Alexander Nikolajewitsch Serow (1820-1871):

Judif [Юдифь]

deutsch Judith / englisch Judith / französisch Judith

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1861-63
Uraufführung: 28. Mai 1863 (16. Mai 1863) in Sankt Petersburg (Mariinski-Theater)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 150 Minuten
Verlag: Chestnut Hill, MA: Elibron Classics, 2008
Bemerkung: Epigonenhaft folgt Serow den Opernkünsten der Italiener, Deutschen und Franzosen, konnte einen großen Durchbruch aber nie erzielen. Das Volumen seines Œuvres ist bescheiden - 1865 folgte noch die Oper „Rogneda“ - doch zum „mächtigen Häuflein“ rechnet man Serow nicht. Die Bassarien des Holofernes konnten Fjodor Schaljapin jedoch inspirieren.

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[Details]
Judith (Oper) (Brilliant, DDD, 1991)
Alexander Serow (1820-1871)

Künstler: Irina Udalova, Elena Zaremba, Mikhail Krutikov, Nikolai Vassiliev, Bolshoi Theatre Orchestra, Andrei Chistiakov

Zur Oper

Art: Oper in fünf Akten
Libretto: Alexander Serow in Anlehnung an das Alte Testament
Sprache: russisch
Ort: im Heiligen Land
Zeit: 800 Jahre vor unserer Zeitrechnung

Personen der Handlung

Judith: eine hebräische Freiheitskämpferin (Sopran)
Avra: ihre Magd (Mezzosopran)
Holofernes: Feldherr der Assyrer (Bass)
Eliachim: Hohepriester (Bass)
Ozias: Ältester von Bethulia (Bass)
Charmis: Ältester von Bethulia (Bass)
Achior: abtrünniger Ammoniter (Tenor)
Bagoas: militärischer Berater (Tenor)
Asfaneses: Haremswächter (Tenor)
Weitere: zwei Odalisken, israelisches Volk, israelische und assyrische Krieger, Sklaven und Sklavinnen, Wachen, Priester

Handlung

1. Akt:

Dem Ansturm der kriegerischen Assyrer sieht die biblische Stadt Bethulia mit Furcht entgegen. Auf dem Marktplatz diskutieren die beiden Ältesten Ozias und Charmis die schreckliche Auswirkung der jüngsten Ereignisse. Die Handelswege sind blockiert und die Wasservorräte gehen zur Neige. Der Hohepriester Eliachim vertraut dem Allmächtigen, dass er dem auserwählten Volk seine Gunst nicht entziehen wird und mahnt die Bevölkerung zu Gehorsam und Geduld. Wäre es nicht besser zu kapitulieren und sich den geforderten Tributzahlungen zu unterwerfen, als sich den grausamen Übergriffen des Feindes auszusetzen? Man beschließt, noch fünf Tage auf die himmlische Einmischung zu warten und dann einen Entschluss zu fassen, falls nichts Einschneidendes passiert. Den Verzagten beratend zur Seite steht der Ammoniter Achior. Als ehemaliger Söldner im Dienst der Assyrer, kann er wertvolle Hinweise geben, obwohl sein religiöses Bekenntnis zu den Göttern Kanaans von den Hebräern zurückgewiesen wird.

Holofernes, der gefürchtete Heerführer der Assyrer, hat sein Feldlager vor den Toren der Stadt aufgeschlagen und trifft Vorbereitungen, die Wälle zu stürmen.

2. Akt:

Judith, die Witwe eines gefeierten jüdischen Kriegers, ist nicht geneigt, noch länger zu warten bis sich die Hand Gottes zeigt. Selbstbewusst will sie ihre natürliche Schönheit zum Wohle des Vaterlandes einsetzen, um den Feind zu verderben. Sie plant, den feindlichen Feldherrn zur Lust zu verführen und ihn anschließend zu ermorden - wie grausam! Ihrer Sklavin Avra befiehlt Judith, den Stadtrat zu informieren, dass sie den riskanten Weg ins feindliche Lager wagen will, legt aber den Ältesten ihre mörderische Absicht nicht offen. Gottes Einwilligung zur Ausführung in die Bluttat ist unerlässlich und - sich Asche aufs Haupt streuend - bittet Judith um seinen Segen. Avras Versuch, ihre Herrin von ihrem Vorhaben abzubringen, schlägt fehl. Widerstrebend macht sie sich mit ihrer Gebieterin auf, um ihr bei der schrecklichen Tat zu assistieren.

Das Zwischenspiel „Marsch des Holofernes“ stimmt den Opernbesucher auf den Wechsel des Schauplatzes ein.

3. Akt:

Als die beiden Jüdinnen im Lager der Assyrer ankommen, läuft gerade ein Freizeitprogramm. Mit Gesang und Tanz unterhalten zwei Odalisken die müden Krieger und stellen dem Opernbesucher eine fiktive Welt des Alten Orients vor. Holofernes hat einen charismatischen Auftritt mit Asfaneses und Bagoas, seinen Beratern in militärischen und amourösen Dingen, und schickt die Odalisken weg. Man beschließt übereinstimmend, Bethulia am nächsten Tag zu schleifen.

Tumult ist im Lager entstanden. Der Chor der Assyrer lässt sich vernehmen, dass eine Jüdin von nie gesehener Schönheit zu Besuch erschienen sei. Holofernes hört die Neuigkeit und schließt sich nach Besichtigung dem Sturm der Begeisterung an. Sie zu erobern und in Besitz zu nehmen, sind ein und derselbe Gedanke. Er verfällt Judiths strahlender Verlockung und die Schöne verrät ihm ein Geheimnis: Sie kenne einen geheimen Weg in die Stadt und will ihn dem erfolgreichen Feldherrn offenbaren. Die siegestrunkenen Assyrer singen im Chor: „Keine Macht der Erde gleicht der unseren“ und freuen sich auf mühelose Eroberung und reichlich Beute.

4. Akt:

Ein buntes Abendprogramm wird aufgelegt und beweist das Organisationstalent des Aufsicht führenden Eunuchen. Die Divertissements sind von außergewöhnlicher Vielfalt und verlagern die Phantasie der beiden fremden Frauen in eine ihnen bisher unbekannte Welt. Von Bagoas wird sogar ein schmuckes Hindulied vorgetragen. Die lieblichen Chöre der ägyptischen Mädchen gehen dem orgiastischen Aufruf des Holofernes zu einem Trinklied voran. Immer wieder ermuntert er dazu, die Becher mit Wein zu füllen und demonstriert selbst, wie viel Alkohol sein Organismus vertragen kann. Seine Gedanken drehen sich vorzugsweise um Krieg und Eroberung, während die beiden Patriotinnen die Stunde ihrer Rache näher rücken sehen. Asfaneses ist so unvorsichtig, Judiths Gefühle für Holofernes als kalt zu bewerten, und der Haremswächter bekommt für seine unbedachte Äußerung des Speers tödliche Spitze an seiner Kehle zu spüren.

Die Anspannung wächst. Die Anwesenden entfernen sich, um der Zweisamkeit des Starken mit der Schönen nicht im Weg zu stehen. Judith wartet, bis der Assyrer volltrunken auf dem Teppich liegt. Sie bündelt alle Energie und Stärke und mit einem gewaltigen Streich trennt sie dem verhassten Gegner das Haupt vom Rumpf. Beim Schopf gefasst, lässt sie es noch ein wenig abtropfen, um keine Blutspur hinter sich herzuziehen. Avra steckt das blutige Haupt in ihren Beutel. Vorsichtig spähend, verlassen die beiden Rächerinnen das Kriegszelt und entschwinden mit ihrer kostbaren Beute im Dunkel der Nacht.

5. Akt:

Die Bürger von Bethulia sehen keine andere Möglichkeit mehr, einem schlimmen Schicksal auszuweichen, als die Tore der Stadt zu öffnen und den Feind hereinzulassen. Doch plötzlich steigt aus der Dunkelheit Judiths Gestalt auf und jubelt: „Hier ist der Kopf des Holofernes!“ Sie hält ihn hoch und am Stadttor wird die Trophäe, allen gut sichtbar, aufgehängt.

Im Lager der Assyrer hat man die Bluttat entdeckt und sie als negatives Vorzeichen gedeutet. Tödlich erschrocken, zerstreuen sich die Feinde und waren nicht mehr gesehen. „Wir haben gewonnen“ tönte es aus dem Mund der Hebräer. Der Schlusschor singt Gottes Preis, denn man ist unendlich erleichtert.


Letzte Änderung am 29.1.2017
Beitrag von Engelbert Hellen