Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791):

Lucio Silla

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1772
Uraufführung: 26. Dezember 1772 in Mailand am Teatro Regio Ducal
Besetzung: Solisten, Chor (SATB) und Orchester
Spieldauer: ca. 155 Minuten
Opus: KV 135
KV2 135
KV3 135
KV6 135

Kaufempfehlung

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[Details]
Lucio Silla (Teldec, DDD, 1989)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

L. Brandt in Audio 1 / 91:"Die Klassik-CD des Monats. ...die ausufernden Arien kommen, statt wie auf der Bühne vorwiegend die Hand- lung zu bremsen, voll zu ihrem akustischen Recht - wenn sich ein Spitzenteam wie das Harnoncourts der herrlichen Melodien an- nimmt."

Zur Oper

Art: Dramma per musica in tre atti
Libretto: Giovanni de Gamerra (1743-1803) mit Änderungen von Pietro Metastasio
Sprache: italienisch
Ort: Rom

Personen der Handlung

Lucio Silla: tyrannischer Diktator von Rom
Giunia: Verlobte Cecilios
Cecilio: ein geächteter Senator und Verlobter Giunias
Celia: Schwester des Lucio Silla
Cinna: Freund des Cecilio

Handlung

1. Akt:

In einem Park bei Rom erwartet der geächtete Senator Cecilio nach heimlicher Rückkehr aus der Verbannung ungeduldig die Ankunft seines Freundes, des Patriziers Lucio Cinna. Er möchte von ihm Neuigkeiten über das Schicksal seiner Verlobten Giunia erfahren, der Tochter des ermordeten Gaius Marius, und hört, dass diese ihn als vermeintlich Toten beweint. Der Diktator Lucio Silla versuche mit Hilfe dieser List, sie für sich als Gattin zu gewinnen. Cinna rät dem Freund, die Geliebte in der Heldengruft zu überraschen, wohin sie täglich geht, um den Tod ihres Vaters zu betrauern.
Diese Aussicht erfüllt Cecilio mit großer Vorfreude.
In den Gemächern Giunias bittet derweil Lucio Silla seine Schwester Celia um ihre Unterstützung. Die Missachtung der Tochter des Marius ihm gegenüber müsse überwunden werden, da ihm sonst kein anderes Mittel bleibe als die Gewalt. Celia hingegen rät ihm zu Verständnis und Geduld, denn die lebendige Gegenwart eines Liebenden werde doch irgendwann einmal über die Treue zu einem toten Geliebten siegen. Daher nähert Silla sich Giunia mit anteilnehmenden Worten, erhält als Antwort jedoch nur die Zusicherung ihres Hasses auf ihn als den Feind ihres Vaters sowie die Bestätigung ihrer Liebe zu Cecilio. Als Silla ihr daraufhin droht, bedeutet sie ihm voller Stolz und Hohn, dass der Tod ihr Erlösung, ihm aber Gewissensqualen bereiten werde. Alleingelassen schwankt Silla zunächst zwischen Zorn und Zuneigung, dann aber siegt der Wunsch nach Rache, und er beschließt erregt, seine Macht als Tyrann zu gebrauchen.
Unterdessen erwartet Cecilio an der Begräbnisstätte allein die Ankunft der Verlobten. Da sie sich in Begleitung nähert, versteckt er sich. Die weinende Giunia beklagt den Tod des Vaters und fleht den Verstorbenen um Hilfe an. Als sie auch den verloren geglaubten Geliebten beschwört, tritt Cecilio aus seinem Versteck hervor und umarmt die fassungslose Geliebte. Beide vergießen Freudentränen.

2. Akt:

Inzwischen gesteht sich der Diktator seine innere Zerrissenheit und die Gewissensqualen, die ihm die Ausübung von Gewalt immer wieder verschafft. Als Celia ihm jedoch berichtet, dass auch sie Giunia nicht habe umstimmen können, beschließt er die Anwendung einer List, damit diese noch heute seine Braut werde. Seiner Schwester teilt er mit, dass er sie gleichzeitig dem von ihr geliebten Cinna zur Braut geben will und begibt sich zum Kapitol.
Gecilio, das bloße Schwert in der Hand, wird von Cinna aufgehalten und nach dem Grund für seine Erregung befragt. Er berichtet, dass er am Grabe des Marius dessen Stimme vernommen habe, die ihn zur Rache am Diktator aufforderte. Cinna kann ihn zurückhalten, indem er ihn daran erinnert, dass von seinem Leben auch das der geliebten Giunia abhängt. Dieser Gedanke verwirrt Cecilio vollends und er fordert den Freund auf, an seiner Stelle Rache zu nehmen.
Cinna klärt Giunia darüber auf, dass Silla öffentlich vor dem Senat die Zustimmung zur Eheschließung mit ihr fordern werde. Er schlägt ihr vor, darauf zum Schein einzugehen, um den Verhassten dann im Brautbett zu ermorden. Diesen Plan lehnt sie ab, da sie Rache dem Himmel überlassen will, vertraut Cinna aber voller Sorge die Rettung und Sicherheit ihres Geliebten an. Alleingelassen beschließt nun Cinna, der Tyrannei ein Ende zu bereiten und den verhassten Diktator zu beseitigen.
Silla, durch Giunias Anblick wieder versöhnlich gestimmt, wiederholt noch einmal seine Werbung. Erneut weist sie ihn voller Verachtung zurück, sie wolle lieber sterben. Bevor er sie verlässt, entgegnet Silla ihr zornig, aber mit heimlichem Bedauern, dass sie sterben werde, aber nicht allein. Diese Bemerkung erregt in Giunia starken Aufruhr, denn sie fürchtet um Cecilios Leben. Da tritt dieser unerwartet zu ihr. Sie fleht ihn an, sich in Sicherheit zu bringen und auf die Gerechtigkeit des Himmels zu vertrauen. Beim Abschied versichert Cecilio sie seiner Treue auch über den Tod hinaus.
Nun tritt Celia auf die unglückliche Giunia zu und rät ihr, sich ihrem Schicksal zu ergeben und die Braut des Herrschers zu werden. Sie wünsche sie froh zu sehen, denn auch sie dürfe durch die Einwilligung ihres Bruders an Cinnas Seite nun endlich glücklich werden. Giunia aber beschließt in ihrer Angst, sich dem Senat zu Füßen zu werfen und entweder Gnade zu erlangen, oder an der Seite des Bräutigams zu sterben.
Auf dem Kapitol wird Silla vom Volk gefeiert. Zum Lorbeer des Kriegers wünscht man ihm nun auch die Myrte der Liebe. Als Silla vom Senat die Zustimmung zur Vermählung mit Giunia fordert, tritt Cecilio mit gezogenem Schwert dazwischen. Er wird entwaffnet und in Ketten gelegt. Die beiden Liebenden jedoch geben einander Zuversicht und finden Trost im Gedanken an einen gemeinsamen Tod. Ihre Beständigkeit und Treue zueinander hinterlassen bei Silla einen tiefen Eindruck.

3. Akt:

Auf dem Weg zum Kerker versichert Cinna Celia, dass ein Blutvergießen nicht zu vermeiden sei, wenn es ihr nicht gelänge, den Bruder umzustimmen. Zur Belohnung verspricht er ihr die Ehe. Während sie sich auf den Weg macht, sucht Ginna Cecilio im Kerker auf, um ihn aufzumuntern. Er solle jeden Gedanken an den eigenen Tod aufgeben, fürchten müssten sich nur die, die schuldig seien.
Auch Giunia ist es gelungen, zu Cecilio in den Kerker vorzudringen, um ihm Lebewohl zu sagen, bevor er von den Wachen abgeführt wird. Verzweifelt und ohne Hoffnung beschließt sie, sollte er sterben, ihm in den Tod zu folgen.
Auf dem Kapitol erhebt Silla vor versammeltem Senat und Volk Anklage gegen den vorgeführten Cecilio und - zu aller Erstaunen - begnadigt ihn. Er gibt ihm Giunia als Gattin. Als er sich nun Cinna als Freund nähern will, gesteht dieser ihm, dass auch er ihn gehasst und ihm nach dem Leben getrachtet habe. Silla verzeiht ihm ebenfalls, indem er ihm die Schwester zur Braut gibt. Er nimmt den Lorbeerkranz ab, schenkt seinem Vaterland die Freiheit, und will in Zukunft nicht mehr als Herrscher, sondern als einer unter seinesgleichen in Rom leben.
Alle Versammelten jubeln und feiern Lucio Silla als großen Sieger.


Letzte Änderung am 31.12.2005