Giuseppe Verdi (1813-1901):

Macbeth

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1847, rev. 18xx
Uraufführung: 14. März 1847 in Florenz
Spieldauer: ca. 155 Minuten
Bemerkung: In Verdis Macbeth von 1847/65 bekommen die phantastischen Angstbilder der Schauerromantik eine psychologische Tiefenschärfe. Verdis musikalische Dramaturgie begibt sich auf den Spuren von Shakespeares Tragödie in die Abgründe der menschlichen Seele. Extreme pathologische Bewusstseinszustände und psychische Obsessionen spiegeln sich im musikalischen Profil der Charaktere. Es geht nicht um humane Leidenschaften wie Liebe, Eifersucht und Rache, hier bilden Machtgier, Zerstörungswahn und Mordlust die dramatische Essenz von Verdis Musiktheater.

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Macbeth (DGG, ADD, 76)
Giuseppe Verdi (1813-1901)

K. Breh in stereoplay 8 / 86:"Hochrangige, unge- wöhnlich dichte und prägnante Interpretation der Verdi-Oper, sehr gute Besetzung, präzises Orchester, wandlungsfähiger Chor, ausgezeichnete Klangtechnik."

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Macbeth (Arthaus Musik, 1987)
Giuseppe Verdi (1813-1901)

Pizzicato. lu 06 / 2015: "Die Besetzung ist vorzüglich und wird von der grandiosen Mara Zampieri als Lady Macbeth angeführt. Ihr zur Seite stehen drei stimmgewaltige Herren, von denen insbesondere Renato Bruson als Macbeth eine hervorragende und sehr intensive Leistung bietet. Überdurchschnittlich auch James Morris als Banquo und Dennis O’Neill als Macduff, dem es allerdings etwas an Persönlichkeit mangelt. Am Pult des gut disponierten Orchesters steht Giuseppe Sinopoli, der voller Elan zur Sache geht. Hier ist von seinem analytischen Sinn nichts zu spüren; der italienische Maestro setzt in erster Linie auf handfestes und spannendes Musiktheater und dirigiert dieses Macbeth ohne Schnörkel und intellektuelle Reflexionen, dafür aber mit einem unheimlichen Gespür für den dramatischen Ablauf."

Zur Oper

Art: Melodramma in quattro atti
Libretto: Francesco Maria Piave
Sprache: italienisch
Ort: Schottland
Zeit: Mitte des 11. Jahrhunderts

Personen der Handlung

Macbeth: Feldherr des Königs Duncan
Banquo: Feldherr des Königs Duncan
Lady Macbeth: Frau des Macbeth
Dama di Lady Macbeth: Kammerfrau der Lady Macbeth
Macduff: ein schottischer Edler
Medico: Arzt
Servo di Macbeth: Diener von Macbeth
Sicario: Meuchelmörder
Araldo: Herold
Weitere: drei Erscheinungen, Hexen, Abgesandte des Königs, schottische Edle und Flüchtlinge, Mörder, englische Soldaten, Barden, Luftgeister

Handlung

Die Hexen weissagen Macbeth, er werde König von Schottland. Vater der künftigen Könige werde aber nicht er, sondern Banco. Angetrieben von der Machtgier der Lady verschafft sich Macbeth durch Königsmord und zahllose Greueltaten die schottische Krone. Was ihm widersteht, wird vernichtet. Der Preis für politischen Erfolg ist aber psychischer Niedergang, der im Wahnsinn endet. Weder kann die Lady ihre Hände vom Blut der Ermordeten reinwaschen noch der Tyrann dem fatalen Schicksalsspruch der Hexen entkommen.

Handlung

1. Akt:

Heide. In einer Heidegegend Schottlands haben sich drei Gruppen von Hexen versammelt und berichten von ihren Zauberkünsten. Macbeth und Banquo, Feldherren des schottischen Königs Duncan, treffen bei ihrer Heimkehr von einer siegreichen Schlacht auf die Hexen und befragen sie. Daraufhin grüßen diese Macbeth als Herrscher über Glamis und über Cawdor und als künftigen König von Schottland. Banquo dagegen prophezeien sie, Stammvater eines Königsgeschlechtes zu werden. Kaum sind die Hexen verschwunden, kommen Boten des Königs mit der Nachricht, dass der Herr über Cawdor wegen Verrates zum Tode verurteilt und Macbeth zu seinem Nachfolger bestimmt sei. Betroffen über die Erfüllung des ersten Teils der Prophezeiung verharren Macbeth und Banquo in ihren Betrachtungen.
Halle in Macbeths Schloss. Durch einen Brief ihres Gatten erfährt Lady Macbeth diese Neuigkeiten. Besessen von maßlosem Ehrgeiz, ist sie zu allem bereit, was ihr den Weg zur Macht sichert. Als ein Diener meldet, dass Macbeth mit Duncan naht und dieser im Schloss übernachten werde, hat sie bereits ihren Plan gefasst, den König umzubringen. Macbeth kommt heim. Noch zögert er, doch ist er unfähig, sich der Unerbittlichkeit seiner Gattin zu widersetzen, und - auch vom eigenen Ehrgeiz getrieben - begeht er schließlich die schändliche Tat. Von nun an quälen ihn Gewissensbisse und er ahnt, dass er nie wieder ruhigen Schlaf finden wird. Für seine Seelenqualen kann die Lady in ihrer erbarmungslosen Kaltblütigkeit kein Verständnis aufbringen. Am Morgen begeben sich Macduff und Banquo, den traurige Vorahnungen bedrücken, zum König, um ihn zu wecken. Als sie die Bluttat entdecken, rufen sie sofort alle Schlossbewohner zusammen. Der unbekannte Mörder wird von allen - auch von Macbeth und der Lady - verflucht.

2. Akt:

Zimmer im Schloss. Macbeth ist König von Schottland. Duncans Sohn Malcolm, der durch seine Flucht nach England den Verdacht des Vatermordes erhärtete, gab somit selbst den Thron frei. Dennoch fühlt sich Macbeth nicht sicher. Er erinnert sich an die Prophezeiung der Hexen, Banquo werde ein Königsgeschlecht begründen. Macbeth und die Lady beschließen, noch mehr Blut fließen zu lassen.
Park bei Machbeths Schloss. Banquo und sein Sohn Fleance geraten in einen Hinterhalt, in den sie die von Macbeth gedungenen Mörder locken.
Glänzender Saal im Schloss. Am Hof findet ein prächtiges Festbankett statt. Lady Macbeth bringt einen Trinkspruch, in den alle einstimmen. Macbeth, dem soeben heimlich die Ermordung Banquos und die Flucht Fleances gemeldet wurde, heuchelt Verwunderung über Banquos Abwesenheit. Als er jedoch an der Tafel Platz nehmen will, erscheint dort - nur für ihn sichtbar - Banquos Schatten und versetzt ihn in Panik. Macbeth weicht zurück, redet wirre Worte, die ihn selbst kompromittieren. Nur schwer kann Lady Macbeth ihn nur Besinnung bringen. Von neuem stimmt sie ihr Trinklied an, doch wieder erscheint der Blut überströmte Schatten von Banquo. Macbeth verliert vollends die Fassung. Er beschließt, nochmals die Hexen aufzusuchen und über seine Zukunft zu befragen. Macduff und der gesamte Hof sind von Entsetzen gepackt über Macbeths unfreiwillige, erschreckende Enthüllungen.

3. Akt:

Eine dunkle Höhle. Die Hexen bereiten ein höllisches Gebräu. Sie tanzen. Macbeth kommt herein und bittet sie, die Luftgeister nach seiner Zukunft zu befragen. Drei Erscheinungen folgen aufeinander: Die erste mahnt ihn vor Macduff, die zweite sagt ihm voraus, dass kein von einem Weibe geborener Mensch ihm schaden könne, und die dritte prophezeit ihm Ruhm und Unbesiegbarkeit, solange bis der Wald vor Birnam gegen ihn anrücke. Macbeth ist noch nicht beruhigt; auf seine Frage, ob Banquos Nachkommen ihm auf dem Thron folgen werden, erscheinen hintereinander die Geister von acht Königen, als letzter Banquo mit einem Spiegel in der Hand. Damit sind die Wahrsagungen bestätigt. Macbeth sinkt ohnmächtig zusammen, Elfen und Sylphiden tanzen um ihn herum. Als er wieder zu sich kommt, steht Lady Macbeth bei ihm. Beide beschließen, Banquos Sohn und die Familie von Macduff, der nach England geflohen ist, aus dem Weg zu räumen.

4. Akt:

Öde Gegend an der Grenze zwischen Schottland und England. Macduff lagert mit schottischen Flüchtlingen an der Grenze. Sie beklagen das Los des unterdrückten Vaterlandes und den Verlust ihrer Familien. Auch Macduff trauert um Weib und Kinder, die Macbeth ermordete. An der Spitze eines englischen Heeres naht Malcolm, und gemeinsam rüsten sie zum Angriff auf Macbeths Schloss, indem sie sich mit den Zweigen von den Bäumen des Waldes zu Birnam tarnen.
Saal in Macbeths Schloss. In der Nacht wird Lady Macbeth von Gewissensbissen und Albträumen verfolgt. Ihre Kammerfrau und der Arzt beobachten die Schlafwandelnde, die mit einer Kerze in der Hand im Schloss umher irrt. Am Rande des Wahnsinns erlebt sie noch einmal ihre begangenen Morde und versucht vergebens, sich die unsichtbaren Blutflecken von den Händen zu waschen.
Ein anderer Saal im Schloss. Macbeth, von den meisten seiner Getreuen verlassen, ahnt, dass sein Schicksal sich erfüllt, und dass die Weissagungen zutreffen. Für ihn ist das Leben sinnlos geworden. Die Nachricht vom Tod seiner Frau lässt ihn völlig unbeteiligt. Als seine Krieger ihm berichten, dass der Wald von Birnam sich bewege, begreift er, dass sein Ende gekommen ist.
Eine weite Ebene. Während die englischen Soldaten und schottischen Flüchtlinge gegen das Schloss vorrücken, werfen sie die tarnenden Zweige ab und greifen zu den Schwerten, um zum Angriff zu stürmen. Macduff - der nicht auf natürlichem Wege geboren, sondern aus dem Mutterleib geschnitten wurde - fordert Macbeth zum Kampf auf und erschlägt ihn. Alle feiern den Sieg und huldigen Malcolm, dem rechtmäßigen Thronfolger und neuen König.


Letzte Änderung am 17.8.2004