Ferdinando Paër (1771-1839):

Leonora, ossia L'amor conjugale

deutsch Leonora oder die eheliche Liebe / englisch Leonora or Conjugal Love

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1804
Uraufführung: 3. Oktober 1804 in Dresden (Kleines Kurfürstliches Theater)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Erstdruck: Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1806 (Klavierauszug von August Eberhard Müller)
Verlag: Kassel: Bärenreiter, 1978

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[Details]
Leonora (Decca, ADD, 1978)
Ferdinando Paer (1771-1839)

Künstler: Ursula Koszut, Siegfried Jerusalem, Giorgio Tadeo, Edita Gruberova, Wolfgang Brendel, Bayerisches Symphonieorchester, Peter Maag

Zur Oper

Art: Dramma semiserio in 2 Akten
Libretto: vermutlich von Friedrich Rochlitz und Giacomo Cinti nach einer Vorlage Jean-Nicholas Bouilly
Sprache: italienisch
Ort: ein Staatsgefängnis bei Sevilla
Zeit: Ende des 18. Jahrhunderts

Personen der Handlung

Florestano: ein politischer Häftling (Tenor)
Leonora / Fidele: seine Frau (Sopran)
Pizarro: der Provinzgouverneur (Tenor)
Rocco: der Gefängnisaufseher (Bass)
Marcellina: seine Tochter (Sopran)
Giacchino: Marcellinas Verflossener (Bass)
Don Fernando: Minister (Tenor)
Weitere: Gefangene, Wachen, Soldaten, Gefolge des Ministers

Handlung

1. Akt:

In die Ränke seiner Politik hat Florestano unklugerweise versucht, sich einzumischen. Dafür hat der Provinzgouverneur Pizarro ihn ins Gefängnis gesteckt, in dem er nun schon seit zwei Jahren ausharrt.

Obwohl die meisten seiner Freunde den spurlos Verschwundenen bereits für tot halten, ist seine Gattin Leonora der Ansicht, dass er noch am Leben ist und lediglich gefangen gehalten wird. Eine blasse Ahnung davon, in welchem Gefängnis Florestano wohl seine könnte, hat sie. Sie nennt sich zukünftig Fidele und verkleidet sich als Mann, um sich beim Kerkermeister des Gefängnisses, in dem sie Florestano vermutet, als Gehilfe zu bewerben. Sie hat Glück, dass Rocco sich geneigt zeigt, sie anzustellen. Flugs verliebt sich Roccos Tochter in den sympathischen jungen Mann und Marcellina gibt ihrem bisherigen Verehrer den Laufpass.

Leonora, nun Fidele gerufen, macht sich unablässig nützlich, um Roccos Gunst nicht zu verlieren. Der Gefängnisaufseher sieht den zukünftigen Schwiegersohn in ihm und erlaubt ihm, ihn bei der Versorgung auch der politischen Gegangenen zu begleiten. Unter diesen befindet sich einer, dessen Namen Rocco nicht kennt, von dem er aber vermutet, dass er dazu verurteilt ist, den Hungertod zu erleiden.

Aus der Post, die bei ihm eingeht, erfährt Pizarro, dass der Minister bereits weiß, dass er unerlaubt Personen in Haft hält. Ganz besonders hat er den Zorn Don Fernandos zu befürchten, weil sich auch Florestano, mit dem dieser befreundet ist, unter den Verhafteten befindet. Deshalb beschließt er, den Unliebsamen aus dem Weg zu räumen. Aber anstatt sich damit zu beeilen, postiert Pizarro einen Trompeter, der Signal geben soll, sobald das Gefährt des Ministers anrückt.

2. Akt:

Erschöpft ist Florestano zu Boden gesunken, als Rocco und Leonora das Gefängnis betreten. Den Bewusstlosen entdeckt Leonora, kann aber wegen der herrschenden Dunkelheit seine Physiognomie nicht erkennen. Leonora hilft Rocco dabei, einen halb verschütteten Brunnen freizuschaufeln, in welchem Florestano sein Grab finden soll. Den Gatten erkennt Leonora an der Stimme, als er um einen Schluck Wasser bittet.

Ein Maskierter tritt ein und will Florestano töten. Leonora wirft sich dazwischen, um seine Absicht zu vereiteln und bittet Rocco dabei um Unterstützung. Nun erkennen sie, dass der Maskierte Pizarro ist, welcher Rocco befiehlt, Leonora von Florestano zu trennen. Leonora zieht eine Pistole, die Pizarro aber nicht ernst nimmt, sondern mit gesteigerter Wut auf den durch die Haftbedingungen geschwächten Florestano mit dem Dolch eindringt.

Doch im Moment höchster Bedrängnis ertönt das Signal des Trompeters und kündet die Ankunft des Ministers an. Eilfertig rennen Pizarro und Rocco davon, um den Besucher protokollgemäß zu empfangen und schließen hinter sich die Kerkertür. Unerwartet erscheint plötzlich Marcellina auf der Suche nach ihrem geliebten Fidele. Sie veranlasst sofort Don Fernando zu holen. Nach bangen Minuten des Wartens erscheint dieser mit seinem Gefolge. Er erkennt in dem Gefangenen seinen alten Freund Florestano und gibt Befehl, ihn sofort von seinen Fesseln zu befreien und diese Pizarro anzulegen.

Rocco kann sich herausreden, dass er nur auf Befehl gehandelt habe und schildert glaubwürdig seine Zwangslage, weshalb er den Befehlen Pizarros gefolgt sei. Marcellina ist natürlich enttäuscht, dass Fidele weiblicher Natur ist. Leonora verspricht ihr auch eine schöne Aussteuer, falls sie ihre alte Liebe zu Giacchino wieder aufwärmen sollte.


Letzte Änderung am 26.4.2015
Beitrag von Engelbert Hellen