Henry Purcell (1659-1695):

The Indian Queen

deutsch Die indianische Königin / französisch La Reine Indienne

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1695
Uraufführung: Juni 1695 in London (Royal Theatre, Drury Lane) - ohne den 5. Akt
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Erstdruck: London: J. Heptinstall, 1695 ("The songs in the Indian queen")
Verlag: London: Novello, 1994
Bemerkung: Von einer geschlossenen Handlung kann bei der „Indianischen Königin“ überhaupt nicht die Rede sein.
Purcell bietet ein bisschen Magerquark an, worauf es dem Theaterbesucher belassen ist, sich darauf einen Reim zu machen. Fragmentarisches wechselt mit ein paar Binsenweisheiten und dabei bleibt es dann. Das Werk wurde nach dem Tode Henry Purcells durch seinen Bruder Daniel Purcell vervollständigt.
Opus: Z 630

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[Details]
The Indian Queen (Naxos, DDD, 95)
Henry Purcell (1659-1695)

M. Hengelbrock in Klassik heute 7 / 98: »Wie schon bei früheren Einspielungen des Scholars Baroque Ensembles stehen auch hier Preis und Leistung in einem optimalen Verhältnis. Eine gelungene, den aktuellen Stand der historisch orientierten Aufführungspraxis widerspiegelnde Interpretation, die guten Gewissens empfohlen werden kann.«

Zur Oper

Art: Semi-Opera in fünf Akten
Libretto: John Dryden und Robert Howard
Sprache: englisch

Personen der Handlung

Quinera: das Mädchen (Sopran)
Der Jüngling: (Tenor)
Fame: der Ruhm (Tenor oder Alt)
Envy: der Neid (Bariton oder Bass)
Ismeron: (Bass)
Der Gott der Träume: (Sopran)
Orazia: die Königin (Sopran)
Der Hohepriester: (Bass)
Weitere: Priester und Priesterinnen, Geister der Lüfte, Genien, Volk

Handlung

1. Akt:

Quinera soll erwachen, denn der süße Schlummer ist vorbei. Er muss vergehen wie der Frieden unseres Landes. Nie mehr werden sie im Schatten der Bananenpflanzen ruhen, die vor Hitze und Kälte schützen, prophezeit der Jüngling. Der Reichtum der Natur hat sich nie erschöpft und aus Knospen wurden Blüten. Weshalb sollen sie sich streiten, wenn sie doch glücklich sind. Alles, was sie sich erträumen, können sie auch besitzen, meint das Mädchen. Niemand kann reicher sein, als sie, weil die Natur dem Menschen mehr schenkt als er braucht. Nur seinen Geist ernährt sie nicht.

Aus alten Weissagungen erfuhren sie, dass ihr Land von einem anderen, älteren besiegt wird. Und siehe, schon erscheinen die Eroberer. Wenn sie es sind, wollen sie ihr Los begrüßen. Aus ihren anmutsvollen Blicken spricht mehr Güte als aus der Ursprünglichkeit ihres Volkes. Ach, wie schön wäre es, wenn sie sich unter ihren Schutz begeben könnten. Uns zu verzeihen kamen sie, nicht um sie zu erobern. Möge sich ihre Macht in ihrer Güte spiegeln und ihnen Wohlergehen daraus entspringen.

2. Akt:

Fame verkörpert die Allegorie des Ruhms. Er schlägt vor, die Geschichte der großen Zempoalla zu besingen, deren Schönheit in Ruhm erstrahlt. Das Volk ist einverstanden.

Envy, die Allegorie des Neids, und sein Gefolge nehmen eine gegnerische Position ein. Was ist das für eine widerwärtige Schmeichelei? Wer wagt es, seine abgerichteten Schlangen zu reizen, um sich züngelnd gegen ihn zu erheben? Zuwider sind ihm solche heuchlerischen Zungen, die aus den Umständen Sklaven auf dem Niveau von Göttern machen wollen.

Der missgünstige Envy wird von Fame darauf hingewiesen, dass es hier nichts zu zerstören gibt. Zu hell erstrahlt der Ruhm der Eroberer, dass nichts ihn verkleinern könnte. Envy flieht den Ort des Schmeichelns, an dem Sklaven in Ketten gelegt werden ohne je Mitleid zu erlangen. Die Dämonen, die für Götter gehalten werden, sollen doch in das Höllenfeuer ganz hinabsteigen. Doch Fame will, dass die ganze Welt von ihren Siegen widerhallen wird. Das klingt alles sehr konfus.

Der Chor wiederholt, dass er die Geschichte der großen Zempoalla besingen will.

3. Akt:

Ismeron stellt fest, dass sie unzähligen Göttern täglich Opfer bringen. Geheimnisvolle Mächte blicken auf das menschliche Verderben. Zwietracht herrscht unter den Elementen. Der Gott des Schlafs soll sich erheben und der großen Zempoalla sagen, welch trauriges und seltsames Schicksal ihrer harrt.

Der Gott der Träume erklärt, dass niemand danach trachten soll zu wissen, was im Verborgenen liegt. Wahre Freude gibt es nur, wenn sich der Hass versteckt. Ein allzu Eifriger steigert seine Sorgen nur, wenn ihm sein Los im voraus aufgedeckt wird. Andernfalls wird er nicht leben, sondern eher sterben. Niemand soll danach schauen, wer seine Ketten abwirft, eine Krone trägt oder bluten wird. Ein jeder trage sein Schicksal, welches ihm auferlegt ist.

Geschick und Unglück nahen ohnehin zu schnell, so soll niemand danach drängen, mit mächtiger Beschwörung mehr zu enthüllen als ihm erlaubt ist.

Die Luftgeister frohlocken über den Vorzug, von menschlicher Leidenschaft frei zu ein. Rasendes Herzschlagen wird ihnen den Schlaf nicht rauben. Allerdings - mit zarten Seelen Mitleid empfingen, das können sie auch.

Großes vergeht, manch einer ist von bösem Los bedroht und Sklaverei kann kein Reich am Leben halten. Luftgeister sind sie und wenn die Liebe sich davon gemacht hat, kehrt sie häufig auch nicht mehr wieder.

4. Akt:

Orazia, die Königin, versucht mit den Eroberern in Dialog zu treten: Wie man ihnen sagt, könnten sie mit ihrer großen Macht durch Liebe alle ihre Taten und genau so die Freuden steigern. Ach, warum wollt ihr solches Glück gestatten, wenn ein armer Liebender sich quält?

Doch will sie so viel Schmerz für ihre Leidenschaft erdulden, damit ihre Liebe für immer treu und rein sein wird? In ihrem Schmerz ist Freude und in ihren Ketten die Freiheit. Und wäre sie göttlich, könnte er sie nicht noch mehr mehr lieben. Sie seinerseits erwidert ihr Gefühl.

Die wohl gewogenen Götter sollen sein Leben schützen. Mehr will sie nicht für sich erflehen.

5. Akt:

Die unreinen Seelen sollen weichen, bevor das heilige Ritual beginnt, und das Volk soll sehen, dass alle Weisungen erfüllt sind, fordert der Hohepriester. Der Chor solle jetzt eine Prozession bilden und die heiligen Gesänge anstimmen:

„Traurige Lieder begleiten Deine Opfer.
Aus diesem fortwährenden Schicksal spricht Eure Größe
und eines jeden Einzelnen Los beweist,
dass wir auf Erden keine Stütze haben.“


Letzte Änderung am 13.4.2014
Beitrag von Engelbert Hellen