Antonio Vivaldi (1678-1741):

Il Teuzzone

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1718-19
Uraufführung: 26. Dezember 1719 in Mantua (Teatro Arciducale)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester (2 Oboen, 2 Trompeten, Streicher und Basso continuo)
Spieldauer: ca. 200 Minuten
Bemerkung: Bei diesem Werk handelt es sich um ein Pasticcio; sowohl die einleitende Sinfonia als auch die meisten Arien wurden früheren Opern Vivaldis und anderer Komponisten entnommen.
Opus: RV 736

Zur Oper

Art: Dramma per musica in drei Akten
Libretto: Apostolo Zeno
Sprache: italienisch
Ort: China
Zeit: zu historischer Zeit

Personen der Handlung

Troncone: Kaiser von China (Tenor)
Teuzzone: sein Sohn (Sopran)
Zidiana: die junge Kaiserinwitwe (Alt)
Zelinda: eine tatarische Prinzessin (Alt)
Cino: Erster Minister (Sopran)
Sivenio: General (Bass)
Egaro: Anführer der Wachen (Alt)
Argonte: Prinz der Tataren (Tenor)

Handlung

1. Akt:

Der Sieg wurde errungen, aber mit dem Leben bezahlt (Arie des Kaisers: “Nostro , amici, è il triofini”). Tödlich getroffen liegt Troncone auf dem Schlachtfeld und hinterlässt als Erbe seinem Sohn Teuzzone den Thron des chinesischen Reiches. Der erste Minister Cino und der General Sivenio sind in seiner letzten Stunde bei ihm und nehmen seinen letzten Willen zu Protokoll.

Im Kaiserpalast sitzt die schöne junge Witwe Zidiana und schmiedet ihre Ränke. In ihrem Herzen trägt sie eine geheime Leidenschaft für den Stiefsohn, die noch aus der Zeit herrührt, bevor sie Kaiserin wurde. Sie erwägt eine Wiederverheiratung mit ihm, ohne zu berücksichtigen, dass Teuzzone sich der tatarischen Prinzessin Zelinda verbunden fühlt.

Die Kaiserinwitwe hat zwei Verehrer, den Ersten Minister Cino und den General Sivenio, welche die Erhabene benutzen möchten, um eigene Machtansprüche durchzusetzen. Sivenio ist der größere Intrigant. Zuerst soll der Minister, der Zidiane gern heiraten und mit ihr regieren möchte, behilflich sein, den Kronprinzen unschädlich zu machen, danach wird er selbst an die Reihe kommen. Mit heuchlerischen Versprechungen hält die Kaiserinwitwe beide hin, weil sie zur Festigung ihrer Macht noch benötigt werden.

Die pompöse Beerdigung des Kaisers soll gleichzeitig der Anlass sein, den Prinzen, der allgemein als Thronfolger gilt, als Nachfolger zu proklamieren. Teuzzone schwört seiner Zelinda öffentlich Liebe und Treue und will sie heiraten, sobald die Trauerfeierlichkeiten vorbei sind. Doch die beiden korrupten Höflinge haben mit Wissen der Kaiserinwitwe das Testament gefälscht, und sie übernimmt die Herrschaft. Das Volk verspricht Ergebenheit.

Teuzzone fühlt sich hintergangen, ahnt den Betrug und schwört Vergeltung. Die Kaiserin lässt den Rebellen zunächst festnehmen, ist aber unschlüssig, wie sie die weitere Entwicklung der Situation steuern soll. Zelinda geht aus der Defensive und erfleht als Hohepriesterin des Gottes Amida Beistand und Stärke. Als Vermittlerin für den unglücklichen Teuzzone begibt sie sich in Audienz zur Kaiserin und gewinnt ihr Vertrauen. Die Hoheitsvolle tut ihr kund, dass sie nicht die Hinrichtung ihres Stiefsohns betreibe, vielmehr will sie ihn als ihren Gemahl auf den Thron setzen. Im Moment noch an Sachzwänge gebunden, will sie Zeit gewinnen. Zidiana ist sich nicht bewusst, was sie der Verlobten Teuzzones mit dieser Offenbarung antut. Von der Neuigkeit bestürzt, verbirgt Zelinda jedoch ihre Eifersucht und singt die schönste Arie der Oper „Mio core, io non m'inganno; una rivale scopro nella regina“ mit vielen Wiederholungen der Strophen.

2. Akt:

Teuzzone, auf Bitten der Prinzessin wieder freigelassen, begeht die Unklugheit, dem ihm geschehenen Unrecht mit Waffengewalt zu begegnen. Wie von Zelinda vorausgesehen, hat die Tapferkeit nicht ausgereicht, um einen Sieg davonzutragen, und der Prinz wird erneut in Haft genommen. Cino und Sivenio würden es am liebsten sehen, wenn er sofort den Kopf abgeschlagen bekäme, aber die Kaiserin zögert, das Todesurteil zu unterzeichnen. Schließlich entscheidet sie sogar, die Exekution auszusetzen. Leutselig lässt die Kaiserin den heimlich Geliebten zu einer letzten Zusammenkunft vorladen, bei welcher Zelinda dabei sein wird.

In Erwartung seines endgültigen Schicksals verkennt Teuzzone die Situation völlig. Die amourösen Avancen, die seine Stiefmutter ihm machte, breitet er öffentlich aus. Es gelingt ihm nicht, sich zu beherrschen, und er schürt die Eifersucht der schwer Beleidigten, indem er seine Leidenschaft für die Tatarenprinzessin betont.

Niemals würde er sich nötigen lassen, seine Stiefmutter zu heiraten, auch nicht um den Preis seines Lebens. Der Kaiserin reicht es: Sie ist bereit, das Todesurteil zu unterzeichnen.

Abermals gelingt es Zelinda in einem letzten verzweifelten Versuch, das Herz der Rivalin zu erweichen. Sie ist bereit, von dem Prinzen abzulassen und ermuntert ihn, den Wünschen der Kaiserin einer ehelichen Verbindung nachzugeben. Soviel Großmut bleibt auf Zidiana nicht ohne Wirkung. In eigener Sache beginnt sie wieder zu hoffen und ordnet den Aufschub der Hinrichtung an.

3. Akt:

Obwohl Cino über das Resultat seiner Intrigen Reue empfindet, ist er doch zuversichtlich, dass Teuzzone sein Schicksal bald ereilen wird und für ihn der Weg frei ist, als Gemahl an der Seite der Kaiserin auf dem Thron zu sitzen. Diese Illusion zerstört ihm Zelinda, der es gelingt, ihn von Sivenios Unredlichkeit zu überzeugen.

Der Empörte fordert den ehemaligen Komplizen zum Duell. Beim Klang der Waffen eilt die Kaiserin hinzu und versucht, die beiden Kontrahenten mit einem überraschenden Vorschlag zu beruhigen. Sie verweist auf den alten Brauch, dass es dem Souverän erlaubt ist, mehrere Ehepartner gleichzeitig zu haben. Deshalb findet sie es legitim, dass sie als unumschränkte Herrscherin dieses kaiserliche Vorrecht in Anspruch nehmen kann, auch zwei Gatten zur gleichen Zeit zu ehelichen.

Cino ist irritiert und verbittert. Der Vorschlag erfüllt ihn mit Unbehagen, denn er ist nicht geneigt ist, Frau und Herrschaft mit dem Kumpel zu teilen. Sivenio dagegen tut so, als ob er die Idee gut fände, denn alte Bräuche soll man hochhalten. Man muss in der Lage sein, moralische Vorbehalte zu überwinden. Antonio Vivaldi hat für ihn die Szene fünf reserviert und die wunderschöne Arie „Ah Sivenio crudel“ komponiert, die mit vielen schwierig zu singenden Bass-Koloraturen gespickt ist. Immer wieder muss Sivenio die Strophen wiederholen, denn das Publikum kann sich nicht satt hören.

In einem unterirdischen Gefängnis wird Teuzzone gefangen gehalten. Er ist viel zu verstockt, um seine Zwangslage zu begreifen und leidet an Realitätsverlust. Das Flehen Zelindas rührt ihn nicht, und ein Gnadengesuch kommt für ihn nicht infrage. Lieber wird er sterben. Die Kaiserin mutmaßt inzwischen, dass Zelinda sie hintergeht und verdammt sie, das Schicksal Teuzzones zu teilen. Bevor sie inhaftiert wird, gelingt es der Prinzessin, dem tatarischen General Argonte eine Botschaft zukommen zu lassen.

Schon bald wird man das Frühlingsfest feiern, und als pompöse Einlage und Höhepunkt des Ritus sind Menschenopfer vorgesehen. Die Kaiserin denkt, die Exekution der beiden Liebenden ins Programm aufzunehmen. Bei Cino schlägt das Gewissen. Den Druck hält er nicht durch und schließt schon in Gedanken mit dem Leben ab. Vorher verschafft er sich Gehör beim Volk und erklärt, dass der Text von Troncones Testament gefälscht ist und der Thron in Wirklichkeit Teuzzone gehört.

General Argonte hat sich beeilt und ist zur Stelle, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Die Liebenden werden aus dem Gefängnis befreit und nehmen Platz auf dem kaiserlichen Thron. Die unverhoffte Wende des Schicksals macht den Herrscher butterweich, und er verzeiht allen, denen an einem Straferlass gelegen ist. Zidiana bittet um Entschuldigung für ihr Fehlverhalten, doch Sivenio zeigt keine Reue. Deshalb muss er eine lebenslängliche Gefängnisstrafe verbüßen.


Letzte Änderung am 26.1.2008
Beitrag von Engelbert Hellen