Carl Maria von Weber (1786-1826):

Der Freischütz

englisch The Marksman / französisch Le Franc-Tireur

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1820
Uraufführung: 18. Juni 1821 im Schauspielhaus Berlin
Besetzung: Soli, Chor (SATTTBB) und Orchester
Spieldauer: ca. 130 Minuten
Erstdruck: Berlin: Schlesinger, 1822
Mainz: B. Schott's Söhne, 1822 ?
Verlag: New York: G. Schirmer, 1932
Opus: op. 77
J 277

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[Details]
Der Freischütz (Line, ADD/m, 1954)
Carl Maria von Weber (1786-1826)

H. Schönegger in FonoForum 6 / 89: "Furtwänglers Salzburger Festspielproduktion strahlt adäquat deutschromantische Stimmung mit der Lebendigkeit einer Bühnenaufführung aus. Das hochkarätige Ensemble überragen noch der kumpelhaft-bedrohliche, stimmpralle Kaspar von Kurt Böhme, die beseelte Agathe der Grümmer und der ebenso schmiegsame wie heldische, strahlend höhensichere Max von Hans Hopf."

Zur Oper

Art: Romantische Oper in drei Aufzügen
Libretto: Johann Friedrich Kind
Sprache: deutsch
Ort: Böhmen
Zeit: Mitte des 17. Jahrhunderts, nach dem Dreißigjährigen Krieg

Personen der Handlung

Ottokar: regierender Fürst (Tenor)
Kuno: fürstlicher Erbförster (Bass)
Agathe: seine Tochter (Sopran)
Ännchen: eine junge Verwandte (Sopran)
Kaspar: erster Jägerbursche (Bass)
Max: zweiter Jägerbursche (Tenor)
Ein Eremit: ein weiser Mann (Bass)
Kilian: ein reicher Bauer (Bass)
Weitere: Brautjungfern, Samiel (der schwarze Jäger), fürstlicher Jagdbursch, Heger, fürstlicher Leibschütz, Bauern, Bäuerinnen, Schenkmädchen

Handlung

1. Akt:

In einer Lichtung des Böhmerwalds beglückwünscht man den Bauern Kilian zu seinem Sieg in einem Wettschießen. Gleichzeitig verspotten die Dorfbewohner das schlechte Abschneiden des Jägerburschen Max bei diesem Wettbewerb; seine zornige Reaktion wird durch das Auftreten des Erbförsters Kuno mit einigen seiner Jäger unterbrochen - unter ihnen auch Kaspar. Max, normalerweise ein ausgezeichneter Schütze, hat nicht nur die Demütigung einer weiteren Niederlage beim nächsten Schießen zu befürchten: er muss siegen, um die Hand von Kunos Tochter Agathe gewinnen zu können, und damit eines Tages auch das Amt ihres Vaters. Neben Max aber steht sein böser Kollege Kaspar, der heimlich Beschwörungen an den gespenstischen Samiel, den sogenannten Schwarzen Jäger murmelt; Kaspar rät Max, Hilfe bei Samiel zu suchen. Nun erzählt Förster Kuno den Anwesenden die Geschichte dieses Probeschießens: einer seiner Vorfahren sah einst einen Wilddieb, der an einen lebenden Hirsch gefesselt war; diesem Förster gelang es, mit einem Schuss den Hirsch zu erlegen, ohne den Wilddieb zu verletzen. Neidische Gegner jenes Försters hatten behauptet, er müsse damals mit einer Zauberkugel geschossen haben und ein "Freischütz" gewesen sein. Seit damals wird nun ein offenes Wettschießen für alle veranstaltet, die einmal Erbförster werden wollen.

Die Dorfbewohner gehen zum Tanz. Max bleibt allein; er trauert über sein verlorenes Glück und denkt an die schönen Tage, als er durch die Wiesen und Wälder schweifte. Kaspar kehrt wieder und fordert Max auf, mit ihm zu trinken; dann lässt er ihn mit seiner Büchse auf einen hochfliegenden Vogel schießen. Höllisches Gelächter ertönt, und ein riesiger Adler fällt zu Boden. Kaspar erklärt, dass dies einer magischen "Freikugel" zu verdanken war - es sei aber seine letzte gewesen, und sie müssten um Mitternacht in der Wolfsschlucht zusammentreffen, um neue Freikugeln zu gießen. Kaspar gibt seiner teuflischen Freude darüber Ausdruck, Max ins Verderben gelockt zu haben: Kaspar hat nämlich für die Freikugeln seine Seele dem Teufel (Samiel) verschrieben - doch wenn er diesem bis Mitternacht ein anderes Opfer bringt, ist er selbst gerettet.

2. Akt:

Im Hause des Erbförsters hängt Ännchen, eine junge Verwandte, fröhlich ein Porträt Kunos wieder auf, das von der Wand gefallen war und Agathe verletzt hatte; es gelingt ihr vorübergehend, die dunklen Vorahnungen Agathes zu zerstreuen, als sie davon singt, sie habe genug von verdrießlichen alten Männerbildern - lebendige junge Männer wären ihr lieber. Aber Agathes Heiterkeit hält nicht lange an und weicht bald der Beunruhigung über Max, der sich verspätet hat; bei Mondschein betet sie für seine Heimkehr. Zu ihrer großen Freude tritt nun Max tatsächlich auf, aber anstatt der Siegestrophäe bringt er Adlerfedern mit. Er erschrickt über die Mitteilung, dass Kunos Bild gerade zu dem Zeitpunkt von der Wand gefallen ist, als er auf den Adler schoss. Nun beunruhigt er Agathe noch mehr, als er ihr sagt, er müsse einen Hirsch holen gehen, den er in der unheimlichen Wolfsschlucht erlegt habe.

Im Kreise dieser Felsschlucht, in der sich verschiedene kabbalistische Gegenstände befinden, bereitet Kaspar den Ritus für das Gießen von sieben magischen Büchsenkugeln vor. Geisterhafte Stimmen kündigen das Kommen der Opfer an. Samiel wird heraufbeschworen, und erklärt sich bereit, Max anstelle von Kaspar als sein Opfer anzunehmen; und Kaspar beschwört den Schwarzen Jäger, mit der siebten Freikugel Agathe zu töten. Nun tritt der bereits recht verstörte Max auf, der erschreckende Visionen gehabt hat. Kaspar beginnt mit dem Gießen der Kugeln, wobei er deren Zahlen jeweils in das Echo des Waldes hinaus ruft. Dieser füllt sich immer mehr mit geisterhaften Erscheinungen - flatternde Vögel, ein schwarzer Eber, ein Wirbelwind, Peitschenknalle, galoppierende Hufe und feurige Kutschenräder, die wilde Jagd, Donner und Blitz und stürzende Meteore - und schließlich erscheint Samiel selbst, Kaspar stürzt ohnmächtig zu Boden, und Samiel streckt seine Hand nach Max aus. Die Uhr schlägt Eins ...

3. Akt:

Max schießt nun fehlerlos, aber er verbraucht seine Kugeln; Kaspar stellt sicher, dass die gefährliche siebte Kugel (die von Samiel) an Max geht - um das zu erreichen, schießt Kaspar mit seiner letzten Kugel heimlich einen Fuchs.

Agathe betet in ihrem Zimmer, gekleidet in ihr Hochzeitskleid: sie hat zuerst geträumt, eine weiße Taube gewesen zu sein, die von Max abgeschossen wird; dann aber war sie plötzlich wieder sie selbst, und das tote Tier war ein schwarzer Raubvogel. Ännchen versucht, ihr die Angst mit einer lustigen Geistergeschichte zu vertreiben. Nun kommen die Brautjungfern mit ihrem Brautlied - aber Kunos Porträt ist wieder von der Wand gefallen, und die Schachtel die Ännchen bringt, enthält einen Grabkranz anstatt eines Brautkranzes. Die jungen Mädchen flechten einen neuen Kranz aus den Rosen, die ein Eremit aus der Nachbarschaft gesandt hat.

Der Landesfürst Ottokar und sein Hofstaat erwarten das Probeschießen, während die Jäger von ihrem frohen Leben singen; in einem Baum versteckt, beobachtet Kaspar die Szene. Ottokar fordert nun Max zu seinem Probeschuss auf eine weiße Taube auf. Max schießt - die Taube flattert davon, Agathe wird ohnmächtig und Kaspar fällt aus dem Baum zu Boden. Während Agathe wieder zu Bewusstsein kommt, ist Kaspar tödlich verwundet und stirbt, noch im Tode Samiel verfluchend, dem er jetzt anheimgefallen ist. Ottokar fordert eine Erklärung dieser Vorfälle, und Max gesteht alles. Der Eremit aber verteidigt ihn und weist darauf hin, dass es nur dieses Probeschießen war, das Max zu seiner Tat getrieben hat; er fordert die Einstellung dieses Brauchs und beantragt, Max nach einem Jahr der Bewährung zu rehabilitieren. Ottokar stimmt dem Plan des Eremiten zu, und alle Anwesenden loben Gott ob seiner Gnade für die, die reinen Herzens sind.


Letzte Änderung am 2.10.2007