Richard Wagner (1813-1883):

Der fliegende Holländer

englisch The Flying Dutchman / französisch Le Vaisseau fantôme

Allgemeine Angaben zur Oper

Widmung: Ida von Lüttichau
Entstehungszeit: 1840-1841, rev. 1860
Uraufführung: 2. Januar 1843 in Dresden (Königlich Sächsischen Hoftheater)
mit: Michael Wächter, Karl Risse und Wilhelmine Schröder-Devrient
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 140 Minuten
Erstdruck: Dresden: C. F. Meser, 1844 (Klavierauszug)
Verlag: Mainz: Schott, 2001
Mainz: Schott, 2005 (Urfassung von 1841)

Opus: WWV 63

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Der Fliegende Holländer
Richard Wagner (1813-1883)

Hermes Opernlexikon:"Analytisch klare, trotzdem gefühlsbetonte, vor allem aber drama- tisch effektvoll gesteigerte Holländer-Vision."

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Der Fliegende Holländer (DGG, 1985)
Richard Wagner (1813-1883)

P. Pachl in FonoForum 6 / 86: "Die Wahl der Urfassung ist musikalisch ein Gewinn: Da stürmt und drängt alles, da ist Wagner wirklich der revolutionäre Außenseiter. Simon Estes in der Titelfigur ist der optimale Interpret. Klangbild: präsent, unverfärbt im authentischen Bayreuther Mischklang." (zur Musikeinspielung)

Zur Oper

Art: Romantische Oper in drei Aufzügen
Libretto: Richard Wagner nach Heinrich Heine (Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopski)
Sprache: deutsch
Ort: die norwegische Küste
Zeit: 17. Jahrhundert

Personen der Handlung

Der Holländer: ewiger Geisterfahrer
Senta: Dalands Tochter
Daland: ein norwegischer Seefahrer
Erik: ein Jäger
Mary: Sentas Amme
Weitere: Steuermann Dalands, Matrosen, Mädchen, Dorfbewohner

Handlung

1. Akt:

Erster Auftritt:

Soll Daland sich nun ärgern? Der unberechenbare Sturm hat es auf ihn abgesehen und will sein Schiff nicht in den Heimathafen einlaufen lassen. Kurz vor dem Ziel wirft er den Segler in die Sandwike-Bucht, so dass der Kapitän genötigt ist, vor Anker zu gehen. Die Nacht bricht herein und die Matrosen haben mit ihren Sicherungsmaßnahmen erheblich zu tun. So nah schon am Ziel, doch nach langer Fahrt ward Daland dieser Streich noch aufgespart. Sein Haus konnte er schon erkennen. Nun muss die Tochter noch ein Weilchen warten, bis der Heimkehrende sie umarmen kann.

Daland hat das Schiff verlassen und ist auf den benachbarten Felsen gestiegen. Auf seinen Steuermann kann er sich hundertprozentig verlassen. Er soll die Wache für ihn übernehmen, denn er will sich noch ein bisschen die Füße vertreten. Passieren kann ohnehin nichts, aber es ist gut, wenn wenigstens einer ein bisschen aufpasst. Der Kapitän soll ohne Sorge sein und ruhig schlafen. Müde ist der Steuermann allerdings auch und singt ein fröhliches Liedchen, um die Augenlider offen zu halten. Er freut sich sehr, endlich nach Hause zu kommen.

»Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer«

kommt er her, denn sein liebes Mädel verlangt nach ihm. Der Südwind hat kräftig geblasen, gut das es ihn gibt. Vom fernen Mohrenland hat er seiner Liebsten etwas mitgebracht. Es ist nicht viel, nur ein güldenes Band, doch er weiß, kleine Mädchen lieben solchen Tand.

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Schon bald schläft er ein. Der Sturm nimmt zu und ein zweites Schiff gerät ebenfalls in Seenot. Es nimmt Kurs auf die Bucht und ankert auf der anderen Seite. Der Rumpf des Schiffs ist kohlrabenschwarz, dagegen zeigen sich die Segel blutrot - ein gespenstischer Kontrast. Der Opernbesucher tippt richtig: Das kann nur der fliegende Holländer sein.

Zweiter Auftritt:

Der Geisterfahrer hat die vielen Leute im Parkett, auf Balkonen und Rängen wahrgenommen und empfindet bei aller Wehleidigkeit Genugtuung, dass es Menschen gibt, die sich für seine Geschichte interessieren. Sein Monolog

»Die Frist ist um und abermals verstrichen sind sieben Jahr.«

ist spannungsgeladen. Der Betroffene spricht von Ängsten und Erwartungen, berichtet von seinem unsteten Leben, verschweigt allerdings noch die Ursachen, die ihn in seine teuflische Lage gebracht haben. Der Ozean sei stolz und trotzig, berichtet er, doch seine persönliche Qual würde ewig dauern. Heil, welches er auf den sieben Meeren nicht findet, sucht er auf dem Trockenen, doch er hat keine Hoffnung, Erlösung dort zu finden. Noch will er nicht bekennen, weshalb ihn solch harte Strafe trifft. Einen Suizid hat er schon öfters geprobt, aber die Piraten, die er verhöhnte, haben ihn am Leben gelassen. Auf die Klippen hat er das Schiff gesteuert und gehofft, dass tiefe Schlünde ihn aufnehmen würden, gegenteilig war die Reaktion, sie haben ihn wieder freigegeben. Immerhin ist sein Schiff mit Schätzen angefüllt, doch was nützen sie, wenn er damit nicht Handel treiben kann, denn erst am Jüngsten Tag soll die Erlösung kommen. Hoffen wir es mit ihm! Der Gebeutelte ist tief verzweifelt.

Dritter Auftritt:

Daland hat den Steuermann aus dem Schlummer wachgerüttelt. Er rügt den Leichtfertigen und spottet, wie schön er gewacht habe. Zum Teufel auch! Seinen Fehler wird er schleunigst wieder gutmachen und munter ruft er hinüber, dass das unheimlich anmutende Schiff sich bitte identifizieren und Flagge zeigen soll.

Der Kontakt ist bald geknüpft und die beiden Kapitäne treten unmittelbar in Dialog. Der Besitzer des Schiffs mit den blutroten Segeln erklärt, dass er von weit her komme und viele Strapazen hinter sich habe. Blut ist gespritzt und hat die Segel eingefärbt. Wird der andere ihm den Ankerplatz auch nicht verwehren? Keinesfalls, denn der Seemann kennt die Gastfreundschaft! Man begrüßt sich förmlich, aber herzlich. Nein, eine Havarie habe das Schiff noch nie gehabt, aber nach Holland finde es einfach den Weg nicht.

»Mein Schiff ist fest, es leidet keinen Schaden.
Durch Sturm und bösen Wind verschlagen,
irr' auf den Wassern ich umher –
wie lange, weiß ich kaum zu sagen:
schon zähl' ich nicht die Jahre mehr.
Unmöglich dünkt mich's, dass ich nenne
Die Länder alle, die ich fand:
Das eine nur, nach dem ich brenne,
das ist mein Heimatland!
Vergönne mir auf kurze Frist dein Haus,
und deine Freundschaft soll dich nicht gereuen.
Mit Schätzen aller Gegenden und Zonen
ist reich mein Schiff beladen, willst du handeln,
so sollst du sicher deines Vorteils sein.«

So entwickelt der Holländer eine Strategie, die darauf abzielt, für die Nacht im Hause des Kapitäns eine Unterkunft zu bekommen. In vielen Ländern sei er schon gewesen und überall habe er Ware eingekauft. Die Laderäume seien mit Gütern aller Art angefüllt. Nun den Vers noch einmal in Prosa: Möchte der liebenswürdige Norweger sich nicht auf einen Handel einlassen? Für die Nacht erbittet er in seinem Hause eine Unterkunft. Dafür darf er sich von seinen Schätzen etwas aussuchen. Zum Beweis holt er eine Kiste und öffnet sie, dass dem Betrachter die Augen überlaufen. Im Rumpf des Schiffs läge noch mehr an kostbarem Plunder. Die Chance, dass alles ihm gehören könnte, sei durchaus real. Der fliegende Holländer versteht es, die Gier nach Schätzen in dem armen Norweger wachzurufen. Hat er zufällig eine Tochter? O ja, das Gewünschte ist vorhanden!

»Wohl, Fremdling hab' ich eine schöne Tochter,
mit treuer Kindeslieb ergeben mir;
sie ist mein Stolz, das höchste aller Güter,
mein Trost im Unglück, mein Freud' im Glück.«

Treue und Zuverlässigkeit sind wichtig im Leben. Daland könne sich keine Vorstellung machen, wie selten diese guten Eigenschaften zu finden sind. Bitter klagt der Holländer, dass er weder Weib noch Kind habe. Gern würde er sich fest binden und als Prämie solle Daland alle Ware bekommen, die im Schiff gestapelt liegt, wenn er ihm das Mädchen zur Frau gibt. Nun soll der Opernbesucher die Situation aber nicht missverstehen und denken, dass Daland aus eitler Raffgier seine Tochter verschachern will. Von einem wohlhabenden Eidam hat schließlich die gesamte Familie den Nutzen. Ein bisschen mehr Recherche wäre allerdings angezeigt, denn mysteriös ist die Sache auf jeden Fall. Der Holländer hat es eilig. Wird er die Tochter heute noch zu sehen bekommen? Sobald der Südwind ein bisschen bläst, geleitet er die Schiffe in den sicheren Hafen. Wenn die Tochter ihm gefällt, kann er sie haben. »Dem Mann mit gutem Sinn, gibt er gern die Tochter hin.« Wird sie sein Engel sein? Der Matrosenchor beschließt das Finale des ersten Akts:

»Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer –
Mein Mädel bin dir nah! Hurra!
Über turmhohe Flut von Süden her –
Mein Mädel ich bin da! Hurra!
Mein Mädel, wenn nicht Südwind wär'
Ich nimmer wohl käm' zu dir;
Ach lieber Südwind blas' noch mehr!
Mein Mädel verlangt nach mir.
Hohoho! Joloho!«

2. Akt:

Vierter Auftritt:

Während die Männer zum Fischfang ausgefahren sind, finden sich die Frauen im Hause des Kapitäns zum geselligen Beisammensein ein. Sie spinnen Wolle und singen dazu ein fröhliches Liedchen, damit die Zeit schneller vergeht. Jede wartet auf ihren Liebsten und hofft, dass er nicht nur Fische, sondern auch ein kleines Geschenk mitbringt.

»Du böses Kind, wenn du nicht spinnst, vom Schatz du kein Geschenk gewinnst.« Die alte Mary wird als Gruppenführerin zwar respektiert, aber nicht mehr so ganz ernst genommen. Senta, des Kapitäns versponnenes Töchterlein, setzt sich von der Fröhlichkeit der übrigen Mädchen ab. Sie ist mit keinem Fischer, sondern mit einem Jäger fest verbunden. Ihre wirkliche Zuneigung hängt jedoch als Porträt an der Wand. Es ist ein geheimnisvoller Mann mit sehnsüchtigem Blick und schwarzem Bart, den sie in Wirklichkeit noch nie gesehen hat. Senta soll nur aufpassen, dass Erik von ihrer geheimen Zuneigung nichts erfährt, sonst holt er mit einem Schuss aus seinem Gewehr das Bild von der Wand.

Dargestellt auf dem Konterfei ist der mysteriöse Holländer. Seine Geschichte kennt jeder. Er muss auf den Weltmeeren umherirren und darf nur alle sieben Jahre an Land gehen. Findet er eine Frau, die ihm folgt, wird er von dem Bann erlöst sein und Ruhe finden. Senta hat sich in den Kopf gesetzt, die Frau zu sein, die dem Holländer in Treue folgen wird, damit er nicht bis zum Jüngsten Tag auf seine Erlösung warten muss. Deshalb wird sie von den Mädchen ausgelacht.

Mary soll doch bitte noch einmal das bekannte Lied singen – sie hört es gar zu gern - doch die Alte weigert sich, weil ihr die Verse zu trübsinnig sind. „Johohoe Johohohoe Johohoe Johoe!“ Nun, dann singt Senta die dreistrophige Ballade vom fliegenden Holländer eben selbst:

»Traft ihr das Schiff im Meere an,
blutrot die Segel, schwarz der Mast?
Auf hohem Bord der bleiche Mann,
des Schiffes Herr wacht ohne Rast.«

»Hui, wie saust der Wind, Johohe!...« Erik hat das nahende Schiff des Kapitäns gesehen und möchte zur Begrüßung zur Stelle sein. Senta befindet sich gerade in Ekstase. Gottes Engel soll den Holländer nur herbeiführen, durch sie wird er das Heil erreichen. Ist Senta von Sinnen? Will sie Erik etwa verderben? Mary entrüstet sich auch: »Abscheulich Bild, du sollst hinaus. Kommt nur der Vater erst nach Haus.«

Fünfter Auftritt:

Erik hat mit Senta ein ernstes Wörtchen zu reden: »Bleib, Senta! Bleib nur einen Augenblick!« Sie soll ihn aus seinen Qualen reißen. Was soll aus ihm werden, wenn ihr Sehnen einem anderen gilt. Es war geplant, dass der Vater ihn ihr zum Gatten gibt. »Doch wenn sein Herz in Jammer bricht, wird es Senta sein, die für ihn spricht?« fragt Erik zweimal, doch Senta drängt es hinaus, den Vater zu begrüßen. Erik ist wirklich zu bedauern. Große Güter hat er nicht zu bieten, aber er meint es ehrlich mit ihr und wird ihr treu sein. Ist das so wenig? Doch Senta jagt einem Phantombild hinterher. Sie flieht vor der Wunde, die sie dem Verlobten im Liebeswahn schlug. Fürchtet Erik sich etwa vor einem Bild an der Wand? Nein, aber Erik hatte eine Vision und sah kommende Ereignisse voraus. Der Anhängliche hat sie aufgehalten. Senta konnte den Vater bei seiner Ankunft nicht begrüßen und nun tritt er in Begleitung eines Fremden zur Tür herein.

Sechster Auftritt:

Der Vater hatte sich die Begrüßung auch etwas anders vorgestellt.

»Mein Kind, du siehst mich auf der Schwelle...
Wie? Kein Umarmen? Keinen Kuss?
Du bleibst gebannt an deiner Stelle –
Verdien' ich, Senta, solchen Gruß?«

Senta will wissen, wer der Fremde ist, nachdem sie ihn misstrauisch gemustert hat. Der Vater antwortet:

»Mögst du, mein Kind, den fremden Mann willkommen heißen;
Seemann ist er gleich mir, das Gastrecht spricht er an.
Lang ohne Heimat, stets auf fernen weiten Reisen,
in fremden Landen er der Schätze viel gewann.
Aus seinem Vaterland verwiesen,
für einen Herd er reichlich lohnt:
Sprich Senta, würde es dich verdrießen,
wenn dieser Fremde bei uns wohnt?«

Die Strophe geht noch weiter. Wenn die Tochter sich die Schätze anschaut, die er mitbringt, wird sie verstehen, dass er den Fremden zu ihrem Gatten auserkoren hat. Den Erik kann sie jetzt in den Wind schreiben. Die Wertgegenstände bekommt sie nur, wenn sie den Ring wechselt.

Nun folgt das Liebesduett: »Wie aus der Ferne längst vergang'ner Zeiten spricht dieses Mädchens Bild zu mir... « Der Holländer jammert, dass sich die Balken der soliden Behausung biegen und die unbedarfte Senta muss den seelischen Müllhaufen verarbeiten. Sie kennt des Weibes heilige Pflichten. »Hier ist ihre Hand und ohne Reu bis in den Tod ist sie ihm treu!«

Daland erklärt den Wartenden, dass es jedes Mal, wenn er von weiter Reise zurückkommt, ein Fest gibt. Darf er es durch die Bekanntgabe des neuen Bundes verschönern? Senta ist dafür.

3. Akt:

Siebter Auftritt:

Beide Schiffe liegen auf dem Meer vertaut dicht nebeneinander. Das norwegische Schiff ist hell erleuchtet, während das Geisterschiff einen Eindruck vermittelt, als ob die Besatzung es verlassen habe. Die Matrosen feiern. Ihr Lieblingslied kennt man inzwischen zur Genüge: »Steuermann lass die Wacht...« Der Verschlafene passt doch ohnehin nicht auf und sollte in seiner Nachlässigkeit nicht noch bestärkt werden. Die Hafenmädchen sind an Bord gekommen und stampfen beim Tanzen kräftig mit dem Fuß auf. Alle wundern sich, weshalb auf dem Holländerschiff nichts los ist. Haben sie nichts zu Essen? Sind etwa die Getränke ausgegangen? Man spottet und überlegt, wie man die fremde Mannschaft ein bisschen aufmuntern kann.

»Wahrlich! Sie sind tot
und haben Speis und Trank nicht not.
Sie liegen alle faul im Nest.
Ist für sie nicht heute auch ein Fest?
Sie liegen fest auf ihrem Platz.
Wie Drachen hüten sie ihren Schatz.
He Seeleute! Wollt ihr nicht frischen Wein?
Ihr müsst doch wahrlich durstig sein.
Sie singen nicht, Sie trinken nicht
In ihrem Schiff es brennt kein Licht.«

Nun, das sollte nur eine weitere kleine Kostprobe sein, um festzuhalten, dass Herr Wagner nicht nur vortrefflich orchestrieren, sondern auch schön dichten kann. »So weckt die Mannschaft ja nicht auf, Gespenster sind's, wir schwören drauf.« Irgendwann wird der ruhestörende Lärm den Gespenstern - schon viele hundert Jahre auf Achse - doch zu bunt. Das Wasser in unmittelbarer Nähe des fremden Schiffes beginnt zu zischen und bläuliche Flammen steigen auf. Auch das Singen haben die Spukgestalten nicht verlernt. Die sieben Jahre sind um und der schwarze Hauptmann soll an Land gehen und ein blondes Mädchen kapern. Der Kapitän ist wieder auf das Schiff zurückgekehrt und wird ausgelacht Er hatte kein Glück in der Liebe. Ha, ha, ha! Die Segel sind gegen Sturm gefeit und reißen nicht in Ewigkeit! Es entsteht nun ein Wechselgesang der Chöre. Die Mannschaft des Geisterschiffes versucht zu beweisen, dass sie nicht mausetot ist, und die Norweger singen immer lauter, weil ihnen der Spuk nicht geheuer ist und die Angst ihre Stimmbänder auf Touren bringt.

Letzter Auftritt:

Erik hat noch einen Streit mit Senta. Der Jägersmann ist zäh und hat den Kampf gegen den gespenstischen Rivalen nicht aufgegeben. Gott, was muss er sehen? Was muss er hören? Es ist keine Täuschung! Er ist es in der Tat! Doch Senta lässt sich nicht aufhalten. Sie schiebt die untere Kinnlade vor, ist restlos eingefangen von ihrer Mission und stürmt nach vorn. Nun setzt Erik alles auf eine Karte und singt seine schönste Kavantine: »Willst jenes Tags du dich nicht mehr entsinnen?« Senta hat jetzt überhaupt keinen Sinn für Poesie und ist ganz auf Drama eingestellt. Der Holländer ist von seinem Schiff noch einmal zurückgekehrt. Sein ewiger Pessimismus spielt ihm wieder einen Streich. Er sieht seine Felle schwimmen, obwohl Senta und ihr Vater alles daran gesetzt haben, ihn zu halten. Pech gewohnt, tönt er: »Verloren, ach verloren! Ewig verlor'nes Heil. In See, in See für ewige Zeiten« Was muss Erik sehen? Kann er seinen Augen trauen? Senta, komm zurück. Sie befinde sich in Satans Klauen. Der Geisterfahrer macht bereits klar Schiff. Der Holländer ist mit seiner Aufklärungskampagne noch nicht fertig. Senta kennt ihn nicht und ahnt nicht, wer er ist. Die Meere aller Zonen soll sie befragen und den Seemann, der den Ozean durchstrich. Er ist der Schrecken aller Frommen. »Den fliegenden Holländer nennt man mich!« - als ob Senta diesen Tatbestand von Anfang an nicht gewusst hätte. Das Opernpublikum war ebenfalls informiert.

Wütend reißt Senta sich von Erik los und prescht vor. Sie klettert auf einen Felsen. Was will sie tun? Seinen Engel soll der Holländer preisen und sein Gebot. Hier steht Senta, treu bis in den Tod. Sie stürzt sich, Kopf voran, ins Meer. Das Geisterschiff versinkt im Wasser. Senta war ein Mädchen mit Charakter!


Letzte Änderung am 2.7.2008
Beitrag von Engelbert Hellen