Giuseppe Verdi (1813-1901):

Il Trovatore

deutsch Der Troubadour / englisch The Troubadour / französisch Le Trouvère

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1852
Uraufführung: 19. Januar 1853 im Teatro Apollo in Rom
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 140 Minuten
Erstdruck: Mailand: Ricordi, 1953
Verlag: Mailand: Ricordi, 1986
Mailand: Ricordi, 1999

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[Details]
Il Trovatore (Decca, ADD, 77)
Giuseppe Verdi (1813-1901)

Penguin Guide: "Besonders die bemerkenswerten Ballettmusiken dieser Aufnahme überzeugen durch Brillanz und schönem Spiel."

Zur Oper

Art: Oper in vier Akten
Libretto: Salvatore Cammarano nach einem Stück 'El trovador' von Antonio García Gutiérrez
Sprache: italienisch
Ort: Nordspanien
Zeit: 1409

Personen der Handlung

Manrico: Kommandant im Dienst des Prinzen von Biscaya (Tenor)
Leonora: Hofdame der Prinzessin von Aragon (Sopran)
Conte di Luna: Kriegsherr auf der Seite der Könige von Aragon (Bariton)
Azucena: Zigeunerin aus der Region Biscaya, vermeintliche Mutter Manricos (Mezzosopran oder Alt)
Ines: Leonoras Zofe und Vertraute (Sopran)
Ferrando: Hauptmann im Heer des Grafen Luna (Bass)
Ruiz: Soldat im Gefolge Manricos (Tenor)
Weitere: ein alter Zigeuner, ein Bote, Gefolge, Nonnen, Zigeuner, Soldaten

Handlung

1. Akt:

DER ZWEIKAMPF

Erste Szene: DER ALIAFERIA-PALAST IN ARAGONIEN

Ferrando, der alte Haudegen, meint, wenn er selbst nicht schlafen kann, muss er die anderen wecken. Die Privatangelegenheiten seines Herrn, die ihn überhaupt nichts angehen, beschäftigen seine Gedanken und er plaudert aus, was er weiß. Die ganze Nacht verbringe der Graf unter dem Balkon der Einzigen, die er liebe. Die grimmige Schlange der Eifersucht attackiert sein Herz, denn ein Troubadour ist sein Rivale, vervollständigen die unsanft aus dem Schlaf gerissenen seinen Report. Mit Recht fürchte ihn der Hintergangene, denn zu nächtlicher Zeit schleiche der Versucher gelegentlich im Garten seiner Verlobten umher und mache sich deutlich bemerkbar. Schmachtend erhebe er seine wohlklingende Stimme, um seiner Angebeteten ein Ständchen zu bringen, welches er mit einer Laute begleite.

Sobald Ferrando mit den aktuellen Nachrichten fertig ist, kommen die alten Geschichten an die Reihe. Diese werden immer wieder gern gehört und mit Wonne gruselt man sich aufs Neue. Die Soldaten und Gefolgsleute sollen einen engen Kreis um ihn bilden, damit ihnen kein Wort entgeht, denn es handelt sich um ein Ereignis aus der Dynastie der Grafen von Luna.

Also, das war so: „Glücklich lebte einst ein Vater von zwei Söhnen...“, aber glücklich war er nur so lange, bis das Schicksal fürchterlich zuschlug. Der kleine García schlief nachts in seiner Wiege und die Amme sollte auf ihn aufpassen, damit sein Wohlbefinden durch kein Vorkommnis beeinträchtigt werde. Die Nachlässige nimmt ihre Pflichten aber nicht ernst, und als sie am Morgen aufwacht, steht an der Wiege des Jüngsten eine wildfremde Person. Die Soldaten und Gefolgsleute kennen die Geschichte natürlich längst und bringen den schon etwas betagten Ferrando in sein Fahrwasser. Scheinheilig fragen sie, wer das wohl gewesen sein könnte.

Ein Zigeunerweib, welches ihren Hexencharme im Gesicht trug, hielt ihr blutunterlaufenes Auge starr auf das Kleinkind gerichtet. Erst das Geschrei der Amme lockte die Diener herbei und mit Drohung und Stockschlägen wurde das schlimme Weib, welche die Unverletzlichkeit der gräflichen Wohnung gröblich missachtet hatte, in die Flucht geschlagen. Gerechter Ärger bewegt die Herzen der Zuhörenden auch im Parkett und man fragt sich, was das dämonische Weib bezwecken wollte. Ihre Ausrede, sie habe dem kleinen Erdenbürger das Horoskop richten wollen, war natürlich eine Lüge. Bedauerlicherweise versäumte der physisch angeschlagene Graf es, auch die unachtsame Amme zu verdreschen.

Schon am nächsten Tage befiel ein schleichendes Fieber den Säugling. Bleich und zitternd lag es zur Nachtzeit in seinen Kissen, erbärmlich weinen hörten die Bediensteten es am Tage - es war wie verhext, sein Geist schien gebrochen und bereits in einer anderen Welt zu sein. Die Gefolgsleute schaudern, denn Ferrando hat sie mit seiner Geschichte einmal wieder in seinen Bann geschlagen.

Die Hexe wurde aufgestöbert und auf dem Scheiterhaufen rechtmäßig verbrannt. Sie hinterließ eine fluchende Tochter als Instrument ihrer widerwärtigen Rache. Eines Tages war der todkranke García verschwunden. Vermutlich hatte ein abscheuliches Verbrechen stattgefunden, denn in dem Schwelbrand des Scheiterhaufens, auf dem die Schindmäre ihr irdisches Dasein aushauchte, fand man die Überreste einer kindlichen Leiche - halb verbrannt, noch schmorend. Die Umstehenden entrüsten sich erneut und fragen, wie der erzürnte Vater sich verhalten habe.

Der alte Graf hat den Schicksalsschlag auf Dauer nicht verkraftet, denn mit der Kunde über den angeblichen Tod seines Kindes wurde er nicht fertig. Er hatte düstere Vorahnungen und mysteriöse Traumgesichter, die er seinem Sohn, dem jetzigen Grafen von Luna, auf dem Sterbebett erzählte. Sein kleiner Bruder sei nicht ins Feuer geworfen worden, er solle nicht aufgeben, nach ihm zu suchen. Erst wenn er dies geschworen habe, sei er bereit, seinen letzten Atemzug zu tun und ihn als Erben von Würden und Immobilien zu bestätigen.

Die Soldaten wollen wissen, ob über die Tochter der Hexe nichts weiter bekannt geworden sei. Falls sie eines Tages am Ort des Verbrechens auftaucht, würde Ferrando sie wiedererkennen? Der Alte bestätigt durch Kopfnicken - selbst nach all den verstrichenen Jahren, er würde! Genau so gut könne sie aber auch in der Hölle sein, um ihrer Mutter Gesellschaft zu leisten.

Ferrando glaubt nicht, dass der Mutter schlimme Seele in der Hölle Unterkunft gefunden hat. Manche sagen, dass ihr Geist sich noch auf der Erde aufhalte und sich dort in den unterschiedlichsten Formen herumtreibe. Das stimme in der Tat, behaupten einige der Umstehenden, sie sitze dann als Eule oder Wiedehopf auf dem Ast eines Baumes und starre unentwegt auf ihren Betrachter. Manchmal erscheine sie auch als Rabe und flöge pfeilschnell davon, wenn sie sich aufgescheucht fühle. Ferrando legt noch zu:

„Sie kam in Form einer Eule
in die Stille einer leeren Halle.
Mir flammendem Auge
starrte sie zu ihm hin.
Mit geisterhaftem Schrei
erhob sie sich fluchend in die Luft“

nachdem sie den Diener totgepickt hatte. Fluch der alten Hexe!

Man hört das Rollen eins Trommelwirbels. Es ist das Zeichen, dass die Wächter sich auf ihre Plätze begeben sollen.

Zweite Szene: IM GARTEN VON LEONORAS WOHNSITZ

Es ist dunkle Nacht. Dichte Wolken schieben sich vor den Mond. Leonora kommt mit Ines in den Garten. Die Bedauernswerte klagt, dass wieder eine Nacht verstreichen werde, ohne den Geliebten gesehen zu haben. Die Zofe glaubt, ihre junge Herrin ein bisschen bevormunden zu können. Was hält sie zurück? Es sei schon spät und sie soll jetzt endlich ins Haus kommen! „Che più t'arresti? L'ora è tarda!“ Die königliche Dame habe nach ihr gefragt. „Hat sie es gehört - oder etwa nicht!“ Die Herrin füttert eine gefährliche Flamme. Ines möchte gern wissen, wie und wann der erste Funke das Feuer entzündet hat.

Schwärmerisch erzählt Leonora die Geschichte, als sie das erste Mal die Bekanntschaft mit ihrem Troubadour gemacht hat. Zu den Wettkämpfen kam er als Ritter in schwarzer Rüstung und Helm mit Visier zum Herunterklappen. Die Helmzierde, bewegte sich als kecker Federbusch im Wind. Allen Anwesenden war der Ritter unbekannt, aber das machte nichts, er durfte sich in die Kampfliste eintragen. Man fragte nicht nach dem Namen, denn kampfbereite Ritter, die sich im Spiel ein bisschen mit der Lanze kitzeln wollen, sind immer gefragt. Jeder Sieg gehörte tatsächlich ihm und ihre Aufgabe war es, ihm den verdienten Lorbeer über dem Nasensturz zu platzieren. Gezeigt hat er ihr sein Gesicht nicht, ein lässiges Kopfnicken war alles. Der Wettstreit war vorbei, der Ritter verschwand. Er hinterließ ihr reichlich Stoff für luftige Träume. „Was passierte dann?“ will die neugierige Ines wissen.

Nun setzt Leonora zur Bravourarie des ersten Aktes an: „Ascolta! Tacea la notte placida...“ Ines soll ihr zuhören: Die friedvolle Nacht legte sich ruhig und lieblich über den stillen Himmel. Der Silbermond erstrahlte mit fröhlichem Gesicht. Plötzlich wurde die Ruhe der Nacht von den zirpenden Klängen einer Laute unterbrochen. Es erklang der wehmütige Gesang eines fahrenden Sängers, der sich zunächst wie ein Gebet anhörte - doch dann fiel ihr Name. Nun wusste sie, dass der vokale Ausbruch ihr galt. Ihr Herz sagte ihr, dass es einzig der Kandidat ihrer Träume sein könne und sie rannte zum Balkon. Freudige Erregung kam in ihr auf, wie nur Engel sie fühlen können. Die Erde schien zum Himmel zu werden.

Ines erklärt, dass ihr Vortrag ihre Gefühle durcheinander bringe. Eine bedrückende und traurige Vorahnung erwache in ihr. Es sei das Beste, zu versuchen, ihn zu vergessen! Den guten Rat einer Freundin soll sie befolgen! „Che dici? Oh, basti! - Was sagst du? Genug!“ Leonora empört sich und macht der Freundin klar, dass sie sich vergeblich bemühe, ihr den Geliebten aus ihren Gedanken zu vertreiben. Sie habe zu ihr ein Wort gesprochen, das ihre Seele nicht versteht. In ihrem Innern verspürt sie eine Liebe, die Worte kaum beschreiben können. Sie entzückt ihr Herz und ihr Schicksal kann sich nur erfüllen, wenn sie für immer in seiner Nähe weilen kann. Andernfalls zieht sie es vor zu sterben. Ines beschwichtigt, dass eine Frau, die so sehr liebt wie Leonora, niemals Reue empfinden kann. Das als richtig Erkannte wird noch mehrere Male wiederholt, bis die Damen im Palast verschwinden, um zwei Kampfhähnen den Austragungsort für ihre Aggressionen freizumachen.

„Tace la notte!“ Der Graf von Luna beginnt mit der Feststellung, dass weit und breit Ruhe herrscht und die königliche Dame wahrscheinlich zu dieser Zeit schläft. Allerdings flackert die Lampe in ihrem Zimmer, deren Schein vom Balkon zu ihm hinunterfällt. Die Liebe brennt ihm in jeder Vene. Er muss sie sehen und sie muss ihm zuhören. Gewaltsam wird er den Zugang zu ihrem Schlafzimmer erzwingen. Danach komme ihr lieblichster Moment. Der Verdurstende bewegt sich in Richtung Treppe, als plötzlich die Saiten einer Laute gestrichen werden. „Il trovatore! Io fremo!“ In seiner Absicht behindert, zu Leonora zu gelangen, zittert er vor Eifersucht und Wut. Es erklingt Manricos Stimme:

„Deserto sulla terra,
col rio destino in guerra,
è sola speme un cor,
un cor al trovator.“

„Allein auf dieser Erde,
unglücklich im Krieg,
nichts als ihr Herz zu besitzen,
ist die Hoffnung des Troubadours.“

Der Eindringling macht sich Hoffnung, dass er größer sein wird als ein König, wenn er als bescheidener Troubadour in wunderschönem Vertrauen ihr Herz erobert haben wird.

Der gräfliche Rivale schäumt vor Wut und wickelt sich in seinen Mantel. Er hat wirklich nicht missverstanden, denn die Hoheitsvolle reagiert jetzt und kommt die Stufen herunter. Leonora ahnt nicht, dass sich zwei Männer im Garten aufhalten. Eine dichte schwarze Wolke schiebt sich vor den Mond und Leonora stürzt sich einfach in die Arme desjenigen, der am nächsten steht. Sie reklamiert auch noch, dass er sich verspätet habe. Hat er das Schlagen ihres Herzens nicht gehört? Doch sei jetzt nicht der passende Moment, eine Rüge zu erteilen und mit der Empfindung großer Liebe soll er sie in seine Arme schließen.

Die Unzuverlässige soll näher kommen, hört Leonora hinter sich plötzlich Manricos Stimme. Auch Herr von Luna lässt sich vernehmen: „Avvampo di furor!“ - Was wagt Leonora ihm zu bieten? Auskunft will er auf der Stelle. Manrico meint enttäuscht, dass es zum Verhalten der Dame nichts weiter zu sagen gibt. Die dunkle Wolke vor dem Mond hat sich verzogen und Leonora erkennt ihren Irrtum. Vom Grafen reißt sie sich los, stürzt Manrico zu Füßen und bekennt, dass sie in der Dunkelheit einen furchtbaren Fehler gemacht habe. In ihrer Achtlosigkeit habe sie gedacht, er wäre es, als sie liebevolle Worte sprach, die ihre Seele offen legten. Sie liebe nur ihn mit einer großen und dauerhaften Liebe, das sei die absolute Wahrheit.

Die Fronten sind geklärt: Der Troubadour ist zufrieden und kann sich keinen größeren Vorteil vom Schicksal wünschen. Graf von Luna brennt vor Wut. Laut kreischt Leonora „Io t'amo, io t'amo“ und meint den Troubadour. Wenn dieser kein Feigling sei, soll der Fremde jetzt seinen Namen nennen. Der unsanft Aufgeforderte stellt seine Wenigkeit vor und der Rivale hat die Gewissheit, dass er weder emotional noch politisch mit dem Nachtschwärmer harmoniert, denn Manrico steht auf der Seite des Prinzen von Biscaya, während die Dynastie der Lunas die erklärten Günstlinge der Könige von Aragon sind. Wie kann der unbesonnene Narr und Gefolgsmann von Urgel es wagen, hinter das Gartentor einer königlichen Hofdame vorzudringen? Zum Tode sei er verdammt!

Manrico schlägt vor, dass der andere seine Wachen rufen und ihn den mörderischen Schwertern seiner Männer vorwerfen soll. Doch der betrogene Freier ist allein gekommen und kann nur auf seine eigene Körperkraft setzen. Nach kurzem verbalen Vorgeplänkel ist ein Zweikampf nicht mehr zu vermeiden. Der letzte Moment des Schurken sei gekommen! Als Sieg seiner Wut wird er unter seinen Händen vergeblich nach Atem ringen. Das Feuer seiner eifersüchtigen Liebe brenne ihn mit furchtbarer Flamme. Manricos Blut dürfte kaum in der Lage sein, es abzukühlen. Leonoras erregtes Einschreiten bezweckt lediglich, dass sie zur Seite geschoben wird. Manrico beruhigt sie: Des Gegners prahlerische Wut sei leer. Er wird dem ungeliebten Freier das Ende bereiten. Durchstochen von seiner Klinge wird der Nebenbuhler fallen. Erweckt durch ihre Liebe, sei er auf diese Weise unbesiegbar geworden. Das Schicksal habe entschieden, dass er dem Leben des anmaßenden Rivalen ein Ende setzen werde. Für ihn selbst habe die Vorsehung als schönstes Geschenk ihr mit Liebe gefülltes Herz aufgehoben. Die beiden Rivalen zücken ihre Waffen gegeneinander und eilen hinter die Bühne. Leonora umfängt wohltuende Ohnmacht und sinkt bewusstlos zu Boden. Das Publikum geht davon aus, dass sich die beiden Kampfhähne nur ein Scheingefecht liefern werden, weil sie als Handlungsträger der folgenden drei Akte noch benötigt werden.

2. Akt:

DIE ZIGEUNERIN

Dritte Szene: EIN ZIGEUNERLAGER AM GOLF VON BISCAYA

Gegenseitig machen die Zigeuner sich darauf aufmerksam, dass der Himmel sein düsteres nächtliches Gewand fortwirft und vergleichen die Situation mit einer Witwe, die sich ihrer Trauerkleidung entledigt. Allgemein pflegt man die Ansicht, dass das Zigeunerleben lustig und die Zigeunermädchen hübsch seien. Schon am frühen Morgen wird Wein getrunken, den die Frauen den Männern in plumpen Krügen reichen. Körper und Seele nehmen nach der Vorstellung von Salvatore Cammarano Festigkeit, Dauerhaftigkeit und auch den Lebensmut vom Wein. Die aufgehende Sonne kennzeichnet den anbrechenden Tag. Ihr Licht spiegelt sich im Strahl und beleuchtet den Vorgang, wie das Getränk den Weg in den Becher und vom Becher zur Kehle findet. Sodann geht man an die Arbeit. Zumindest die Stammesangehörigen, die das Schmiedehandwerk pflegen, lassen optisch äußerst wirksam den Hammer munter auf den Amboss sausen, dass die Funken sprühen.

Ihr Schicksal, von dem sie später ausgiebig berichten wird, hat Azucena geprägt und ihr im Laufe der Zeit ein markantes Aussehen verliehen. Im Lager nimmt sie eine Führungsrolle ein und alle scharen sich um sie, wenn sie am flackernden Lagerfeuer aus ihrer Vergangenheit erzählt. In unmittelbarer Nähe liegt am Boden ein stattlicher junger Mann, der sich in seinen Mantel gewickelt und neben sich ein Schwert platziert hat. Der Helm mit Federbusch liegt achtlos neben ihm und das Opernpublikum erkennt in ihm den mutigen Manrico wieder, der den Zweikampf mit dem Grafen von Luna offenbar siegreich überstanden hat. Er wirkt ein wenig verloren unter den Zigeunern, denn sein Aussehen lässt vermuten, dass er ethnisch nicht zur Gruppe gehört.

Mit der Arie „Strida la Vampa“ nimmt Azucena den Handlungsfaden des zweiten Aktes auf und repetiert stockend die fürchterliche Vision, die sie ihr ganzes Leben begleitet. Sie behandelt den Flammentod ihrer Mutter, zu dem der Graf von Luna die angebliche Hexe verurteilt hat, weil sie - wie er glaubt - sein Kind durch den „bösen Blick“ verzaubert und krank gemacht habe. An einem Strick gefesselt, barfüßig und in Lumpen gehüllt, wurde die Mutter zum Scheiterhaufen gezerrt und an den Pfahl gebunden. Ihre Flüche und Todesschreie hallten über die Klippen und übertönten das Schäumen der Meeresbrandung. Unablässig rief sie nach der Tochter, von der die Sterbende verlangte, dass sie sie eines Tages rächen wird. „Lodern zum Himmel sieht Azucena die Flammen“ in denen die Mutter umkam. Der Widerschein des grellen Feuers spiegelte sich auf Gesichtern des hysterischen Mobs.

Ihr Leid sei schlimm, erklären ihr die mitfühlenden Stammesgenossen, aber nicht schlimmer als die Geschichte, die sie erzählt, widerspricht Azucena. In Manrico setzt die alte Zigeunerin die Hoffnung, dass er sie rächen soll, doch unlustig erwartet dieser zunächst eine umfassende Aufklärung über die Hintergründe. Männer und Frauen verlassen das Lager, um in der nahen Stadt Vorräte einzukaufen, so dass sich unter vier Augen Azucena die Gelegenheit bietet, Manrico mit weiteren Details zu konfrontieren.

Dem Opernpublikum bleibt es nicht erspart, nun die ganze Geschichte - um Zutaten bereichert - noch einmal zu hören. Die Zuschauer werden aber wissbegierig, weil der Ursprung des Geschehens mit der Anwesenheit Manricos im Zigeunerlager zusammengebracht wird. Die Geschichte vom Tod ihrer Mutter sei tragisch und bitter, wiederholt Azucena, weil ein stolzer Graf sie bezichtigt habe, seinen kleinen Sohn mit Krankheit belegt zu haben. In Fesseln schleiften sie die Mutter zu ihrem schlimmen Schicksal, um sie auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Die Tochter bahnte sich unter Tränen einen Weg durch die Menge, um ihr zu folgen. Der Versuch der Mutter, sie zu segnen, scheiterte, denn die Mörder trieben sie mit spitzen Dolchen vorwärts und stießen sie in die Flammen. Ihre letzten Worte, sie zu rächen, lösten in Azucenas Herz ein ewig währendes Echo aus.

Manrico will nun wissen, ob es ihr gelungen sei, die Mutter zu rächen. Die Befragte führt aus, dass sie es bewerkstelligte, das kranke Kind zu stehlen. Die Flammen des Scheiterhaufens glimmten noch. In aller Klarheit tauchte in ihr erneut die Vision auf, wie die Mörder die Mutter an den Pfahl banden, das Feuer sich entzündete und unter furchtbaren, unvergesslichen Schreien ihr Leben erlosch. Von unerbittlichen Geistern getrieben krümmten sich ihre Finger und sie warf das Kind in die Flammen. Das Feuer flackerte auf und konsumierte den kleinen Körper. Das Delirium endete, doch als sie sich umdrehte, sah sie den kleinen Sohn des teuflischen Grafen.

Was will sie damit sagen, fragt Manrico, dessen volle Aufmerksamkeit erwacht ist. „Mio figlio - mio figlio - il figlio mio avea bruciato“ - ihren Sohn, ihren eigenen Sohn hatte sie gebrutzelt. Die Haare standen ihr zu Berge. „Qual error!“ Azucena fällt erschöpft zu Boden. Manrico ist betroffen, ihm ist ganz dumm im Kopf vor Schrecken und Überraschung. Er ist also nicht ihr Sohn! Wer ist er dann? Schätzchen, du bist der Sohn, den Azucena in die Flammen geworden hat. Nun merkt Azucena endlich, welchen Schwachsinn sie produziert und verbessert sich schleunigst. Natürlich sei er ihr Sohn! - Aber soeben habe sie etwas anderes behauptet. - Ach, wahrscheinlich ist alles so, wie es ist. Wenn sie sich erinnert, wie es war, legt das Schicksal ihr stupide Worte in den Mund. Himmel! Hat sie ihn nicht immer geliebt wie eine Mutter? „Potrei negardio?“ Klar, wie könnte er es bestreiten! Verdankt er ihr nicht sein Leben, als sie in jener Nacht kam, um ihn auf dem Schlachtfeld von Pelilla einzusammeln? Sie hat ihn versteckt, als man nach ihm suchte, und gesagt, dass er umgekommen sei. Sie fand ihn, nur noch schwach atmend und pflegte ihn mit der Liebe einer Mutter gesund. Ihre ganze Sorge richtete sich auf sein Wohlbefinden.

Manrico erinnert sich seiner Heldentaten: Alle waren geflohen! Aus einer Menge von tausend Leuten kämpfte er allein weiter. Dann fiel der teuflische Graf Luna mit seiner Meute über ihn her. Seine Leute fielen, er stürzte als tapferer Mann, doch das Schicksal schonte ihn. Nun, den Dank hat der Halunke erhalten, als er ihn bei seinem jüngsten Zweikampf schonte, höhnt Azucena. Welches fremde Mitgefühl hat ihn geblendet, will sie wissen, weil sie die Chance ihrer persönlichen Rache an Graf Luna verpasst sieht? O gute Mutter, Manrico kann es nicht erklären! Hilflos unter seinem wilden Angriff war der Rivale zu Boden gefallen. Der Hieb, der ihm zugedacht war, schwebte über seinem Kopf. Doch als sein Arm niedersauste, wurde er auf mysteriöse Weise zurückgehalten. Er fühlte plötzlich, wie ein Schauer durch seinen Körper rann, und dann hörte er eine Stimme vom Himmel, die rief: „Töte ihn nicht!“ Aber die Stimme des Himmels sprach nicht zum undankbaren Herzen des Schurken. Wenn das Schicksal - Gesicht an Gesicht im Kampf mit dem Schurken - solch einen Tag noch einmal bringt, gehorche bitte meinem Befehl, so als ob es Gottes Befehl sei und stoße die Klinge deines Schwertes dem Halunken ins Herz. Manrico schwört, dass er dem Befehl der Mutter gehorchen wird und dem Bösewicht die Klinge ins Herz stoßen wird. Beide ergötzen sich noch ein wenig an der Vorstellung, an dem, was er machen soll und was er tun wird. Es erklingt eines der beliebten Schwurduette, die in der Opera seria häufig vorkommen.

Plötzlich ertönt in einiger Entfernung ein Blashorn. Ein Bote taucht auf und überbringt im Namen des Prinzen von Biscaya eine Nachricht ins Zigeunerlager.

Manrico liest die Neuigkeit:

„Wir haben Castellor eingenommen.
Der Prinz befiehlt,
dass du es verteidigst.
Wenn du die Nachricht erhältst, komme unverzüglich!“

Weiter heißt es:

„Noch diesen Abend wird Leonora,
- gefangen in dem Gedanken, du seist tot -
den Schleier nehmen
und in das Kloster eintreten,
welches in der Nähe liegt.“

Für Manrico ist dies eine wichtige Botschaft, die ihn veranlasst, dem Himmel zu danken. Der Bote soll eilig ein Pferd für ihn satteln. Azucena ist nicht einverstanden und versucht ihn zurückzuhalten. Manrico hat kein Ohr für ihre Einwände. Er soll sein Leben nicht riskieren und daran denken, dass die alten Wunden noch nicht geheilt sind. Emotionale Gefühle macht sie geltend, denn jeden Tropfen Lebenssaft, den er verliert, sei Blutverlust von ihrem eigenen Herzen. Weder Himmel noch Erde haben die Macht, ihn zurückzuhalten. Die Mutter soll ihn ziehen lassen, oder will sie einen Sohn zu ihren Füßen liegen sehen, der sich vor Kummer krümmt? Sie soll sich um ihn nicht sorgen, sondern sich um sich selbst kümmern, ist Manricos harsche Antwort.

Der Opernbesucher kann sich nicht erklären, von wem die Botschaft kam und vermutet eine Finte des Grafen Luna.

Vierte Szene: KONVENT IN DER NÄHE VON CASTELLOR

„Tutto è deserto - Alles ist verlassen.“ Der Graf von Luna, sein Faktotum Ferrando und seine Gefolgsleute haben sich gegen die nächtliche Kühle in warme Mäntel gehüllt und halten im Klostergarten Ausschau, so als ob sie jemanden erwarten würden. Der übliche Gesang, der eine Einkleidungsszene begleitet ist noch nicht erklungen, so dass es für ihr Unternehmen noch nicht zu spät ist. Ferrando äußert sich, dass sie ein gewagtes Unterfangen vor sich haben. Riskant sei ihr Vorhaben schon, aber Luna hat sich aus maßloser Liebe und aus verletztem Stolz entschlossen, diese Hürde zu nehmen. Wenn der Rivale erst tot ist, muss lediglich Leonora noch vor den Altar geschleift werden, was durchaus noch ein paar Komplikationen bringen kann. In jedem Fall wird Leonora ihm und keinem anderen gehören, Leonora ist sein. Seine Leidenschaft für die Hofdame ist tief empfunden, das bezeugt seine Arie „Il balen del suo sorriso“. Das Strahlen ihres Lächelns macht die Sterne blass. Die Schönheit ihres Gesichts steigert seinen Mut. Er denkt, dass die Liebe, die in ihm brennt, zu seinen Gunsten spricht. Von ihrem Blick erhofft er sich, dass der rasende Sturm in seinem Herzen sich von allein besänftigt. Wenn Leonora nicht von allen guten Geistern verlassen ist - denkt der Opernbesucher - wird Leonora sich gern entführen lassen, denn Manrico kann ihr im Zigeunerlager keine Zukunft bieten und Castellor befindet sich im Belagerungszustand. Allerdings besteht wenig Hoffnung, dass die Situation sich entschärft, wenn Leidenschaft und Dummheit von allen Seiten aufeinander prallen.

Ferrando hört wie schon sooft die Glocken leuten und avisiert, dass der Ritus jetzt beginnt. Graf Luna ordnet an, dass Leonora wegzuschaffen sei, bevor sie ihren Schleier festzurrt und vor den Altar tritt. Man soll behutsam mit der hohen Dame umgehen, rät Fernando. Ratschläge kann der Graf jetzt nicht gebrauchen. Fernando soll gehen und sich unter den Bäumen versteckt halten. „Ah! fra poco mia diverrà! Tutto m'investe un foco! - Bald wird sie mein sein - Feuer verschlingt mich.“ Erwartungsvoll schaut Luna in die Richtung, aus der Leonora kommen wird. Ferrando gibt seinen Leuten letzte Instruktionen. In der Sache geht es vorwärts. Sie sollen tapfer sein, sich im Schatten der Bäume verstecken und sich ruhig verhalten. „Lasst uns die Sache hinter uns bringen“, ermuntert er die Kriegsgefährten. Fatale Stunde seines Lebens! Mögen die unliebsamen Momente der Entführung in Eile vergehen. Anschließend gehöre die Freude ihm; diese werde größer sein als eine andere, die er jemals hatte. Vergeblich wird der Rivale sich in Opposition zu seiner Liebe setzen. Nicht einmal Gott kann ihm seine Dame jetzt noch wegnehmen. Zur Bekräftigung singt Luna seinen Text mehrmals.

Der Graf und seine Leute verstecken sich. Aus dem Kloster hört man liturgischen Gesang. Die Nonnen wollen wissen, welchen Irrtum man der Tochter Evas aufgebürdet habe. Bevor ihr Ende eines Tages naht, wird sie einsehen, dass letztendlich alle irdischen Hoffnungen nur ein Schatten sind - wirklich nur ein Traum, in der Tat, der Schatten eines Traumes! Die Nonnen fordern sie auf, mutig näher zu kommen, der Schleier werde sie vor allen menschlichen Augen verstecken. Kein irdischer Atem und keine bösen Gedanken besudelten je dieses Kloster. Wenn sie sich dem Himmel zuwende, wird sich dieser auch öffnen.

Ferrando und seine Gefolgschaft betonen immer wieder, dass sie tapfer sein wollen, sich aber im Moment noch zu verstecken haben. Leonora nähert sich in der Gegenwart von Ines und einigen Nonnen. Leonora fragt Ines teilnahmsvoll, weshalb sie weint. Ach, weil die Freundin sie für immer verlässt, ist sie tief unglücklich. „O dolci amiche, un riso, una esperanza, un fior... - Liebe Freunde, ein Lächeln, eine Hoffnung, eine Blume auf Erden, dieses kann nimmer wieder sein mein. Ich muss mich ihm zuwenden, welcher der einzige Komfort meines Lebens sein wird.“ Ines soll nicht weinen und sie jetzt verlassen.

Graf Luna erschreckt mit seinem unvermittelten Auftauchen die Anwesenden. Eine Unverfrorenheit, die Stille des Kloster zu stören! Der Ungestüme erklärt, dass er Leonora jetzt den Hochzeitsaltar zeigen will. Doch dazu kommt es nicht, denn Manrico ist soeben eingetroffen. Ein staunendes „Ah“ tönt es aus den offen stehenden Mündern der überraschten Klosterfrauen.

Leonora stammelt, ob sie es glauben kann, dem Liebsten in dieser Umgebung zu begegnen und ihn an ihrer Seite zu sehen. Dies sei ein Traum, der mit dieser Welt nichts gemein habe, trotzdem bemächtige sich ihrer eine entzückende Ekstase. Ihr Herz kann solche große und plötzliche Freude nicht aushalten. Ist er vom Himmel zu ihr gekommen oder ist sie im Himmel mit ihm? Weder der Himmel habe ihn verschluckt, noch habe er den schaurigen Weg zur Hölle angetreten, entgegnet Manrico. In der Tat kann nur der Tod die unendlichen Gefilde verlassen und Luna sieht für sich einen Nachteil, weil die Hölle ihre Beute laufen lässt. Die beiden führen nun einen hochgeistigen Dialog miteinander und dringen in philosophische Bereiche vor, deren Inhalt im Moment aber unwichtig ist. Leonora sieht sich dem Himmel in jedem Fall näher gekommen, schneller als sie dachte. Ines und die Nonnen stellen fest, dass der Himmel Gnade verstreut hat. Der Graf fordert Manrico auf zu verschwinden, wenn er weiterhin am Leben bleiben möchte. Zu allem Überfluss tritt nun Ruiz mit seinen Leuten ein und gibt die Parole aus: „Lange lebe Urgel!“ Manrico begrüßt seine tapferen Männer und Ruiz fragt bei Leonora an, ob es ihr beliebt, ihm zu folgen. Graf von Luna wird umzingelt und seine tapferen Männer werden entwaffnet. Eine verrückte Situation! Ferrando ist ratlos und fragt seinen Gebieter: „Che tenti signor - Was beabsichtigt der Herr zu tun?“ Dieser hat sein Schwert gezogen und überlegt, ob er nicht einfach zustechen soll, gibt seine ursprüngliche Absicht aber vernünftigerweise auf.

Es kommt zum Finale des zweiten Aktes. Alle singen durcheinander: Leonora fragt immer noch, ob es der Himmel war, der ihr den Liebsten zurückgegeben hat. Ines und die Nonnen glauben, dass Gott Mitgefühl gezeigt habe. Ruiz und seine Kameraden äußern sich, das dass Schicksal den Liebenden zugelächelt hat. Das Leben für Manrico wird anstrengend werden und die Brust des Grafen hat sich mit Rache gefüllt. Manrico, Leonora und Ruiz verlassen mit ihren Leuten das Kloster. Ferrando ist ratlos, wie er sich verhalten soll, denn der Graf hat sich schmerzerfüllt und voller Trotz zu Boden geworfen. Die Nonnen suchen Schutz hinter den dicken Klostermauern.

3. Akt:

DER SOHN DER ZIGEUNERIN

Fünfte Szene: FELDLAGER DES GRAFEN LUNA

Der Graf von Luna hat mit seinen Kriegern die Feste Castellor belagert. Noch scheint alles friedlich zu sein. Die Männer putzen ihre Schilde, damit sie prächtig glänzen oder zerstreuen sich auf andere Weise. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Die Schwerter werden von angetrocknetem Blut gesäubert, aber schon bald wird man es wieder in frisches tauchen. Nicht mehr lange wird sich der Angriff auf Castellor noch verzögern. Ferrando reicht seine Siegesgewissheit im Triumph an die Kameraden weiter. Die Trompeten rufen zu den Waffen. Schon morgen wird ihr Banner in der Burg aufgepflanzt und von der Turmspitze grüßen. Selten hat ein Sieg ihnen so freundlich zugelächelt. Ruhm und und Beute werden sie reichlich finden. Zu ihrem Preis und ihrer Ehre soll der Klang der Trompeten andauern.

Von Eifersucht zerfressen tritt Luna aus seinem Zelt und schmettert die Arie: „In braccio al mio rival!“In den Armen des Rivalen liegt Leonora. Diese Gewissheit folgt ihm wie ein Dämon, wohin immer er geht. Aber er wird sich beeilen, die beiden auseinanderzureißen.

Ferrando erscheint mit einer wichtigen Nachricht. In der Nähe ihres Lagers griffen die Bewacher eine herumlungernde Zigeunerin auf. Vermutlich ist sie eine Spionin, denn als die Männer auf sie zugingen, drehte sie sich um und floh. Nun steht sie unter Bewachung und an den Händen gebunden wird sie herbeigeschafft. Die Frau bittet, dass die rücksichtslosen Männer sie wieder freilassen, da sie sich keiner Schuld bewusst sei. Graf Luna will wissen, was sie hier zu suchen habe - wenn sie lügt, werde sie dafür bezahlen. Azucena will die Frage nicht konkret beantworten - es sei die Art der Zigeuner, planlos zu wandern, der Himmel sei ihr Dach und die ganze Welt ihr Refugium. Sie komme von der Biscaya und halte sich zwischen den Klippen und Felsen der Umgebung auf.

Da man ihrem Vortrag Interesse entgegenbringt, wird die Eingefangene geschwätzig. Sie lebe hier, zufrieden mit dem wenigen, was sie besitze. Ihre einzige Hoffnung war ihr Sohn, doch der Bengel habe sie verlassen und vergessen. Der Kummer nage an ihrem Herzen, und hier nach dem Undankbaren Ausschau zu halten, sei der tatsächliche Grund ihrer Anwesenheit. Der Graf will wissen, ob sie schon lange hier in den Bergen lebe und ob sie sich an das Kind des Grafen erinnern könne, welches einst aus der Feste von Zigeunern gestohlen wurde. Azucena wird misstrauisch und will wissen, mit wem sie es zu tun hat. Er sei der Bruder des entführten Kindes und habe seinem Vater geschworen, es zu finden. Plötzlich hat Azucena es eilig wegzukommen - doch zu spät, Ferrando hat in ihr die Tochter der alten Hexe erkannt, die verbrannt wurde. Der Eifrige erklärt seinem Herrn, dass er die Übeltäterin vor sich sehe und flüstert ihm ins Ohr, dass sie es war, welche das Kind verbrannt habe, dessen verkohlte Leiche man im erlöschenden Feuer gefunden habe. In äußerster Bedrängnis bestreitet Azucena vergeblich die Tat, die man ihr anlastet. Nun kann sie ihrem Schicksal nicht mehr entkommen. Will Manrico nicht endlich kommen, der armen Mutter zu helfen? In ihrer Hilflosigkeit hat sie nun auch noch ihre Identität verraten. Der Graf erkennt den Zusammenhang. Die Mutter seines Todfeinds befindet sich in seiner Gewalt, Damit hält er ein unvergleichliches Druckmittel in Händen, mit dem er den Feind zur Unvorsichtigkeit reizen kann. In ihrer Verzweiflung wird Azucena auch noch frech. Die schlimmen Männer sollen ihre festen Bande lösen, die grauenvolle Tortur quäle sie noch zu Tode. Der Kommandant dieses Lagers sei der schurkische Sohn eines noch bösartigeren Vaters. Er soll zittern, denn es gäbe einen Gott, der zu bestrafen wisse. Luna kündet, dass er ihre Angst nutzen werde, um seinen Todfeind auszuticksen. In der abschließenden Ensemble-Szene sind Ferrando und seine Soldaten sich einig, dass die Zigeunerin in der Hölle büßen wird.

Sechste Szene: INNERHALB DER MAUERN VON CASTELLOR

Ahnungslos fragt Leonora, welch Waffenlärm das war, der zu ihr herauf drang. Die Gefahr sei groß, erklärt Manrico, wahrscheinlich wird es notwendig sein, sich zu verstecken. Draußen startet bereits der erste Angriff auf die Burg! Was erzählt der Liebste da? Sie soll sich keine Sorgen machen. Selbstverständlich werden unter seiner Führung die Feinde besiegt. Stärke und Festigkeit kommen ihrem Wagemut gleich. Dem Ruiz kündet Manrico an, dass er sich für ein paar Tage entfernen müsse. Zwischenzeitlich übergebe er ihm die Situation zu treuen Händen. Er soll agieren und nichts unversucht lassen, die Lage in den Griff zu bekommen. Leonora will noch wissen, wie es mit dem Licht bestellt sei, welches auf ihre Hochzeit scheinen soll. Die Vorzeichen seien schlecht. Aber sie soll nicht glauben, dass einzig in solchen Äußerlichkeiten seine Liebe zu erkennen sei. Kann sie in irgendeiner Form behilflich sein, um die ungünstigen Zustände zu verändern?

„Amor, sublime amore“ soll zu ihrem Herzen sprechen. Wirklich, seine Liebe gehöre ihr in dem Bewusstsein, dass sie ihm mit Haut und Haaren gehören wird. Sein Arm und sein Mut werden stark sein, auch wenn auf den Seiten im Buch des Schicksals geschrieben steht, dass er durch das Schwert des Feindes sterben muss. Mit seinem letzten Atemzug wird er in jedem Fall bei ihr sein, und wenn es nicht anders möglich ist, wird er sie im Himmel erwarten. „Ah si, ben mio, coll'essere“ - in der wenig präzisen deutschen Übersetzung nennt sich diese Erkennungsmelodie „Dass nur für mich dein Herz erbebt“. Glockengebimmel ist zu hören. Der Klang der Glocken geht beiden zu Herzren und Leonora schlägt vor, in die Kapelle zu gehen, um ihre starke Liebe in geheiligter Umgebung noch besser empfinden zu können.

Auf dem Wehrgang begegnet ihnen Ruiz. Manrico soll einmal über die Mauer schauen. Eine Zigeunerin sei an den Händen gefesselt und warte auf ihre Hinrichtung. Die Schelme errichten gerade einen kleinen Scheiterhaufen. Himmel, Manrico zittert am ganzen Körper, und es wir ihm schwarz vor Augen. Leonora fragt, wovor er schaudere. Nun, bevor sie seine Geliebte wurde, war die Zigeunerin seine Mutter. Das darf doch nicht wahr sein! Manrico feuert Ruiz an, dass er seine Feiglinge nach unten schicken soll, damit sie das Feuer auspusten. Die teuflische Aussicht, dass die Mutter auf dem Holzstoß verbrannt werden könnte, nimmt ihm den Atem. Mit der folgenden Stretta

„Di quella pira l'orrendo foco
tutte le fibre m'arse avvampò!...

Lodern zum Himmel sehe ich die Flammen.
Schauder ergreift mich, starr bleibt der Blick.
Soll nicht des Himmels Macht all' euch verdammen,
so gebt mir wieder mein höchstes Glück.
Ach, teure Mutter, du sollst nicht sterben;
Du meine Wonne, bleibe bei mir!
Bald soll die Erde Feindesblut färben;
doch flieht dein Leben, sterb' ich mit dir!“

steht und fällt der ganze Troubadour. An dieser Arie wird die Qualität eines Heldentenors gemessen. Zu den Waffen! Zu den Waffen! Manrico stürmt in Verzweiflung voran. Die schützenden Mauern von Castellor verlässt er in der Absicht, der armen Mutter zur Hilfe zu eilen. Die edle Tat wird ihm zum Verhängnis.

4. Akt:

DAS HOCHGERICHT

Siebtes Bild: DAS BOLLWERK DES ALFERIA-PALASTES

Leonora weiß den Geliebten in Gefahr und hat nicht die Geduld, untätig auf Castellor zu verweilen. In der Hoffnung, ein Lebenszeichen von Manrico zu erhalten, führt Ruiz als treuer Beschützer sie mitternächtlich zum Alferia-Palast. Am Gefängnisturm, in dessen Kellergeschoss in der Regel zunächst alle Gefangenen untergebracht werden, setzt er sie ab. Leonora bittet ihn, sie nun allein zulassen und sich um sie keine Sorge zu machen. Offenbar hat sie eine Strategie, sich dem Geliebten zu nähern. Zu diesem Zweck hat Giuseppe Verdi für sie die wunderschöne Arie „In quest oscura notte“ komponiert, mit der Leonora den Geliebten über ihre Anwesenheit in Kenntnis setzt. In dieser dunklen Nacht, versteckt vor allen, sei sie ihm nahe. Aber das kann er nicht wissen. Die leichte Brise, die sie umweht, soll so freundlich sein, ihm ihre schmerzlichen Seufzer auf rosigen Flügeln zuzutragen. „D'amor sull'ali rosee vanne, sospir dolente“ klingt ihr Flehen, um den armen Gefangenen ein bisschen mit Komfort zu umgeben. Wie eine Priese von Hoffnung sollen ihre zärtlichen Gedanken zu seiner Zelle fliegen und in der Erinnerung Träume von Liebe wach werden lassen. Der Wind soll aber nicht unbesonnen sein und ihm nichts von der Sorge ihres Herzens erzählen.

Eine Antwort lässt nicht lange auf sich warten, kommt aber zunächst von den Mönchen, deren Aufgabe es ist, Untersuchungsgefangene auf ihre Art seelisch zu betreuen. Auf Leonoras Liebesklage reagieren sie mit Liturgie in Form eines Requiems. Der Herr möge den barmherzigen Seelen gnädig sein, damit sie keine Beute der Hölle werden. Von Leonora werden sie gemaßregelt: Dieser Hymnus von ernsten und trauervollen Gebeten erfülle die Luft mit Grauen. Ohnehin werde sie von Kummer überwältigt, ihr stocke der Atem und das Schlagen ihres Herzens habe sich beschleunigt. Manrico lässt sich vernehmen. Es entspinnt sich nun, von den Mönchen kommentiert, ein Dialog auf räumlicher Distanz. Für jemanden der zu sterben wünsche, sei der Tod im Kommen ein wenig langsam, trompetet der Gefangenen seine Beschwerde in die Ruhe der Nacht. Der Herr sei seiner Seele gnädig, kommt der Refrain von den Mönchen. Leonora glaubt, über dem schrecklichen Turm die düsteren Schwingen des Todes wahrzunehmen. Es sieht so aus, dass es aus dem Gefängnis kein Entrinnen gibt - wahrscheinlich öffnen die Tore sich für den Gegangenen erst, wenn er tot und kalt ist. Manrico klagt, dass er nun für die Liebe bezahlen muss, die er ihr gab. Die Geliebte soll ihn nie vergessen! „Addio, Leonora. Addio!“ Leonora versichert es. Die Mönche rufen erneut die Barmherzigkeit Gottes herbei. Manrico kommt von seiner schmerzlichen Klage nicht los und Leonora gibt ausführlich Antwort: „Di te, di te, scordarmi!“ Vergessen ihn, jemals ihn vergessen? Er wird sehen, niemals auf der Erde gab es eine stärkere Liebe als die ihre. In bitterem Streit dem Schicksal abgetrotzt, erobert der Tod sie nun selbst. Um den Preis ihres Lebens wird sie das seine retten oder auf ewig mit ihm vereinigt sein.

Den Grafen von Luna plagt die Unruhe ebenfalls. Er nähert sich dem Turm und gibt seinem Begleiter Instruktionen. Für ihren Sohn sei das Beil vorgesehen und die Alte kommt auf den Holzstoß. Er weiß, dass er die Macht, die der Fürst von Aragon ihm gab, missbraucht, aber die Frau, der er in Liebe verfallen sei, dränge ihn dazu. Wo mag die unheilvolle Dame im Moment wohl sein? Seine Bemühungen, sie zu finden, waren vergeblich. Leonora tritt vor. Luna ist überrascht und fragt, weshalb sie gekommen sei. Dumme Frage! Manrico will man zum Tode führen, und er erkundigt sich nach der Ursache ihrer Anwesenheit. Was wagt sie? Dem Rivalen soll er seine Gunst gewähren. Leonora merkt nun, dass sie mit ihrem harschen Ton kein Resultat erzählen wird, und es erscheint ihr nun doch zweckmäßig zu sein, ihr Anliegen in eine Bitte zu kleiden. „Ah, si, per esso pietà, pietà domando! - Ah, ja, für ihn ich bitte um Gnade.“ „Che? Tu deliri! Tu deliri!“ „Pietà! Pietà“ Was erwartet die hohe Dame? Dem Rivalen soll er seine Gunst gewähren? Durch einen gnadenvollen Gott soll er sich inspirieren lassen! Sein einziger Gott sei die Rache. Leonora lässt nicht locker, aber er sagt ihr brüsk, dass sie verschwinden soll. Er soll doch ihren bitteren Tränen Beachtung schenken.

Leonora wirft sich vor ihm nieder und versperrt ihm den Weg. Wenn ihre Tränen nicht ausreichen, soll er sie töten und sein Blut trinken. Leonora fällt aus der Rolle und wird deutlich: „Calpesta il mio cadavere ma salva il Trovator - Misshandele meinen toten Körper, aber rette den Troubadour.“ Für den Galgenstrick wird er ein schlimmes Ende nehmen, hundertfach soll er den Tod zu spüren bekommen. Die unterwürfige soll ihn nicht länger reizen, denn je mehr sie den anderen liebt, umso mehr bringt sie ihn in Rage.

Allerdings gäbe es eine Möglichkeit, den Geliebten zu befreien. Leonora weiß, dass es diese Möglichkeit gibt und sie sei bereit, den Preis zu bezahlen. Die Miene Lunas hellt sich auf. Für ihn wird der Traum wahr, sie zu besitzen, aber wird sie auch Wort halten? Leonora schwört von ganzer Seele, dass sie ihm gehören wird, sobald er den Geliebten entkommen lässt. Zuvor möchte sie allerdings von Manrico ein letztes Mal Abschied nehmen. Leonora schwört bei Gott, der ihre Seele sieht, dass sie keine Ränke plane, doch in einem unbewachten Augenblick, während der Graf einem Wärter Weisung erteilt, schluckt die das Gift, welches die Todesmutige in ihrem Fingerring versteckt hatte. Nur im Tod soll er sie besitzen.

Leonora führt ein kleines Selbstgespräch, damit der aufmerksame Zuhörer sich über ihren Seelenzustand informieren kann. Sie wird ihren Tod freudvoll erwarten und ihm kann sie erzählen, dass er durch ihre Initiative gerettet worden sei. Luna wird schon wieder misstrauisch und will wissen, was sie munkelt. Sie soll ihren Vorschlag wiederholen, andernfalls wird sie die Rache eines hintergangenen Mannes zu spüren bekommen. Er wird leben? Luna bekräftigt seine Zusage und lässt das Gatter hochschieben. „Ola“! Er umarmt Leonora und gibt seiner Freude Ausdruck:

„Tu mia. Tu mia! Ripetilo!
Il dubbio cor serena -
Ah! Ch'io lo credo appena,
udendolo da te!“

Sie gehöre ihm. Sie soll es wiederholen und sein zweifelndes Herz beruhigen. Ah, er kann es kaum glauben, die Bestätigung von ihr zu hören. Ihre Worte seien heilig. Er wird leben. Freudige Ruhe lässt die Zunge schweigen. Man ergießt sich, bis der Vorhang fällt.

Achtes Bild: DAS BURGVERLIES

„Madre, non dormi?“ fragt Manrico besorgt. Die Mutter hat den Schlaf gerufen, aber er will nicht zu ihr kommen. Tatsächlich lässt die Frischluftzufuhr in der Zelle zu wünschen übrig. Azucena wünscht sich entfliehen zu können, denn sie fühlt sich an diesem Ort wie in einem Grab. Der Finger des Todes hat ohnehin schon sein dunkles Siegel auf ihre Stirn gedrückt. Die Mutlose soll nicht solchen düsteren Gedanken nachhängen! Hört er nicht, dass Leute kommen? Bestimmt sind es Henker, die sie auf den Holzstoß drängen wollen. Sie mahnt ihn, dass er seine Mutter verteidigen soll. Es sei niemand gekommen und sie soll sich ein Herz fassen, entgegnet Manrico.

Der Scheiterhaufen sei ein Bestandteil monströser Weltgeschichte, klärt Azucena ihren Sohn auf. Sie soll nicht solchen Unsinn reden! Doch Azucena erinnert sich genau als eines Tages der grimmige Mob ihre Mutter zum Holzstoß transportierte. Die furchtbaren Flammen haben sie berührt und ihr brennendes Haar sandte Funken in die Luft. Er hätte ihre Augen sehen sollen, wie sie aus den Höhlen hervortraten! Wer kann sie retten vor solch grauenvoller Wiederholung? Azucena fällt in Manricos Arme. Manrico führt sie zu ihrem Bett. Wenn sie ihn liebt und wenn eines Sohnes Stimme in ihrer Brust noch Macht hat, soll sie jetzt Ruhe und Vergessen im Schlaf suchen. Schweres Gewicht lastet auf ihr. Trotzdem wird sie versuchen, seinem Rat zu folgen. Aber wenn er aus dem Fenster blickt und erkennt, dass der Scheiterhaufen gerichtet wird, soll er sie sofort wecken. Die Geängstigte soll nun schlafen. Möge Gott geben, dass diese furchtbaren Bilder aus ihrem Kopf verschwinden. „Ai nostri monti ritorneremo.“ Zu ihren Bergen werden sie wieder zurückkehren und den alten Frieden finden. Er wird auf seiner Laute spielen und sie in ruhigem Schlaf verweilen.

Leonora hat den Zugang zu Manricos Zelle gefunden. Seine Überraschung ist perfekt. Welche große Freude! Bevor er stirbt, darf er Leonora noch einmal sehen! Er wird nicht sterben, denn sie sei gekommen, um ihn zu retten. Wie kann das sein? Wie will sie es anstellen? Er soll jetzt keine Fragen stellen, sondern sich beeilen und sein Quartier verlassen. Kommt sie mit? Was ist mit der Mutter? Sie muss bleiben. Er soll seine Flucht nicht hinausschieben. Die Zeit drängt und Leonora versucht, ihn zur Tür zu drängen. Es gelte sein Leben! Manrico erklärt, dass er sich um sein Leben nicht sorge. Sie soll ihm in die Augen schauen und sagen, welchen Preis sie bezahlt habe. Langsam versteht er. Der Rivale hat als Preis für seine Freilassung ihre Liebe bekommen! Leonora beteuert, dass ein solches Tauschgeschäft nicht stattgefunden habe und er einem Trugschluss anhänge. Doch Manrico hält an seiner Vorstellung fest, dass sie ihr Herz, von dem sie geschworen hat, dass es ihm gehöre, an einen Verbrecher vergeben hat. Die Gedemütigte sinkt zu seinen Füßen und beschwört ihn, dass er nur deshalb so denke, weil der Verdruss ihn blind mache. Wie infam! Die Schurkin hat ihre Liebe verkauft, obwohl sie geschworen hat, dass sie die Seine sei. Wenn er sich jetzt nicht beeilt, um zu fliehen, verstreicht kostbare Zeit und nicht einmal der Himmel kann ihn dann noch retten, drängt Leonora.

Azucena ist wieder wach geworden und singt davon, dass sie in ihre Heimat zurückkehren wird. Doch die beiden Liebenden haben ihren Streit noch nicht beendet. Er fordert sie auf, dass sie verschwinden soll, und Leonora bittet, ihn nicht zurückzustoßen. Sieht er nicht, wie sie immer schwächer wird? Er verachte sie und fluche ihr, behauptet der in seiner Eitelkeit Gekränkte. Es sei jetzt nicht der Moment, um sie zu beschimpfen. Es gezieme sich eher, für sie zu beten. Kälte rast durch ihre Gelenke und der Tod lauert in ihrer Brust. Das Gift beginnt zu wirken, viel früher, als sie dachte. Um nicht einem anderen zu gehören, entschied sie sich zu sterben. Endlich begreift Manrico, dass er einer Unschuldigen fluchte. Was hat er getan, o Himmel? Leonora kann dem Todesengel nicht länger widerstehen und sinkt auf den Boden. Ach, die arme Frau!

Die Besuchszeit ist zu Ende und der Graf steht mit seiner Gefolgschaft im Türrahmen. Leonora erklärt, geistig schon nicht mehr klar, dass jetzt für sie der Moment gekommen sei, um zu sterben. Sie begibt sich in die Huld des himmlischen Vaters. „A tua grazia, Padre del cielo, imploro!!“ Gnade kennt Graf Luna keine. Sie betrog ihn und wollte lieber sterben als ihm gehören. Manrico ist verzweifelt, dass er einem Engel fluchte. Leonoras letzte Worte sind: „Addio, io moro - Lebe wohl, ich sterbe“! Nun stirbt Leonora wirklich - das Terzett klingt aus.

Mit einer toten Leonora kann der Graf von Luna nichts mehr anfangen. Hasserfüllt befiehlt er seiner Wache, Manrico zum Richtblock zu schleifen. „Madre! O madre addio!“ Azucena hat ihren kurzen Schlummer nun endgültig beendet und fragt nach ihrem Sohn. Luna führt sie zum Gitterfenster und zeigt ihr seine Exekution. Nun steigt in Azucena die Flamme des Hasses empor. „Er war drein Bruder“ spielt sie ihren letzten Triumph aus. „Sei vendicata, o madre!“


Letzte Änderung am 15.3.2010
Beitrag von Engelbert Hellen