Gioacchino Rossini (1792-1868):

Elisabetta, regina d'Inghilterra

deutsch Elisabeth, Königin von England / englisch Elizabeth, Queen of England / französisch Élisabeth, reine d'Angleterre

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1815
Uraufführung: 4. Oktober 1815 in Neapel (Teatro San Carlo)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 140 Minuten
Verlag: Bonn: N. Simrock, 1820
Paris: Pacini, 182x
Wien: S. A. Steiner, 182x

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[Details]
Elisabetta Regina d'Inghilterra (Hardy, 85)
Gioacchino Rossini (1792-1868)

Künstler: Cuberli, Dessi, Blake, Savastano, Cicogna, Teatro Regio di Turino Orchestra, Ferro (150')

Zur Oper

Art: Drama in zwei Akten
Libretto: Giovanni Federico Schmidt
Sprache: italienisch
Ort: England
Zeit: 1558-88

Personen der Handlung

Elisabetta: Königin von England (Sopran)
Leicester: Befehlshaber der Truppen und Favorit der Königin (Tenor)
Matilde: Leicesters heimliche Ehefrau (Sopran)
Enrico: Matildes Bruder (Alt)
Norfolk: Herzog und Berater der Königin (Tenor)
Guglielmo: ein Höfling (Tenor)
Weitere: Ritter, Hofdamen, schottische Edle, Pagen, Wachen, Soldaten und Volk

Handlung

1. Akt:

1. Im Thronsaal des Königspalastes

Das königliche Gefolge ist im Thronsaal versammelt und wartet auf die Königin. Aus der Ferne hört man Militärmusik, die die siegreiche Rückkehr Graf Leicesters in London ankündigt. Norfolk ist aufgebracht über die Begeisterung des Volkes und fürchtet Leicesters Tyrannei. Als Elisabetta mit ihrem Gefolge eintritt, verbeugen sich alle vor ihr. Sie bejubelt den Sieg und freut sich auf die Rückkehr ihres Geliebten Leicester.

Die Granden wenden sich zum Eingang, als Leicester in den Saal kommt. Er wird von seinen Offizieren und schottischen Edlen begleitet, die er als Gefangene mitbringt - unter ihnen Enrico und Matilde in Männerkleidung. Leicester berichtet vom erfolgreichen Kampf und legt Elisabetta die Insignien des Heerführers zu Füßen. Sie dankt ihm für seine großen Taten und zeichnet ihn mit einem Orden aus.

Die Schotten knien vor dem Thron nieder und überreichen ihre Tributgaben. Elisabetta gewährt ihnen Schutz und Unterkunft. Sie reicht wohlwollend Leicester die Hand zum Kuss und verlässt mit Gefolge und Höflingen den Saal. Leicester bleibt und hält auch Matilde zurück. Er fährt sie an, wie sie dazu komme, ihm hierher in den Thronsaal zu folgen - ins Angesicht ihrer größten Feindin Elisabetta, die Leicester heftig begehrt. Enrico tritt dazu. Er muss bekennen, dass er seine Schwester nicht aufhalten konnte. Leicester erinnert an Elisabettas Hass auf die Stuarts und vertraut Matilde dem Schutz ihres Bruders an.

2. In den königlichen Gemächern

Leicester erzählt Norfolk, wie er sich einen Tag nach der ersten Schlacht im Sturm in eine Schäferhütte verirrte. Er traf dort auf Matilde, in die er sich sofort verliebte. Am nächsten Tag gewann er die entscheidende Schlacht. Er kehrte zu der Hütte zurück und erfuhr, dass der Schäfer ein schottischer Edler war, der ihm auf sein Drängen hin die königliche Geburt von Enrico und Matilde enthüllte. So habe er Matilde aus Mitleid geheiratet, um sie vor den Feinden - seinen eigenen Leuten - zu schützen. Norfolk weist ihn darauf hin, welch großes Risiko er durch diese Heirat eingegangen sei - doch Schuld trage die Liebe, die zugleich seine Entschuldigung sei. Leicester dankt dem vermeintlichen Freund für dessen Verständnis. Er geht ab und Norfolk bleibt allein zurück. Dieses Wissen um Leicesters heimliche Ehe wird Norfolk helfen, den Widersacher endgültig zu vernichten.

In diesem Augenblick kommt die Königin dazu. Norfolk setzt eine sorgenvolle Miene auf, er könne sich an diesem Siegestag nicht freuen, da er um ein schreckliches Geheimnis wisse, über das er nicht sprechen könne. Natürlich fordert Elisabetta seinen Rapport. Scheinbar gequält berichtet er von Leicesters heimlicher Heirat und der Anwesenheit Matildes und ihres Bruders im Palast. Auf die Nachfrage der Königin ergänzt er, die beiden seien Nachkommen der Stuarts, die Elisabetta den Thron streitig machten. Norfolk muss seine Freude verbergen, als die Königin entscheidet, der Verräter solle sterben. Beide gehen ab.

Guglielmo tritt auf und blickt Norfolk sorgenvoll nach, weiß er doch, wie falsch und hinterlistig der Herzog agiert. Elisabetta kehrt zurück und befiehlt ihm, Leicester herbeizurufen und die königliche Wache an der Tür zu postieren. Auch die schottischen Pagen soll er herbeizitieren.

Während ihre Befehle ausgeführt werden, sinnt die Königin darüber nach, was ihr der Sieg über die Schotten noch bedeute, wenn sie von ihrem Geliebten so grausam hintergangen worden sei. Die Gerufenen werden hereingeführt. Leicester erstarrt, als er Matilde und Enrico erblickt. Elisabetta bemerkt seine Furcht und fordert ihn auf vorzutreten. Sie beauftragt - für die übrigen unhörbar - einen Diener, eine Kassette zu holen. Als er zurückkehrt, öffnet sie diese Kassette und bietet Leicester Krone, Zepter und die Königswürde als ihrem Gemahl an. Die Gruppe um Leicester ist völlig erschüttert und fürchtet das Schlimmste. Elisabetta erkennt die Verzweiflung Leicesters und der Schottin und fragt ihn geradeheraus, ob er einwilligt. Er versucht auszuweichen, indem er erklärt, ein einfacher Diener sei dieser Ehren nicht würdig. Alle Anwesenden erstarren. Nach einem Moment tödlicher Stille zerrt die Königin Matilde herbei und klagt Leicester aufbrausend an, diese Frau habe ihn zum Verräter gemacht. Leicester, seine Frau und Enrico knien vor Elisabetta nieder und bitten um Gnade. Doch die Königin ruft die Wachen, welche die Angeklagten abführen sollen. Alles Flehen der Beschuldigten hilft nichts. Elisabetta befiehlt, sie von einander getrennt einzukerkern. Dann werden sie weggeführt.

2. Akt:

1. In den königlichen Gemächern

Norfolk fragt sich, warum er immer noch zittert. In einem Augenblick wurde Englands Idol gestürzt und er selbst hat nun die Chance, zu höchsten Ehren aufzusteigen. Guglielmo überbringt die Order, vor der Königin zu erscheinen.

Elisabetta lässt Matilde vorführen. Sie stellt sie gnädig vor die Wahl, auf alle Rechte als Ehefrau Leicesters zu verzichten, oder mit ihm und ihrem Bruder zusammen gehängt zu werden. Matilde will sich weigern und verlangt, dass Leicester und ihr Bruder verschont werden. Elisabetta drängt sie erneut, den Verzicht niederzuschreiben. Erst als sie die Wachen ruft, die Matilde wegbringen sollen, stoppt die Gefangene sie mit einer Handbewegung und setzt sich nieder, um zu schreiben.

Von Matilde zunächst unbemerkt wird Leicester von den Wachen hereingeführt. Die Königin sieht ihn, ergreift Matildes Dokument, und gibt es ihm zum Lesen. Sie fordert, auch er solle auf seine Frau verzichten. Leicester weigert sich. Alle Drohungen Elisabettas sind vergeblich. Leicester und Matilde wollen nicht voneinander lassen und dem Tod gefasst ins Auge sehen. Sie werden von den Wachen fortgebracht.

Guglielmo meldet die Ankunft Norfolks. Doch Elisabetta will ihn nicht sehen. Sie gibt Befehl, dass dieser falsche und verachtenswerte Freund Leicesters das Land bei Tagesanbruch verlassen müsse.

2. Eine Halle vor dem Gefängnis

Volk und Soldaten stehen in der Halle vor dem Gefängnis und beklagen das Schicksal ihres Feldherrn und Helden. Norfolk tritt auf und ist gekränkt, da Volkes Stimme ihn erkennen lässt, dass Leicester ihn auch noch in Gefangenschaft demütigt. Er heckt einen neuen Verrat aus und bietet sich den Leuten als Fürsprecher für die Verurteilten an. Er will sie anstiften, das Gefängnis zu stürmen. Den Einwand des Volkes, das dies Verrat an der Königin sei, tut er mit der Bemerkung ab, Elisabetta missachte das Herz und die Liebe ihres Feldherrn. Schließlich gelingt es ihm, die Leute mitzureißen. Seine Rache gegen die Königin wird sich erfüllen!

3. In einer Halle vor dem Gefängnis

Völlig erschöpft sitzt Leicester in seiner nur spärlich erleuchteten Ecke. Er denkt über diesen Tag nach, der so glorreich begann und so schrecklich endete. Schließlich schläft er ein und spricht im Schlaf mit seiner Frau - alle Gefahren sind vorüber. Er erwacht wieder und wird sich der grausamen Realität wieder bewusst.

Norfolk dringt mit zwei Helfern aus dem Volk in die Halle ein und begrüßt Leicester überaus freundlich. Doch der weist ihn zurück - ihm habe er dieses Schicksal zu verdanken. Norfolk gibt nicht auf: Er bietet Leicester sein Schwert, um ihn zu töten - er wisse nicht, wie die Königin die Wahrheit herausgefunden habe. Leicester schwankt zwischen Skepsis und Vertrauen. Norfolk heißt seine Helfer, die zugemauerte Tür durchzubrechen, hinter der sich Matilde und Enrico befinden und verspricht, Leicester werde vom Volk als Anführer umjubelt werden. Der Gefangene schrickt zurück: Auch wenn er für sein Vergehen verurteilt worden ist, so will er doch nicht untreu gegenüber seinem Land und seiner Königin werden.

Die Helfer brechen die Tür auf und verschwinden dann. Quietschend öffnet sich die Eingangstür und die Königin erscheint von einem Wächter begleitet. Norfolk will fliehen, versteckt sich dann aber hinter einer Säule. Unbemerkt treten Matilde und Enrico aus dem Durchbruch hervor. Der Wächter steckt die Fackel in eine Halterung und wird von der Königin hinausgewiesen. Elisabetta bietet Leicester die Flucht an - als liebende Frau, nicht als Königin, die das Todesurteil des Kronrates akzeptieren müsse.

Leicester will nicht fliehen, denn dann stünde er als der Verräter da, der er nicht ist. Er bittet lediglich um Gnade für Matilde und ihren Bruder. Das weist Elisabetta zurück, denn Norfolk habe ihn sowie Matilde und Enrico des Aufruhrs bezichtigt. Leicester berichtet ihr, dass Norfolk eben noch mit ihm gesprochen und sich als Freund ausgegeben habe.

Norfolk kann sich nicht länger verbergen. Er greift zum Schwert und will die Königin töten. Leicester stellt sich schützend vor sie. Im Handgemenge entwaffnen Matilde und Enrico den Herzog. Die Wachen werden zu Hilfe gerufen.

Die Königin verdammt Norfolk zum Tode. Unter Schmährufen gegen sie wird er abgeführt. Jetzt hat Elisabetta erkannt, wer der wahre Verbrecher und wer der wahre Held ist. Sie umarmt Leicester und Matilde; sie seien frei und mögen immer glücklich miteinander zusammen leben. Die Gefängnistore werden aufgedrückt. Volk und Soldaten strömen herein. Leicester fordert Halt und Respekt vor der Königin. Wachen wollen die Leute zurückdrängen. Doch das ist nicht nötig. Die Leute halten ein und hören Elisabettas Worte, mit denen sie ihnen den Feldherrn zurückgibt. Für sich selbst muss sie jedoch alle Hoffnung auf Leicesters Liebe begraben, während sie vom Volk umjubelt wird.


Letzte Änderung am 14.9.2012
Beitrag von Peter Kranz