Gioacchino Rossini (1792-1868):

Semiramide

deutsch Semiramis / französisch Sémiramis

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1823
Uraufführung: 3. Februar 1823 in Venedig (Teatro La Fenice)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 240 Minuten

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[Details]
Semiramide (Decca, ADD, 1966)
Gioacchino Rossini (1792-1868)

Hermes Opernlexikon: "Stück und Aufnahme gehören der Sutherland und der Horne. Beide geben eine Lektion in Primadonnen-Dominanz: So muß das gewesen sein, als Donizetti, Bellini, Rossini ihre Stücke schrieben. Für virtuose Stimmen, wie sie auch die beiden Vokalakrobaten dieser Produktion besitzen."

Zur Oper

Art: Melodramma tragico in due atti
Libretto: Gaetano Rossi
Sprache: italienisch
Ort: Babylon

Personen der Handlung

Semiramide: Königen von Assyrien
Arsace: Oberbefehlshaber des Heeres, verliebt in Azema
Assur: assyrischer Fürst, Mörder von Nino
Idreno: König der Inder, verliebt in Azema
Azema: Prinzessin
Oroe: Oberpriester
Mitrane: Oberbefehlshaber der Palastgarde
L'ombra di Nino: Der Geist des verstorbenen Nino
Weitere: Priester, Volk

Handlung

1. Akt:

Semiramis regiert seit 15 Jahren über Assyrien, d.h. seitdem König Nino, ihr Gatte, und der kleine Ninia, beider Sohn und Thronerbe, einer Verschwörung zum Opfer geftallen sind. Semiramis steht vor der Situation, einen Thronfolger bestimmen zu müssen.
Im Tempel des Baal zu Babylon: Die Baalspriester sind versammelt zu den der Designation des Thronfolgers vorausgehenden Feierlichkeiten. Der Oberpriester Oroe hat gerade in Ekstase durch die Stimme des Gottes erfahren: Bevor ein neuer König bestimmt werde, müsse erst der Mord an Nino gerächt werden. Auf Oroes Zeichen hin werden die Tempeltore geöffnet, das Volk strömt herein, übergibt Weihgaben und feiert den Gott in Gebeten und Hymnen. An der Spitze der Prozession gehen die Babylonier, gefolgt von den Indern, deren König Idreno in die assyrische Prinzessin Azema verliebt ist und der den Gott um die Erfüllung dieser Liebe bittet. Schließlich betritt der assyrische Fürst Assur, gefolgt von Satrapen und hohen Würdenträgern, den Tempel. Er scheint sich bereits als zukünftigen König zu betrachten. Seine Selbstsicherheit verbittert Idreno wie auch Oroe; dieser weiß, ohne es jedoch irgendjemandem gesagt zu haben, dqß Assur Ninos Mörder ist. Ihre Auseinandersetzung wird durch die Ankunft der Königin Semiramis und ihres prunkvollen Gefolges unterbrochen. Aber ein unerwartetes Ereignis verbreitet Unruhe: als Semiramis an den Altar tritt, erlischt die Opferflamme und Oroe deutet dies als Zeichen für den Zorn des Gottes über einen ungesühnten Mord. Trotzdem besteht Assur ungeduldig auf der Ausrufung des neuen Königs. Der Oberpriester versichert ihm, das geschehe noch um heutigen Tage, nur müsse der Orakelspruch aus Memphis abgewartet werden. Daraufhin ziehen sich alle zurück, Assur und Idreno voller Hoffnung, Semiramis voller Furcht und Oroe im Bewußtsein der zu erwartenden tragischen Ereignisse.
Aus dem Kaukasus ist inzwischen der junge Oberbefehlshaher des Heeres, Arsace, auf geheimen Befehl der Königin nach Babylon zurückgekehrt. Aber auch seine Liebe zu Azema und der letzte Wille seines Vaters Fradate, der ihm sterbend einen Schrein geheimen Inhaltes für Oroe übergab, trieben ihn nach Babylon zurück. Der Oberpriester empfängt Arsace mit Freude, eröffnet ihm, daß Nino ermordet wurde und betraut ihn damit, den Mord zu rächen. Ihr Gespräch wird von Assur unterbrochen, der darüber sehr ungehalten ist, daß Arsace ohne seinen ausdrücklichen Befehl zurückgekehrt ist. Er gerät in Zorn, als ihm der junge Kommandant seine Liebe zu Azema bekennt. Für Assur bedeutet es den Gipfel der Vermessenheit, wenn Airsace als Skythe sich Hoffnungen auf die Hand einer Prinzessin vom Stamme Baals und designierten Gattin des ermordeten Thronfolgers macht. Nur er, Assur, ein Assyrer, ebenfalls vom Stamme Baals, kann ihrer würdig sein. In dem Dialog setzt Arsace dieser kalten Machtkalkulation die Echtheit und Tiefe seiner Gefühle entgegen. So steigert sich die Rivalität der heiden zu Hass.
Atrium des Königspa~astes: Azema ist freudig erregt, als sie von der Rückkehr ihres geliebten Arsace nach Babylon erfährt. Insofern kann Idreno, der ihr mit einem Heiratsantrag seine Auftwartung macht, nur eine ausweichende Antwort erhalten. Der indische König versteht, daß er einen Rivalen hat und vermutet ihn in Assur. Auf seine Frage hin bestreitet Azema Assur zu lieben, und Idreno schöpft neuen Mut. Seiner leidenschaftlichen Liebeserklärung hört die Prinzessin wohlwollend aber unbeteiligt zu.
Die hängenden Gärten von Babylon: Währenddessen gibt auch die Königin, umringt von ihren Hofdamen in den hängenden Gärten, ihrer Freude über Arsaces Rückkehr Ausdruck; von ihm erwartet sie eine Lösung der auf dem Reich lastenden Probleme. Der Oberbefehlshaber der Palastgarde, Mitrane, erscheint und verkiindet den aus Memphis eingetroffenen Orakelspruch. Dieser besagt, daß mit Arsaces Rückkehr und einer Eheschließung die inneren Schwierigkeiten des Reiches eine Lösung fänden. Strahlend befiehlt Semiramis Mitrane, Hochzeitsvorhereitungen zu treffen und alle Würdenträger, aber vor allem Arsace, herheizurufen. Arsace macht der Königin sofort seine Aufwartung und zwischen den beiden entwickelt sich ein zweideutiges Gespräch, in dem er der Königin Assurs Machtgier enthüllt und ihr seine glühende und dennoch reine Ergebenheit erklärt. Die Königin bedient sich ihrerseits so zärtlicher Worte, daß man eine Liebeserklärung herauszuhören glaubt. Trotzdem verstehen beide die eigentlichen Absichten ihres Gesprächspartners nicht.
Im Königspalast: Assur und Oroe treten auf. Der arrogante Prinz bekräftigt seine Machtansprüche, während der Priester ihm göttliche Bestrafung prophezeit. Im Thronsaal mit anschließender Vorhalle zu Ninos Mausoleum findet eine majestätische Prozession statt. Semiramis nimmt auf dem Thron platz und nach der Versicherung aller, ihre wie auch immer geartete Entscheidung zu respektieren , verkündet sie den Namen des neues Königs, ihres Gatten: Arsace. Das Volk bricht in Jubel aus, während der junge Kommandant und Azema schmerzlich üherrascht sind, Azur vor Wut zittert und Oroe entsetzt ist. Nur Idreno freut sich über die Entscheidung, und er bittet die Königin mit Erfolg um die Hand Azemas. Im letzten Augenblick vor der königlichen Eheschließung geschieht ein grausiges Menetekel: mit Blitz und Donner öffnet sich das Grab des ermordeten Königs, der Schatten Ninos tritt heraus und verkündet: Arsace werde regieren, müsse aber zuvor ein Menschenopfer darbringen. Ohne das Opfer zu nennen, verschwindet der Schatten wieder im Grab. Die Hochzeit wird folglich verschoben uund alle Anwesenden erwarten angstvoll die bevorsiehenden tragischen Ereignisse.

2. Akt:

Atrium des Königspalastes: Der Palast ist von Mitranes königlicher Garde umstellt. Assur erscheint, um die Königin zur Rede zu stellen, warum sie nicht ihn zum Gatte und Herrscher erwählt habe. Schließlich hätten sie gemeinsam als Liebende und Komplizen vor fünfzeh Jahren Nino, Semiramis' Gatten, vergifiet. Verwirrt bekennt Semiramis, grausam gehandelt zu haben. Sie bekräftigt aber, daß die Ermordung Ninos Assur keineswegs zur Hoffnung auf Babylons Thron berechtigt. Assur beharrt jedoch auf seinen Ansprüchen und erinnert die Königin an ihre Mitwirkung beim Königs- und Gattenmord. Semiramis wird von Gewissensbissen geplagt, tröstet sich aber mit der Hoffnung, Arsace werde sie verteidigen. So endet die Auseinandersetzung mit wechselseitigen Rachedrohungen.
Im Innern des Tempels: Der Hohepriester Oroe entdeckt Arsaces wahre Identität und Herkunft. In dem von Arsace an Oroe übergebenen Schrein befand sich ein Brief des sterbenden Königs an seinen treuen Freund Fradate, worin er ihm den unmündigen Sohn Ninia anvertraute, um ihn vor seinem Mörder Assur und dessen Komplizin Semiramis zu bewahren. Arsace ist also kein anderer als der totgeglauhte Thronerbe. Der Inhalt des Schreibens verwirrt den jungen Mann zunächst sehr, aber auf Oroes Ermahnung hin faßt er wieder Mut und ist bereit, an Assur für seinen Vater Blutrache zu üben; nur für seine Mutter bittet er um Schonung.
Gemächer der Semiramis: Azema beklagt sich bei Mitrane über die Trennung von ihrem geliebten Arsace. In diesem Momenet erscheint Idreno und erfährt so, daß seine Braut ihn nicht liebt. Seine große Liebe läßt ihn zwar hoffen, daß die Prinzessin mit der Zeit seine Gefühle erwidern werde doch zunächst fügt sich Azema nur traurig in ihr Schicksal.
Semiramis, die von allem zwischenzeitlich Vorgefallenen nichts weiß, freut sich über Arsaces Aufwartung und versteht seine Zurückhaltung nicht, bis es ihr den klärenden Brief Ninos übergibt. Ihre Freude verwandelt sich nun in Schrecken und Reue, sie fordert ihren Sohn auf, sie zu töten und so den Vater zu rächen. Doch Ninias Mutterliebe ist stärker als seine Rachegefühle. Er umarmt seine Mutter und verspricht ihr, nur an Assur den Mord zu rächen. Trotzdem erscheint es Semiramis unmöglich, ungestraft davonzukommen.
Abgesonderte Zone des Palastes in der Nähe des Mausoleums: Assur plant, die Macht gewaltsam an sich zu reißen. Aber seine Mitverschwörer teilen ihm mit, daß Oroe das Volk aufgehetzt habe und sein Vorhaben somit zum Scheitern verurteilt sei. Trotzdem will er wenigstens Arsace töten. Er versucht in Ninos Grab einzudringen, aber entsetzliche Visionen halten ihn von der frevlerischen Tat ab. Doch die Furcht dauert nicht lange; er faßt neuen Mut und betritt entschlossen das Mausoleum. Mitrane hat den Vorgang heimlich beobachtet und beeilt sich, der Königin alles zu berichten.
Unterirdische Grabkammer von Ninos Mausoleum: Auf die Kunde der möglichen Entweihung des königlichen Grabes begeben sich die Priester bewaffnet in das Mausoleum, um den Frevel abzuwenden. Nachdem sie sich verborgen haben, steigt Ninia von Qroe geführt hinab. Auf die Frage des jungen Mannes, wo sein Opfer sei, antwortet der Priester, daß Gott es ihm nun zuführe. Von der gegenüberliegenden Seite erscheint Assur und von hinten Semiramis, die sich am Giabe ihres Gatten niederläßt. In der herrschenden Dunkelheit fühlen Semiramis, Ninia und Azur ihren Mut schwinden, als Oroes Stimme Ninia den tödlichen Streich befiehlt. Ninia versetzt den Stich in der Annahme, Assum zu töten. Stattdessen hat er ohne es zu wollen seine Mutter getötet.
Priester und Wahen treten mit Fackeln herein, entwaffnen und verhaften Assur. Als dieser in Arsace Ninia erkennt, wird er von Wut und Schmach übermannt, denn einen Sohn Ninos auf dem Thron Babylons zu sehen, ist für den Fürsten Assyriens schlimmmer als der Tod. Grausamen Triumph empfindet er dagegen über den Tod der Königin. Ninia seinerseits ist entsetzt beim Anblick der Leiche seiner Mutter und möchte sich selbst töten. Qroe kann ihn davon abhalten und das Volk, glücklich über die göttliche Fügung, führt Ninia im Triumphzug mit sich und ruft ihn zum neuen König Assyriens aus.


Letzte Änderung am 14.9.2012