Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow (1873-1943):

Francesca da Rimini [Франческа да Римини]

deutsch Francesca da Rimini / englisch Francesca da Rimini / französisch Francesca da Rimini

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1900-05
Uraufführung: 24. Januar 1906 (11. Januar 1906) in Moskau (Bolschoi-Theater)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 65 Minuten
Erstdruck: Moskau: A. Gutheil, 1906
Verlag: New York: Boosey & Hawkes, 1947
Moskau: Muzyka, 1974
New York: Boosey & Hawkes, 1999
Chestnut Hill: Elibron Classics, 2004
Opus: op. 25

Kaufempfehlung

CD: Klassika CD-Kaufempfehlung bei jpc
[Details]
Die 3 Opern (Ausz.) (Naxos, DDD, 2005)
Sergej Rachmaninoff (1873-1943)

Künstler: Zvetkova, Nikolova, Zvetanov, Isakov, Beykov, Naydenov, National Opera Chorus & Orchestra Sofia, Todorov

Zur Oper

Art: Oper in 2 Bildern mit Prolog und Epilog nach Dante
Libretto: Modest Tschaikowski
Sprache: russisch
Ort: Rimini
Zeit: 13. Jahrhundert

Personen der Handlung

Vergils Schatten: (Bariton)
Dante: Dichter und Philosoph (Tenor)
Lanciotto Malatesta: ein Mann aus Rimini (Bass)
Paolo Malatesta: sein Bruder (Tenor)
Francesca: Lanciottos Gemahlin (Sopran)

Handlung

Prolog:

Es war vermutlich der Höllenfürst selbst, der Dante in den ersten Kreis der Hölle eingeladen hat. Aber nur wenn der Schatten Vergils ihn begleitet, wird er das Risiko eingehen und mitkommen. Dante wird von Furcht ergriffen und will schon auf halbem Wege umkehren; das Stöhnen der Verdammten ist allzu fürchterlich. Aber Vergil ermuntert ihn, nicht Schrecken, sondern Mitleid sei hier angebracht, und die beiden setzen ihren Weg fort.

Im Abgrund umtosen die beiden Wanderer orkanartige Stürme. Sie machen einen Augenblick Rast und hören sich das Wehgeschrei der Leidenden an. Vergil ahnt es: Hier quälen sich Seelen, die aus Liebe ihren Verstand verloren und sich der Leidenschaft unterworfen haben.

Dante erkennt ein Paar, welches sich in rasendem Orkan eng umschlungen hält, damit es nicht gewaltsam auseinander gerissen wird. Vergil spricht es voller Mitgefühl an und fragt, was sie verbrochen haben und wie es ihnen geht. Es sind Francesca da Rimini und Paolo Malatesta, die so hart bestraft worden sind. Ein bisschen Ehebruch haben sie in aller Unschuld getrieben, wofür sie jetzt büßen müssen. Aber ihr größtes Leid sei nun, sich der glücklichen Zeit im Unglück zu erinnern, geben sie zu Protokoll.

1. Akt:

Erstes Bild:

Lanciotto Malatesta soll erneut für den Heiligen Vater in den Krieg ziehen. Er sagt zu und befiehlt seinen Truppen, sich für die kommende Nacht bereitzuhalten.

Doch nicht wie früher erfreuen die zum Aufbruch rufenden Kriegstrompeten sein Herz. Seit seiner Heirat mit Francesca quält ihn Eifersucht. Schuld an allem sei der Vater, der für das Missverständnis verantwortlich gewesen ist. Nur zum Schein sollte Lanciottos jüngerer Bruder, der schöne Paolo, in Ravenna als Bräutigam auftreten. Die Grenzen zwischen Brautwerber und Bräutigam verwischten sich in der Vorstellung Francescas. Das böse Erwachen kam erst später. Francesca gab Paolo das Jawort vor dem Herrn, aber gemäß seiner Vorstellung ist er der wahre Bräutigam.

Lanciotto will sich Gewissheit verschaffen, ob die beiden ihn betrügen und stellt ihnen eine Falle. Er befiehlt Francesca, sich in der Zeit seiner Abwesenheit in Paolos Obhut zu begeben. Francesca beugt sich der neu vermittelten Erkenntnis und ist Lanciotto eine gehorsame und fügsame Frau. Die Pflicht ist ihr heilig, doch Lanciottos zärtliche Bitte um Zuneigung entzieht sie sich. Sie liebt den Ehemann nicht und lässt ihn das wissen.

Zweites Bild:

Wie befohlen hat Paolo sich der Obhut Francescas angenommen und liest ihr eine der Geschichten über die Liebe des Ritters Lancelot zu einer verheirateten Frau vor. Listig bezieht er die vorgelesene Situation auf die eigene und gesteht Francesca seine Liebe. Francesca bleibt zunächst abweisend: Ihrer beider Liebe zueinander habe Bestand, sei nicht nur für den flüchtigen Augenblick, sondern für die Ewigkeit gedacht, stellt sie fest.

Unbekümmert liest Paolo weiter, und kommt zu der Stelle, da Lancelot und seine Geliebte sich im ersten Kuss finden; Augenblick und Ewigkeit verschwimmen ineinander. Nun wird auch Francesca schwach. Im Augenblick der höchsten Seligkeit trifft beide Lanciottos Dolch. Ihr Todesschrei vereinigt sich mit dem aller Verfluchten.

Epilog:

Wir verlassen Rimini und sind wieder im ersten Kreis der Hölle am Abgrund. Das Heer der Verdammten stürmt an Vergils Schatten und Dante vorbei. Der Dichter verstummt in unendlichem Schmerz. Der Augenblick wird zur Ewigkeit und nicht zur Seligkeit, sondern zur Qual. Es gibt kein größeres Leid, als sich der glücklichen Zeit im Unglück zu erinnern, wiederholt Dante die gewonnene Erkenntnis.


Letzte Änderung am 9.5.2015
Beitrag von Engelbert Hellen