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Georges Bizet

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Georges Bizet (1838-1875):

Carmen

Allgemeine Angaben zur Oper:

Anlass: Auftragsarbeit
Entstehungszeit: 1873-74
Uraufführung: 3. März 1875 an der Pariser Opéra Comique
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 190 Minuten
Erstdruck: Paris: Choudens, 1875 (Klavierauszug)
Opus: WD 31

Kaufempfehlung:

CD: Klassika CD Kaufempfehlung bei jpc Carmen (Capriccio, ADD, 1985)

G. Heinsen in orpheus 6 / 96: "Alexandrina Milcheva mit sehr schöner, gutgeführter und schlanker Mezzostimme - eine runde, verführerische Leistung."

DVD: Klassika DVD Kaufempfehlung bei jpc Carmen (TDK, 1978)

FonoForum 01 / 05: "Was da aus dem Orchestergraben dringt, mag nicht nur der Nostalgiker als 'vollkommen' bezeichnen: Nietzsches berühmtes Diktum von der Leichtigkeit und Biegsamkeit der Musik ist wohl kaum je so stimmig umgesetzt worden wie hier."

Zur Oper:

Art: Oper in 4 Akten (auch: Oper in 3 Akten und 4 Bildern)
Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Halévy
Sprache: französisch

Handlung:

1. Akt: Platz in Sevilla mit Zigarettenfabrik und Wache. Micaëla, ein schüchternes Bauernmädchen, sucht den Sergeanten José auf der Wache, um ihm Grüsse von seiner Mutter zu bringen. Er ist noch nicht anwesend, und so zieht sie sich scheu zurück. Nach der Ablösung der Wache erfährt José, dass ein "Mädchen mit blauen Augen und blonden Zöpfen" nach ihm gefragt habe. Da ertönt das Pausensignal der nahen Zigarettenfabrik, aus der in buntem Gewirr die Arbeiterinnen herausströmen, unter ihnen, umschwärmt von Verehrern, die Zigeunerin Carmen. Die Liebesbeteuerungen der jungen Leute gleiten an ihrem Spott ab, sie sind ihr gleichgültig, nicht aber José, der seine Waffe reinigt, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Sie wirft dem Unaufmerksamen eine Blume zu und enteilt. Verwirrt betrachtet sie José und sucht sich dem geheimnisvollen Zauber, den sie von der koketten Schönen auf ihn überträgt, zu entziehen. Als Micaëla erscheint, verscheucht sie für kurze Zeit den bösen Zauber durch die Erinnerungen an die ferne Mutter. Grosses Geschrei aus der Zigarettenfabrik: Carmen hat eine Messerstecherei verursacht und einen Tumult heraufbeschworen. José muss sie auf Befehl seines Offiziers verhaften. Mit ihrer bestrickenden Schönheit und dem aufreizenden Lied "Draussen am Wall von Sevilla" betört sie den braven Sergeanten so, dass er ihre Fesseln löst. Sie entflieht, und man führt den pflichtvergessenen José ab.
2. Akt: Schmugglerschenke. In der berüchtigten Schenke von Lillas Pastia drehen sich die Paare in wildem Tanze. Carmen, Mercedes und Frasquita singen ein hinreissendes Zigeunerlied, das alle in leidenschaftlichen Taumel versetzt. Den Schmugglern winkt in dieser Nacht ein grosses Geschäft. Alle sollen bei dem Fang behilflich sein, doch Carmen weigert sich, sie ist verliebt "mit rasender Glut" in José, den sie heute abend noch erwartet, da er aus der Haft entlassen ist. Noch bevor er kommt, kreuzt ein anderer Mann ihren Weg: der Stierkämpfer Escamillo, dessen brutale, sieggewohnte Männlichkeit die sinnliche Carmen stark beeindruckt, obwohl sie mit aller Leidenschaft José erwartet. Der Langersehnte erscheint endlich. Carmen umgarnt ihn mit einem verführerischen Tanz. Sie will nicht nur den Geliebten, sie will auch den Helfershelfer für die Schmugglerbande gewinnen. José bleibt stark, und als das Trompetensignal zum Appell ertönt, will er zur Kaserne zurück. In diesem Augenblick begehrt sein Offizier Zuniga Einlass bei Carmen. Dem Nebenbuhler aber weicht José nicht - seine Eifersucht ist grösser als sein Pflichtgefühl. José zieht den Degen gegen Zuniga, die Schmuggler helfen ihm und entwaffnen den Offizier. Nach diesem Vorfall gibt es für den Sergeanten kein Zurück mehr; er verfällt Carmen und der Schmugglerbande.
3. Akt: Wilde Gebirgsschlucht. Die Schmuggler und Zigeuner halten Rast und vertreiben sich die Zeit mit Spiel und Tanz. Frasquita, Mercedes und Carmen legen sich die Karten, sie verkünden ihr den nahen Tod; Carmen verlacht die Gefährtinnen und folgt den Schmugglern, um die Zöllner zu beeinflussen. Während José zur Bewachung der Schmugglerware zurückbleibt, naht Micaëla dem unheimlichen Ort, wird aber durch das Eintreffen Escamillos verscheucht. Dieser sucht Carmen, die er liebt und begehrt. José, rasend vor Eifersucht, geht ihm mit seinem Messer zu Leibe. Escamillo scheint zu unterliegen, da kommen Carmen und die Schmuggler zurück und retten ihm das Leben. Dankbar lädt er alle zum nächsten Stierkampf nach Sevilla ein, des Lohnes gewiss, den ihm Carmens glühende Blicke verheissen. Drohend steht José zwischen ihr und dem zukünftigen Liebhaber. Da wagt sich Micaëla aus ihrem Versteck heraus und fleht José an, zur sterbenden Mutter heimzukehren. Carmen redet ihm spöttisch zu, froh ihn auf diese Weise loszuwerden. Ihre Liebe zu ihm ist längst erkaltet, jetzt treibt sie Escamillo zu. José folgt Micaëla zur Mutter, nicht ohne Carmen seine baldige Rückkehr anzukünden.
4. Akt: Platz vor der Arena in Sevilla. Das begeisterte Volk begrüsst vor dem Eingang seinen Liebling Escamillo, der mit Carmen erscheint. Bevor der Stierkämpfer die Arena betritt, erklärt er Carmen seine Liebe, die sie glühend erwidert. Sie will der Lohn seines Sieges sein. Zwei Freundinnen warnen sie vor José, den sie in der Nähe gesehen haben. Aber Carmen ist nicht das Weib, das sich fürchtet. Da vertritt ihr José auch schon den Weg in die Arena und fordert sie auf, mit ihm zu geben. Flehentlich bittet er sie, der unwürdigen Umgebung zu entfliehen, demütig zu ihren Füssen spricht er von seiner Liebe und Treue. Trotzig schleudert ihm Carmen seinen Ring vor die Füsse und bekennt ungerührt, dass sie Escamillo liebe, dessen Sieg in der Arena jetzt durch das laute Jubeln des Volkes erkennbar wird. Aufs höchste erregt, stösst José der Geliebten sein Messer in die Brust und sinkt mit den Worten: "Carmen, du mein angebetet Leben" gebrochen neben ihrer Leiche hin.

Beschreibung:

Carmen ist eine der populärsten Opern, obwohl oder vielleicht gerade weil Georges Bizet und seine Librettisten Henri Meilhac und Ludovic Halévy mit ihr eine Figur geschaffen haben, die in all ihren Deutungen rätselhaft bleiben wird. Aus der harten, rücksichtslosen Andalusierin in Prosper Mérimées Novelle von 1845 formten die Textautoren eine starke, vielschichtige Persönlichkeit, die zu den bedeutendsten Frauengestalten der Operngeschichte gehört. Was bewegt Carmen zu ihrem Handeln? Für wen oder was begibt sie sich in all diese Abenteuer? Für die Liebe, die Freiheit? Und was erhofft sie sich von Don José, einem ängstlichen Sergeanten aus Navarra, der für Carmen Bataillon und Braut verlässt, um sie am Ende aus Eifersucht zu töten? Carmen - eine Femme fatale, erotische Projektion, soziale Außenseiterin oder anarchistische Freiheitskämpferin?

Bizets letzte Oper kreist um eine unvereinbare Beziehung zwischen zwei konträren Charakteren, die letztlich selbstzerstörerisch wirkt. Sie atmet spanisches Kolorit, ohne konkrete Anleihen in der andalusischen Folklore zu suchen. Mit der federnden Spannung der Rhythmen, die oft Tanzcharakter haben, einer Farbigkeit der lnstrumentation und auch mit jener Vitalität und jähen Härte des scharf konturierten Ausdrucks hat sich Bizet das gleißend helle Ambiente Südspaniens erfunden, nach dem die Geschichte verlangt und das in seiner Exotik überzeugt. Als Auftragsarbeit der Pariser Opéra Comique 1875 uraufgeführt, enthält das Werk der Gattung entsprechend keine Rezitative, sondern gesprochene Dialoge.

Letzte Änderung am 14.12.2006