Leo Fall (1873-1925):

Madame Pompadour

Allgemeine Angaben zur Operette

Entstehungszeit: 1922
Uraufführung: 9. September 1922 im Berliner Theater
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Bemerkung: Seine letzte Operette wurde auch sein größter Erfolg. Leo Fall hatte das Glück, in Berlin in Fritzi Massary die ideale Darstellerin der Pompadour für die Uraufführung zu finden. Schmissige Melodien, französische Eleganz und erotisches Feingefühl verschmelzen zu einer Einheit, die beim Publikum auf Wohlgefallen stieß und ins Berlin der zwanziger Jahre nahtlos passte. Berlin war eine Hochburg der Operette, in der viele Komponisten ihr Glück machten und Uraufführungen platzierten.

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Madame Pompadour (CPO, DDD, 2012)
Leo Fall (1873-1925)

klassik. com 03 / 2014: »In sich stimmige Operettenproduktion, deren Spaßfaktor deutlich hör- und spürbar ist. Dabei beweist Dasch ungeheure Spielfreude und Komik, sie kitzelt pikante Zwischentöne hervor, schäkert und girrt, sie flirtet, säuselt und kann auch überraschend jazzig röhren. Als Marquise von Pompadour gibt die Berlinerin charmante Primadonna mit strahlendem Sopran, unmittelbarer Spontaneität und erfreulich guter Artikulation.«
Stuttgarter Zeitung 05 / 2014: »Gäbe es mehr Opern-Einspielungen dieses Schlages, mit Lust am musikalischen Witz und großer spieltechnischer Akkuratesse, dann hätte sich die Gattung längst aus den Klauen der Routine befreit.«
FonoForum 06 / 2014: »Beide letztlich doch recht unterschiedlichen Kompositionen werden mit viel Temperament und offenkundig großer Spielfreude ohne Ausrutscher oder Übertreibungen geboten. Selbst die kleineren Rollen sind mit zumeist jungen Stimmen exzellent besetzt, die mit großer Natürlichkeit viel Charme versprühen. Da fügt sich wirklich alles derart wunderbar zusammen, dass die 79 Minuten wie im Fluge vergehen. So schön also kann französische Barockoper sein.«
Concerti 04 / 2014: »Herrlich bissige Musik, der Andreas Schüller pointierte rhythmische Akzente zu verpassen weiß. Eine effektvolle ironische Grundierung, auf der sich die Sänger austoben können: mal einschmeichelnd-verführerisch, mal lebendig unverkrampft.«

Zur Operette

Art: Operette in drei Akten
Libretto: Rudolf Schanzer und Ernst Welisch nach einer Pseudo-Biographie der Maitresse Ludwigs XV.
Sprache: deutsch
Ort: Paris
Zeit: zur Zeit Ludwigs XV.

Personen der Handlung

Marquise de Pompadour: die Mätresse des Königs (Sopran)
Ludwig XV.: der König (Tenorbuffo)
René: Graf Dubois (Tenor)
Joseph Calicot: Dichter von Spottliedern (Bassbuffo)
Madeleine: Renés Frau (Sopran)
Belotte: Kammerfrau der Marquise (Sopran)
Maurepas: Polizeiminister (Tenorbuffo)
Weitere: Pariser Bürger, Polizisten

Handlung

1. Akt:

Die Geliebte des Königs ist nicht nur aufreizend schön, sondern konsequenterweise auch zügellos. Der Dichter Calicot sieht das zumindest so und komponiert Spottlieder auf die Hochgestellte am Hofe von Versailles. ‚Die Pom..., die Pom..., die Pom... ist eine schöne HaHaHa’ . Das Volk von Paris ist natürlich allzu gern bereit, den Versen des frechen Poeten zu glauben, und man trifft sich im „Musenstall“, um seiner Gehässigkeit ungestört freien Lauf zu lassen. Allabendlich zur Karnevalszeit trifft der Verfasser Joseph Calicot hier auch seinen Freund, den Grafen René Dubois, dem es auf seinem Schloss zu langweilig ist, denn in Gegenwart seiner Frau Gemahlin kann er nicht so richtig lustig sein. Zur Faschingszeit gebärdet man sich besonders ausgelassen, und die Schmählieder klingen so laut, bis sie an die Ohren von Madame Pompadour dringen.

Durchlaucht sieht nicht ein, sich Unverschämtheiten gefallen zu lassen, verkleidet sich und begibt sich mit ihrer Kammerzofe Belotte unerkannt zum „Musenstall“. Sie ahnt noch gar nicht, dass der Polizeiminister Maurepas ihr Todfeind ist, denn dieser hat den „Musenstall“ schon seit langem ins Visier genommen. Er möchte die Pompadour ins Verderben schicken und wartet darauf, sie bei einem galanten Abenteuer zu erwischen, damit er die Schandtat dem König melden kann. Fast gelingt es, denn die beiden Damen haben an dem Dichter und dem Grafen Gefallen gefunden, suchen die Gesellschaft der beiden Spaßvögel und geben sich ungezwungen. Die Pompadour ist nicht auf ihre Hochfrisur gefallen und fordert den höchsten Ordnungshüter auf, den Dichter und den Grafen zu verhaften, da beide Aufrührer seinen. Die Verblüfften sind allerdings über die seltsame Strafe, die sie ereilen soll, überrascht. Der Verseschmied bekommt den Auftrag, für den Hof ein Festspiel zu schreiben, und der Graf wird zur Leibwache der Marquise beordert.

2. Akt:

Während dem Poeten zum Entwurf eines Festspieles für das königliche Theater überhaupt nichts einfällt, ist Graf René keineswegs begriffsstutzig und stellt sich bereits vor, wie er seine Aufgabe als Nachtwächter bei der Marquise mit Hingabe erfüllen wird.

Doch dann spricht seine Frau Madeleine bei der Marquise vor, die ihr zusagt, den spurlos verschwundenen Gatten ausfindig zu machen. Maurepas ist ebenfalls auf der Suche nach dem Buhlen von Madame und hält irrtümlich den Hofpoeten für den Strolch. Allzu gern möchte der Intrigant dem König Gelegenheit bieten, sich selbst von der Untreue seiner Maitresse zu überzeugen und setzt den Furchtsamen unter Druck. Die Marquise bittet der Verfolgte doch um Himmelswillen, ihn mit amourösen Gelüsten zu verschonen. Diese freut sich, den Sittenwächter Maurepas auf der falschen Spur zu wissen und treibt ihren Mutwillen auf die Spitze: ‚Ach Joseph, ach Joseph, was bist du so keusch? Das Küssen macht so gut wie kein Geräusch .....! Vom biblischen Joseph wissen wir, dass er sich den Begierden der Frau des Potiphar durch die Flucht entziehen wollte. Als sie versuchte, nach ihm zu greifen, ließ er seinen Bademantel in ihren Händen zurück. Die Pompadour - weitaus gewitzter - hatte zuvor die Tür ihres Boudoirs verschlossen, und Calicot bleibt in seiner Todesangst vor der Unersättlichkeit seiner Verfolgerin nur der Sprung an den Kronleuchter. Die Lampe gerät ins Schwingen, und die unzüchtige Marquise versucht beim Rückpendeln dem Ängstlichen die Hose herunterzuziehen. Das Geklimper der böhmischen Glaskügelchen im Lüster bleibt im Schloss nicht ungehört, und der Polizeipräsident verschärft seine Spionage.

Madeleine hat der Marquise ein Medaillon mit dem Bildnis ihres Gatten gezeigt; es ist René. Ihre Halbschwester will sie nicht in ein seelisches Unglück stürzen, und edle Regungen bemächtigen sich ihrer Seele. Doch zu spät: Der König, unverhofft von der Jagd zurückgekehrt, tritt ins Schlafzimmer und findet René vor. Sofort lässt Majestät den vermuteten Rivalen festnehmen und einsperren. Die Marquise befindet sich im Erklärungsnotstand und tritt die Flucht nach vor an. Sie droht dem König, ihm bei den Regierungsgeschäften nicht mehr zu helfen und lässt eine Truhe mit Akten aus dem Zimmer tragen. Doch Calicot, der den König kommen hörte, hat sich darin versteckt und ist froh, aus dem Spannungsfeld getragen zu werden.

3. Akt:

In seinem Arbeitszimmer findet Majestät die Truhe nun vor und befreit den Eingesperrten aus seinem unbequemen Versteck, der sich bisher nicht getraut hatte zu entweichen. Sollte Maurepas doch recht haben, dass der Poet der geheime Geliebte von Madame ist? Die Hofgesellschaft kann es sich nicht vorstellen! Auch René wird Gelegenheit geboten, sich als naher Verwandter der Marquise vorzustellen. Der König darf aus einem Versteck einen Dialog belauschen, der natürlich konstruiert ist, und Madams Unschuld beweisen soll. Madeleine, die sich nichts hat zu Schulden kommen lassen und lediglich langweilig ist, bekommt ihren René zurück. Belotte bekennt sich zu ihrem Poeten, dem die königliche Kanzlei aus Versehen ein königliches Honorar für nicht abgeleistete Dichtkunst aushändigt.

Madame Pompadour kann - einstweilen beruhigt - ihrem nächsten Liebesabenteuer entgegensehen. ‚Heut könnt einer sein Glück bei ihr haben’.


Letzte Änderung am 17.12.2006
Beitrag von Engelbert Hellen