anführer der kaiserlichen Leibwache, der ihre Liebe begehrt, versucht Antonina beim Kaiser gegen Belisar Stimmung zu machen. Verleumderische Briefe, in denen von Umsturzplänen die Rede ist, welche der Feldherr angeblich an seine Gattin geschrieben haben soll, bewirken eine Anklage wegen Hochverrats. Niemand kann nachvollziehen, weshalb der umjubelte Sieger plötzlich in Ungnade gefallen ist. Die Echtheit des angeblichen Beweismaterials wird allgemein angezweifelt, doch die Kronzeugin bestätigt den Inhalt der Briefe in der vorliegenden Form. Dem unschuldigen Belisar gelingt es nicht, sich von vom Vorwurf des Hochverrats zu befreien.

Eine Anzeige wegen Verdacht des Kindesmordes schiebt die Kindesmutter nach. In seiner Einfalt erklärt der Angegriffene sein stichhaltiges Tatmotiv und verweist auf das Orakel des Hellsehers. Der Verlust des Kindes habe ihn arg geschmerzt, aber der Schutz von Byzanz und das Wohlbefinden des Kaisers sei ihm wichtiger gewesen. Die Kaiserin Theodora ist Antoninas beste Freundin. In Vermeidung von Opposition und eigener Ängstlichkeit begeht Justinian den Fehler, Belisar wegen Hochverrats zum Tode zu verurteilen. Antoninas Jubel ist grenzenlos.

Zweiter Teil: EXIL

Belisars Todesurteil wurde aufgehoben, berichten die Neuigkeiten-Ausrufer, und sei in lebenslängliche Verbannung umgewandelt worden. Doppelsinnig hatte Justinian dem Urteil die rätselhaften Worte hinzugefügt, dass die Augen Belisars den Kaiser niemals mehr erblicken dürfen. Der missgünstige und um Antoninas Liebeslohn besorgte Eutropio beeilt sich, das Urteil zu vollstrecken und lässt Belisar blenden. Mit leeren Augenhöhlen wird der ehemals Umjubelte in den Arrest geführt. Die Sehnsucht des Vaters gilt der Anwesenheit der geliebten Tochter. Irene ist in der Nähe, traut sich aber nicht, dem verzweifelten Vater nahe zu kommen. Schließlich fasst sie sich ein Herz und beschließt, ihn in ein unbekanntes Exil zu begleiten. Alamiro, der sich aus Bewunderung mit seinem Herrn anfreundete und sich magisch zu ihm hingezogen fühlt, betrauert sein Schicksal und schwört Rache.

Dritter Teil: TOD

Irene wandert mit dem Blinden durch das weite Land, und beide machen unter einer Palme erschöpft Rast. Eine Truppe von Soldaten marschiert an ihnen vorbei, und es stellt sich heraus, dass Alamiro sie anführt. Die Erklärung, man erhebe sich gegen Byzanz, versetzt Belisar, der dem Kaiser immer noch in Loyalität ergeben ist, in Zorn. Irene sieht am Hals des Anführers ein christliches Kreuz baumeln, welches – o Wunder – das gleiche Ornament aufweist, welches der entführte Säugling zuletzt getragen hat. Es ist nur noch eine Frage des Instinktes und der Frömmigkeit, in Alamiro den verschollenen Bruder zu erkennen. Die Geschichte seiner Entdeckung erinnert an Moses, und man fällt sich freudestrahlend in die Arme.

SZENENWECHSEL

Antonina erscheint von Reue ergriffen im Kriegszelt vor Justinian und gesteht ihre Schuld. Aus Rachsucht habe sie Belisar verleumdet und der Justiz ausgeliefert. Der Kaiser ist maßlos verärgert. Zu der Einsicht gekommen, dass es ein Fehler war, seinem überaus fähigen Feldherrn die Augen ausstechen zu lassen, muss er jetzt die verantwortungsvolle Arbeit der Kriegsführung selbst übernehmen. Zu allem Überfluss berichtet Irene, dass der Blinde sich wieder an die Spitze der Armee gestellt habe, Verbände bulgarischer Nomaden hinzugestoßen seien und der Vater zusammen mit seinem verschollen geglaubten Sohn gegen Byzanz vorrücke. Doch das Schicksal ist dem sieggewohnten Feldherrn nicht mehr hold. Ein gegnerischer Pfeil hat ihn getroffen, und Alessio trägt den Sterbenden herein. Dem Kaiser ist es ein Bedürfnis, sich mit seinem ehemaligen Freund zu versöhnen. Das Flehen Antonias um Vergebung kann das Ohr des Gatten nicht mehr erreichen. Vom Volk verflucht, bricht die verzweifelte Witwe über dem Leichnam tot zusammen.


Letzte Änderung am 29.12.2008
Veröffentlichung mit Zustimmung von musirony