Igor Fjodorowitsch Strawinski (1882-1971):

Mawra [Мавра]

deutsch Mawra / englisch Mavra / französisch Mavra

Allgemeine Angaben zur Oper

Widmung: Peter Iljitsch Tschaikowski
Entstehungszeit: 1921/22
Uraufführung: 3. Juni 1922 in Paris (Grand Opéra)
Dirigent: Gregor Fitelberg
Besetzung: Soli (Sopran, Mezzosopran, Alt, Tenor) und Orchester
Spieldauer: ca. 30 Minuten
Erstdruck: Berlin u.a.: Russischer Musikverlag, 1925
Verlag: London und New York: Boosey & Hawkes, 1969

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[Details]
Mavra (Oper in 1 Akt) (Chandos, DDD, 97)
Igor Strawinsky (1882-1971)

M. B. Weiß in KLASSIK heute 8 / 98: "Gegen Strawinskys eigene Einspielung (1964) gehalten, tönen sie etwas aus der Ferne; dafür agiert das bläserdominierte Or- chester delikater als einst die CBC-Sinfoniker. Genau diese Delikatesse macht die Bläserstücke zur neuen Referenz."

Zur Oper

Art: Opéra buffa in 1 Akt
Libretto: Boris Kochno nach der Novelle „Das Häuschen in Kolomna“ von Alexander Puschkin
Sprache: russisch
Ort: Russland
Zeit: 18. Jahrhundert

Personen der Handlung

Parascha: ein verliebtes junges Mädchen (Sopran)
Wassilij: ein Husar, Paraschas Anbeter (Tenor)
Die Nachbarin: (Mezzosopran)
Paraschas Mutter: (Alt)

Handlung

Aus nicht nachvollziehbaren Gründen hat die Mutter etwas dagegen, dass Parascha ihr ungestümes Herz an einen jungen Mann verschenkt. Aber nicht immer ist Mamuschka zu Hause. Dann steht Wassilij unter dem Fenster und klopft an den Holzrahmen. Die beiden flüstern miteinander und beraten, wann und wo sie ungestört beisammen sein können. Hätte die Mutter mehr Verständnis, könnte sie den schmucken Husaren kurzerhand einladen, um seine beruflichen Zukunftschancen auszuloten. Aber nachdem die tüchtige Magd altersbedingt den Geist in die Hände ihres Schöpfers zurückgegeben hat, bleibt der Zurückgebliebenen nichts anderes übrig, als zu bedauern, im Haushalt keine Hilfe mehr zu haben. Selbst habe sie Schmerzen im Kreuz und sei nicht in der Lage, den Fußboden zu wischen und Parascha habe keine Lust, Töpfe zu kratzen. Deshalb macht die Gescholtene sich nun auf den Weg in die Stadt, um nach einer Hilfe für den Haushalt Ausschau zu halten, damit das Jammern endlich ein Ende findet. Immerzu lobt die Mutter die verstorbene Magd über den grünen Klee, dass ihr alles flink von der Hand gegangen sei. Die jungen Mädchen von heute haben leider nichts anderes im Kopf, als den Burschen den Kopf zu verdrehen, erzählt die Witwe der aufmerksam lauschenden Nachbarin.

Parascha hatte Erfolg und kommt mit einem neuen Dienstmädchen zurück. Eine gesunde kräftige Person steht der überaus kritischen Mutter gegenüber und versucht, mit einem bezaubernden Lächeln den alten Besen für sich einzunehmen. Das neue Hausmädchen darf bleiben und Parascha soll es in seine neue Aufgabe einführen, während sie ein Schwätzchen bei der Nachbarin halten wird. Der Opernbesucher hat schnell herausgefunden, dass das kräftige Dienstmädchen niemand anders ist als der schlitzohrige Husar. Die beiden sind glücklich, endlich miteinander allein zu sein. Der Zustand hält allerdings nicht lange an, denn die Mutter kommt von der Nachbarin zurück und gemeinsam mit Parascha will sie einen Stadtbummel machen. Unterwegs fällt ihr aber ein, dass es nicht ratsam ist, die Neue allein wirtschaften zu lassen. Bisher hat sie noch nicht testen können, ob sie ehrlich und auch dann noch flink ist und sich geschickt anstellt, wenn sie sich unbeobachtet fühlt. Auf halbem Weg beschließt sie umzukehren und erlebt dann eine Überraschung, die sich tatsächlich in den kühnsten Träumen nicht ausmalen konnte. Steht doch die fremde Person vor dem Spiegel und rasiert sich!

Der Schrecken auf beiden Seiten ist groß. Die Mutter gleitet ohnmächtig zu Boden und der Husar stützt sich sich mit der Hand auf dem Fensterbrett ab, macht einen Satz, und schon ist er draußen. Parascha ist der Mutter nachgelaufen, sieht das Debakel und ruft dem Schatz verzweifelt aus dem Fenster hinterher. Doch Wassilij ist bereits über alle Berge und wird darauf verzichten, jemals wieder zurückzukommen.


Letzte Änderung am 26.12.2016
Beitrag von Engelbert Hellen