Adam de la Halle (1237-1287):

Le Jeu de Robin et de Marion

deutsch Das Spiel von Robin und Marion

Allgemeine Angaben zur Oper

Spieldauer: ca. 75 Minuten

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[Details]
Le Jeux de Robin et Marion (Naxos, DDD, 2003)
Adam de la Halle (1237-1286)

Künstler: Tonus Peregrinus

Zur Oper

Art: Szenisches Spiel in 7 Szenen und einem Prolog mit gesprochenen Dialogen und vertonten Versen
Libretto: Adam de la Halle
Sprache: alt-französisch
Ort: Nordfrankreich
Zeit: 13. Jahrhundert

Personen der Handlung

Robin: ein Edelmann
Marion: eine Schäferin
Albert: ein Ritter
Weitere: närrisches Volk

Handlung

Robin liebt mich, ich bin sein.
Robin hat mich gebeten, ihn zu heiraten. Ich habe „ja“ gesagt.
Robin hat mir ein Kleid geschenkt
Aus feinstem Purpur
Mit einem Gürtel, bis zu den Knöcheln reicht der Stoff.
La-di-da.
Robin liebt mich. Ich bin sein.
Robin hat mich gebeten, ihn zu heiraten. Ich habe „ja“ gesagt.

Dieser hübsche Vers der kleinen Schäferin ist dem Prolog vorangestellt, mit diesem Vers beginnt die erste Szene und dieser Vers beschließt die Vorstellung.

Ein Ritter - nach beendetem Turnier auf dem Weg nach Hause - hört das fröhliche Lied der lieblichen Marion. Er macht ihr den Hof.

Albert, du verschwendest deine Zeit! Robin allein ist es, den Marion liebt. Sie ist zwar nur eine Schäferin. Macht nichts! Er liebt sie trotzdem. Traa-de, ba-da-dee, ba-da-dee, ba-da-ya.
Der Ritter ist in Stimmung. Diesen Morgen ritt er durch den Wald und durchquerte einen Bach. Dann fand er eine solche Schönheit, wie kein König sie je gesehen. Hey, Traa-de, ba-da-dee, ba-da-dee, ba-da-ya.

Hey, lieber Robin, doo-bi-doo-bi-wah
Oh, komm zu Marion, doo-bi-doo-bi-wah
Leg los! Marion will spielen.

Robin wird ihr alles erzählen, was passiert ist.
Alles wird sie hören.
Süße kleine Schäferin, oh schenke Robin einen Blumenstrauß.

Alles, was er will, kann er bekommen.

Kann Robin auch tanzen mit seinen beiden Füßen. Sie beschwört ihn im Namen seines alten Vaters. – Aber ja, er beschwört es bei seiner alten Mutter. Er tanzt vor ihr, er tanzt hinter ihr. Ist es nicht amüsant, wie er seinen Kopf bewegt? Tanzt er auch eine Pirouette? Bei seiner alten Mutter, er kann es!

Jetzt muss Robin auch noch pfeifen lernen. Sie reicht ihm eine kleine Silberflöte.

Robin soll aufwachen. Marion ist entführt worden. Marion lässt sich aber nicht entführen. So bleibt dem Ritter nichts anderes übrig, als Marion wieder freizugeben.

Jetzt wird lustig geschmaust.

Beschreibung

Ein solches Stück der heutigen Zeit zugänglich zu machen, ist eine delikate Angelegenheit. Die Textdokumente sind in altfranzösischen Dialekten niedergelegt und man weiß nicht, wie es im 13. Jahrhundert phonetisch geklungen haben mag. Es lässt sich bestenfalls die Geräuschkulisse imitieren, um die Atmosphäre wiederzugeben, in der das Stück aufgeführt wurde. Ein zeitgemäßes Französisch würde diesen Zweck verfehlen und so ist man das Wagnis eingegangen, die Protagonisten in englischer Sprache agieren zu lassen, während gleichzeitig ein Erzähler – die kleinen Sprechpausen nutzend - das Geschehen in französischer Sprache kommentiert. Bei den Gesangseinlagen, die meistens mit einem oder mehreren Instrumenten begleitet werden, bedient man sich des Originaltextes. Das Resultat ist äußerst lebhaft und vermag den Zuhörer zu fesseln.

Man kann die Vorgehensweise natürlich kritisieren, sollte aber doch dem Ensemble der englischen Einspielung ein hohes Maß an Kompetenz zubilligen. Das Vokalwerk von Adam de la Halle als Vorläufer der Oper zu bezeichnen, wäre ein wenig überzogen.


Letzte Änderung am 31.5.2006
Beitrag von Engelbert Hellen