Arthur Sullivan (1842-1900):

The Mikado, or The Town of Titipu

deutsch Der Mikado oder Ein Tag in Titipu

Allgemeine Angaben zur Operette

Entstehungszeit: 1880-85 ?
Uraufführung: 14. März 1885 in London
Besetzung: 2 Flöten, Oboe, 2 Klarinetten, Fagott, 2 Hörner, Trompete, 2 Posaunen, Harfe und Streichorchester
Erstdruck: Leipzig: R. Forberg, 1885
Verlag: Delaware Water Gap, Pa. : Shawnee Press, 1985
Bemerkung: Der Mikado ist eine beißende Satire und nimmt exotische Bräuche, absichtlich missverstanden, auf Korn. Die Musik des Gespanns Gilbert und Sullivan ist wie gewohnt spritzig. Aus der Vielfalt von Produktionen der beiden ist „Der Mikado“ die bekannteste.

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5 Operetten-Gesamtaufnahmen (Telarc, DDD, 91-94)
Arthur Sullivan (1842-1900)

T. Rübenacker in stereoplay 3 / 95: "Allerdings, für diese eleganteste Operetten-Farce des Teams Gilbert & Sullivan muß man Englisch können. Mackerras dirigiert wie schon beim "Mikado" und den "Pirates of Penzance" mit Witz und rhythmi- scher Verve, deren feine Zügelung ganz im Sinne der Autoren ist; jede Vulgarität war ihnen fremd, der Humor ist ein beiläufiger, ein florett- haft pointierter. Starker Beifall also für diese Aufnahme - fein gezügelt, versteht sich." (zu HMS Pinafore)

Zur Operette

Art: Operette in zwei Teilen
Libretto: Sir William Gilbert
Sprache: englisch
Ort: Japan
Zeit: in historischer Zeit

Personen der Handlung

Der Mikado von Japan: (Bass)
Nanki-Poo: sein Sohn, ein wandernder Musikant (Tenor)
Yum-Yum: Mündel von Ko-Ko, umworben von Nanki-Poo (Sopran)
Ko-Ko: der Scharfrichter von Titipu (Komischer Bariton)
Katisha: eine ältere Dame (Subrette)
Poo-Bah: Minister aller Resorts (Bass-Bariton)
Pish-Tush: ein vornehmer Adeliger (Bariton/Bass-Bariton)
Pitti-Sing: Schwester von Yum-Yum (Mezzosopran)
Peep-Bo: Schwester von Yum-Yum (Sopran)
Ki-Ki-Ki: ohne Funktion
Weitere: Edle, Wachen, Volk

Handlung

1. Akt:

Ko-Ko ist der Scharfrichter von Titipu und hält Hof in seinem schönen Palast mit vielen Porzellan-Vasen. Bei ihm wohnt sein Mündel Yum-Yum mit ihren beiden Schwestern. Nanki-Poo, ein Musiker auf Wanderschaft, kommt dem Hausherrn gelegen, um mit seinem Saiteninstrument die Gäste aufzumuntern – alles vornehme Japaner. In Wirklichkeit kennt er Yum-Yum schon länger und ist in sie verliebt. Sein Besuch ist gezielt. Er hat ernste Absichten, die sich aber nicht verwirklichen lassen, weil der Vormund wie in der italienischen Opera buffa selbst ein Auge auf sein schönes Mündel geworfen hat.

Es trifft sich gut, dass der Mikado verärgert ist, weil keine Hinrichtungen mehr stattfinden, er aber seinen Henker nicht ohne Arbeit lassen und einem solchen Schauspiel wieder einmal beiwohnen möchte. Die Menschen gehen in dem Städtchen friedlich miteinander um, und Ko-Ko erläutert, dass er keine Möglichkeit sieht, das Beil des Henkers zu schwingen. Wird er innerhalb kurzer Zeit keine Möglichkeit finden, einen Kopf rollen zu lassen, wird es sein eigener sein – so lautet das strenge Dekret des Mikado.

Hier sieht Nanki-Poo seine Chance. Er stellt sich dem Henker als Opfer freiwillig zur Verfügung, knüpft aber daran die Bedingung, dass der Vormund ihm die Erlaubnis gibt, die kleine Yum-Yum, die er über alles liebt, zu heiraten. Für die Zeit bis zur Hinrichtung möchte er wenigstens glücklich sein. Der Vormund sieht es ein.

Es ist aber nicht allein die Liebe, die den Verwirrten zu diesem riskanten Schritt treibt, sondern er ist auf der Flucht vor furchtbarem Schicksal. Was niemand weiß: Er ist der Sohn des Mikado und soll gemäß dem Willen des Vaters eine dominante ältere Hofdame mit bösartigem Charakter heiraten. Wenn er aber anderweitig gesetzlich gebunden ist, wird das Ungeheuer – so kalkuliert er - von ihm ablassen. Bezüglich seines Ablebens müsste über neue Lösungen nachgedacht werden.

Über Lösungen denkt auch Katisha nach. Die Ungebetene erscheint als Störfaktor auf der Hochzeit, wird aber - um die Handgreiflichkeiten gegen den Bräutigam zu reduzieren - von den Gästen auf Distanz gehalten. Alles wird sie dem Mikado erzählen. Die Hintergangene setzt Ko-Ko unter Druck: Wenn er es wagt, den Sohn des Mikado zu enthaupten, wird man ihn in heißem Öl sieden. Nanki-Poo begibt sich in den Untergrund, um einer Hochzeit mit Katisha zu entgehen.

2. Akt:

Der Mikado selbst kündigt sein Erscheinen an. Er will sich von der vollzogenen Hinrichtung selbst überzeugen, denn er mutmaßt, dass Ko-Ko ihn belogen hat. Die angeblich stattgefundene Hinrichtung hat dieser sich von untertänigen Freunden schriftlich bestätigen lassen. Jetzt ist Ko-Ko in Nöten und lässt nach dem versteckten Nanki-Poo suchen, damit ihm wenigstens das heiße Bad erspart bleibt. Verzweifelt wendet er sich an den Untergetauchten, ein Einsehen zu haben. Doch von den Toten will Nanki-Poo erst auferstehen, wenn Katisha verheiratet ist, damit sie ihm nicht mehr gefährlich werden kann. Wer soll Katisha heiraten wollen? Natürlich Ko-Ko! Wer sonst? Ihm bleibt nichts anderes übrig, und Katisha findet die Lösung akzeptabel, da Nanki-Poo offenbar tot ist. Nachdem die Ehe zwischen Ko-Ko und Katisha geschlossen ist, darf Nanki-Poo von den Toten auferstehen!

Der Mikado ist glücklich, dass der Sohn wieder in den Palast zurückkehrt und verzichtet auf eine Bestrafung des ungetreuen Henkers. Der Prinz darf Yum-Yum heiraten. Die Hofdame wechselt hinüber in den Palast von Ko-Ko und nimmt einen sanftmütigen Charakter an. Allen ist geholfen. Man setzt ein fernöstliches Lächeln auf, und frohgestimmt verneigt man sich vor dem Publikum.


Letzte Änderung am 9.7.2007
Veröffentlichung mit Zustimmung von musirony