Karl Millöcker (1842-1899):

Der Bettelstudent

englisch The Beggar Student / französisch L'étudiant pauvre

Allgemeine Angaben zur Operette

Uraufführung: 6. Dezember 1882 am Theater an der Wien
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Bemerkung: Eine überquellende Fülle mitreißender Melodien, die sich zum Nachsingen eignen, garantieren der Operette aus der goldenen Wiener Ära bis heute hohe Aufführungszahlen. Besonders eingängig sind die Gesangsnummern:

- Ach ich hab’ sie ja nur auf die Schulter geküsst
- Ich knüpfte manche zarte Bande
- Ich hab’ kein Geld, bin vogelfrei
- Ich setz’ den Fall
- Nur das eine bitt’ ich dich

Die Figur des Enterich erinnert an den Gefängniswärter Frosch in der Strauss-Operette 'Die Fledermaus'.

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Der Bettelstudent (Warner, ADD, 1967)
Carl Millöcker (1842-1899)

Künstler: Hermann Prey, Nicolai Gedda, Renate Holm, Rita Streich, Symphonie-Orchester Graunke, Franz Allers

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Der Bettelstudent (Videoland, 2013)
Carl Millöcker (1842-1899)

Künstler: Uwe Theimer, Ralf Nürnberger, Yadegar Asisi, Susanne Thomasberger, Günter Fruhmann, Festival Orchester Mörbisch, Bauernkapelle St. Georgen, Uwe Theimer

Zur Operette

Art: Operette in drei Akten
Libretto: Friedrich Zell und Richard Genée nach Victorien Sardous Theaterstück "Les Noces de Fernande"
Sprache: deutsch
Ort: Krakau
Zeit: 1704

Personen der Handlung

Palmatica: Gräfin Nowalska (Alt)
Laura: Palmaticas Tochter (Sopran)
Bronislawa: Palmaticas Tochter (Sopran)
Oberst Ollendorf: Gouverneur von Krakau (Bariton)
Symon Rymanowicz: Student (Tenor)
Jan Janicki: Student (Tenor)
Enterich: Gefängniswärter (Sprechrolle)
Weitere: Gefangene, Ehefrauen, Hochzeitsgäste

Handlung

1. Akt:

Obwohl das Vermögen aufgezehrt ist, trägt die Gräfin Palmatica die Nase hoch. Der Gatte, den sie für ihre Tochter Laura auswählen wird, soll beides sein, vermögend und von hohem Adel.

Oberst Ollendorf erfüllt die zweite Voraussetzung nicht. Trotzdem hat er sich bei einem Ball an die Tochter Laura herangemacht und ihr ungezogenerweise einen fetten Schmatz auf die Schulter gedrückt. In der heutigen Zeit tragen die Mädchen den Bauchnabel frei, und damals waren es schöne Schultern, welche die Männer reizen und zur Sünde verführen sollten. Man verstehe Laura, wenn sie es nicht mag, dass ihre edlen Rundungen von einem Lüstling in der Öffentlichkeit vollgeseibert werden. Sie reagiert instinktiv weiblich und knallt dem Überraschten ihren Fächer ins Gesicht. Dieser fühlt sich blamiert und reagiert tödlich beleidigt. Mit der weltberühmten Arie "Ach ich hab’ sie ja nur auf die Schulter geküsst" macht er seinen Empfindungen Luft und erwartet, dass man ihn bedauert. Statt Mitgefühl erntet er aber nur Spott - und folgerichtig sinnt er auf Rache. Dabei kann er noch froh sein, dass die Abgeschleckte keine Blumenvase auf seinem Kopf zertrümmert hat. Andererseits hätte es Lauras Klugheit erfordert, Opfer zu bringen, weil die Mittel, um standesgemäß stolzieren zu können, aufgebraucht sind. Tatsächlich sind die Kowalskas so arm geworden, dass man sich zu dritt ein Schnupftuch teilen muss.

August der Starke ist als König von Polen offenbar nicht sehr beliebt. Die Zitadelle, welche Oberst Ollendorf unterstellt ist, füllt sich mit aufsässigen polnischen Studenten, welche die Sachsen aus dem Land vertreiben möchten. Zu ihnen gehören auch Symon und Jan, die Ollendorf für ausreichend talentiert hält, um mit ihnen ein Ränkespiel einzustudieren. Symon, der sich selbst Bettelstudent nennt, erhält feinste Garderobe und darf sich als Fürst Wibicki ausweisen, und Jan wird ihm als Sekretär an die Seite gestellt. Die unfreiwilligen Hochstapler finden freundliche Aufnahme im Hause der Gräfin Palmatica, und die zarten Bande zwischen den Töchtern knüpfen sich fast von alleine. Ein Fürst mit Immobilien und Geld, von weiter Reise zurückgekehrt, kommt der Mutter gerade recht, so dass sie gegen eine baldige Verlobung nichts einzuwenden hat.

2. Akt:

Der Gouverneur hat nicht einkalkuliert, dass Comtesse Laura und Symon sich tatsächlich ineinander verlieben könnten. Der Student will das unwürdige Spiel nicht länger mitmachen und droht, alles zu verraten. Schließlich gelingt es dem Schurken Ollendorf doch noch, den Bettelstudenten zu beschwatzen. Jan hat sich in das Pummelchen Bronislawa verliebt und kommt von ihr nicht mehr los. Nebenbei nimmt er sich Zeit, den Aufstand gegen die sächsische Besatzungsmacht zu schüren.

Die Gemeinheit des Gouverneurs besteht nun darin, den beiden Liebenden das Wonnegefühl an der Hochzeitsfeier zu verderben. Er hat den Gefängnisaufseher Enterich angewiesen, mit den politischen Gefangenen zur Hochzeitsfeier anzurücken, um die alte Gräfin und Comtesse Laura zu kompromittieren. Das gelingt auch, denn die zerlumpten Gesellen identifizieren den Bräutigam als Mitgefangenen. Symon will den Schurken Ollendorf mit dem Säbel zur Rechenschaft ziehen - eine Unbesonnenheit, die Jan verhindert. Laura flüchtet sich in die Arme der Mutter, die einer Ohnmacht nahe ist. Bronislawa ist bedrückt. Wird Jan sie verlassen?

3. Akt:

Symon sieht sich der Situation nicht mehr gewachsen, ist in den Schlossgarten geflüchtet und will Selbstmord begehen. Nun beginnt Jan zu intrigieren. Er gibt sich als Hauptmann Lesczinsky zu erkennen und kann Symon für seine Pläne, die auf die Befreiung Polens abzielen, begeistern. Um Ollendorf zu täuschen, gibt er den Bettelstudenten fälschlich für den Herzog Kasimir aus und bewirkt mit dem scheinbaren Verrat seine Freilassung. Die Zitadelle wird mit Hilfe der Aufständischen, die von Jan mobilisiert und vom wirklichen Herzog anführt werden, gestürmt und die Wachen entwaffnet.

Damit das glückliche Ende der Geschichte gewährleistet ist, wird Symon auf Fürsprache Jans geadelt, so dass die Gräfin einer dauerhaften Verbindung mit Laura nichts weiter entgegenzusetzen möchte. Das Problem, die Finanzen zu sanieren, übernimmt Bronislawa, denn ihr Jan ist betucht, dazu hochanständig und hochwohlgeboren.


Letzte Änderung am 22.11.2006
Beitrag von Engelbert Hellen