Gaspare Luigi Pacifico Spontini (1774-1851):

Fernand Cortez ou La Conquête de Mexique

deutsch Ferdinand Cortez oder Die Eroberung von Mexiko / englisch Fernando Cortez or The Conquest of Mexico

Allgemeine Angaben zur Oper

Anlass: Auftrag von Kaiser Napoleon I.
Entstehungszeit: 1809
Uraufführung: 28. November 1809
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 120 Minuten
Erstdruck: Paris: Imbault etc., 1809 ?
Verlag: New York: Garland, 1980
Bemerkung: Die Urfassung der Oper war inhaltlich zu sehr den Wünschen Napoleons angepasst worden und konnte sich deshalb nur kurze Zeit im Spielplan halten. Das Publikum hatte die herrliche Musik jedoch nicht vergessen, und zur Weltausstellung schuf Gaspare Spontini eine Neufassung. Die Lesart war jetzt eine andere. Das Publikum wollte ein positives Finale, welches das Herz erfreut und bekam seinen Willen. Ein Resultat, welches der historischen Wirklichkeit zuwiderläuft, nahm man wie üblich in Kauf.

Natürlich erwarten die Landsleute auch eine italienische Version, mit der Spontini dann später nachzog. Neapel war es vergönnt, mit seiner Inszenierung von 1951 das Bewusstsein der Existenz dieses Meisterwerkes ins 20. Jahrhundert herüber gerettet zu haben. Die hinreißenden Chöre, die sich teilweise im Dialog gegenüberstehen, wurden nur noch in „Agnes von Hohenstaufen“ an Wucht übertroffen.

Zur Oper

Art: Lyrische Tragödie in drei Akten
Libretto: Etienne de Jouy und J. A. Esménard nach A. Piron
Sprache: französisch
Ort: Mexiko
Zeit: 15. Jahrhundert

Personen der Handlung

Fernando Cortez: spanischer Eroberer (Tenor)
Amazily: mexikanische Prinzessin (Sopran)
Montezuma: König von Mexiko (Bass)
Telasco: Bruder Amazylis (Bariton)
Alvaro: Bruder des Cortez (Tenor)
Morales: Vertrauter des Cortez (Bariton)
Oberpriester: (Bass)
Weitere: Seeleute, Gefangene, Soldaten, Priester

Handlung

1. Akt:

„O mein Iberia, geliebtes Heimatland, Lebewohl für immer“ erklingt der Gefangenenchor aus den unterirdischen Gewölben des Tempels, der dem blutrünstigen Gott Talepulchra geweiht ist. Die überlebensgroße Statue ist innen hohl und Feuer quillt aus dem weit geöffneten Schlund. Während die Priesterschaft bäuchlings auf dem Boden liegt, verkündet der Oberpriester dem verehrten Publikum zynisch, dass es das letzte Lebewohl der Spanier sei, die nichts anderes als den Tod verdienen. Der Zorn der Götter sei berechtigt und die scharfe Klinge solle sich in ihre Brust senken. Unter den Gefangenen befindet sich auch Alvaro, der trauert, dass ihn und seinen Gefährten am Tages des Sieges ein bitteres und grausames Geschick widerfahren sei. Alvaro ist der Bruder des Okkupanten Fernando Cortez und daher eine wertvolle Geisel. Der Tempel ist durch Fackelschein hell erleuchtet, während draußen in dunkler Nacht die Stürme toben. Nun ist die Zeit gekommen, dem Gewaltakt der Invasion zu begegnen und die besudelten Altäre zu reinigen.

Die Anwesenden erfüllt eine grausame Freude, als die Gefangenen endlich nach oben gebracht werden. Blut wird von den Schädeln der Eindringlinge tropfen, damit die finstere Gottheit, deren Gestalt durch Räucherwerk völlig umnebelt ist, sich nicht vernachlässigt fühlt und über mangelnde Opferbereitschaft zu klagen hat. Orgiastische Tänze und kriegerische Musik heizen die hasserfüllte Stimmung an. Alvaro hat nur schwachen Trost für seine Gefährten. Ein tapferer Mann schaut dem Tod gelassen entgegen und zittert nicht, denn schließlich stirbt er für das teure Vaterland. Sein letzter Seufzer wird ihn dem Schöpfer näher bringen. Bald wird der Schlächter das Opfermesser in seine Brust eintauchen, und in diesem weihevollen Augenblick sind diejenigen zu beneiden, denen es nicht vergönnt ist, für das geliebte Iberia ihr Leben zu geben. Der Oberpriester ist verdrossen, denn die Kühnheit des Spaniers setzt seiner Bestrafung Trotz entgegen.

Gewiss hat der König von Mexiko deshalb sein Erscheinen angekündigt, weil er die beleidigten Altäre segnen möchte. In seiner Begleitung befindet sich der erste der Helden, Telasco, Heerführer und Freund des Königs. Der dunkle Ritus des fatalen Opfers soll aufgeschoben werden, bestimmt Montezuma zum Missfallen der Priesterschaft. Des Himmels Gerechtigkeit hat den Bruder des schändlichen Invasoren Cortez in seine Hand gegeben und man muss nun sorgfältig erwägen, wie die kostbare Gabe sinnbringend eingesetzt werden kann. Telasco ist dafür, dass man die wertvolle Geisel gegen seine Schwester Amazily austauscht, die durch ihren Vorwitz in die Hände der Spanier geraten ist. Der Klerus ist dem Mädchen nicht wohl gesonnen, weil es die mexikanischen Götter unaufhörlich herabwürdigt. Die aufsässige Mutter hat den Zorn bereits zu spüren bekommen und musste ihr Leben auf dem Opferstein lassen.

Verdruss halten die Götter für den Zürnenden bereit, denn der Vermissten Amazily ist im Feldlager der Spanier kein tödliches Missgeschick widerfahren, sondern unerwartet und unbeschadet betritt sie soeben das Heiligtum. Mit ihren Erkundungen im feindlichen Lager hält die Mutige nicht zurück. Wenn der Herrscher dem gefangenen Alvaro auch nur das kleinste Unheil zufügen wird, prasselt ein Sturzbach flammenden Zorns auf das Land hernieder. Der König möge Alvaro schonen, damit seine Götter, sein Land und sein Volk vor grobem Unheil bewahrt bleiben. Freien Abzug soll er Alvaro und seinen Gefährten gewähren. Ihr Bruder Telasco hört solchen leidenschaftlichen Appell aus dem vorlauten Mund der kleinen Schwester nicht gern, denn er zieht den militärischen Weg vor. Montezuma vertritt die Ansicht, dass zwanzig tapfere Männer ausreichen müssten, durch eine listenreiche Operation Cortez in ihre Gewalt zu bringen. Selbst wenn er sich mit Blitzen vom Himmel bewaffnen würde, wäre das schlimme Schicksal des geliebten Bruders nicht zu ändern, entgegnet Amazily. Ein freundlicher Gott, dessen Wesen die Liebe ist, steht Cortez zur Seite. Mit seiner Macht erfüllt er sämtliche Wünsche seines Favoriten, während die mexikanischen Götter sich am Blut ihrer Feinde laben. Wäre es nicht sinnvoll, zum Wohle des Volkes sich dem fremden Gott in Freundlichkeit zu nähern? So ist die Auffassung von Amazily.

Oh Frevel ohnegleichen! Welche schamvolle Impertinenz! Nun hat es Amazily tatsächlich fertig gebracht, sich mit dem mächtigen Oberpriester endgültig zu überwerfen. Telasco versucht zu beschwichtigen. Eine unangebrachte Leidenschaftlichkeit hat sich bei der Schwester verlaufen. Die Prinzessin fühlt sich als Botschafterin ihres Landes und korrigiert. Sie stehe zu ihrem Frevel, denn sie liebt Cortez und ihr Heros erwidert ihre glühende Zuneigung. In dieser Union sieht Amazily den Weg, einen Knoten zu binden, der die Freundschaft der beiden Völker besiegeln könnte. Die Verabscheuungswürdige wird ein Opfer der Flammen werden, freut sich bereits die mexikanische Priesterschaft, doch die Anwältin des Christengottes bleibt ungerührt. Der Gott ihres Liebsten wird sie vor jeder Niedertracht schützen! Nun ist es aber wirklich an der Zeit, dass die Unverfrorene ihren verdienten Platz auf dem Opferaltar einnehme, wendet sich der Gemaßregelte an den König. Mit seinem Ritus hat Amazily nichts mehr zu tun, denn sie hat die schaurige Umarmung der alten Götter bereits abgestreift. Der Gott ihres Geliebten ist über alle Zweifel erhaben, und die Freuden des Himmels hat ihr Morgenstern ihr fest zugesagt. Montezuma möchte Emotionen aus der Politik heraushalten. Der traurige Irrtum des Mädchens beraube ihn nicht aller Barmherzigkeit. Die Gefangenen sollen heute nicht geopfert, sondern wieder in den Kerker zurückgebracht werden. Eine Entscheidung wird getroffen, sobald ein brauchbares Orakel der Götter vorliegt. Der Oberpriester schäumt vor Wut. Montezuma knallt sich in seine Sänfte und verlässt erhobenen Hauptes das Sanktuarium. Den Anbetungswilligen ist der Abend gründlich verdorben und sie verlassen die Tempelpyramide.

Telasco ist nun mit seiner Schwester allein und macht ihr wegen ihres Auftritts heftige Vorwürfe. Ein feindlicher Widersacher kommt über den Ozean, schmäht ihre Götter, zerstört ihre Festungen und Amazily hat nichts Eiligeres zu tun, als sich als Mätresse anzubieten. Die Angegriffene entgegnet, dass sie in der begründeten Furcht lebt, dass die Priesterschaft ihr nach dem Leben trachte und sie nun ein Herz gefunden hat, welches sie beschützt. In seine Fußstapfen will sie treten und ihm folgen. Sie ist stolz darauf, dass der größte unter den Sterblichen ihre Liebe entgegennimmt. Telasco fragt, ob sie daran zweifle, dass die starken Arme des Bruders nicht in der Lage seien, sie vor der verruchten Priesterschaft zu schützen. Auf ihre fragwürdige Verbindung soll sie verzichten und ihrer verkommenen Liebe abschwören. Amazily empört sich. Niemals wird sie ihrem Heros den Rücken kehren. Dafür ist die Liebe viel zu groß. Gut, dann soll sie tun, was sie für richtig hält, aber der Bruder wird sich von ihr abwenden, weil er die Rache der Götter fürchtet. Er versteht nicht, wie leichtfertig die Unbesonnene sich von den Banden des Blutes lösen kann. Die Konsequenz wird sein, dass er sie in Zukunft nicht mehr kennen wird. Wird er seine Zurückweisung aufrecht halten, wenn er sieht, dass der Christengott dem Lande Wohlergehen beschert?

Explosionen erschüttern die Stadt. Talenpulchra schüttelt es und er droht vom Sockel zu stürzen. Montezuma kommt mit den Priestern zurück, die sich in großer Verwirrung befinden. Das Donnergrollen des Himmels wertet man als Vorahnung von heftigen Schlägen durch der Feinde Waffen. Die Spanier zerstören die Uferbefestigungen des Sees. Unsinnigerweise wird Cortez seine Krieger vorzeitig ermüden. Danach werde man die Klingen drehen und selbst angreifen. Es wird Fernando nur noch mehr zum Zorn reizen. Besser wäre es, wenn er sich in Bewegung setzen und einen Waffenstillstand aushandeln würde. Den größeren Erfolg verspricht sie sich allerdings, wenn sie selbst die Sache in die Hand nähme.

Der Oberpriester will nun endlich mit dem Opferritus beginnen, was Montezuma ihm abrupt verwehrt. Er gibt Amazily freie Hand, den Gegner an den Verhandlungstisch zu bitten. Sie soll Cortez berichten, dass der Bruder lebt und Montezuma selbst die Rache der Götter fernhalten wird. Amazily ist über den Vertrauensbeweis des Königs glücklich. Während sie ihre Mission ausführen wird, soll der König darauf achten, dass den edlen Gefangenen kein Leid geschieht. Telasco hält eine militärische Lösung immer noch für die beste. Seine Männer werden es einrichten, dass die Feinde sich in ihrem Blut baden. Montezuma hält nicht viel von hochtrabenden Sprüchen, lässt sich nicht beirren und bleibt bei seinem Entschluss. Nichts wünscht er sich sehnlicher, als Frieden an den Ufern des Sees von Tenochtitlan.

2. Akt:

Angesichts der gewaltigen Übermacht befinden sich die spanischen Invasoren nicht in Hochstimmung. Tapferkeit allein wird nicht ausreichen, den Gegner zu vernichten. Sollten die Kastilianer angreifen, wird der Widerstand von kräftigen Männern sie erwarten. Ihre königliche Stadt werden Montezumas Krieger zu schützen wissen und Furcht in ihre Herzen schlagen. Zu Füßen ihrer Festungen werden die spanischen Helden von der Masse erdrückt verstreut herumliegen. Sollten sie selbst in die Verteidigung gedrängt sein, wird ein raues Gefecht sie erwarten. Der Chor schlägt vor, die ungastlichen Küsten mit den Schiffen zu verlassen. Das Heimatland ruft sie zurück. Der Himmel wirkt düster und ist ihnen nicht wohlgesonnen. Glorreich aus dem Leben zu scheiden ist die einzige Hoffnung, die ihnen bleibt.

Vom Eingang seines prächtigen Zeltes beobachtet Fernando Cortez die Aufwiegler. Was ist mit ihnen? Weshalb sind ihre Lippen stumm? Das Glück ist immer von Gefahr begleitet! Nun sieht er Spaniens Söhne in Furcht. Morales rät seinem Führer, kühn zu handeln. Offener Aufruhr droht im Lager auszubrechen. Die Mexikaner bestechen die Leute mit Gold. Den Schatz wollen sie nun nach Hause tragen. Längeres Verweilen birgt die Gefahr, dass sich an den Ufern des Sees ihr Schicksal erfüllen wird.

Die Gefahren des Goldes sieht Cortez auch und antwortet seinem Berater, dass er mit der Kraft seiner Worte und dem Rückgrat seines Willens jeden Widerstand brechen werde. Die Zeit drängt, denn Alvaro befindet sich in großer Gefahr. Ist Amazily eine Spionin? Die Bedenken von Morales verdienen ernst genommen zu werden. Er soll die mögliche Entwicklung einer Revolte im Auge behalten. Amazily sei die Tugend in Person und hält ihn über die Abläufe im königlichen Palast auf dem Laufenden. Die Priester hatten die scharfe Klinge schon über Alvaros Haupt geschwungen, aber der weise Montezuma hat sie zur Seite gebogen. Er fragt nach einem Waffenstillstand und wird seinen Botschafter schicken. Jedes Wort ist kostbar und eine Botschaft vom Himmel. Der König befinde sich unter Druck. Als Boten des Todes erfüllen die Priester die Luft mit Voraussagen. Die Götter seien ungehalten, weil sie das Opferblut der festgehaltenen Spanier entbehren müssen. Der ängstliche Herrscher ist bestürzt, fürchtet den Aufruhr des Pöbels und die Rache der Götter, wenn er den Ritus auf den verfluchten Altären ohne stichhaltigen Grund hinauszögert. Unerhört! Regiert in der Stadt und im Palast etwa der Mob? Die Priesterschaft ist gefährlich. Durch sie fand Amazilys Mutter den Tod, weil sie versuchte, die wütenden Götter auf Distanz zu halten. Cortez verspricht, die erhabene Mutter zu rächen. Amazily hat nur einen Wunsch, ihren Helden zu lieben und in seiner Nähe sein zu dürfen.

SZENENWECHSEL

Mit großem Gefolge ist Telasco im Feldlager eingetroffen. An den Ufern des Sees ist ein kleines Fest mit Balletteinlage geplant, um den staunenden Mexikanern etwas von Spaniens Herrlichkeit vorzuführen. Die Standarten der dreizehn Königreiche sind aufgepflanzt. Die Flotte der Kastilianer bildet einen malerischen Hintergrund. Unter den mexikanischen Frauen scheint es sich schon herumgesprochen zu haben, dass die Aztekenprinzessin einen Blick auf den glorreichen Helden von den entfernten Gestaden geworfen hat. Sie singen vom sanften Grün der Olivenzweige, die intime Knoten gebunden haben, um das Herz zweier Völker zu vereinen. Lorbeer wiederum ist die Belohnung für Tapferkeit und kann auch bei Vergebung dienlich sein. Bei Siegen zu Land und zur See sind als Tribut an die Ehre immer ein paar Zweige fällig. Es wird gejubelt, weil dem Volk der Durchblick fehlt, wie angespannt die Situation tatsächlich ist.

Telasco ist alles andere als ein guter Diplomat und nach ein paar freundlichen Floskeln trägt er - anstatt sich behutsam vorzutasten - seine Forderung unverblümt vor. Ein blindes Schicksal hat dem Fremdling erlaubt, den großen Ozean zu überqueren. Der erhabene Montezuma, der über Mexiko regiert, ist beeindruckt von seinem Mut und seiner Leistung, die es verdienen, gelobt zu werden. Ein paar hübsche Gaben hat er mitgebracht, um das Herz des glorreichen Helden zu erfreuen.

Cortez beabsichtigt nun über eine Waffenruhe zu verhandeln, aber Telasco möchte zunächst die Botschaft seines Königs vortragen. Die Wogen des Sees soll der Eindringling benutzen, um mit seinen Schiffen eine Zuflucht jenseits des Ozeans zu suchen. In Mexiko gibt es für ihn keine Zukunft. Wenn er verschwindet, ist er gerettet. Eine kleine Abfindung an Edelmetall, Kunstschätzen und Juwelen ist in den Truhen verstaut – ein Geschenk für den noblen König im fernen Spanien, damit er die Heimat nicht mit leeren Händen betreten muss. Zieht er jedoch vor zu kämpfen, stirbt sein Bruder Alvaro auf dem Opferaltar. Die Umstehenden applaudieren und Cortez verschlägt es die Sprache. In welchem Ton redet der Mexikaner zu ihm? Telasco hat die Wünsche seines Königs übermittelt. Der Spanier möge einwilligen, damit Montezuma seinen guten Willen erkennt. Die Schätze werden nun herbeigetragen und vor dem Prunkzelt aufgebaut. Ballett verkürzt die Zeit und die Chöre laufen zur Hochform auf. Sie zeigen die Diplomatie, welche Telasco zu wünschen gewesen wäre. Für wen funkeln die Strahlen des Himmels wie Juwelen auf der spiegelnden See? Natürlich für den lieben Gast von den fernen Küsten. Er soll seine Schwerter ruhen lassen. Das Funkeln der Sterne wird ihn heim geleiten. Für den Bezwinger der Meere halten zuhause die Blumen der Natur den süßesten Duft bereit. Die spanischen Soldaten stimmen ein. Der Ruhm eines heldenhaften Todes ist nicht zu verachten, aber das wahre Glück werden sie bei Haus und Herd in der Heimat finden.

Cortez möchte von seinen Gefolgsleuten wissen, welch neuer Terror anfällt. Hat er etwa gelogen, als er sie Helden nannte? In den Händen halten sie eine Welt, und von allen europäischen Ländern werden ihre Schritte beobachtet. Die Geschichtsbücher werden eines Tages von ihrem großen Sieg künden. Wer unter ihnen, wenn er kein Feigling ist, will mit Waffen in den Händen sein Schiff verlassen. Bei welchem Namen wird man ihn für solch eine Infamie nennen? Der Chor fragt das Gleiche. Wie soll man denjenigen in Spanien nennen, der es fertig bringt, die Fahne zu verlassen. Morales bekräftigt, er werde treu sein und dem Führer folgen - überallhin wo die Sonne scheint und Unglück wie Glorie mit ihm teilen. Keiner will zurückstehen und alle bekräftigen, was Morales vorgesagt hat. Dann sollen sie es schwören! Man beeilt sich, im Chor den Eid zu leisten. Alle wollen seinen Fußstapfen folgen. Gut, denn illoyale Revolte wird auf das Schärfste bestraft.

Fliegen wollen sie von Sieg zu Sieg, von einer Ausbeute zur anderen. Die Geschichte wird es registrieren für alle Zeiten. Morales soll zu Montezuma eilen und ihm folgende Botschaft bringen: Alvaro und die übrigen Helden verlangt Cortez unverzüglich zurück. Telasco wird als ständiger Gast in seinem Feldlager verbleiben. Zu diesem sagt er, dass das Gold, welches er vor den Augen seiner Leute hat scheinen lassen, seine Wirkung verfehlte. Die Ehre Spaniens ist über solchen Tand erhaben, denn sie spricht lauter als seine Verführung. Cortez wird bleiben, denn das Land gehöre ihm. Der Rat des Gesandten sei unnütz und die Bedrohung überflüssig, weil er dieser trotzen wird. Telasco meine, der Ozean eröffne einen Fluchtweg für ihn und seine Leute. Keine menschliche Kraft wird ihn aufhalten! Er soll auf den See schauen und in seiner Erinnerung festhalten, was er sieht.

Die spanischen Schiffe haben Feuer gefangen - einige explodieren, andere sinken. O Himmel, welch schauriges Spektakel. Die Schiffe brennen und der See gleicht einem Vulkan. Niemand hat mitbekommen, das Cortez Befehl gegeben hatte, die Schiffe anzuzünden, um jede Fluchtmöglichkeit zu unterbinden.

3. Akt:

Die prunkvolle Grabstätte der Aztekenkönige und ihrer Familien wurde zweckentfremdet. Die Spanier deponieren in den Säulenhallen ihre Waffen und bauen auf den Wällen ihre Kanonen auf. Hierzu erklingen Märsche und kriegerische Gesänge. Von der Höhe hat man einen herrlichen Blick auf die königliche Stadt. Das Grabmal von Amazilys Mutter ziert den Vordergrund. Telasco kommt im Geleit der Spanier. Ihm bleibt nichts, als über die Schändung der Gräber seiner Vorfahren zu trauern. Er wird die Schatten der Väter mit Betrübnis verlassen, aber wohin soll er gehen?

Amazily und Cortez treten hinzu und versuchen ihn zu trösten. Fernando nennt ihn seinen Freund und schenkt ihm die Freiheit. Telasco kann seine Schritte lenken, wohin er möchte oder bleiben, wenn die Liebe es ihm gebietet. Es ist ein Tag der Freude, denn Montezuma hat die Freilassung der Gefangenen angeordnet.

Telasco verabschiedet sich mit einem „Leb' wohl“ - Amazily trifft seine unberechenbare Kälte ins Herz. Sie erinnert ihn an die Bande des Blutes und Cortez erklärt, dass er Amazily ehelichen werde. Auch er ist betroffen, weil Telasco den Bruderkuss verweigert. Wenn die Schwester den Glauben ihrer Väter verleugnet und den Fremden ehelicht, kann er das nicht verhindern, aber es ist ihm erlaubt zu hassen. Amazily gibt der Hoffnung Ausdruck, dass der Bruder eines Tages seinen Sinn wandeln wird.

Morales hat schlimme Nachricht. Die Übergabe der Gefangenen ist misslungen. Die infamen Priester haben den Mob aufgewiegelt und die Gefangenen weggenommen. Jetzt dürsten die Priester nach Amazilys Blut und möchten die Verräterin gegen Alvaro eintauschen. Montezuma ist machtlos und seine Wachen konnten gegen die Meute nichts ausrichten. Telasco hat sich auf die Seite des Pöbels gestellt und feuert diesen an. Amazily fühlt sich in die Pflicht genommen. Um den Schwager zu retten, sei ihr Tod erforderlich. Doch Cortez lässt das Opfer nicht zu und plant
einen Gewaltstreich. Zu dem mörderischen Tempel wird er gehen und den teuflischen Priestern sein Gesicht zeigen. Auf seine Elite-Truppe ist Verlass.

SZENENWECHSEL

Die Fortsetzung der Handlung wechselt in den Palast Montezumas. Der Herrscher ist verzweifelt und plant, den Fremdlingen eine brennende Stadt zu übergeben. Er befiehlt, den Gefangenen die Ketten abzunehmen und sich selbst zu überlassen. Für sich plant er, den Tod auf seines Vaters Thron hoheitsvoll zu erwarten. Alvaro empfindet Dankbarkeit und weigert sich, den Herrscher im Stich zu lassen. Sein Bruder wird kommen, ihn zu retten. Er wird er ein gutes Wort für Montezuma einlegen, um sich für sein Wohlverhalten zu revanchieren.

Telascos Aufstand wurde niedergeschlagen. Wie er sich ausdrückt, bringt Cortez seine Metzgerei jetzt in diese Wälle. Wie befohlen, wurde die Stadt in Brand gesetzt, damit Cortez und Alvaro der Triumph versalzen wird.
Montezuma besteigt den Thron in der Erwartung, dass die Flammen den Palast mit allem Inventar verzehren werden. Alvaro soll Augenzeuge werden, wie ein großer Herrscher zu sterben weiß, damit er es anderen Völkern berichten kann. Plötzlich kommt Amazily angerannt. Nein, Montezuma hat es überhaupt nicht nötig, zu sterben. Er soll ihr Flehen anhören und sich zum Weiterleben bekennen. Der Kapitän hat das Schwert niedergelegt, und die Männer sind bereits bei den Löscharbeiten.

Der noble Sieger ist nicht als König gekommen, sondern möchte Montezumas liebevolle Zuneigung gewinnen. Die Sonne seiner Glorie scheint am Himmel und alle haben es begriffen. Wer wollte sich den Ratschlägen eines Kommandeurs von solchem Wert widersetzen? Cortez erscheint in Person und entschuldigt sich, dass er den Sieg davon getragen habe. Montezumas Freundschaft sei der schönste Preis für seinen Sieg. Waffenruhe und Frieden hat er mitgebracht, und zu den wichtigsten Aufgaben der Zukunft gehöre es, die düsteren Altäre etwas freundlicher zu gestalten – weniger Blut, dafür mehr Blumen. Montezuma ist so gerührt, dass er dem Siegreichen Amazily zur Frau gibt. Der Chor lässt sich das letzte Wort nicht nehmen. Die Schlachten sind geschlagen und es kann nicht eindeutig festgestellt werden, wer der Verlierer ist.


Letzte Änderung am 30.12.2016
Veröffentlichung mit Zustimmung von musirony