Giuseppe Persiani (1799-1869):

Ines de Castro

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1834-35
Uraufführung: 28. Januar 1835 in Neapel (Teatro San Carlo di Napoli)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 130 Minuten

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[Details]
Ines de Castro (Bon, DDD/LA, 99)
Giuseppe Persiani (1799-1869)

Künstler: Gagliardo, Sempere, Houben, Dragoni, Cisman, Marchigiana PO, Mazzola

Zur Oper

Art: Lyrische Tragödie in 3 Akten
Libretto: Salvatore Cammarano
Sprache: italienisch
Ort: Die Handlung spielt teils im königlichen Palast von Coimbra, teils im Kastell der Ines in Portugal.
Zeit: im Jahre 1349

Personen der Handlung

Alfons IV: König von Portugal (Bariton)
Don Pedro: sein Sohn (Tenor)
Bianca: Infantin von Kastilien (Sopran)
Ines des Castro: Geliebte und später Gemahlin Don Pedros (Sopran)
Gonzales: Edelmann am portugiesischen Hof (Tenor)
Elvira: Hofdame der Ines (Sopran)
Rodrigo: Anführer der Bogenschützen (Bass)
Weitere: zwei Kinder der Ines (stumme Rollen)

Handlung

1. Akt:

1. BILD:

Die Höflinge sind empört. Der Prinz hat ihren Gruß nicht erwidert, sie verdrossen angeschaut und ist einfach gegangen. Kann Gonzales, der Anführer der Hofclique, erklären, was mit dem Prinzen los ist? Höherem Befehl wagt er sich zu widersetzen! Er hat Biancas Hand ausgeschlagen. Wie gewagt; das wird Strafe nach sich ziehen.

Alfons IV, König von Portugal, ergießt sich und zittert vor Zorn. Es ist das erste Mal, dass der Prinz sich widersetzt. Er nennt nicht einmal ein Motiv für seine Weigerung, die spanische Infantin zu heiraten.

Gonzales kennt den Grund. Don Pedro ist in unseliger Liebe entbrannt! Wo ist die Verführerin zu finden? Kennt er ihren Namen? Es ist Ines de Castro! Woher weiß er es?

Die verstorbene königliche Gemahlin hat im Herzen ihres Gebieters gelesen, aber nie darüber gesprochen. Nur ihm, Gonzales, dem Blutsverwandten, hat sie ihr Geheimnis anvertraut. Tiefer Kummer hat sie früh ins Grab gebracht. Die arme Konstanze! Der Verräter hat Dornen auf das Ehebett gestreut und ist Ines der Hofdame der Königin in Liebe gefolgt.

Und nun weigert er sich hartnäckig, sich der Staatsräson zu unterwerfen. Eine tödliche Herausforderung an den König von Kastilien. Kriegsgeschrei wird ertönen. Durch den Unverstand eines Einzelnen wird die Erde mit Blut getränkt werden. Eine schauerliche Vision!

2. BILD:

Eine Stunde nach der anderen vergeht und der Prinz ist noch nicht gekommen. Gedankenverloren sitzt Ines auf der Bank vor der Fassade ihrer kleinen Burg, und denkt an die wundervollen Stunden, die sie hier mit dem Prinzen und den beiden gemeinsamen Kindern verbracht hat. Wenn ihr Herz entzückt war und aus seinen Augen die Sonne der Liebe schien, füllte es sich mit Freude.
Schwarze Nacht zog ein, wenn grausame Abwesenheit die Zeit des ewigen Wartens unerträglich machte.

Erklangen da nicht Geräusche aus der Ferne? Freude, Freude, der Prinz ist da. Auf weißem Ross, eingehüllt in eine Wolke von Rosenduft, kommt er den Hügel herunter, jubeln die "Damigelle". Welche Frau wäre nicht entzückt von solch einem Mann? Ines ist es über die Maßen und drückt ihren Liebsten ans Herz. Dieser Moment ist ihr mehr wert, als ein ganzes Leben voller Vergnügungen.

Ines, ein wenig töricht, spart aber auch nicht mit Tadel: Die Krone aus Lorbeeren, die er auf dem Kopf trägt, bringt einer Mutter mehr Tränen, als ihm Mühsal als Krieger. Die beiden wollen allein sein und Don Pedro schickt das Gefolge fort. Sie sollen einstweilen in die Burgkapelle gehen und dem lieben Gott die Wünsche vortragen, die der Priester sich ausgedacht hat. Man komme bald nach.

Doch Pedro quälen Sorgen. Den strahlenden Prinzen zu simulieren, ist ohnehin nicht sein wahres Wesen. Die Kinder stürmen herbei und wollen den Vater umhalsen. Oh die Kinder, niemals könnte er sie verraten. Der Himmel gab ihm das Herz eines Vaters!

Ines spürt seine innere Unruhe und bedrängt den Prinzen so lange, bis er nachgibt. Die Kinder verraten? Nun muss er heraus mit der Sprache. Eine königliche Hochzeit wird stattfinden, schon heute! Ines ist bestürzt: Kinder, euer Vater will euch verlassen, umarmt ihn ein letztes Mal. Doch Don Pedro widerspricht. Wenn er mit dem Pomp des königlichen Hofes nicht glücklich sein kann und nicht Vater sein darf, wenn er auf dem Thron sitzt, dann wird die Liebe seiner Kinder seine Krone sein.

"Auf geht es zur Kapelle! Mögen sie vereinigt sein in heiligem Bunde", spricht der Priester. Die Hochzeitshymne erklingt. "Reiche mir die rechte Hand, ich bin Dein. Allen, Der ganzen Welt wirst du es erzählen."

Gonzales und seine Spitzbuben tauchen auf, kommen aber zu spät. Die Hochzeit hat stattgefunden. Don Pedro wird präzise: "Gehe zurück zum König und sage ihm, Ines de Castro ist meine Frau."

Gonzales möchte beraten, aber der Prinz faucht ihn an: "Verschwinde, du hast nicht zu empfehlen, sondern zu gehorchen". Unbewusst aber systematisch hat sich Don Pedro schon seit langem einen Todfeind geschaffen.

Der Höfling gewährt Einblick in sein Inneres: Die schmutzige Leidenschaft des Prinzen brachte seine königliche Verwandte ins Grab und all seine Hoffnungen emporzusteigen, starben mit ihr.
Zuneigung und Frauen bot er dem Prinzen an, doch er lehnte ab. Verweigerte Liebe und enttäuschte Hoffnungen sind zwei furchtbare Furien. Lange Zeit ist er ruhig geblieben. "Rufet den Himmel und bittet um immerwährendes Glück; die Hölle wird antworten!" Gonzales richtet seinen Blick auf die Kinder, die abscheulichen Früchte der Schuld, wie er sich ausdrückt. Gonzales führt etwas im Schilde....

Ines komm her, die Kinder, die Kinder! Was ist passiert? Zwei Reiter in wildem Galopp, die schlimmen Gefährten des Gonzales, haben sie gegriffen und entführt. Nichts wie hinterher! Ines lässt die Pferde satteln. Elvira kann kaum folgen.

3. BILD:

Im prächtig geschmückten Thronsaal von Coimbra herrscht Feststimmung. Hoher Besuch aus Spanien ist eingetroffen. Jubel bricht aus in den Straßen und an den Flussufern von Portugal, denn der Stern von Kastilien streut sein glänzendes Licht.

Die spanische Infantin bedankt sich für soviel Lob und Zuneigung und fühlt sich bereits als Landesmutter. Bianca will dem zukünftigen König eine gute Ratgeberin sein und den Teil des Thrones einnehmen, wo die Barmherzigkeit zu Hause ist.

Aber wo ist der Prinz? König Alfons sitzt auf heißen Kohlen und schickt Rodrigo los, ihn im Palast zu suchen. Seine Verlegenheit verbergend, entschuldigt er ihn bei der Prinzessin: "Er wird gleich kommen." Gonzales mit Häme, der Thronfolger sei ganz weit fortgegangen.

Erleichterung beim König und allen Anwesenden: Die Ankunft des Prinzen wird gemeldet. An Don Pedro soll für noble Taten eine Auszeichnung verliehen werden: Bianca in Person ist das großzügige Geschenk an ihn "von seinem Vater und von seinem König". Bianca fällt auf, dass der Beschenkte betreten schweigt. Der Prinz umgeht das Missverständnis in grenzenloser Verlegenheit, zeigt auf Gonzales und sagt, ihm habe er doch alles erklärt.

In diesem Moment stürmt Ines temperamentvoll den Thronsaal, wirft sich vor dem Thron nieder und fordert die Herausgabe ihrer Kinder. Der böse Gonzales habe sie gekidnappt. Dem grenzenlos verblüfften König eröffnet sie, dass er doch bitte Mitleid haben solle, da es sich bei ihren entführten Kindern um die zukünftigen Erben des Thrones von Portugal handele.

Der Schleier wurde weggezogen, das Geheimnis ist gelüftet. Ines hat sich verplappert. Don Pedro ist zu
Tode erschrocken, der König außer sich. Bianca, vornehm und hoheitsvoll, nimmt Ines in Schutz: Die Tochter des Königs wurde gekränkt und gedemütigt. Gewagte Worte hat sie gesagt, doch der König möge bitte alles ignorieren.

Der König denkt nicht daran und lässt Ines festnehmen. Don Pedro sind die Hände gebunden. Er weigert sich hartnäckig, die spanische Prinzessin zu heiraten, denn Ines sei seine Frau und Gott sein Zeuge.

Ein Quintett beschließt den turbulenten ersten Akt, die unterschiedlichen, sich gegenseitig ausschließenden Stimmungen und Gefühle prallen aufeinander. Ines will sich für Pedro opfern, wenn nur die unschuldigen Kinder gerettet werden. Don Pedros Wut kocht hoch. Eine Furie habe ihn ergriffen und reiße ihn in tausend Stücke. Alfons fühlt sich grenzenlos blamiert und erklärt, dass alle Verbindungen der Natur und der Blutsverwandtschaft für immer zunichte seien. Sein Zorn liege auf allen, in jeden Moment kann er zuschlagen.

Biancas Verachtung kennt keine Grenzen. Die Unehre des Gewaltaktes ist unerträglich. Wie sagt sie es ihrem Vater! Eine Stimme komme aus ihrem Herzen, die nach Vergeltung schreie. Gonzales triumphiert: "Rache du schreist nach Blut und Blut wird vergossen werden!"

2. Akt:

1. BILD:

In der Eingangshalle zum Gefängnis des königlichen Palastes kommt es zur großen Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn. Pedro war mit einigen Waffengefährten aus glorreicher Zeit, als noch an den Küsten Afrikas Eroberungen gemacht wurden, gewaltsam eingedrungen, um Ines und die Kinder zu befreien. Gonzales hatte von der Sache Wind bekommen und den König informiert.

Nun stehen der König und der Kronprinz sich unversöhnlich gegenüber. Jeder versucht, dem anderen seinen Willen aufzuzwingen. Man fleht und argumentiert, man provoziert und droht. Es kommt zu keinem Resultat. Pedro legt sein Schwert zu seines Vaters Füßen und fällt vor ihm nieder. Alfonso fürchtet um die Pracht des Thrones und weiß nicht, wie er dem König von Kastilien gegenübertreten soll. Die Situation ist ausweglos.

Rodrigo meldet: Ines möchte vom König gehört werden. Zum Erstaunen aller ist Alfons bereit, geht aber nicht selbst hin, sondern schickt Bianca.

2. BILD:

Diese findet Ines in ihrem Verlies. Ines liegt auf einer rohen Bank und beklagt ausgiebig ihr bitteres Schicksal.

Die Infantin will Ines umstimmen und entwickelt eine unwiderstehliche Logik: Sie sei ausgewählt worden, um über Ines' Schicksal zu entscheiden. Ihre fragwürdige Liebe könne man nur einen ehrgeizigen Traum nennen, der sie, die Infantin, arger kränke, als irgend etwas anderes. In ihr sei auch der königliche Vater gekränkt worden. Dieser Brutalität schreie nach Vergeltung. Die Trompeten des Krieges werden schaurig blasen, Bäche von Blut werden fließen. Das Geschrei der kleinen Waisen wird weit zu hören sein und Mütter und Witwen werden dem Namen Ines fluchen. Will sie das?

Bianca fährt fort: Die Nichtswürdige hat sich den Zorn und die Verachtung zweier Könige zugezogen. Tod ist die Strafe. So ist es beschlossen, so wird es geschehen. Gibt es keinen Ausweg? Doch. Bianca bietet der Verzweifelten eine Alternative. Wenn Ines in ein fernes Land geht, um dort mit ihrer Schuld zu leben, wird diese wahnsinnige Liebe schnell vergessen sein.

Ines will ihr Herz und ihre Seele aber nicht zurücklassen. Wo kann sie Frieden finden? Nicht einmal der Tod könne sie von ihrem Gatten trennen. Bianca wisse gar nicht, wie stark ihre Liebe ist. Ihr Kummer berühre die Kaltherzige überhaupt nicht. Liebt sie Don Pedro wirklich oder will sie als gehorsame Tochter ihres Vaters nur den Thron?

Bianca möchte sicht nicht länger streiten und schlägt vor, dass die Beschuldigte einfach aus dem Königreich fortgeht. Gonzales solle ihr bei der Abreise behilflich sein. Gonzales, ausgerechnet Gonzales, der Entführer der Kinder! Ines möge ihre Wahl treffen: Exil oder Tod.

3. BILD:

Im Thronsaal geht die Auseinandersetzung weiter. Wenn Ines hartnäckig bleibt, wird der missratene Sohn ein gleiches schlimmes Schicksal erleiden wie die Übeltäterin, denn er hat gegen seinen Vater und seinen König rebelliert. Energisch schaltet sich Bianca ein und nimmt Don Pedro in Schutz. Sie rügt den König und gibt zu bedenken, dass die Familie ausgelöscht und überflüssiges Blut vergossen würde. Alfons setzt dagegen, dass die schwerwiegenden Probleme durch ihre Anwesenheit überhaupt erst entstanden seien.

Und was ist mit den Kindern? Will Alfons sie der leidgeprüften Mutter stehlen? Die Kinder wohnen hier im Palast, entscheidet der König. Oder hat Ines kein Vertrauen?. Wird die Mutter die Kleinen noch einmal zu sehen bekommen? Der König ist großzügig. Die Kinder stürmen herein und umarmen ihre Mutter, die für einen Augenblick im Übermaß des Glücks Ort und Zeit um sich herum vergisst.

Das Finale des zweiten Aktes bringt die Wende. Der König erkennt in den Enkelkindern die Gesichtszüge seines Sohnes wieder, was ihn maßlos aufwühlt. Ines inszeniert unbewusst einen herzzerreißenden Abschied von ihren Kindern, so dass Bianca Gewissensbisse bekommt und ihre Stimmung plötzlich umschwenkt.

Auf einen Thron, der in den Grundfesten wackelt, ist sie gar nicht erpicht. Instinktiv schubst Ines die beiden Enkel vor die Stufen des Thrones, wo sie nun abwartend kauern, wie der Großvater reagieren wird. Dieser kann nicht mehr an sich halten, Ströme von Tränen kullern über seine Wangen. Der König von Portugal steigt die Stufen herunter, folgt der Aufforderung Biancas und herzt seine Enkel und seine Schwiegertochter. Ines weiß vor Freude nicht, wie ihr geschieht. Für ihre Anmaßung hat sie Vergebung erlangt. Wie schade, dass Don Pedro nicht anwesend ist, um diese Wonne mit ihr zu teilen.

Nur einem ist die Szene unbeschreiblich lästig, aber er muss gute Miene zum unglaublichen Spiel machen.
Der Höfling lässt Ines eine Erfrischung anbieten: Trinke alles in einem Schluck, fordert Gonzales die Arglose auf! Ines trinkt - nichtsahnend.

3. Akt:

1. BILD:

Der König ist tot! Die Höflinge sind fassungslos und zu Tode erschrocken. Noch gestern saß der König mit Bianca und den Kindern an der Tafel. Über die Nachricht des Einlenkens und des Vergebens hatte sich im ganzen Palast Freude ausgebreitet.

Doch Gonzales ließ die Freude verschwinden, so wie der Wind es mit dem Nebel macht. In der Nacht betrat er den Palast und, oh Grauen, er erdolchte die kleinen Prinzen, während sie schliefen. Die schlimme Tat war als erstes dem König hinterbracht, der sofort an den Tatort eilte. Als er die grauenvolle Tat sah, durchlief ein kalter Schauer seinen ganzen Körper. Es bestand keine Möglichkeit mehr, ihm zu helfen.

Was ist mit Ines? Gedankenverloren schaute sie ins Leere. Doch nun ist sie erwacht und ihr hemmungsloses Schluchzen hallt durch den Palast. Bianca ist ständig bei ihr, still vor sich hinweinend.

Don Pedro ist nun König von Portugal, die Höflinge wollen ihm huldigen. Er soll beherzt sein, und sie hoffen, dass ihn ihm sein großer Vater weiterleben wird. Doch Don Pedro ist zu verzweifelt, sein heißblütiges Temperament schwelgt in Rachegelüsten. Seine Folter und seine Strafe werden das Volk erschrecken, befürchten die bedrückten Höflinge. Furcht und tiefe Trauer um die so plötzlich aus dem Leben Gerissenen liegt über dem Palast und über der Stadt Coimbra. Das Schicksal hat furchtbar zugeschlagen. Don Pedro weint in tiefer Trauer um seine toten Angehörigen.

2. BILD:

Zu nächtlicher Stunde hat Ines sich unbemerkt auf den Friedhof geflüchtet. Alles erzählt vom Tod, die Zypressen, die Weiden, die Grabsteine. Das tödliche Gift beginnt zu wirken. Ines verspürt einen unwiderstehlichen Durst. Doch im Becher ist Blut, das Blut der Kinder. Wo sind sie?

Furchtbare Erkenntnis; am Grabmal Konstanzes, ihrer einstigen Herrin, ist sie zusammengesunken. Der Schatten ihrer Cousine, der sie unendliches Leid zugefügt und den Gatten weggenommen hat, steigt aus dem Grab auf. Eine furchtbare Flamme brennt in ihren Augen. Sie dreht sich ihr zu. Sie zittert vor Furcht. Schuldbewusst möchte sie davonlaufen. Das Phantombild der Schreckensnacht steigt in ihr auf. Sie bittet Gonzales die Kinder zu verschonen, doch er sticht zu, immer wieder. Er hat sie getötet, die armen Kleinen.

Don Pedro hat Gonzales an den Haaren herbeigeschleift und schleudert den Mörder Ines zu Füßen. "Du wirst sterben nach langer Qual." Der Übeltäter weiß, das es für ihn keine Schonung gibt. Hasserfüllt gesteht er: "Ein starkes Gift mischte ich in ihr Getränk".

Ines liegt im Sterben. Ein kurzer schmerzvoller Abschied von Don Pedro, bevor das Gift eine Wirkung vollendet. Zum Himmel wird sie aufsteigen, wo die Kinder sie erwarten.

Pedro ergreift seine Waffe und durchbohrt den Übeltäter.

Beschreibung

In seinem Essay "Ines de Castro" (Mailand 1970) präsentiert der Chronist Saverio Durante
eine Liste von 29 Opern, die von diesem Kapitel der portugiesischen Geschichte inspiriert waren. Allein zwanzig unterschiedliche Textbücher datieren aus der Zeit von 1790-1927, zu denen noch das Libretto von James MacMillan (Edinburg-Festival 1996) als letzte dokumentierte Version hinzuzufügen ist.

Im Jahre 1834, zu dieser Zeit Dirigent am Teatro San Carlo, hatte Salvatore Cammarano die Chance, sein Debut als Librettist zu machen. Er schrieb das Libretto "La Sposa", welches von dem Komponisten Egisto Vignozzi vertont wurde und am Teatro del Fondo mit Fanny Tacchinardi, der Frau Persianis, zur Aufführung kam. Monate zuvor hatte Cammarano für die Karneval-Saison eine Fülle von Libretti anzufertigen. Das Libretto zu "Ines de Castro" schrieb er in aller Eile nach Instruktionen Persianis. Er folgte strikt dem geläufigen theatralischem Schema und lehnte sich eng an eine existierende Tragödie von Emanuele Bidera, eines zu seiner Zeit wohlbekannten Poeten, mit dem er befreundet war, an.

Das gleiche Libretto vertonten aber noch vier weitere Komponisten, nämlich Fabio Marchetti, Pietro Antonino Coppola, Luigi Gibelli (Titel der Oper: Don Pedro di Portogallo) und Riccardo Drigo, Namen die heute keiner mehr nennt.

Die Uraufführung war ein glänzender Erfolg, der sich auch in der folgenden Zeit wiederholte. Die "Ines" war eine Lieblingspartie der Mailibran und natürlich von Fanny, der Frau Persianis. Luigi Lablanche war die Partie des Alfons auf den Leib geschrieben und Gilbert-Louis Deprez bürgte für eine sensible und temperamentvolle Darstellung des Don Pedro.

Die letzte dokumentierte Aufführung fand 1851 in Malaga statt. Dann trat Totenstille um die traurige Geschichte der unglücklichen "Ines de Castro" ein, die bis in die heutige Zeit andauerte.

Das Büchlein Cammaranos hält sich nicht an die historische Wahrheit und nicht an die Kraft der Legende. Die unappetitliche Variante des grauenvollen Geschehens – von Würmern zerfressen wird Ines wieder aus dem Grab geholt, als Königin hergerichtet und perlengeschmückt auf den Throns gesetzt, die Höflinge müssen ihr einen herzhaften Handkuss verabreichen - und der furchtbaren Rache Don Pedros an den Mördern seiner Frau, wird dem Opernliebhaber erspart und ist auch in einer konventionellen Inszenierung nicht unterzubringen. Der Giftbecher tut's auch.

Das Originalmanuskript der "Ines" von Persiani hat man bis heute in keiner Musikbibliothek gefunden. Es gab aber zwei handgeschriebene Kopien in vorzüglichem Zustand, die Paola Ciarlantini meisterlich revidiert hat. Ines de Castro ist eine der vollendetsten Opern, die für das Musiktheater komponiert wurden.


Letzte Änderung am 29.12.2016
Beitrag von Engelbert Hellen