Eugen d'Albert (1864-1932):

Tiefland

englisch Lowland

Allgemeine Angaben zur Oper

Entstehungszeit: 1902-03
Uraufführung: 15. November 1903 in Prag unter Leo Blech
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 135 Minuten
Bemerkung: Das Werk umfasste bei der Uraufführung in Prag noch drei Akte. Da aber der Erfolg in Deutschland ausblieb, arbeiteten Lothar und d'Albert die Oper um, indem sie die Handlung strafften und in zwei bühnenwirksameren Akten unterbrachten.

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[Details]
Tiefland (Eterna, ADD, 1963)
Eugen D'Albert (1864-1932)

Orpheus 5 / 97: "Absolut prachtvoll gesungen. Eine der schönsten Opernaufnahmen überhaupt."

Zur Oper

Art: Musikdrama in einem Vorspiel und zwei Akten
Libretto: Rudolf Lothar nach dem Schauspiel "Terra baixa (1896)" des spanischen Dichters Angel Guimera
Sprache: deutsch
Ort: auf einer Hochalpe der Pyrenäen und im Tiefland von Katalonien (Spanien)
Zeit: 1903

Personen der Handlung

Sebastiano: ein reicher Grundbesitzer (Bariton)
Tommaso: Gemeindeältester (Bass)
Moruccio: Mühlknecht (Bariton)
Martha: Sebastianos Ziehtochter (Sopran)
Nuri: eine Magd, Marthas Freundin (Sopran)
Pepa: eine Magd (Sopran)
Antonia: eine Magd (Sopran)
Rosalia: eine Magd (Alt)
Pedro: ein Hirte (Tenor)
Nando: ein Hirte (Tenor)
Weitere: Dorfbewohner, Bauern und Landleute

Handlung

Prolog:

Eine felsige Halde hoch oben in den Pyrenäen.

Als Hirte seines Gutsherrn Sebastiano hat Pedro schon seit langem keine anderen Menschen mehr gesehen. Seine Einsamkeit fördert das Verlangen nach einer Gefährtin, und in seinen Träumen erscheint ihm eine schöne Frau. Ein Wurf mit seiner Steinschleuder wird ihm zeigen, aus welcher Richtung die Frau seiner Träume kommen wird. Doch stattdessen kommt sein Gutsherr Sebastiano. Er ist wütend, weil in der geschleuderte Stein fast getroffen hätte. Begleitet wird Sebastiano von Tommaso, dem Dorfältesten, und einer jungen Frau. Es ist Martha, sein Pflegekind, das er vor langer Zeit einem Vagabunden abgekauft und seither missbraucht hat.

Sebastiano hat einen Plan ausgeheckt, der ihm Geld einbringen wird und seinen Ruf wiederherstellen soll. Martha will er mit Pedro verheiraten, damit sie aus dem Haus ist und das Gerede aufhört. Pedro will er zum Müller im Tiefland machen, damit Martha in seiner Nähe bleibt, denn schließlich will er nicht auf das Vergnügen mit ihr verzichten. Er selbst möchte auch heiraten, selbstverständlich eine so wohlhabende Frau, dass seine Geldnot ein Ende hat.

Martha aber fürchtet sich vor einer erneuten Schmach, die ihr eine solche Vermählung brächte. Sie flieht hinunter ins Tiefland. Pedro sieht in Martha seine Frau aus den Träumen und eilt ihr nach.

1. Akt:

Im Innern der Mühle.

Moruccio, der Knecht in der Mühle, ist damit beschäftigt, Korn zu sieben und wird durch die drei hereinstürmenden Mägde Pepa, Antonia und Rosalia bedrängt, alles über die bevorstehende Hochzeit Marthas zu erzählen. Doch Moruccio erzählt nichts. Erst als Nuri hinzukommt und ihn mit ihrer Schwatzhaftigkeit überrollt, erfahren die vier, dass die Hochzeit heute Abend stattfinden wird. Martha erscheint und bereitet so dem Tratsch ein Ende. Sie bringt ihre Verzweiflung zum Ausdruck und ihren Hass auf Pedro, den sie ehelichen soll.

Die Dorfbewohner warten darauf, dass Pedro erscheint, um seine Braut zur Kirche zu geleiten. Unterdessen unternimmt Martha einen letzten verzweifelten Versuch, ihren Herrn Sebastiano umzustimmen. Doch sie trifft auf taube Ohren, mehr noch, er kündigt sogar an, dass er in der Hochzeitsnacht zu ihr kommen werde!

Während Bauern und Brautleute zur Kapelle ziehen, erfährt der Dorfälteste Tommaso von Moruccio die Hintergründe der Hochzeit und die teuflischen Pläne Sebastianos. Doch als Tommaso zur Kapelle eilen und die Hochzeit unterbinden will, ist es schon zu spät, die Trauung wurde bereits vollzogen.

Um den Begehrlichkeiten Sebastianos zu entgehen, verbringt Martha ihre Hochzeitsnacht nicht in der Kammer. Und Pedro weiß nicht, was er davon halten soll und wie er sich verhalten soll. Seine Annäherungsversuche Martha gegenüber erstickt sie im Keim. Erst als Pedro die Geschichte vom Wolf erzählt, der jede nach ein Geißlein holte, erkennt Martha Pedros guten Charakter und kommt mit ihm ins Gespräch.

Da flackert Licht in der Kammer auf. Sicher ist es Sebastiano, der gekommen ist, um seine Missetaten weiterzuführen. Doch diesmal ist Martha nicht für ihn da, sie verbringt die Nacht zusammen mit dem ahnungslosen Pedro in der großen Stube.

2. Akt:

Derselbe Schauplatz wie im ersten Aufzug.

Die Morgendämmerung bricht an, Martha wacht auf und betrachtet den schlafenden Pedro. In ihr regen sich erste Anzeichen von Liebe zu diesem treuen Hirten. Martha verlässt das Haus und ihr Freundin Nuri tritt ein. An einer neuen Jacke für Pedro strickend wartet sie, dass dieser erwacht. Und als er es tut ist er verwirrt, dass Nuri statt Martha in der Stube hockt. Hinaus in die Berge will er wieder, wo er glücklich und zufrieden war! Nuri redet ihm gut zu und verhindert, dass er sofort seine Siebensachen packt. Martha erscheint wieder und wird eifersüchtig, weil sich Pedro so gut mit Nuri versteht. Sie jagt Nuri aus dem Haus, doch Pedro geht gemeinsam mit ihr.

Tommaso und Martha treffen aufeinander, und dieser berichtet Martha, dass die Dorfbewohner Pedro verspotten, weil er so ahnungslos ist. Tommaso verachtet Martha, weil er erfahren hat, was sie und Sebastiano hinter Pedros Rücken tun. Martha erzählt ihm ihre Geschichte und all das Elend, welches sie seit Kindestagen ertragen musste, und Tommaso erkennt, dass alleine Sebastiano die Schuld an der Unglückseligkeit der armen Martha trägt. Martha berichtet auch, dass sie erkannt hat, dass Pedro sie wirklich liebt und ahnungslos ist. Tommaso bedrängt Martha, Pedro alles zu erzählen, und zwar persönlich.

Pedro stellt die vier Mägde zur Rede, doch sie sagen ihm nur, er solle Martha fragen und lachen. In Pedro erwächst das Gefühl, dass er von Martha betrogen wird. Als Martha und Pedro wieder in der Stube sind, teilt er ihr mit, dass er wieder in die Berge gehen wird. Martha fleht Pedro an, sie zu töten. Nein, so etwas tut er nicht. Wie eine Wahnsinnige lacht sie ihn aus und gesteht, dass die ihn betrogen hat. Pedro fuchtelt wütend mit einem Messer herum, und im Eifer des Gefechts verletzt er sie am Arm. Entsetzt beruhigen beide sich und gestehen einander ihre Liebe. Niemals wollte Pedro Martha verletzen! Martha will Pedro nun die ganze Wahrheit erzählen, doch das muss warten, bis sie in den Bergen sind, weitab von allem.

Auf dem Weg durchs Dorf treffen sie auf Sebastiano, der wieder Gewalt über Martha erhält und sie zum Tanzen zwingt. Die Situation eskaliert, Pedro legt sich mit Sebastiano an, der behauptet, Martha sei sein Eigentum. Als herauskommt, dass Sebastiano derjenige ist, der des Nachts in Marthas Kammer kommt, wird Pedro rasend und will ihn töten. Die Bauern halten ihn fest und Martha sinkt ohnmächtig zu Boden.

Tommaso erscheint und lässt Sebastiano recht herzlich von seinem zukünftigen Schwiegervater grüßen. Er solle sich die Heirat aus dem Kopfe schlagen, denn daraus werde nichts. Schließlich hat Tommaso diesem alles berichtet. Rasend vor Zorn will Sebastiano nun Martha zur Liebe zu ihm zwingen. Gnade kennt er nicht, es gibt nur seinen Willen und sonst nichts! Als Sebastiano sich auf Martha stürzt, um mit seinen Küssen ihren Mund zu schließen, springt Pedro herbei und bedroht Sebastiano mit einem Messer. Er fordert Sebastiano zum Zweikampf! Da ein zweites Messer fehlt, wirft Pedro seines zur Seite, ein Kampf mit bloßen Händen soll es werden. Aber der hinterlistige Sebastiano stürzt sich auf das Messer und will es gegen Pedro richten. Dieser ist schneller, stellt einen Fuß auf das Messer und fasst seinen Gegner am Halse. Wie eine Kerze, die der Wind verlöscht, löscht Pedro Sebastianos Leben aus und erwürgt ihn.

Hinauf in die Berge, hinauf zu Licht und Freiheit, fort aus dem Tiefland zieht es Martha und Pedro nun! Er hat den Wolf erwürgt, den Wolf hat er getötet! Er hebt Martha in seine Arme und trägt sie fort.


Letzte Änderung am 20.1.2008
Beitrag von Markus Hillenbrand