Gioacchino Rossini (1792-1868):

Zelmira

französisch Zelmire

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1822
Uraufführung: 16. Februar 1822 in Neapel (Teatro San Carlo)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 180 Minuten
Erstdruck: Wien: Artaria, 1822
Verlag: Pesaro: Fondazione Rossini, 2005

Zur Oper

Art: Oper in zwei Akten
Libretto: Andrea Leone Tottola nach der Tragödie von Dormont de Belloy
Sprache: italienisch
Ort: auf der Insel Lesbos
Zeit: Antike

Personen der Handlung

Zelmira: Prinzessin von Lesbos (Sopran)
Ilo: ein trojanischer Prinz, verheiratet mit Zelmira (Tenor)
Polidoro: König von Lesbos und Zelmiras Vater (Bass)
Antenore: ein Thronräuber (Tenor)
Leucippo: sein Gefolgsmann (Bass)
Emma: Zelmiras Vertraute (Sopran)
Eacide: ein Freund Ilos (Tenor)
Weitere: Hoherpriester des Zeus (Bass)
Zelmiras und Ilos kleiner Sohn (stumme Rolle)
Volk von Lesbos, Krieger von Mytilene, Wachen, Priester des Zeus, Hofdamen und weitere

Handlung

1. Akt:

1. Szene:

Die Könige der Insel Lesbos haben es den ägyptischen Pharaonen gleichgetan und sich rechtzeitig ein prächtiges Mausoleum errichtet, um der Nachwelt ein Denkmal ihrer Macht zu präsentieren. Azor, der Usurpator der Insel, gehörte einer ortsfremden Dynastie an, wurde soeben in seinem Bett ermordet aufgefunden und hat keinen Anspruch auf die Ehre, im Mausoleum einbalsamiert zu werden. Antenore und Leucippo, die beiden verschlagenen Thronräuber, heucheln Bestürzung und versprechen den ziellos umher irrenden Soldaten aus Mytilene, den Mord an ihrem König restlos aufzuklären.

Zuständig hierfür wäre eigentlich Ilo, Zelmiras Ehemann, ein Prinz aus Troja, dem sie erst vor kurzem einen kleinen Sohn geboren hat. Im Moment verharrt der Abwesende bei seiner trojanischen Familie, weil er in der Heimat ebenfalls gebraucht wird und sich dort mit Eindringlingen herumzuschlagen hat.

Die beiden Ränkeschmiede verdächtigen Zelmira der Buhlschaft und des Mordes an Azor rund versuchen, die Prinzessin nach Kräften in Verruf zu bringen. Der alte König Polidoro lebt aber noch und die Tochter hat ihm trotz fehlender sanitärer Einrichtungen im unterirdischen Teil des Mausoleums ein Wohnquartier eingerichtet, wo er sich zwar langweilt, aber seines Lebens sicher sein kann.

Vorsorglich verbreitete Zelmira vordem, dass Polidoro sich im Ceres-Tempel versteckt halte. Azor hatte darauf kurzen Prozess gemacht und den Tempel eingeäschert, so dass die Bevölkerung glaubt, dass der alte König nicht mehr unter den Lebenden weile. Nun hat es den ortsfremden Despoten selbst erwischt und Zelmira muss sich in Abwesenheit des Gatten gegen die verschlagenen Ganoven mit ihrer List durchsetzen.

Die Geschichte mit dem geheimen Zugang zum Grabmal, in dem ihr Vater Unterschlupf gefunden hat, glaubt Emma ihr anfangs nicht, doch ein Besuch gegen absolutes Schweigeversprechen überzeugt die beste Freundin. Emma nimmt auch ihr Söhnchen in Pflege und hält es vor den Nachstellungen seiner Feinde, bis Ilo zurück ist, verborgen.

2. Szene:

Zelmira begegnet ihrem Vater in dem unterirdischen Saal mit den Königsgräbern und begrüßt ihn auf das Innigste. Emma ist sehr erleichtert, dass Zelmira ihren alten Vater nicht aus dem Weg geräumt hat und die Sache auf natürliche Weise aufklären konnte. Sie glaubt ihr, dass sie kein Verhältnis mit Azor hatte, welches ihre Widersacher ihr andichten wollen. Sie tadelt sich selbst, dass sie ihrer besten Freundin misstrauen konnte und bereut bitter, dass sie die Schuldlose verdächtigte.

Als aus der Richtung, wo der Marktplatz von Lesbos liegt, erklingen Rufe und laute Militärmusik. Aufgeregt eilen Zelmira und Emma in die Richtung, um die Ursache dafür zu erkunden.

3. Szene:

Ilo ist mit seinen Leuten soeben von einem Feldzug zur Verteidigung seiner Heimat zurückgekehrt und wird von der Bevölkerung begrüßt. Er freut sich darauf, Zelmira und seinen Sohn wiederzusehen. Von den Ereignissen, die in seiner Abwesenheit stattgefunden haben, insbesondere von dem Ableben Azors, hat er keine Ahnung und schickt seinen Freund Eacide zum Palast, um seinem Schwiegervater seine Rückkehr zu melden. Er findet ihn dort aber nicht mehr vor.

Als Zelmira mit Emma auftritt, benimmt sie sich sehr zurückhaltend, weil sie nicht in Gegenwart seiner Männer von den Vorkommnissen berichten will. Er hat das Gefühl, dass sie bedrückt ist. Sein Misstrauen wächst, als sie seine Fragen nur ausweichend beantwortet. Emma tritt hinzu und bewegt Zelmira, vorerst die Flucht anzutreten. Antenore lässt nämlich verbreiten, dass Azor durch ihre Hand ermordet worden sei. Bestürzt und in tiefer Depression bleibt Ilo zurück. In diesem Zustand treffen Leucippo und Antenore auf ihn. Für seine Lage heucheln sie Mitgefühl und erzählen Ilo, dass Zelmira während seiner Abwesenheit Azor nach Lesbos kommen ließ und seine Geliebte wurde. Ihr Vater wurde vorsorglich durch Azor kaltgestellt. Ilos Gedanken werden immer düsterer und er zieht sich gequält zurück.

Nachdem der alte König auch nicht mehr unter den Lebenden weilt, hat eine Abordnung der Priester Antenore, dem Wortführer der Opportunisten, die Krone von Lesbos angeboten. Zelmira sieht sich von allen Seiten bedrängt, weiß aber, dass Emma sich um ihren kleinen Sohn kümmern wird.

4. Szene:

Im prachtvollen Saal des Palastes wird Antenore zum König von Lesbos gekrönt. Sein größtes Ziel sei, das Reich zu seiner einstigen Bedeutung zurückzuführen. Das Volk hört ihm aufmerksam zu.

Ilo glaubt nicht nur, das Zelmira ihn betrogen hat. Weit aus mehr beschäftigt ihn der Gedanke, dass er seinen Sohn nicht finden kann. Vor Kummer bricht er ohnmächtig zusammen. Von Leucippo wird er entdeckt, der denkt, leichtes Spiel mit ihm zu haben. Er zieht seinen Dolch, um ihn zu erstechen. Doch im rechten Augenblick taucht Zelmira auf. Kampfsport erprobt, kann Zelmira ihn entwaffnen. Doch der Hinterhältige weckt den Bewusstlosen kaltblütig aus seiner Ohnmacht auf und weist auf Zelmira, die den gezückten Dolch noch in der Hand hält. Er stellt die Situation so hin, dass es sein Verdienst ist, dem Tod von der Hand der eigenen Frau knapp entronnen zu sein.

Antenore taucht auf und befiehlt, Zelmira zu ergreifen und festzunehmen, da sie auf frischer Tat ertappt wurde.

2. Akt:

1. Szene:

Zelmira hat Ilo aus der Kerkerhaft einen Brief geschrieben, den Leucippo abgefangen hat und nun Antenore überreicht. Die Unglückliche versichert ihm darin, dass sie kein Verhältnis mit Azor hatte und auch ihren Vater nicht umgebracht habe. Sie fleht ihn an, er möge sie doch bitte aus dem Gefängnis befreien.

Kann es denn möglich sein, dass Polidoro den Brand des Ceres-Tempels überlebt hat? Leucippo gibt Antenore den Rat, Zelmira freizusetzen und dann auf Schritt und Tritt zu beobachten, wohin sie sich bewegt.

Emma ist zu dem Schluss gekommen, dass Zelmiras Sohn am besten im unterirdischen Teil des Mausoleums aufgehoben ist und beauftragt zwei Mägde, ihn dort hinzubringen und bei ihm zu bleiben.

2. Szene:

Ilo bemüht sich vergeblich, Zelmira zu hassen. Er hat aber auch keine Ahnung, wo sein Sohn sich befindet. Vor dem Mausoleum begegnet er zufällig Polidoro, der sein Versteck für einen kurzen Moment verlassen hat. Sie umarmen sich und Ilo ist überglücklich, zu erfahren, dass seine Frau tatsächlich unschuldig ist.

Ilo macht den Vorschlag, Polidoro auf sein Schifft zu bringen, doch der betagte König hat die Vorstellung, dass das Mausoleum das bessere Versteck ist, weil er unbewaffnet auftritt. Nachdem er zu seiner Flotte zurückgekehrt ist, schart Ilo seine Männer um sich, um Zelmira rasch zu befreien.

Inzwischen hat Antenore Zelmira freigelassen und die beiden Spitzbuben folgen ihr in einigen Abständen. Emma nimmt zu ihr Verbindung auf und richtet ihr aus, dass ihr Mann nun von ihrer Unschuld überzeugt sei und alles daransetzen wird, sie zu retten. Sie freut sich, ihren Vater endlich wiederzusehen. Leucippo und Antenore hören es, treten nun vor, um Zelmira zu beschuldigen, den neuen König verraten zu wollen. Diese geht von dem Glauben aus, dass Ilo den Vater auf seinem Schiff in Sicherheit gebracht hat. Sie gesteht offen, dass ihre Behauptung, ihn im Ceres-Tempel versteckt zu haben, eine List gewesen sei, um von seinem wahren Zufluchtsort abzulenken.

Leucippo hatte bemerkt, dass Ilo allein zu seiner Flotte zurückgekehrt war. Geschwind führt er eine Gruppe Soldaten zum Mausoleum und Zelmira muss erkennen, dass sie unglücklicherweise das Versteck ihres Vaters vorschnell verraten hat. Nun ist sie in Not, als sie sieht, dass Polidoro aus seinem Versteck herausgeführt wird. Sie bietet ihr Leben im Tausch an, aber der Versuch ist vergeblich, da Antenore beider Leben auslöschen will.

Die Soldaten aus Mytilene treten mit der Urne auf und verlangen Rache für den Mord an ihrem König. Antenore erklärt, dass Zelmira die Schuldige sei und die Justiz ihren Kopf fordere. So schnell ist das aber nicht zu machen, Zelmira und Polidoro werden zunächst einmal in den Kerker abgeführt, obwohl Emma und die Hofdamen um Gnade flehen.

Emma und ihre Gefährtinnen laufen zu Ilo, um über die neueste Entwicklung zu berichten und Hilfe zu mobilisieren.

3. Szene:

Im Gefängnis hat Polidoro vor Schwäche und Erschöpfung das Bewusstsein verloren. Zelmira wacht liebevoll über ihn, bis er wieder zu sich kommt. Die beiden Thronräuber nähern sich ihm, um ihren Mordplan auszuführen. Gewandt wirft sich Zelmira vor ihren Vater, um ihn mit ihrem Körper vor den Dolchstichen zu schützen. Sie schlägt vor, dass der Vater auf den Thron verzichten wird, wenn er sein Leben dafür eintauschen kann. Doch davon will der alte Querkopf nichts wissen, obwohl er eigentlich keine Chance hat, lebend davonzukommen.

Von draußen dringt Lärm herein und Zelmira hört die Stimme Ilos und seiner Männer. Antenore zückt sein Schwert, um Polidoro zu töten. Doch Zelmira greift blitzschnell zu einem Dolch, den sie in ihren Kleidern verbogen hat. Damit gelingt es ihr, die beiden Angreifer mutig abzuwehren bis Ilo zur Stelle ist. Die Übeltäter werden von den Rettern entwaffnet und entfernt. Schließlich kommen auch Emma und die Mägde aus ihrem Versteck hervor und Ilo kann seinen Sohn in die Arme schließen. Alles Leid hat nun ein Ende und es herrscht Jubel und Freude.


Letzte Änderung am 17.8.2014
Beitrag von Engelbert Hellen